José Mourinho ist zurück bei Real Madrid. Dreizehn Jahre nach seinem Abschied hat der Portugiese offiziell das Amt des Cheftrainers übernommen und wird die Königlichen bis mindestens 2029 betreuen. In seinem ersten großen Interview mit Vanity Fair seit der Rückkehr an die Concha Espina spricht der 63-Jährige über Real Madrid, Kylian Mbappé, den FC Barcelona und seine Philosophie als Trainer.
Auffällig dabei: Der neue Mourinho wirkt ruhiger, reflektierter und weniger konfrontativ als früher. Seine Ambitionen sind jedoch unverändert groß.
Ein anderer Ton, dieselbe Mentalität
Der Mann, der sich einst selbst als „The Special One“ vorstellte, schlägt heute deutlich gemäßigtere Töne an. Im Gespräch blickt Mourinho auf seine Karriere zurück und macht deutlich, dass er sich nicht mehr als alleinigen Mittelpunkt sieht.
„Ich möchte nicht sagen, dass ich der Auserwählte war. Ich war einer von ihnen.“
Trotzdem bleibt sein Selbstverständnis als Führungspersönlichkeit unverändert. Mourinho sieht sich weiterhin als jemanden, der Mannschaften formt, Strukturen schafft und den Weg zum Erfolg vorgibt.
Über Real Madrid spricht er dabei mit großer Bewunderung.
„Die Geschichte von Real Madrid kann mit niemandem verglichen werden.“
Für den Portugiesen geht die Bedeutung des Klubs weit über einzelne Spieler hinaus.
„Das weiße Trikot hat etwas Magisches. Wenn wir über Real Madrid sprechen, sprechen wir über die Geschichte und das Erbe des Fußballs.“
Mbappé soll von Mourinho profitieren
Besonders gespannt blickt die Fußballwelt auf die Zusammenarbeit zwischen Mourinho und Kylian Mbappé. Der Franzose steht trotz starker Leistungen regelmäßig im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen, doch Mourinho will bewusst einen anderen Weg einschlagen.
„Jetzt ist nicht die Zeit zum Reden, sondern zum Zuhören.“
Der neue Real-Trainer betont, dass er zunächst verstehen wolle, was innerhalb der Mannschaft passiert und welche Dynamiken im Klub herrschen.
„Ich bin hier, um zu helfen, nicht um zu kritisieren.“
Eine klare Botschaft sendet er dabei auch an Mbappé:
„Mbappé ist ein phänomenaler Spieler und ich werde versuchen, ihm dabei zu helfen, noch besser zu werden.“
Damit macht Mourinho deutlich, dass er seinen Superstar nicht öffentlich unter Druck setzen, sondern fördern möchte.
Erinnerungen an die legendären Clásicos
Natürlich durfte auch das Thema FC Barcelona nicht fehlen. Mourinho blickte ausführlich auf die legendären Duelle zwischen Real Madrid und Barça zurück, die das Fußballgeschehen über Jahre prägten.
„Die Welt stand bei diesen Spielen still. Es war nicht nur Madrid gegen Barcelona oder Spanien gegen Spanien. Es war die ganze Welt.“
Dabei erinnerte er an die Ära von Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die er mit den großen Rivalitäten im Tennis zwischen Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic vergleicht.
Interessant: Trotz seiner zahlreichen Auseinandersetzungen mit dem FC Barcelona spricht Mourinho ohne Verbitterung über seinen früheren Verein.
„Ich habe keine schlechten Gefühle gegenüber Barcelona.“
Er erinnert an seine Jahre als Assistent unter Bobby Robson und an die Zusammenarbeit mit Pep Guardiola und Luis Enrique.
Dennoch stellt er klar: „Ich spiele gerne gegen die Besten, weil die Besten dich dazu zwingen, besser zu werden.“
Für Mourinho zählt am Ende nur das Gewinnen
An seiner grundsätzlichen Fußballphilosophie hat sich dagegen nichts geändert. Mourinho widerspricht erneut der Vorstellung, dass man auch ohne Titel als erfolgreich gelten könne.
„Es gibt diese absurde Theorie, dass man großartig sein kann, ohne zu gewinnen. Im Sport ist das Ziel, zu gewinnen.“
Als Beispiel nennt er seine legendäre Real-Madrid-Mannschaft der Saison 2011/12, die mit 100 Punkten Meister wurde und 121 Ligatore erzielte.
„Wie defensiv war dieses Team?“, fragt Mourinho provokant.
Auch seine berühmte Champions-League-Halbfinalserie mit Inter Mailand gegen Barcelona verteidigt er erneut. Viele würden sich nur an die Defensivschlacht im Camp Nou erinnern, doch für Mourinho werde dabei vergessen, dass Inter das Hinspiel zuvor mit 3:1 gewonnen hatte.
„Charisma kann man nicht im Supermarkt kaufen“
Mourinho weiß, dass er die Rolle des Trainers im modernen Fußball verändert hat. Kaum ein Coach stand in den vergangenen zwei Jahrzehnten so sehr im Rampenlicht wie er.
Trotzdem sieht er sich nicht als größere Figur als seine Spieler.
„Ich wollte niemals wichtiger sein als meine Spieler. Charisma kann man nicht im Supermarkt kaufen.“
Für Mourinho entsteht Autorität durch Arbeit, Überzeugungskraft und die Fähigkeit, eine Mannschaft hinter sich zu vereinen.
Sogar sein legendärer Anzug, der ihn über Jahre begleitet hat, ist für ihn Teil dieser Philosophie. Der Trainer repräsentiere den Klub, die Fans und den Beruf selbst. Deshalb sei der elegante Auftritt für ihn nie Verkleidung gewesen – sondern Ausdruck von Professionalität.
Mit diesen ersten Aussagen sendet Mourinho eine klare Botschaft: Der Ton mag heute ruhiger sein als früher, die Ansprüche sind es nicht. Der Portugiese ist zurück in Madrid – und will erneut Geschichte schreiben.
