Real Madrids Wunder in Rom: Warum Mourinho seine eigene Startelf widerlegte

Real Madrid hat mit dem spektakulären 4:3 gegen die AS Rom einmal mehr seine außergewöhnliche Champions-League-Mentalität bewiesen. Doch hinter der historischen Aufholjagd verbergen sich grundlegende Probleme im Spiel der Königlichen. José Mourinhos ursprünglicher Plan scheiterte, ehe Arda Güler, Bernardo Silva, Endrick und Carlos Espí die Partie veränderten. Der Erfolg wirft eine entscheidende Frage auf: Hat Real Madrid in Rom endlich die Lösung für seine spielerischen Schwierigkeiten gefunden?

Ein historischer Sieg, der viele Fragen aufwirft

Es gibt Spiele, die nur Real Madrid auf diese Weise gewinnen kann. Als die Königlichen im Stadio Olimpico in der 82. Minute mit 1:3 zurücklagen, schien die Begegnung entschieden. Die AS Rom hatte über weite Strecken dominiert, Real Madrid fand kaum Lösungen und José Mourinho stand bei seiner Rückkehr an die frühere Wirkungsstätte vor einer bitteren Niederlage.

Wenige Minuten später war alles anders. Carlos Espí verkürzte, Endrick erzielte den Ausgleich und Antonio Rüdiger vollendete die Aufholjagd zum 4:3. Drei Tore in der Schlussphase, drei entscheidende Standardsituationen und ein weiterer europäischer Abend, der in die Geschichte des Klubs eingehen dürfte.

Doch so beeindruckend diese Aufholjagd auch war, sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwach Real Madrid zuvor aufgetreten war. Über weite Strecken fehlten der Mannschaft Kontrolle, Kreativität und eine funktionierende Verbindung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Die Roma wirkte taktisch besser vorbereitet, aggressiver und im Spiel mit dem Ball deutlich sicherer. Erst als Mourinho seine personelle und taktische Ausrichtung grundlegend veränderte, gelang es den Königlichen, die Kontrolle zu übernehmen.

Das Ergebnis ist deshalb ebenso außergewöhnlich wie widersprüchlich. Real Madrid gewann ein Spiel, in dem die Mannschaft lange Zeit kaum wie ein ernsthafter Titelkandidat auftrat. Der Sieg beweist die enorme individuelle Qualität des Kaders. Gleichzeitig wirft er die Frage auf, weshalb diese Qualität erst so spät zur Entfaltung kam.

14.10.2026 · 21:00 UEFA Champions League 2. Spieltag
AS Roma 3:4 Real Madrid
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Das Mittelfeldproblem: Mourinho verzichtet auf seine besten Spielgestalter

Eine der wichtigsten Ursachen für die Schwierigkeiten lag in Mourinhos ursprünglicher Aufstellung. Der Portugiese setzte im zentralen Mittelfeld erneut auf Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni. Beide besitzen außergewöhnliche körperliche und defensive Qualitäten. Sie können große Räume abdecken, Zweikämpfe gewinnen und gegnerische Angriffe unterbrechen. Was ihnen in dieser Kombination jedoch fehlt, ist die Fähigkeit, das Spiel über längere Phasen kreativ zu organisieren. Das Problem wurde bereits am Wochenende gegen Villareal deutlich.

Gegen die aggressive Manndeckung der Roma wurde dieses Problem besonders deutlich. Gian Piero Gasperinis Mannschaft attackierte Real Madrid früh, stellte die Passwege ins Zentrum zu und zwang die Königlichen immer wieder zu langen Bällen. Statt das Pressing durch Positionswechsel, kurze Kombinationen oder gezielte Ballführungen aufzulösen, wurde Thibaut Courtois häufig zum wichtigsten Ausgangspunkt des Spielaufbaus.

Besonders auffällig: Der Belgier verzeichnete in der ersten Halbzeit die meisten Ballkontakte aller Real-Madrid-Spieler. Nach den vorliegenden Spieldaten versuchte er insgesamt 17 lange Zuspiele, von denen lediglich drei ihr Ziel erreichten. Diese Zahlen verdeutlichen das grundlegende Problem. Real Madrid verzichtete weitgehend darauf, das Mittelfeld kontrolliert zu überspielen, und suchte stattdessen den direkten Weg zu Mbappé, Vinícius oder Diomande. Doch auch dieser Ansatz funktionierte kaum. Die Offensivspieler konnten sich in den direkten Duellen zu selten behaupten, während die nachrückenden Mittelfeldspieler häufig nicht rechtzeitig zur Stelle waren, um zweite Bälle zu sichern.

Das Ergebnis war eine Mannschaft, die in zwei Teile zerfiel. Zwischen Abwehr und Angriff entstanden große Abstände, die Ballverluste häuften sich und die Roma konnte ihre Angriffe immer wieder aus einer guten Ausgangsposition starten. Dabei saßen mit Arda Güler und Bernardo Silva ausgerechnet zwei Spieler auf der Bank, die über jene Fähigkeiten verfügen, die Real Madrid in dieser Phase so dringend benötigte. Beide können sich unter Druck anbieten, das Spieltempo kontrollieren und mit präzisen Pässen neue Räume öffnen. Ihre Qualitäten unterscheiden sich von denen Valverdes und Tchouaménis, könnten diese aber hervorragend ergänzen.

Mourinho entschied sich zunächst für körperliche Stabilität und defensive Absicherung. Doch gegen die Roma zeigte sich, dass eine Mannschaft nicht automatisch stabiler wird, wenn sie auf kreative Mittelfeldspieler verzichtet.

Wer den Ball nicht kontrollieren kann, muss ihn ständig zurückerobern. Genau das wurde für Real Madrid zum Problem.


Arda Güler verändert das Spiel – und stellt Mourinho vor eine Entscheidung

Der größte Unterschied zwischen dem Real Madrid der ersten 70 Minuten und der Mannschaft in der Schlussphase hatte einen Namen: Arda Güler. Der türkische Nationalspieler musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, obwohl er in den bisherigen Saisonspielen wiederholt zu den auffälligsten Akteuren der Königlichen gehört hatte.

Mourinho bevorzugte eine offensive Besetzung mit Vinícius, Diomande, Bellingham und Mbappé. Dahinter sollten Valverde und Tchouaméni die notwendige Balance herstellen. Für Güler blieb in dieser Konstellation kein Platz. Eine Entscheidung, die nach dem Spiel noch kritischer betrachtet werden muss.

Mit seiner Einwechslung veränderte sich das Madrider Spiel spürbar. Güler suchte konsequent den Ball, bewegte sich zwischen den Linien und bot seinen Mitspielern neue Anspielstationen. Statt sich ausschließlich auf lange Zuspiele und individuelle Aktionen zu verlassen, konnte Real Madrid wieder kontrollierter kombinieren. Auch Bernardo Silva brachte nach seiner Einwechslung zusätzliche Ruhe und technische Sicherheit. Der Portugiese half dabei, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und die Offensive besser einzubinden.

Die Veränderung betraf jedoch nicht nur den Ballbesitz. Real Madrid agierte insgesamt mutiger, rückte geschlossen nach vorne und setzte die Roma zunehmend unter Druck. Gleichzeitig profitierte die Mannschaft davon, dass die Gastgeber ihre enorme Intensität nicht über die gesamte Spielzeit aufrechterhalten konnten. Hinzu kamen personelle Veränderungen bei den Italienern, die vor allem in der Defensive an Stabilität verloren. Gülers Einfluss war trotzdem unverkennbar.

Besonders bei Standardsituationen zeigte der Türke seine Qualität. Beim zweiten Treffer schlug er die Flanke in den Strafraum, beim Ausgleich durch Endrick brachte er den Eckball präzise in den Strafraum. Auch der entscheidende Treffer von Rüdiger entstand nach einer Ecke des 21-Jährigen. Damit war Güler unmittelbar an drei der drei späten Tore beteiligt.

Seine Leistung unterstreicht eine Entwicklung, die bereits in den vergangenen Wochen zu beobachten war: Real Madrid benötigt seine Kreativität. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Güler jedes Spiel über 90 Minuten absolvieren muss. Auch seine körperliche Belastbarkeit und die Anforderungen unterschiedlicher Gegner spielen eine Rolle. Doch die wiederholten Schwierigkeiten ohne ihn werfen zunehmend die Frage auf, ob Mourinho seine Mannschaft nicht stärker um die spielerischen Qualitäten des Türken herum aufbauen sollte.

Die Kombination aus Güler im Zentrum und Valverde in einer breiteren Rolle hatte bereits gegen Villarreal funktioniert. In Rom lieferte sie erneut interessante Ansätze. Valverde kann seine Geschwindigkeit, Dynamik und Laufstärke auf der rechten Seite gezielt einsetzen. Güler wiederum bekommt zentral mehr Möglichkeiten, das Spiel zu gestalten.

Vielleicht liegt eine der wichtigsten Lösungen für Real Madrid nicht auf dem Transfermarkt, sondern bereits im eigenen Kader.

#15 🇹🇷 Arda Güler Arda Güler Mittelfeld 11Spiele 3Tore 4Assists Zum Spielerprofil

Vinícius enttäuscht erneut – Endrick und Espí nutzen ihre Chance

Während Güler und die übrigen Einwechselspieler zu den Gewinnern des Abends gehörten, erlebte Vinícius Júnior die nächste schwierige Begegnung. Der Brasilianer kehrte nach seinem Bankplatz gegen Villarreal in die Startelf zurück. Doch auch in Rom gelang es ihm nicht, seine gewohnte Durchschlagskraft zu entwickeln. Bereits in der ersten Halbzeit hatte Vinícius große Schwierigkeiten, die defensive Unterstützung für Marc Cucurella sicherzustellen. Die Roma nutzte diese Räume konsequent aus und erzeugte über Wesley und Soulé wiederholt Überzahlsituationen.

Mourinho versuchte zur Halbzeit gegenzusteuern, indem er Vinícius auf die rechte Seite und Diomande nach links beorderte. Doch auch diese Anpassung brachte nicht die erhoffte Verbesserung. Besonders schwer wog der unnötige Ballverlust des Brasilianers vor dem zweiten Gegentreffer. Ein riskanter Hackentrick in einer ungünstigen Situation ermöglichte der Roma einen schnellen Angriff, den Donyell Malen zum 2:1 abschloss. Mourinho reagierte später mit der Auswechslung von Vinícius, der darüber sichtbar frustriert war.

Nach der Partie verteidigte der Trainer seinen Spieler und verwies insbesondere auf Gasperinis taktische Überraschung. Gleichzeitig räumte Vinícius selbst ein, derzeit nicht seine beste Form zu erreichen. Die sportliche Realität bleibt jedoch bestehen: Real Madrid benötigt mehr von seinem Offensivstar. Dabei geht es nicht ausschließlich um Tore. Vinícius muss wieder häufiger direkte Duelle gewinnen, seine Entscheidungen im letzten Drittel verbessern und seine defensiven Aufgaben konsequenter erfüllen. Seine Situation wird durch die Vier-Spiele-Sperre in LaLiga zusätzlich erschwert. Während Vinícius weiterhin nach seiner Form sucht, drängen sich andere Spieler zunehmend auf.

#7 🇧🇷 Vini Jr. Vini Jr. Angriff 11Spiele 1Tore 3Assists Zum Spielerprofil

Endrick und Espí verändern die Hierarchie im Angriff

Besonders bemerkenswert war der Auftritt von Endrick. Der Brasilianer hatte vor dem Roma-Spiel in dieser Saison lediglich vier Einsatzminuten gesammelt. Nach seiner Verletzung und der anschließenden schwierigen Phase erhielt er nun endlich die Gelegenheit, sich auf der großen europäischen Bühne zu beweisen. Endrick brachte sofort Energie, Tempo und Entschlossenheit in die Offensive. Er suchte die direkten Duelle, bewegte sich aktiv in freie Räume und stellte die zunehmend erschöpfte Roma-Defensive vor neue Probleme. Sein Kopfball zum 3:3 war der Höhepunkt einer Leistung, für die er anschließend als bester Spieler ausgezeichnet wurde.

Auch Carlos Espí setzte ein weiteres Ausrufezeichen. Der junge Spanier kam erst in der Schlussphase und erzielte den wichtigen Anschlusstreffer zum 2:3, nachdem Gollini zuvor einen Kopfball von Endrick abgewehrt hatte. Espí hatte bereits während der Länderspielpause mit fünf Toren für Spaniens U21 gegen San Marino auf sich aufmerksam gemacht. In Rom bestätigte er erneut seine Abschlussqualitäten. Die Leistungen beider Angreifer werfen eine interessante Frage auf: Warum haben sie bislang so wenig Einsatzzeit erhalten?

Natürlich ist die Konkurrenz bei Real Madrid außergewöhnlich groß. Mit Mbappé steht einer der besten Torjäger der Welt im Kader. Dennoch benötigt eine Mannschaft, die in mehreren Wettbewerben erfolgreich sein will, unterschiedliche offensive Lösungen. Endrick bringt Dynamik und Unberechenbarkeit, Espí Präsenz im Strafraum und einen ausgeprägten Torinstinkt. Beide können einer Partie Eigenschaften geben, die der Mannschaft in bestimmten Situationen fehlen. Mourinho muss daraus nicht zwingend sofort Startelfplätze ableiten. Aber nach diesem Abend haben beide starke Argumente für mehr Einsatzzeit geliefert.

#9 🇧🇷 Endrick Endrick Angriff 3Spiele 1Tore 0Assists Zum Spielerprofil

Drei Standards entscheiden die Partie – Mourinhos Wechsel verdienen Anerkennung

So berechtigt die Kritik an der ursprünglichen Spielidee ist, so wichtig bleibt eine differenzierte Bewertung von Mourinhos Entscheidungen. Der Portugiese erklärte nach der Partie, dass er bewusst mit einer körperlich robusteren Mannschaft begonnen habe. Seine Überlegung war, der enormen Intensität der Roma zunächst standzuhalten und später mit frischen Offensivspielern die nachlassenden Kräfte der Gastgeber auszunutzen.

Tatsächlich entwickelte sich die Begegnung in der Schlussphase genau in diese Richtung. Mourinho reagierte auf den Rückstand, veränderte die Struktur seiner Mannschaft und brachte Spieler, die unmittelbar Einfluss nahmen. Mit Valverde auf der rechten Abwehrseite konnte er zusätzliche offensive Optionen schaffen, ohne vollständig auf Absicherung zu verzichten. Auch die personellen Veränderungen der Roma spielten ihm in die Karten. Manu Koné musste bereits früh ausgewechselt werden, Paulo Dybala blieb nach der Halbzeit in der Kabine. Später verließen auch Mancini und Hermoso das Spielfeld. Die Gastgeber verloren dadurch wichtige Spieler für die Organisation und Stabilität ihrer Defensive.

Entscheidend war schließlich die Qualität bei ruhenden Bällen. Alle drei späten Treffer von Real Madrid entstanden aus Standardsituationen. Zunächst verwertete Espí einen Abpraller nach einer abgewehrten Kopfballchance von Endrick. Wenig später köpfte der Brasilianer eine Güler-Ecke zum Ausgleich ins Tor. Schließlich nutzte Rüdiger eine weitere Ecke des Türken zum Siegtreffer. Die Roma wirkte in diesen Momenten völlig überfordert. Ihre zuvor so konsequente Defensive verlor die Zuordnung und ließ den Madrider Angreifern entscheidende Freiräume. Mourinhos Wechsel waren deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs.

Allerdings muss zwischen einer gelungenen Reaktion und einem von Beginn an überzeugenden Plan unterschieden werden. Der Trainer hatte selbst eingeräumt, dass er die Aufholjagd nicht in dieser Form vorausgesehen hatte. Seine Entscheidungen verbesserten die Mannschaft, doch sie korrigierten zugleich Probleme, die durch seine ursprüngliche Aufstellung und taktische Ausrichtung entstanden waren. Auch seine Behauptung, Real Madrid hätte mit der Schlussformation von Beginn an fünf Gegentore kassiert, bleibt eine hypothetische Einschätzung.

Die tatsächliche Entwicklung zeigt vor allem eines: Mit mehr Kreativität, besserer Ballkontrolle und konsequenterem Pressing war Real Madrid in der Lage, die Roma erheblich stärker unter Druck zu setzen. Dass diese Veränderungen erst spät kamen, sollte trotz des Erfolgs kritisch hinterfragt werden.

Mourinho verdient Anerkennung für seine Reaktion. Gleichzeitig muss er sich fragen lassen, weshalb seine Mannschaft überhaupt so lange auf die passenden Lösungen warten musste.


RMXpress Fazit

Real Madrids 4:3-Erfolg gegen die AS Rom war eine außergewöhnliche Demonstration jener Mentalität, die den Klub in der Champions League seit Jahrzehnten auszeichnet. Selbst beim Stand von 1:3 und nur noch wenigen verbleibenden Minuten glaubten die Königlichen an ihre Chance. Die Einwechselspieler übernahmen Verantwortung, die Mannschaft erhöhte den Druck und verwandelte eine beinahe sichere Niederlage in einen spektakulären Sieg.

Doch die wichtigste Erkenntnis dieses Abends liegt nicht allein in der Aufholjagd, sondern in den deutlichen Unterschieden zwischen den beiden Gesichtern der Mannschaft.

Über weite Strecken wirkte Real Madrid ohne klare Struktur. Die Kombination aus Valverde und Tchouaméni konnte das Mittelfeld nicht ausreichend kontrollieren, die langen Bälle von Courtois brachten kaum Entlastung und die Offensive blieb zu häufig auf individuelle Aktionen angewiesen. Erst mit der Einwechslung von Güler und Bernardo Silva gewann das Spiel an Ordnung, während Endrick und Espí jene Energie und Entschlossenheit einbrachten, die zuvor gefehlt hatten.

Für Mourinho ergibt sich daraus eine wichtige Aufgabe. Er muss nicht zwangsläufig sein gesamtes System verändern, sollte aber die Hierarchie innerhalb der Mannschaft stärker hinterfragen. Güler hat erneut gezeigt, dass seine Kreativität für Real Madrid von zentraler Bedeutung ist. Valverdes Vielseitigkeit eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, während Endrick und Espí bewiesen haben, dass sie auch in entscheidenden Momenten Verantwortung übernehmen können.

Gleichzeitig bleibt die Situation um Vinícius kompliziert. Der Brasilianer besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten, doch seine derzeitigen Leistungen rechtfertigen keinen Startelfplatz. Mourinho muss Wege finden, ihn wieder zu seiner besten Form zu führen, ohne dafür auf andere Spieler zu verzichten, die aktuell überzeugender auftreten.

Auch die Rolle des Trainers selbst verdient eine differenzierte Bewertung. Seine Wechsel waren entscheidend für die Aufholjagd, doch seine ursprüngliche Herangehensweise trug zu den erheblichen Problemen der ersten Spielphasen bei. Der Erfolg bestätigt deshalb nicht automatisch jede seiner Entscheidungen. Vielmehr zeigt er, wie viel Potenzial in dieser Mannschaft steckt, wenn ihre individuellen Qualitäten sinnvoll miteinander verbunden werden.

Mit sechs Punkten aus den ersten beiden Champions-League-Spielen gegen Inter Mailand und die AS Rom ist Real Madrid sportlich hervorragend gestartet. Dennoch wird die Mannschaft gegen kommende Gegner nicht dauerhaft darauf vertrauen können, verlorene Spiele innerhalb weniger Minuten zu drehen.

Die Champions League belohnt außergewöhnliche Momente. Titel gewinnt jedoch meist die Mannschaft, die solche Momente mit Konstanz, taktischer Klarheit und spielerischer Kontrolle verbinden kann.

Real Madrid hat in Rom bewiesen, dass es selbst aussichtslose Spiele gewinnen kann. Jetzt muss Mourinho beweisen, dass seine Mannschaft auch ohne ein Wunder überzeugenden Fußball spielen kann.

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