Mourinho nach dem Roma-Wunder: „Die erste Halbzeit war meine Schuld, die zweite die der Spieler“

José Mourinho hat nach Real Madrids spektakulärem 4:3-Erfolg gegen die AS Rom eine bemerkenswerte Pressekonferenz gegeben. Der Portugiese übernahm die Verantwortung für die schwache erste Halbzeit, verteidigte seine taktischen Entscheidungen und erklärte, weshalb seine Einwechslungen die Partie veränderten. Besonders deutlich kritisierte er den Zeitpunkt der Vier-Spiele-Sperre gegen Vinícius Júnior und den Spielplan der Königlichen.

Direkt nach Abpfiff: Mourinho widerspricht Valverde und erklärt die Aufholjagd

Unmittelbar nach dem spektakulären 4:3-Erfolg im Stadio Olimpico stellte sich José Mourinho zunächst den Fragen des übertragenden Fernsehsenders. Der Portugiese zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis, räumte aber ein, dass die AS Rom seine Mannschaft mit einer unerwarteten taktischen Ausrichtung überrascht hatte.

Über den Spielverlauf: „Der Gegner war schwierig. Sie spielen eine andere Art von Fußball als die, an die wir gewöhnt sind. Aber auch für sie ist es sehr kompliziert, dieses Tempo und diese Intensität über 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Sie haben es verdient, in Führung zu gehen, auch wenn mir einige ihrer Tore überhaupt nicht gefallen haben. Danach haben wir mit sehr viel Mut reagiert. Diesen Mut haben die Spieler gezeigt. Wir hatten den Ausgleich erreicht, der bereits ein positiver Punkt gewesen wäre, aber wir wollten mehr. Es ist ein unglaublich wichtiger Sieg. Sechs Punkte gegen zwei sehr schwierige Gegner bringen uns in eine gute Position.“

Kapitän Federico Valverde hatte zuvor erklärt, dass Real Madrid die Begegnung zunächst nicht richtig verstanden und erst durch den eigenen Kampfgeist die vorbereiteten Abläufe umgesetzt habe. Mourinho widersprach dieser Einschätzung ausdrücklich.

Über Valverdes Aussagen: „Ich bin mit Fede nicht einverstanden. Die Roma hat gegen uns ein völlig anderes Spiel gezeigt als in allen Begegnungen, die wir zuvor analysiert hatten. Sie haben uns auf ihrer rechten Seite mit drei Spielern angegriffen.“

Auf die Nachfrage, ob die Veränderungen in der Halbzeit deshalb vor allem diese Seite betroffen hätten, erläuterte Mourinho seine taktischen Überlegungen.

Über die taktischen Anpassungen: „Genau dort. Aber wir dürfen nicht die Fehler machen, die wir gemacht haben. Bei einem Konter haben sie dann getroffen. Danach haben wir mit einer organisierten, emotionalen Entschlossenheit reagiert, innerhalb eines taktischen Konzepts, das ich kannte. Ich habe viele Jahre in Italien gearbeitet und kenne Gasperini. Sie haben uns überrascht, aber im Fußball gibt es keine Wunder. Es ist unmöglich, 90 Minuten mit dieser Intensität zu spielen.“


Pressekonferenz: Mourinho übernimmt Verantwortung und verteidigt seine Wechsel

Auf der anschließenden offiziellen Pressekonferenz wurde Mourinho erneut auf die unterschiedlichen Leistungen seiner Mannschaft angesprochen. Besonders die Frage nach der Verantwortung für die schwache erste und die erfolgreiche zweite Halbzeit beantwortete der Portugiese mit einer ungewöhnlichen Aussage.

Über die Verantwortung von Trainer und Spielern: „Die erste Halbzeit war die Schuld des Trainers. Die zweite Halbzeit war die Schuld der Spieler.“

Anschließend erläuterte Mourinho ausführlicher, wie er seine Entscheidungen bewertet und weshalb er trotz der Schwierigkeiten zunächst an seiner taktischen Herangehensweise festhielt.

Über seine taktischen Entscheidungen: „In meinem Kopf versuche ich grundsätzlich immer, das Richtige zu tun. Ich möchte niemals etwas Schlechtes machen. Ich denke immer an das Leistungsprinzip. Aber Fußball ist ein strategisches Spiel über 90 Minuten. Auch der Gegner zählt, auch er spielt. Und unser Gegner heute war unglaublich stark. Ich wusste, dass ihnen irgendwann die Energie ausgehen würde. Es ist unmöglich, 90 Minuten lang mit dieser Intensität zu spielen. Ich habe die Wechsel vorgenommen, die ich für richtig hielt. Aber in der ersten Halbzeit haben sie uns regelrecht überrollt. Sie haben uns mit Soulé auf dem Flügel überrascht, wodurch es für Cucurella schwierig wurde, gegen Wesley herauszurücken. Immer wieder gab es Zwei-gegen-eins-Situationen. Als wir uns in der zweiten Halbzeit neu organisiert hatten, waren wir bereits deutlich stabiler. Aber dann kassieren wir ein Tor, das wir niemals bekommen dürfen. Wenn wir vier oder fünf Gegentore kassiert hätten, würdet ihr sagen, dass ich verrückt bin. Jetzt haben wir gewonnen und ihr sagt, dass ich in der ersten Halbzeit falschgelegen habe. Aber wir haben gegen Inter und Roma gespielt, die beiden besten Mannschaften Italiens, und sechs Punkte geholt.“

Besonders die Einwechslungen von Arda Güler, Endrick, Bernardo Silva und Carlos Espí veränderten die Begegnung. Mourinho erklärte, weshalb er die späteren Matchwinner nicht bereits von Beginn an eingesetzt hatte.

Über die entscheidenden Einwechslungen: „Wenn wir mit den elf Spielern begonnen hätten, die am Ende auf dem Platz standen, hätten wir fünf Gegentore kassiert. Es wäre unmöglich gewesen, gegen eine Mannschaft mit dieser enormen Intensität zu bestehen. Es gibt unterschiedliche Phasen in einem Spiel. Manchmal ist der Trainer ein Idiot, weil er falsch denkt, und manchmal ist er sehr gut, weil er richtig denkt. Ich werde euch nicht erzählen, dass ich alles so vorbereitet hatte, um aus einem 1:3 ein 4:3 zu machen. Aber ich hatte schon darüber nachgedacht, dass wir in den letzten Minuten einige Dinge verändern müssen. Ich habe den Spielern gesagt, dass es für jemanden wie Mancini sehr schwierig ist, mit einer Gelben Karte über das gesamte Spiel hinweg in der Manndeckung zu verteidigen. Ihre Spielweise bringt viele komplizierte Situationen mit sich. Wenn Hermoso die Energie ausgeht, kommt Endrick ins Spiel. Gebt mir etwas Anerkennung. Irgendetwas habe ich schließlich richtig gemacht.“


Mourinho verteidigt Vinícius und kritisiert seine Sperre

Ein großer Teil der Pressekonferenz drehte sich um Vinícius Júnior. Der Brasilianer hatte erst wenige Stunden vor dem Anpfiff erfahren, dass er nach seiner Roten Karte gegen Villarreal für insgesamt vier Ligaspiele gesperrt worden war.

Als Mourinho auf das zweite Gegentor der Roma angesprochen wurde, unterbrach er den Journalisten und stellte selbst eine Frage.

Über den Zeitpunkt der Vinícius-Sperre: „Entschuldigung, aber darf ich Ihnen eine Frage stellen? Ist es normal, dass ein Spieler zwei Stunden vor einem Spiel erfährt, dass er für vier Spiele gesperrt wird? Sie müssen mir nicht antworten. Ist das normal? Konnten sie das nicht jetzt bekannt geben? Oder morgen früh? Mussten sie es unbedingt tun, während wir auf dem Weg ins Stadion waren? Auf Portugiesisch sagt man: Die Katze ist versteckt, aber ihr Schwanz schaut heraus. Ich glaube, inzwischen ist die Katze gar nicht mehr versteckt. Sie läuft frei herum. Manche Dinge werden inzwischen ohne jede Scham gemacht. Zwei Stunden vor einem Spiel erfährt ein Spieler einer spanischen Mannschaft, die drei Punkte für das Ansehen des spanischen Fußballs geholt hat, von einer solchen Strafe. Das erscheint mir nicht normal. Aber inzwischen erscheint es mir doch normal, weil die Katze nicht mehr versteckt ist.“

Auch sportlich nahm Mourinho seinen Angreifer in Schutz. Vinícius hatte zunächst auf dem linken Flügel begonnen, war nach der Halbzeit auf die rechte Seite gewechselt und später ausgewechselt worden.

Über Vinícius‘ Leistung gegen die Roma: „Die erste Halbzeit war meine Schuld. Oder die Schuld von Gasperini. Er hat Soulé auf diese Seite gestellt und Wesley hat uns mit den vielen Zwei-gegen-eins-Situationen große Probleme bereitet. Das war schwierig für Vini. In der zweiten Halbzeit habe ich ihm die Freiheit gegeben, auf der anderen Seite zu spielen. Wesley war dann mit Diomande beschäftigt. Vini hat einen Ball verloren, den er nicht verlieren darf. Aber das war es auch schon. Ich mache schließlich ebenfalls Fehler. Es ist schade, dass so etwas gerade jetzt passiert, wo er wieder besser wurde und wieder glücklich war.“

Nach seiner Auswechslung hatte Vinícius sichtbar frustriert reagiert. Mourinho zeigte Verständnis für die Enttäuschung seines Spielers, machte aber gleichzeitig deutlich, welches Verhalten er nicht akzeptieren würde.

Über Vinícius‘ Reaktion auf seine Auswechslung: „Es ist normal, dass er nicht glücklich darüber ist. Wenn er das machen würde, was viele andere machen, beispielsweise eine Flasche wegwerfen, dann würde mir das nicht gefallen. Aber Frustration ist normal. Nach dem Spiel war er sehr glücklich über den Sieg.“

Der Portugiese erklärte außerdem, dass er bereits vor der Begegnung mit Vinícius gesprochen habe. Beide hätten ihre persönlichen Gefühle für die sportliche Aufgabe zurückstellen müssen.

Über den Umgang mit Emotionen: „Ein Spieler versucht, seine Gefühle auszublenden. Ich musste das heute ebenfalls tun, um hier in meinem Stadion zu spielen, vor Menschen, die ich liebe. Ein Spieler muss diese Fähigkeit auch besitzen, und er hat das ziemlich gut gemacht. Die erste Halbzeit war im positiven Sinne die Schuld von Gasperini. Nicht die Schuld von Vinícius, sondern die von Gasperini.“


Champions League, LaLiga-Kritik und Carlos Espí

Nach zwei Spielen steht Real Madrid mit sechs Punkten in der Champions League da. Mourinho zeigte sich mit der bisherigen Ausbeute zufrieden, betonte aber auch, dass die Ligaphase noch lange nicht entschieden sei.

Über die Unterschiede zwischen LaLiga und Champions League: „Die Liga ist die Liga und die Champions League ist die Champions League. Wir haben sechs Punkte aus zwei Spielen geholt. Es ist noch nichts entschieden, aber für uns ist das sehr wichtig. Es bleiben sechs Spiele und wir haben bereits gegen zwei Gegner auf absolutem Spitzenniveau gespielt.“

Anschließend wurde Mourinho erneut auf seine zuvor verwendete Redewendung über die nicht mehr versteckte Katze angesprochen. Der Portugiese nutzte die Gelegenheit, um neben der Vinícius-Sperre auch die Spielplanung in LaLiga zu kritisieren.

Über den Umgang mit Real Madrid und den Spielplan: „Zumindest ist das wenig respektvoll. Am Mittwochabend in Athen zu spielen, anschließend um fünf Uhr morgens in Madrid anzukommen und dann am Samstag in Valencia antreten zu müssen – und das unmittelbar vor einer Länderspielpause –, erscheint mir nicht unschuldig. Ich glaube die üblichen Entschuldigungen nicht mehr. Dass es am Fernsehen liegt, glaube ich nicht. Dafür bin ich inzwischen zu alt. Und dann diese Geschichte mit Vinícius, der zwei Stunden vor dem Spiel erfährt, dass er vier Spiele gesperrt wird. Das verdient eigentlich keinen Kommentar mehr. Die Madridistas sind nicht dumm.“

Zum Abschluss wurde Mourinho auf Carlos Espí angesprochen. Der junge Angreifer hatte mit seinem Treffer zum 2:3 die spektakuläre Aufholjagd eingeleitet und damit erneut seine Qualitäten unter Beweis gestellt.

Über Carlos Espí und seine Einsatzmöglichkeiten: „Er entwickelt sich immer weiter. Als sich die Möglichkeit ergab, dass Gonzalo den Klub verlässt – ein Spieler, den ich sehr mochte und dessen Transfer für Real Madrid ein sehr gutes Geschäft war –, wurden mir drei Namen auf den Tisch gelegt. Einer davon war Espí. Die Verantwortlichen haben ihre Arbeit sehr gut gemacht. Für einen Angreifer ist es nicht einfach, im selben Kader wie Kylian zu stehen. Einen Spieler mit seiner Qualität regelmäßig zu rotieren, ist schwierig. Jetzt gegen Sevilla spielt Kylian nicht … Nein, das werde ich nicht machen. Aber die Gelegenheiten kommen. Und wann immer Espí seine Chance bekommen hat, hat er geliefert.“

14.10.2026 · 21:00 UEFA Champions League 2. Spieltag
AS Roma 3:4 Real Madrid
BeendetZum Matchcenter →

RMXpress Fazit

José Mourinho zeigte sich nach dem spektakulären 4:3-Erfolg gegen die AS Rom selbstkritisch, verteidigte aber gleichzeitig seine taktischen Entscheidungen. Bereits unmittelbar nach dem Abpfiff widersprach er Federico Valverdes Einschätzung der ersten Halbzeit und verwies auf die überraschende Spielweise der Roma. Auf der anschließenden Pressekonferenz erläuterte er ausführlicher, weshalb er bewusst auf die nachlassende Intensität der Italiener gesetzt und seine entscheidenden Wechsel erst im späteren Spielverlauf vorgenommen hatte.

Besonders die Leistungen von Endrick und Carlos Espí bestätigten aus Mourinhos Sicht die Bedeutung eines breiten Kaders. Gleichzeitig stellte er sich erneut hinter Vinícius, zeigte Verständnis für dessen Frustration und kritisierte den Zeitpunkt der Bekanntgabe seiner Vier-Spiele-Sperre. Seine Unzufriedenheit mit den Verantwortlichen des spanischen Fußballs machte er auch bei der Diskussion über die Spielplanung deutlich.

Sportlich bleibt für Mourinho vor allem die Bilanz entscheidend: Sechs Punkte aus zwei Champions-League-Spielen gegen Inter Mailand und die AS Rom. Trotz der Schwierigkeiten sieht der Portugiese seine Mannschaft damit auf einem guten Weg.

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