Real Madrid überzeugt ohne Vinícius – aber ist das wirklich der Grund?
Real Madrid hat gegen den FC Sevilla eine seiner bislang besten Saisonleistungen gezeigt. Beim 4:1-Erfolg im Bernabéu präsentierten sich die Königlichen offensiv variabel, spielerisch verbessert und deutlich strukturierter als in vielen vorherigen Begegnungen. Kylian Mbappé erzielte zwei Treffer, Arda Güler glänzte mit einem Traumtor und Yan Diomande steuerte ein Tor sowie eine Vorlage bei.
Eine Besonderheit ließ sich dabei nicht übersehen: Vinícius Júnior fehlte. Der Brasilianer musste nach seiner Roten Karte gegen Villarreal das erste Spiel seiner Vier-Spiele-Sperre absitzen. Mourinho setzte stattdessen auf Diomande auf dem linken Flügel, Endrick auf der rechten Seite und Mbappé im Sturmzentrum.
Das Ergebnis war bemerkenswert. Real Madrid wirkte ausgeglichener, die Angriffe verteilten sich auf mehrere Spieler und Mbappé erhielt mehr Bewegungsfreiheit.
Daraus unmittelbar abzuleiten, dass die Mannschaft ohne Vinícius grundsätzlich besser ist, wäre allerdings voreilig. Ein einziges Spiel reicht für eine solche Schlussfolgerung nicht aus. Dennoch lieferte der Sevilla-Sieg interessante Hinweise darauf, wie Mourinho seine Offensive künftig gestalten könnte.
Vini Jr.
Angriff
11Spiele
1Tore
3Assists
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Güler im Zentrum: Der eigentliche Schlüssel zum Erfolg?
Die vielleicht wichtigste Veränderung betraf nicht den linken Flügel, sondern das Mittelfeld. Mourinho setzte Federico Valverde auf der rechten Abwehrseite ein und gab Arda Güler eine zentrale Rolle. Damit veränderte er eine Konstellation, die in den vergangenen Wochen wiederholt für Diskussionen gesorgt hatte. RMXpress analysierte dies bereits nach dem Spiel gegen Villareal und Rom.
Die Kombination aus Valverde und Aurélien Tchouaméni bietet zwar defensive Stabilität und körperliche Präsenz, stößt beim kreativen Spielaufbau jedoch regelmäßig an Grenzen. Güler bringt andere Qualitäten mit: Der Türke fordert den Ball, bewegt sich zwischen den Linien und erkennt, wann eine Partie beschleunigt oder beruhigt werden muss.
Gegen Sevilla übernahm er diese Verantwortung von Beginn an. Sein spektakulärer Führungstreffer nach einer Vorlage von Diomande war der Höhepunkt einer starken Leistung. Bereits bei der Aufholjagd gegen die AS Rom hatte Güler nach seiner Einwechslung entscheidenden Einfluss genommen. Gegen Sevilla bestätigte er seine Bedeutung nun von Beginn an. Auch Mitglieder des Madrider Trainerstabs beschrieben die Mannschaft als kompakter und besser organisiert.
Die Entwicklung wirft eine entscheidende Frage auf: Ist Güler inzwischen zu wichtig geworden, um weiterhin regelmäßig auf der Bank zu sitzen?
Gerade nach dem Karriereende von Toni Kroos fehlt Real Madrid ein Spieler, der den Rhythmus einer Begegnung dauerhaft kontrollieren kann. Güler ist kein direkter Ersatz, besitzt aber jene Kreativität, die im aktuellen Kader häufig vermisst wird.
Arda Güler
Mittelfeld
11Spiele
3Tore
4Assists
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Mbappé profitiert von neuen Freiheiten – Diomande nutzt seine Chance
Auch Kylian Mbappé gehörte zu den großen Gewinnern des Abends. Der Franzose erzielte zwei Tore und wirkte deutlich beweglicher als in mehreren vorherigen Begegnungen.
Besonders sein Treffer zum 2:0 verdeutlichte seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Nach einer technisch anspruchsvollen Vorlage von Jude Bellingham kontrollierte Mbappé den Ball, ließ seinen Gegenspieler mit einer schnellen Drehung stehen und schloss präzise ab. Später verwandelte er einen selbst herausgeholten Elfmeter mit einem Panenka.
Auffällig war dabei seine größere Bewegungsfreiheit. Mit Vinícius konzentrieren sich viele Madrider Angriffe traditionell auf die linke Seite. Der Brasilianer sucht häufig das direkte Duell und zieht anschließend nach innen. Mbappé bevorzugt teilweise ähnliche Räume, wodurch sich beide Spieler gelegentlich gegenseitig einschränken.
Gegen Sevilla verteilten sich die offensiven Aufgaben anders. Diomande besetzte den linken Flügel, Endrick die rechte Seite und Mbappé konnte sich freier durch das Angriffszentrum bewegen. Bellingham unterstützte mit seinen Läufen, während Güler die Angriffe aus dem Mittelfeld organisierte.
Davon profitierte auch Diomande. Der 19-Jährige ließ sich von einem zunächst ungenauen Flankenversuch und dem anschließenden Unmut der Zuschauer nicht verunsichern. Er forderte weiterhin den Ball, bereitete Gülers Führungstreffer vor und erzielte in der 82. Minute selbst das 4:1. Dabei entschied sich der Ivorer trotz möglicher Anspielstationen bei Cucurella und Mbappé für den eigenen Abschluss und traf kraftvoll in den oberen Torwinkel.
Nach seinem Siegtreffer gegen Villarreal war es der nächste überzeugende Auftritt des Sommerneuzugangs.
Diomande entwickelt sich damit zunehmend zu einer ernsthaften Alternative für Vinícius. Seine Leistungen verschärfen den Konkurrenzkampf auf dem linken Flügel und geben Mourinho zusätzliche taktische Möglichkeiten.
Yan Diomande
Angriff
11Spiele
2Tore
3Assists
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Vinícius bleibt wichtig – doch die Hierarchie verändert sich
Die Diskussion um Vinícius ist nicht erst durch den Sevilla-Sieg entstanden. Seit seinem zweiten Platz bei der Ballon-d’Or-Wahl 2024 konnte der Brasilianer seine zuvor außergewöhnlichen Leistungen nicht mehr konstant bestätigen. Die Schwierigkeiten im Zusammenspiel mit Mbappé, die anhaltenden Pfiffe im Bernabéu und die jüngste Rote Karte gegen Villarreal haben seine Situation zusätzlich belastet.
Dabei darf seine bisherige Bedeutung für Real Madrid nicht vergessen werden. Vinícius war einer der entscheidenden Spieler bei den Champions-League-Triumphen 2022 und 2024 und erzielte in beiden Endspielen einen Treffer. Seine Explosivität, seine Dribbelstärke und seine Unberechenbarkeit bleiben außergewöhnliche Qualitäten. Allerdings stellt sich zunehmend die Frage, ob seine bisherige Rolle innerhalb der Mannschaft unverändert bleiben sollte.
Mourinho hat sich wiederholt öffentlich hinter den Brasilianer gestellt. Vor dem Sevilla-Spiel erklärte er, dass er täglich persönliche Gespräche mit Vinícius führe und dessen Verbundenheit mit Real Madrid besonders schätze. Der Portugiese kündigte außerdem an, dass Vinícius beim Champions-League-Spiel gegen RB Leipzig wieder in der Startelf stehen werde. Damit erhält der Brasilianer unmittelbar die nächste Gelegenheit, seine sportliche Bedeutung zu beweisen.
Für Mourinho besteht die Herausforderung nun darin, Vinícius wieder zu seiner besten Form zu führen, ohne die gegen Sevilla gewonnene Balance zu verlieren. Denn mit Güler, Diomande und Endrick drängen inzwischen mehrere Spieler auf größere Verantwortung.
RMXpress Fazit
Real Madrids 4:1-Erfolg gegen Sevilla hat gezeigt, wie viel Potenzial in dieser Mannschaft steckt, wenn die Rollen klar verteilt sind und die einzelnen Spieler ihre Stärken gezielt einbringen können. Besonders Arda Güler gab dem Mittelfeld jene Kreativität und Kontrolle, die in den vergangenen Wochen häufig gefehlt hatten. Gleichzeitig profitierte Mbappé von mehr Bewegungsfreiheit, während Diomande seine positive Entwicklung mit einem weiteren starken Auftritt bestätigte.
Daraus zu schließen, dass Real Madrid grundsätzlich ohne Vinícius besser spielt, wäre allerdings verfrüht. Der Brasilianer hat über Jahre hinweg bewiesen, dass er Begegnungen auf höchstem Niveau entscheiden kann. Seine aktuelle Formkrise und die Schwierigkeiten im Zusammenspiel mit Mbappé müssen dennoch berücksichtigt werden.
Für Mourinho geht es deshalb nicht darum, Vinícius grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr muss er eine Mannschaft entwickeln, in der individuelle Qualität und kollektive Balance miteinander funktionieren. Der Sevilla-Sieg liefert dafür wertvolle Erkenntnisse, insbesondere hinsichtlich Gülers zentraler Rolle und der veränderten Raumaufteilung in der Offensive.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Real Madrid ohne Vinícius besser ist, sondern ob Mourinho die neue spielerische Balance auch mit ihm auf dem Platz herstellen kann.
