Mbappé sorgt mit Mao-Meme für Empörung in China – Real Madrid entschuldigt sich

Kylian Mbappés Reaktion auf ein Mao-Meme hat in China scharfe Kritik ausgelöst. Zwei Sponsoren beendeten die Zusammenarbeit, während sich der Spieler, Real Madrid und LaLiga öffentlich entschuldigten.

Ein älteres Video löst die Kontroverse aus

Kylian Mbappé ist wegen einer unbedachten Äußerung in China massiv in die Kritik geraten. Auslöser ist ein kurzes Video, das offenbar bereits vor seinem Auftritt im vergangenen April auf dem YouTube-Kanal „The Bridge“ aufgenommen wurde, aber erst jetzt größere Aufmerksamkeit erhielt.

In dem Clip sitzt der Angreifer von Real Madrid in einer Maske und beantwortet mehrere persönliche Fragen. Auf die Frage nach seinem liebsten Internet-Meme nennt er eine bearbeitete Darstellung, auf der sein Gesicht auf ein Bild des früheren chinesischen Staatsführers Mao Zedong montiert wurde.

Kylian Mbappé im Video: „Sie haben ein Video von einem Mann gemacht – ich glaube, es war ein chinesischer Diktator – und darauf mein …“

Mbappé beendete den Satz nicht, deutete aber auf sein Gesicht. Anschließend wurde die entsprechende Montage eingeblendet. Der Franzose erklärte außerdem, dass er das Meme häufig mit seinen Freunden verwende, wenn sie gemeinsam online PlayStation spielten.

Wann das Video erstmals veröffentlicht wurde, ist nicht eindeutig geklärt. In China verbreitete es sich zu Beginn dieser Woche verstärkt, nachdem es in einem Online-Fußballforum aufgegriffen worden war. Besonders die beiläufige Bezeichnung Maos als „chinesischer Diktator“ löste scharfe Reaktionen aus.


Mbappé bittet öffentlich um Entschuldigung

Mbappé reagierte mit einer persönlichen Stellungnahme. Darin räumte der 27-Jährige ein, die Wirkung seiner Worte falsch eingeschätzt zu haben.

Kylian Mbappé: „Während eines kürzlich geführten Interviews habe ich auf ein Bild von mir reagiert. Meine Äußerung war unbedacht, und ich verstehe inzwischen, dass sie viele Menschen in China und in chinesischen Gemeinschaften auf der ganzen Welt verletzt hat.“

Der französische Nationalspieler betonte, niemanden beleidigen zu wollen.

Kylian Mbappé: „Ich entschuldige mich bei allen, die meine Worte verletzt haben. Das war keinesfalls meine Absicht. Ich habe großen Respekt vor dem chinesischen Volk und seiner Geschichte und bedaure es aufrichtig.“

Auch LaLiga-Präsident Javier Tebas und die spanische Liga entschuldigten sich beim chinesischen Volk. LaLiga erklärte zudem, gemeinsam mit ihren Partnern und institutionellen Ansprechpartnern in China an einer Lösung der Situation zu arbeiten.

Der chinesische Fußballverband ging noch einen Schritt weiter und forderte auch Real Madrid zu einer öffentlichen Entschuldigung auf. Dieser Aufforderung kam der Verein inzwischen nach.


Real Madrid veröffentlicht offizielle Stellungnahme

Real Madrid entschuldigte sich offiziell für die Irritationen, die durch die Aussagen seines Spielers entstanden sind. Zugleich stellte der Klub seine enge Verbindung zu den chinesischen Anhängern heraus.

Real Madrid: „Real Madrid möchte sich beim chinesischen Volk für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die durch die jüngsten Worte unseres Spielers Kylian Mbappé entstanden sein könnten.“

Der Verein betonte seinen Respekt vor China und schloss sich ausdrücklich Mbappés persönlicher Entschuldigung an.

Real Madrid: „Unser Klub empfindet tiefen Respekt für China, seine Geschichte, seine Kultur und seine Bürger sowie für die Millionen chinesischen Fans, die Real Madrid mit Zuneigung und Bewunderung verbunden sind.“

Abschließend bekräftigte Real Madrid sein Bekenntnis zu Respekt, Zusammenleben und interkultureller Verständigung. Der Klub wolle seine freundschaftlichen Beziehungen zu China und den Menschen im Land weiter stärken.


Zwei chinesische Sponsoren beenden die Zusammenarbeit

Die Entschuldigungen konnten erste wirtschaftliche Folgen nicht verhindern. Der chinesische Molkereikonzern Mengniu und der Getränkehersteller Dongpeng kündigten an, ihre Zusammenarbeit mit Mbappé zu beenden.

Gerade Dongpeng hatte den französischen Angreifer zuletzt stark in seiner Werbung eingesetzt. Während der vergangenen Weltmeisterschaft war Mbappé im chinesischen Fernsehen regelmäßig in einem Werbespot für einen Sportdrink des Unternehmens zu sehen.

Darüber hinaus berichtete das chinesische Medium The Paper, der staatliche Fernsehsender CCTV wolle vorerst keine Spiele mehr übertragen, an denen Mbappé beteiligt ist. Eine eigene öffentliche Bestätigung des Senders liegt in den bereitgestellten Informationen nicht vor.

Sollte der Übertragungsverzicht länger anhalten oder ausgeweitet werden, könnte die Angelegenheit über Mbappés persönliche Sponsorenverträge hinausgehen. Betroffen wären dann potenziell auch die internationale Sichtbarkeit von Real Madrid und die Vermarktung von LaLiga in einem strategisch wichtigen Markt.


Warum die Reaktion in China so deutlich ausfällt

Mao Zedong führte die Kommunistische Partei an die Macht und stand 1949 an der Spitze der Gründung der Volksrepublik China. Zugleich ist seine historische Bilanz eng mit politischer Unterdrückung, dem „Großen Sprung nach vorn“, einer verheerenden Hungersnot und der Kulturrevolution verbunden.

Seine öffentliche Wahrnehmung in China ist deshalb komplex. Mao bleibt auf Geldscheinen und Münzen präsent und wird insbesondere von Teilen der älteren Bevölkerung als bedeutender Staatsführer betrachtet. Gleichzeitig besteht ein Bewusstsein für die katastrophalen Folgen einiger seiner politischen Entscheidungen.

Der seit mehr als 20 Jahren in China lebende Fußballautor Cameron Wilson erklärt die heftige Reaktion vor allem mit den gesellschaftlichen und politischen Grenzen öffentlicher Kritik. Respektlosigkeit gegenüber historischen oder aktuellen Staatsführern sei in China kulturell und politisch weitgehend tabu. Manche Menschen verstünden Kritik an Mao zugleich als Kritik am Land selbst.

Wilson weist allerdings auch darauf hin, dass öffentliche Reaktionen von Unternehmen und Organisationen teilweise durch politischen Anpassungsdruck verstärkt werden. Für Institutionen mit wirtschaftlichen oder staatlichen Verbindungen sei es besonders wichtig, sich sichtbar von einer als beleidigend wahrgenommenen Aussage zu distanzieren.

Mbappé hatte sich bereits früher kritisch mit den im Internet verbreiteten Diktatoren-Memes auseinandergesetzt. Ein Teil davon sei für ihn als gutmütiger Scherz erkennbar. Problematisch werde es jedoch, wenn er mit Personen verglichen werde, die für den Tod oder das Leid von Millionen Menschen verantwortlich seien.


Mögliche Folgen für Mbappé, Real Madrid und LaLiga

Für Mbappé sind die ersten Konsequenzen bereits konkret: Zwei chinesische Werbepartner haben sich von ihm getrennt. Weitere Auswirkungen auf seine internationalen Sponsorenverträge sind derzeit nicht bestätigt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt seinem neuen Ausrüstervertrag mit On. Die Marke möchte ihre Präsenz in China ausbauen und richtet sich dort unter anderem an Teilnehmer von Lauf-, Marathon- und Ausdauersportveranstaltungen. Eine öffentliche Reaktion des Unternehmens auf die Kontroverse ist bislang nicht bekannt. Der Vorfall könnte die gemeinsame Vermarktung Mbappés in China jedoch erschweren.

Auch Real Madrid verfügt über erhebliche wirtschaftliche und sportliche Interessen im Land. Der Verein besitzt eine große chinesische Anhängerschaft und betreibt mehrere Fußballschulen. Die schnelle offizielle Entschuldigung ist deshalb nicht nur als Unterstützung des eigenen Spielers zu verstehen, sondern auch als Versuch, langfristige Schäden für die Beziehungen zum chinesischen Markt zu begrenzen.

Für LaLiga steht ebenfalls viel auf dem Spiel. Die spanische Liga arbeitet seit Jahren daran, ihre Reichweite in China auszubauen. Ein möglicher Übertragungsverzicht des staatlichen Fernsehens könnte sowohl die Zuschauerzahlen als auch den Wert künftiger Medien- und Werbevereinbarungen beeinträchtigen.

Der Sportökonom Simon Chadwick warnt deshalb davor, den Vorgang als begrenzten Streit zwischen Mbappé und einzelnen Unternehmen abzutun. Die Folgen könnten sich über Sponsoring, Fernsehrechte, Markenkooperationen und institutionelle Beziehungen ausbreiten und über einen längeren Zeitraum anhalten.


Frühere Konflikte zeigen das wirtschaftliche Risiko

Der chinesische Markt hat in der Vergangenheit wiederholt empfindlich auf politische oder kulturelle Kontroversen im internationalen Sport reagiert.

2019 kritisierte der damalige Arsenal-Spieler Mesut Özil Chinas Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren. Die chinesische Regierung wies seine Vorwürfe zurück, während eine Partie von Arsenal aus dem Fernsehprogramm genommen wurde.

Im selben Jahr veröffentlichte Daryl Morey, damals General Manager der Houston Rockets, eine Botschaft zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong. Der daraus entstandene Konflikt führte zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die NBA.

Mbappés Fall unterscheidet sich von diesen Beispielen, weil seine Aussage nicht als politische Stellungnahme beabsichtigt war. Die unmittelbaren Reaktionen der Sponsoren zeigen jedoch, dass auch ein beiläufiger Kommentar weitreichende Folgen entwickeln kann.


RMXpress Fazit

Mbappés Aussage entstand erkennbar im lockeren Zusammenhang mit einem Internet-Meme und nicht als politische Botschaft. Dennoch war die Formulierung unbedacht – gerade weil die historische und politische Bedeutung Maos in China eine besondere Sensibilität besitzt.

Der Angreifer hat seinen Fehler eingeräumt und sich eindeutig entschuldigt. Real Madrid und LaLiga folgten mit eigenen Stellungnahmen. Damit haben alle beteiligten Parteien schnell reagiert, doch die ersten wirtschaftlichen Schäden sind bereits entstanden.

Entscheidend wird nun sein, ob die Kontroverse nach den Entschuldigungen an Dynamik verliert oder sich auf weitere Sponsoren und die Übertragung spanischer Ligaspiele ausweitet. Für Mbappé geht es um seine internationale Vermarktbarkeit, für Real Madrid um seine Beziehungen zu einer großen Fangemeinde und für LaLiga um einen wichtigen Wachstumsmarkt.

Der Vorgang zeigt zugleich, wie schnell ein kurzer, älterer Social-Media-Ausschnitt globale sportliche und wirtschaftliche Konsequenzen entfalten kann. Ein beiläufiger Scherz ist innerhalb weniger Tage zu einem Problem für einen Spieler, seinen Verein und eine gesamte Liga geworden.

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