Florentino Pérez greift Riquelme erneut an: „Meine Firma ist viel mehr wert als Real Madrid“

Florentino Pérez geht im Wahlkampf auf Konfrontationskurs: In einem exklusiven Interview mit RTVE attackiert der Real-Präsident Enrique Riquelme scharf, spricht über Mourinho, Transfers, den Negreira-Fall und das „Infinite Bernabéu“.

Florentino Pérez erklärt die vorgezogenen Wahlen

Im exklusiven Interview mit RTVE hat Florentino Pérez ausführlich über die überraschend angesetzten Präsidentschaftswahlen bei Real Madrid gesprochen. Der amtierende Präsident erklärte, dass er seit Monaten eine Kampagne gegen seine Person und gegen den Verein wahrgenommen habe.

„Ich habe eine Bewegung im Hintergrund bemerkt, die den Klub über meine Person destabilisieren wollte. Und weil ich weiterhin glaube, dass der Klub den Mitgliedern gehört, habe ich gesagt: Dann sollen eben die Mitglieder entscheiden.“

Gleichzeitig betonte Pérez mehrfach, dass er die Wahlen eigentlich gar nicht hätte ausrufen müssen.

„Ich hatte keinerlei Notwendigkeit, diese Wahlen anzusetzen.“

Stattdessen habe er verhindern wollen, dass weiterhin Gerüchte über mögliche Gegenkandidaten kursieren.

„Am Ende sind es dieselben Leute wie immer. Als wir die Kandidatur gesehen haben, waren dort wieder dieselben Personen aus der Zeit von Ramón Calderón. Jetzt kommen die Familienmitglieder, die Freunde und einige, die damals schon dabei waren.“


„Meine Firma ist mehr wert als Real Madrid“

Besonders deutlich wurde Florentino Pérez bei seinen Aussagen über Enrique Riquelme. Der Real-Präsident reagierte zunächst auf Riquelmes Kritik an den Kosten des Santiago Bernabéu.

„Er sollte zuerst wissen, was das Stadion tatsächlich gekostet hat. Es waren keine 1,7 Milliarden Euro, sondern 1,4 Milliarden — finanziert über 30 Jahre. Dadurch generieren wir heute 450 Millionen Euro.“

Anschließend wurde Pérez noch direkter und verglich offen seine eigene Unternehmensgruppe ACS mit Riquelmes Firma Cox.

„Meine Firma ist viel mehr wert als Real Madrid. Ich weiß nicht, was die Firma dieses Herrn wert ist, aber es entsteht der Eindruck, dass er zum Klub gekommen ist, weil er Real Madrid für sein Unternehmen braucht.“


Florentino zweifelt offen an Riquelmes Finanzierung

Auch das Thema Bankbürgschaft griff Pérez erneut auf — und stellte die Finanzierung von Riquelmes Kandidatur öffentlich infrage, obwohl Bloomberg die Berichterstattung offiziell korrigierte. Die Agentur hatte berichtet, Cox habe einen Kredit mit einem Zinssatz zwischen 54 % und 82 % aufgenommen, um die Vermögenswerte von Iberdrola in Mexiko zu erwerben. Der Zinssatz beträgt tatsächlich 7,25 %.

„Ich weiß nicht, was bei Bloomberg stand, aber dort hieß es wohl, dass dieser Herr einen Kredit mit 54 Prozent Jahreszins aufgenommen hat. Wie kann man einen Kredit mit 54 Prozent Zinsen aufnehmen?“

Dann wurde Florentino noch schärfer.

„Wenn jemand solche Kredite aufnehmen muss, fällt es schwer zu glauben, dass er Real Madrid helfen möchte. Eher wirkt es so, als wolle man, dass Real Madrid den eigenen Unternehmen hilft.“

Zusätzlich behauptete Pérez, dass keine spanische Bank bereit gewesen sei, Riquelme die notwendigen Garantien zu geben.

„Keine spanische Bank wollte ihnen die Garantien geben, um Präsident von Real Madrid zu werden. Für mich ergibt das alles ein Gesamtbild.“


Kein TV-Duell mit Enrique Riquelme und keine Privatisierung

Während Enrique Riquelme mehrfach ein öffentliches TV-Duell gefordert hatte, machte Florentino Pérez klar, dass es keinen direkten Schlagabtausch geben werde. Auf die Frage, warum die Mitglieder ihn erneut wählen sollten, antwortete er knapp:

„Mich legitimiert die Geschichte.“

Anschließend blickte Florentino auf seine gesamte Präsidentschaft zurück.

„Ich kam im Jahr 2000 zum Klub, blieb bis 2006 und zog mich zurück, weil wieder Ordnung herrschte. Aber 2008 entstand erneut eine Krise durch dieselben Leute — deshalb musste ich 2009 zurückkommen. Jetzt sehe ich wieder dieselben Personen und denselben Versuch, den Klub zu destabilisieren. Deshalb bin ich wieder hier.“

Auch die Diskussion um eine mögliche Privatisierung des Vereins sprach Florentino Pérez erneut an.

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der einzige Weg, unser Vermögen zu schützen, darin besteht, dass der Wert des Klubs weiterhin den Mitgliedern gehört. Ich habe immer dafür gekämpft, dass Real Madrid den Mitgliedern gehört — genauso wie Santiago Bernabéu damals. Wer behauptet, ich wolle etwas anderes, verfolgt wohl ganz eigene Interessen. Ich habe keinerlei Bedürfnis, mir Real Madrid anzueignen.“


Das „Infinite Bernabéu“ mit Apple

Großen Raum nahm außerdem erneut das Projekt „Infinite Bernabéu“ ein, das gemeinsam mit Apple entwickelt wird. Florentino erklärte, dass Real Madrid bereits im Jahr 2000 erkannt habe, wie wichtig neue Einnahmequellen seien.

„Damals war das Fernsehen die große Revolution. Heute beginnt die technologische und digitale Revolution.“

Die Idee hinter dem Projekt: „Jeder Mensch auf der Welt soll mit einer Brille das Gefühl haben können, im Bernabéu zu sitzen und unsere Mannschaft live zu begleiten.“

Diese Technologie könne bereits in seiner Wahlkampfzentrale getestet werden.


Mourinho und neue Galácticos?

Natürlich wurde Florentino Pérez auch auf José Mourinho angesprochen. Der Präsident wich einer klaren Antwort zwar aus, lobte den Portugiesen aber deutlich.

„Er ist ohne Zweifel ein guter Trainer.“

Außerdem stellte Florentino klar, dass er weiterhin voll auf die aktuelle Mannschaft setzt.

„Mbappé, Vinícius, Bellingham, Arda Güler, Valverde, Tchouaméni — das sind die besten Spieler der Welt. Warum sollte ich sie austauschen, nur weil einigen Leuten einzelne Spieler nicht gefallen? Ein guter Trainer wird mit diesen Spielern eine sehr erfolgreiche Ära erleben.“

Auch auf mögliche spektakuläre Neuverpflichtung wurde Florentino angesprochen — also große Superstar-Transfers wie einst Luís Figo.

Seine Antwort fiel gewohnt selbstbewusst aus.

„Ich habe immer die besten Spieler der Welt verpflichtet. Und die besten Spieler werden auch weiterhin bei uns spielen.“


Der Negreira-Fall bleibt zentrales Thema

Zum Abschluss sprach Florentino Pérez erneut ausführlich über den Negreira-Fall rund um den FC Barcelona. Dabei kündigte er an, UEFA-Präsident Aleksander Čeferin persönlich ein Dossier übergeben zu wollen.

„Sobald der Wahlkampf vorbei ist, werde ich der UEFA ein Dossier überreichen, an dem wir drei Jahre gearbeitet haben. Das ist der größte Korruptionsfall in der Geschichte des Fußballs.“

QuelleRTVE

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