Mourinho über Espanyol, den Saisonstart und seine eigene Gefühlslage
José Mourinho erwartet im RCDE Stadion keinen einfachen Auftakt. Espanyol habe bereits gezeigt, dass die Mannschaft gut vorbereitet sei und Real Madrid mit maximaler Motivation empfangen werde.
Über das erste Ligaspiel gegen Espanyol:
„Du hast deine Frage gut beendet, als du gesagt hast, dass sie eine gute Mannschaft sind. Genau das sind sie. Mannschaften, die seit längerer Zeit denselben Trainer haben, sind gut vorbereitet, haben ihre Routinen und ihre Dynamiken. Sie spielen gut und mit Ehrgeiz. Mir hat ihr erstes Spiel sehr gefallen. Sie haben drei Punkte, drei Tore erzielt, keines kassiert und ihre Fans sind glücklich. Wir sind auf das vorbereitet, was uns dort erwartet.“
Über seinen persönlichen Zustand und die unterschiedlich weit fortgeschrittene Vorbereitung innerhalb des Kaders:
„Mir geht es gut. Ich bin ruhig. Es ist eine weitere Saison. Beim Kader hast du die Schwierigkeit gut beschrieben: Wir haben in unterschiedlichen Gruppen angefangen. Es gibt Spieler mit 36 Trainingseinheiten und sechs Spielen, und andere haben ein bisschen Spielzeit und fünf Trainingseinheiten. Ich konnte für jeden individuell angepasste Arbeit vorbereiten. Manche Spieler kamen für Einzeltraining, und wir haben gescherzt, weil manchmal zehn Personen für einen Spieler da waren. Ich bin mit der Situation sehr zufrieden. Wenn du mich fragst, ob ich gerne noch eine Woche hätte: ja. Aber wir sind die Freundschaftsspiele leid. Wir lieben diesen Beruf nicht wegen der Testspiele. Wir wollen echte Spiele.“
Über die verletzten und nicht verfügbaren Spieler:
„Die Verletzten aus der vergangenen Saison werden noch lange fehlen und ich erwarte nicht, sie in zwei oder drei Wochen zurückzubekommen. Der einzige Spieler, der für dieses Spiel ausfällt und dessen Problem nicht aus der vergangenen Saison stammt, ist Endrick. Tchouaméni geht es gut. Er muss heute, morgen und am Sonntag trainieren, um seinen Prozess zu beschleunigen. Er ist in einem Zustand angekommen, der es ihm nicht erlaubt, für dieses Spiel bereit zu sein.“
Über den Druck vor seinem ersten Pflichtspiel nach der Rückkehr:
„Ich würde es nicht Druck nennen, sondern Adrenalin. Und das ist positiv. An dem Tag, an dem ich das nicht mehr spüre, stimmt etwas nicht. Ich empfinde keinen Druck wegen Debüts oder Fußballspielen. Ich habe sehr viel Vertrauen in unsere Arbeit, in den Ehrgeiz der Spieler, ihre Mentalität und die Leidenschaft, die sie mir zeigen. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wenn wir morgen reisen, tun wir das mit der Überzeugung, mit drei Punkten zurückzukommen.“
Mourinho über Diomande, die Kabine und Valverde gegen Tchouaméni
Der Portugiese zeigte sich zufrieden mit der Mentalität seiner Mannschaft. Yan Diomandes Aussage, er würde für Mourinho „sterben“, gefiel ihm zwar – noch wichtiger sei jedoch die Bereitschaft, für Real Madrid und die Gruppe alles zu geben.
Über Diomandes Aussage, er würde für Mourinho sterben:
„Ohne jedes Wort wörtlich zu nehmen, ist das eine Formulierung, die mir gefällt. Noch lieber wäre mir, wenn er für die Gruppe und für Real Madrid sterben würde. Aber ich weiß, was er mit meinem Namen in Bezug auf die Arbeitsgruppe und den Klub sagen möchte. Worte sind einfach. Viel schwieriger ist es, sie in Taten umzusetzen. Diomandes Worte unterscheiden sich nicht von dem, was ich bei allen sehe. Ich sehe eine Mannschaft, die sich verpflichtet fühlt und die Dinge gut machen möchte. Die Gruppe wächst und ist vereint. Wir sind keine perfekte Gruppe, denn die gibt es nicht. Ich glaube nicht, dass wir keine Probleme bekommen werden. Sie werden kommen. Aber die Basis dieser Gruppe ist stark. Diomandes Botschaft gilt für alle.“
Mourinho wurde auch auf den Konflikt angesprochen, den es in der vergangenen Saison zwischen Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni gegeben haben soll.
Über den früheren Konflikt zwischen Tchouaméni und Valverde:
„Ich bin mit sehr vielen Informationen hier angekommen. Ich war drei Jahre hier und habe meine Kontakte, genauso wie ihr als Presse eure Kontakte habt. Ich wusste viele Dinge, nicht nur über die Situation zwischen Tchouaméni und Federico. Ich habe mich entschieden, bei null anzufangen, natürlich aus einer privilegierten Position heraus. Ich hatte überhaupt keinen Grund, mit Tchouaméni darüber zu sprechen. Ich habe völlige Normalität gesehen. Wenn du mir nichts über dieses Problem erzählt hättest und ich sehen würde, wie die beiden miteinander umgehen, könnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass in der vergangenen Saison etwas passiert ist. Sie haben mir gezeigt, dass ich nicht reden und keinen Einfluss nehmen musste, um Frieden zu schaffen. Es geht nicht um Frieden, sondern um Normalität, Freundschaft und Zusammenarbeit. Es ist, als wäre nie etwas passiert.“
Mourinho über Titel, Nachwuchs und seine Kapitäne
Für Mourinho gibt es bei Real Madrid eine klare Messlatte: Ergebnisse und Titel. Gleichzeitig will er die Tür zur ersten Mannschaft für Talente aus der eigenen Akademie offenhalten.
Über die Frage, wann eine Saison bei Real Madrid erfolgreich ist:
„Es gibt viele Möglichkeiten, das zu betrachten. Die einzige wirklich pragmatische Betrachtungsweise sind die Ergebnisse. Man kann auf vielen Ebenen wachsen, Strukturen verbessern, es gibt viele Dinge, die man verändern kann. Aber am Ende zählen die Ergebnisse. Wir haben drei große Wettbewerbe und einen kleineren. Eine Saison ohne Titel ist bei Real Madrid keine erfolgreiche Saison.“
Über die Chancen für Nachwuchsspieler:
„In Barcelona werden Cestero, Ciria und Rivas auf der Bank sitzen. Wir haben keinen übermäßig großen Kader und gleichzeitig mehrere Spieler, die länger fehlen. Ich arbeite gerne mit maximal 22 Spielern. Diese Jungs besetzen die freien Plätze und arbeiten sehr gut mit uns. Ich möchte die jungen Spieler motivieren und ihnen zeigen, dass die Tür offensteht. Diese Woche sind es diese drei, später werden noch viele andere drankommen. Das ist etwas, das ich gerne mache und das in La Fábrica geschätzt wird. Ich glaube, dass es die Jungs motivieren kann.“
Über seine Kapitäne:
„Ich bin mit allen zufrieden. Ich glaube, dass auch die Kapitäne mich gerade kennenlernen. Sie haben die Fähigkeit zu beobachten, zu analysieren und mich gut kennenzulernen. Ich möchte nicht, dass sie mich durch meine Worte kennenlernen. Sie sollen mich dadurch kennenlernen, wie sie mich beobachten und analysieren. Die Kapitäne befinden sich gerade noch in diesem Prozess. Der Zusammenhalt der Gruppe und die Empathie, die man spürt, helfen dabei. Wir haben jeden Morgen um acht Uhr eine Sitzung mit dem Trainerteam. Die Mitarbeiter, die schon vorher hier waren, sagen uns, dass sie eine Mannschaft mit einer anderen Empathie sehen. Noch mussten die Kapitäne nicht in einem wirklich schwierigen Moment Kapitäne sein. Dieser Moment wird kommen. Dann werden wir sehen. Die Spieler helfen mir momentan dabei, keine Probleme zu haben. Die Gruppe hilft den Kapitänen dabei, in einer Phase des Beobachtens und der Ruhe zu bleiben.“
Mourinho über sein Fußballverständnis, Defensivarbeit und Vinícius
Die grundlegenden Anforderungen des Trainers sind klar: Einsatz und kollektive Arbeit sind nicht verhandelbar. Auch die Offensivstars müssen sich daran beteiligen.
Über seine Analyse der Mannschaft und nicht verhandelbare Prinzipien:
„Wir dürfen über Dinge, die nicht verhandelbar sind, nicht verhandeln. Einsatz darf in keinem Spiel fehlen. Es wird Momente der Frustration geben, wegen Ergebnissen oder persönlicher Situationen. Ich habe mit den Spielern darüber gesprochen, dass für viele bald der erste Moment der Frustration kommt, weil ich zum ersten Mal entscheiden muss: Einer spielt, ein anderer sitzt auf der Bank und ist enttäuscht. Sie müssen das individuell und als Gruppe verarbeiten. Ich kann ein Spiel nicht mit 15 Spielern beginnen. Es dürfen nur elf spielen. Ich hoffe, dass die Entscheidungen schwierig bleiben, weil alle weiter so arbeiten. In dem Moment, in dem jemand wegen Frustration sein Niveau senkt, wird die Entscheidung für mich einfach. Die Mannschaft muss lernen, mit Frustration umzugehen.“
Über die Defensivarbeit seiner Offensivspieler:
„Das hängt vom Spiel und vom Gegner ab. Wir müssen mit elf Spielern verteidigen. Was bedeutet das? Es kann viele Dinge bedeuten. Wenn uns eine Mannschaft zurückdrängt und uns in unserem defensiven Drittel Schwierigkeiten bereitet, müssen alle verteidigen. Wenn wir in der gegnerischen Hälfte spielen, müssen wir dort spielen und den Gegner unter Druck setzen. Man muss arbeiten. Der eine verteidigt durch Pressing, der andere dadurch, Räume zu schließen. Manche müssen wirklich anlaufen, andere müssen Räume schließen. Dass einige verteidigen und andere nur auf den Ball warten, funktioniert nicht. Bis jetzt habe ich von allen immer eine sehr gute Reaktion gesehen. Null Probleme.“
Über die Vertragsverlängerung von Vinícius Júnior:
„Für mich war das keine Überraschung. Als man mir die Situation erklärt hat, war meine erste Frage: ‚Will er bleiben oder nicht?‘ Man sagte mir, dass er bleiben möchte, und damit war ich ruhig. Ich möchte nicht bewerten, ob er zu den zehn besten Spielern der Welt gehört oder auf welchem Platz er steht. Aber er ist einer der Besten – und die Besten müssen hier sein.“
Über Vinícius und dessen Einstellung:
„Ich kenne den Grund nicht, warum es vorher gewisse Probleme gab. Ich weiß es nicht. Was ich sehe, ist ein Spieler, der gewinnen möchte. Er weiß ohne Zweifel, was ich von ihm erwarte. Ich glaube, er ist glücklich und fühlt sich wohl mit der Art, wie wir Spiele vorbereiten. Er möchte vom ersten Tag an gewinnen. Schon vor seiner Unterschrift endete jedes kleine Gespräch zwischen uns immer mit: ‚Wir werden besser, wir werden wieder gewinnen und wieder glücklich sein.‘ Immer auf dieser Grundlage.“
Mourinho über 13 Jahre ohne Real Madrid und seinen heutigen Blick auf den Klub
Mourinho erklärte, dass er Real Madrid nach seinem Abschied 2013 nicht aktiv vermisst habe. Die Verbindung sei dennoch nie verschwunden.
Über die vergangenen 13 Jahre außerhalb von Real Madrid:
„Ich bin kein Mensch, der Dingen hinterhertrauert oder sie ständig vermisst. Ich habe Portugal vor mehr als 20 Jahren verlassen und bin erst im vergangenen Jahr für ein paar Monate zurückgekehrt. Ich bin also niemand, der viel vermisst. Ich denke nicht ständig darüber nach, was ich hinter mir lasse. Nach jedem Titel von Real Madrid hat mich der Präsident angerufen. Ich habe immer geantwortet: ‚Nein, nein, das hat nichts mit mir zu tun.‘ Ich freue mich, wenn meine Arbeit etwas Positives hinterlassen hat, aber diese Titel gehören Carlo, Zidane, den Spielern und den Menschen, die sie gewonnen haben. Ich habe mich immer gefreut, aber ohne etwas zu vermissen. Wenn du mich fragst, ob ich etwas für Roma, Inter oder Chelsea empfinde: natürlich. Ich möchte immer, dass es ihnen gut geht. Über Benfica spreche ich nicht, weil dort noch etwas mehr dahintersteckt.“
Über die Frage, wann Real Madrid wirklich „Mourinhos Mannschaft“ ist:
„Jetzt schon. Das ist bereits meine Mannschaft – im Guten wie im Schlechten. Wenn wir über die perfekte Mannschaft sprechen, dann niemals. Ich glaube, dass man sich jeden Tag verbessern muss. Ich mag Mannschaften, die zwei oder drei Jahre denselben Trainer haben, weil man durch angesammelte Informationen und Empathie wächst. Eine Mannschaft kann sich immer verbessern. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Aber der Wettbewerb wartet nicht auf uns. Jetzt spielen wir um Punkte. Als ich gesagt habe, dass das Gute noch kommt, habt ihr an Spieler gedacht. Ich meinte die Spiele. Jetzt sind sie da. Wir haben die Freundschaftsspiele seriös bestritten. Jetzt, wo Punkte auf dem Spiel stehen, müssen wir alles geben. Jeder gewonnene Punkt bringt uns näher an die Cibeles.“
Mourinho über seine Startelf, das Mittelfeld und Rodri
Seine Startelf für Espanyol kennt Mourinho bereits. Verraten wollte er sie allerdings nicht. Einen fixen Stammelf-Gedanken lehnt er grundsätzlich ab.
Über seine erste Startelf und eine mögliche Idealelf:
„Die erste Elf von Mourinho… Mal sehen, wer von euch die besten Kontakte hat. Schauen wir, wer die besten Informationen bekommt. Die Spieler wissen bereits, wer spielt. Ich bin keiner, der so etwas vor ihnen versteckt. Sie wissen es. Vielleicht habt ihr die Information in ein paar Stunden. Ich werde sie nicht verraten. Ich habe keine Idealelf. Und wenn ich eine hätte, möchte ich sie nicht haben. Ich möchte die Tür für Konkurrenz offenlassen. Es gibt sehr viele Spiele. Wir werden alle drei Tage spielen. Dann gehen die Spieler drei Wochen in Urlaub und wenn sie zurückkommen, weißt du nicht genau, in welchem Zustand sie sind. Wir wissen, wie wir aufbauen, pressen und kompakt stehen wollen. Wir wissen, wie wir gegen unterschiedliche Systeme spielen möchten. Wir sammeln taktische Kultur. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass elf Spieler feststehen. Wenn wir über Spieler auf höchstem Niveau sprechen – Trent, Dumfries, Cucurella, Carreras – dann kann man nicht denken, einer spielt 50 Spiele und der andere zehn. Das ist nicht möglich. Wir haben sehr viel Qualität.“
Über die Frage, ob nach Rodris Absage noch ein Mittelfeldspieler fehlt:
„Ich glaube nicht, dass wir dort ein Defizit haben. Ein weiterer Mittelfeldspieler wäre die Kirsche auf der Torte. Wenn du Tchouaméni, Bernardo, Arda und weitere Spieler hast, die dort mit der Zeit spielen können, dann haben wir kein Problem.“
Mourinho über Mbappé, Bellingham und Vinícius gemeinsam
Die große taktische Herausforderung sieht Mourinho darin, drei der besten Offensivspieler der Welt gemeinsam optimal einzusetzen.
Über die Kombination aus Vinícius, Mbappé und Bellingham:
„Das sind unglaubliche Spieler. Und unglaubliche Spieler wollen mit unglaublichen Spielern zusammenspielen. Topspieler sind frustriert, wenn sie mit Spielern zusammenspielen müssen, die nicht auf diesem Niveau sind. Sie brauchen Mitspieler, die ihre Geschwindigkeit im Denken, Lesen und Ausführen verstehen. Deshalb wollen sie mit den Besten spielen. Die taktische Verbindung kann schwieriger sein. Ancelotti hat für Vinícius in Brasilien die perfekte Rolle gefunden, Deschamps für Kylian und Tuchel für Jude. Schwieriger ist es, den perfekten Raum für alle drei gleichzeitig zu finden. Ich möchte nicht, dass sie Dinge nur machen, weil sie glauben, dass ich sie dazu zwinge. Sie müssen sie machen, weil sie selbst glauben, dass sie sie gut machen können. Sie besitzen enorme Qualität und ihre Positionen sind nicht inkompatibel. Ich habe großes Vertrauen darin, dass wir mit ihnen eine großartige Saison haben werden.“
Mourinho über Khedira, Pintus und die Zusammensetzung seines Trainerteams
Auch die Veränderungen im Staff erklärte Mourinho ausführlich. Er habe bewusst so wenig wie möglich verändern wollen, gleichzeitig aber Menschen gebraucht, die seine Arbeitsweise kennen und seine Mentalität vermitteln können.
Über Veränderungen im Trainerteam:
„Es ist immer schwierig, in einen neuen Klub zu kommen. Und es fällt mir schwer zu sagen, dass jemand nicht weitermacht. Das ist immer unangenehm. Ich versuche, so wenig wie möglich zu verändern und gleichzeitig Menschen mitzubringen, die mir helfen können, eine Mentalität und eine Arbeitsweise zu vermitteln. Ich möchte Menschen haben, denen ich vollkommen vertraue.“
Über die Analysten und sportwissenschaftliche Arbeit:
„Wir arbeiten mit sieben Analysten. Ich habe nur einen mitgebracht und bin sehr glücklich darüber, dass es nur einer war. Die anderen mussten lediglich eine Verbindung zu meiner Arbeitsweise herstellen. Im Bereich Sportwissenschaft, Daten, Belastungssteuerung und Individualisierung habe ich ebenfalls nur eine Person mitgebracht. Auch die Menschen, die bereits hier waren, haben sich weiterentwickelt und an unsere Arbeitsweise angepasst.“
Über Sami Khedira:
„In jedem Klub habe ich gerne eine Person, die den Verein kennt. In meiner ersten Amtszeit war das Aitor, der inzwischen Weltmeister ist. Ich habe über ehemalige Real-Spieler aus meiner Zeit nachgedacht, die ein Profil haben, das mir gefällt. Xabi ist inzwischen ein Toptrainer, Álvaro ebenfalls, Modrić spielt noch, Granero ist Geschäftsmann. Am Ende blieben zwei oder drei Namen. Beim ersten Gespräch mit Sami wollte ich einfach spüren, wie er denkt. Er sagte zu mir: ‚Wenn ich morgen kommen muss, komme ich morgen.‘ Er kennt die Mentalität und hat genau die Beziehung zu den Spielern, die man braucht. Auch auf dem Trainingsplatz entwickelt er sich sehr gut.“
Über seine weiteren Assistenten und die Situation um Llopis:
„Die anderen Jungs, die mit mir bei Benfica waren, genießen mein volles Vertrauen. Einer arbeitet stärker an der offensiven Organisation, einer an der defensiven Organisation und den Standards. Die Situation mit Llopis und Nuno hat mir wehgetan. Ich kenne weder Llopis persönlich noch seine Arbeit. Vielleicht habe ich etwas gemacht, das ich nicht hätte machen sollen. Aber dieser Bereich war für mich fundamental und ich wollte jemanden, der bereits mit mir gearbeitet hatte. Fußball ist heute nicht mehr wie vor zehn Jahren. Das Team besteht nicht nur aus elf Spielern und deshalb habe ich diese Entscheidung getroffen.“
Über Antonio Pintus und die Zusammenarbeit im Staff:
„Bei Pintus und Silva habe ich gedacht, dass beide sehr gut passen können. Sie haben unterschiedliche Kompetenzen, unterschiedliche Bereiche und unterschiedliche Arbeitsweisen. Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir arbeiten. Guter Staff, gute Spieler – wenn es nicht funktioniert, ist der Trainer schlecht.“
Mourinho über seine Rückkehr und den Unterschied zum Jahr 2013
Zum Abschluss wurde Mourinho gefragt, wie der Kontakt zu Real Madrid zustande kam und welchen Rat der Mourinho von 2013 dem heutigen Mourinho geben würde.
Über den Kontakt zu Real Madrid vor seiner Rückkehr:
„Bei diesem Spiel bin ich in der Garage geblieben und habe es im Bus gesehen. Spaß beiseite: Ich hatte damals keinerlei Kontakt. Es war ein wichtiges Spiel für Real Madrid und Benfica und ich hatte mit niemandem gesprochen. Zuerst gab es die Gerüchte und danach den Kontakt. Normalerweise gibt es erst Kontakt, jemand spricht miteinander, und danach entstehen Gerüchte und Nachrichten. Diesmal war es umgekehrt. Jedes Jahr gab es irgendein Gerücht über eine Rückkehr, deshalb habe ich dem zunächst keine große Bedeutung gegeben. Als Real Madrid mich dann tatsächlich kontaktierte, waren wir bereits ausgeschieden und befanden uns in der Schlussphase der Saison. Dann kam die Frage, ob ich interessiert sei oder nicht. Ich glaube, das war während der letzten beiden Spiele von Benfica.“
Über die Frage, was der Mourinho von 2013 dem Mourinho von heute raten würde:
„Gute Frage. Philosophisch. Eine schwierige Frage. Schau… Der Mourinho von heute ist derjenige, der dem Mourinho von 2013 einen Rat geben könnte. Der Mourinho von 2013 ist nicht in der Lage, dem heutigen Mourinho etwas zu raten. Bist du derjenige, der deinem Vater Ratschläge gibt, oder gibt dein Vater dir Ratschläge? Man muss immer sehr ruhig bleiben. Für mich ist es heute leichter, ruhig zu bleiben als vor fünf, zehn oder zwanzig Jahren. Du wirst mir sagen, dass ich weiterhin jede Saison rote Karten bekomme. Diese Art von Ruhe meine ich nicht. Wenn du 24 mal sieben rechnest, hast du sehr viele Stunden Fußball. In diesen Stunden musst du die Ruhe bewahren. Ich bin heute besser als damals, als ich gekommen bin, und besser als damals, als ich gegangen bin. Darum geht es.“
RMXpress Fazit
José Mourinho ist 4.854 Tage nach seiner letzten Pressekonferenz in Valdebebas zurück – und vieles an ihm wirkt vertraut, aber kontrollierter. Die sportliche Botschaft ist eindeutig: Eine Saison ohne Titel genügt bei Real Madrid nicht. Gleichzeitig möchte Mourinho keine starre Stammelf, sondern permanente Konkurrenz und einen Kader, in dem auch junge Spieler ihre Chance erhalten.
Besonders interessant sind seine Aussagen über das Mittelfeld. Einen echten Mangel sieht Mourinho nach Rodris Absage nicht, auch wenn ein weiterer Spieler für ihn noch die „Kirsche auf der Torte“ wäre. Mit Tchouaméni, Bernardo Silva und Arda Güler sieht er genügend interne Lösungen. Auch bei Vinícius, Mbappé und Bellingham geht es für Mourinho weniger darum, ob sie gemeinsam spielen können, sondern wie er ihre individuellen Stärken in eine gemeinsame Struktur integriert.
Nun beginnt die entscheidende Phase. Die Testspiele sind vorbei, die erste Startelf steht intern fest und Mourinho macht keinen Hehl daraus, was er am Samstag in Barcelona erwartet: drei Punkte.
