Preisverleihung in Madrid
Toni Kroos ist in Madrid mit einer der außergewöhnlichsten Auszeichnungen im Weltsport geehrt worden. Der ehemalige Profi von Real Madrid erhielt bei den Laureus World Sports Awards 2026 den Sporting Inspiration Award – als erst viertem Preisträger überhaupt und als erstem Deutschen in dieser Kategorie.
Die feierliche Verleihung fand am Montagabend im Palacio de Cibeles statt, überreicht wurde der Preis von Novak Djokovic. Eine symbolträchtige Geste: Einer der erfolgreichsten Tennisspieler der Geschichte würdigt einen Fußballer, dessen Vermächtnis weit über Titel und Statistiken hinausgeht.
Eine Auszeichnung jenseits von Titeln
Der Sporting Inspiration Award wird seit 2017 vergeben und ehrt Persönlichkeiten, deren Einfluss über sportliche Erfolge hinausreicht. Vor Kroos wurden lediglich das Refugee Olympic Team, JJ Watt und Mohamed Salah ausgezeichnet. Dass Kroos nun in diese Reihe aufgenommen wurde, ist Ausdruck einer Karriere, die durch Haltung, Klarheit und Glaubwürdigkeit geprägt war.
„Wenn ich sehe, wer hier alles ist – Sportler, die unglaublich viel erreicht haben –, dann weiß ich, wie viel dieser Preis bedeutet“, sagte Kroos nach der Verleihung. Besonders emotional sei es für ihn gewesen, die Auszeichnung in Madrid zu erhalten. „Madrid ist im Moment mein Zuhause. Das macht den Moment noch spezieller.“
Anerkennung aus dem engsten Umfeld
Auch Federico Valverde, jahrelanger Mitspieler bei Real Madrid, fand klare Worte:
„Für mich ist er der Beste. Sehr kurz, aber sehr klar.“
Eine Beschreibung, die perfekt zu Kroos selbst passt – auf und neben dem Platz.
Zum Vergleich mit anderen Sportgrößen äußerte sich Kroos ebenfalls offen. Er würdigte Novak Djokovic für seine außergewöhnliche Langlebigkeit auf höchstem Niveau sowie Carlos Alcaraz für seine beeindruckenden Erfolge in jungen Jahren. Entscheidend sei für ihn jedoch nicht nur das Sportliche. „Es gibt viele sehr gute Sportler – aber die menschliche Seite ist entscheidend. Mit diesen Werten kann man ganz weit kommen.“
Ein Preis im Ruhestand – und gerade deshalb besonders
Dass er die Ehrung als bereits zurückgetretener Spieler erhält, verleihe ihr einen noch tieferen Wert. „Ich bekomme jetzt weniger Preise als früher – da ist es nicht schlecht, wenn ab und zu einer dazukommt.“
Vor allem sei es ein Zeichen dafür, dass seine Karriere nicht nur auf Erfolgen basierte, sondern auch auf dem, was abseits des Platzes stattgefunden habe.
Kroos verwies dabei unter anderem auf seine Stiftung in Deutschland sowie seine Arbeit mit der Akademie in Madrid. „Es zeigt mir, dass ich nicht nur ein Spieler war, der Titel gewonnen hat.“
Gewohnheiten, Disziplin – und ein Paar Fußballschuhe
Fast sinnbildlich für seine Karriere sprach Kroos auch über seine Rituale. Eines davon: seine Fußballschuhe. Über Jahre hinweg wechselte er sie nicht – sehr zum Erstaunen der Außenwelt.
„Ich hatte Glück, dass Adidas mir diese Schuhe immer wieder gebaut hat. Heute ändern sich Modelle ständig, Material, Farben – das wollte ich nicht.“
Die Vertrautheit mit dem Material, das es heute kaum noch gebe, sei für ihn „eine der Schlüsselkomponenten“ seiner Karriere gewesen. Ein Detail, das seine Philosophie widerspiegelt: Konstanz schlägt Reizüberflutung.
Toni Kroos hat keine Zweifel am Karriereende
Auf die Frage, ob er jemals über eine Rückkehr nachgedacht habe, antwortete Kroos ohne Zögern: „Nein. Ich habe genau so aufgehört, wie ich aufhören wollte.“
Für ihn sei klar gewesen, dass es keinen besseren Abschluss gegeben hätte. Alles, was danach gekommen wäre, hätte die Erinnerung eher geschwächt.
Heute, so Kroos, habe er andere Motivationen und Projekte – und vor allem keinen inneren Zweifel daran, dass dieses Kapitel abgeschlossen ist. „Ich bin gegangen, ohne das Gefühl, dass etwas gefehlt hat.“
Werte, die bleiben
Besonders eindrucksvoll waren Kroos’ Worte über das, was er als seinen wichtigsten Beitrag betrachtet: den Teamgedanken.
„Große Erfolge entstehen nur als Mannschaft. Das heißt nicht, dass man 20 Freunde im Kader hat – das ist unrealistisch.“
Entscheidend sei vielmehr das Zurückstellen von Egos, das Einbringen individueller Qualität in den Dienst des Kollektivs. Gerade hierin sieht Kroos einen Wert, der im modernen Profisport zunehmend verloren gehe.
Ebenso wichtig sei ihm gewesen, sein Wort zu halten. Schon früh habe er gesagt, dass er seine Karriere bei Real Madrid beenden wolle – und habe dieses Versprechen eingelöst. „Ich wollte, dass die Menschen denken: Wenn Toni etwas sagt, dann gilt das auch.“
Abseits der persönlichen Ehrung gratulierte Toni Kroos zudem Real Madrid zum Gewinn der UEFA Youth League und zu Federico Valverde fand er, ganz in seiner Art, nur wenige Worte: „Für mich ist er der Beste.“ Kurz, klar – und bezeichnend.
Keine Fragen zu Real Madrid
Gegen Ende kam es zu einer kleiner Diskussion zwischen einem spanischen Reporter und Toni Kroos, der keine Fragen mehr über die Königlichen beantworten wollte.
Journalist: „Ich möchte Sie etwas zu Kylian Mbappé fragen.“
Toni Kroos: „Hören Sie mal. Wir können jetzt aufhören. Ich werde keine weiteren Fragen zu Real Madrid beantworten. Wenn jemand eine Frage zu der Auszeichnung hier hat … ansonsten können wir das jetzt beenden.“
Journalist: „Was bedeutet es für Sie, dass die Leute immer wieder über Sie sprechen …“
Roni Kroos: „Das ist eine Frage zu Real Madrid, mein Freund. Du hast mir nicht zugehört.“
Journalist: „Die Leute reden immer noch über dich. Glaubst du, dass Mannschaften einen Spieler wie dich brauchen? Im Fußball, nicht bei Real Madrid.“
Toni Kroos: „Mit dieser Frage willst du sagen, dass Real Madrid keinen solchen Spieler hat? Ja, ja. Ich bin nicht dumm.“
