Mourinho lobt Bellingham und bremst Diomande-Hype: „Ruhig bleiben“

Nach dem 4:0 gegen Málaga zeigte sich José Mourinho mit der Entwicklung seiner Mannschaft zufrieden. Der Portugiese sprach zunächst bei Realmadrid TV über Spielkontrolle, Rotation und Teamgeist – anschließend folgten in der Pressekonferenz Aussagen zu Bellingham, Huijsen, Camavinga, Diomande und den kommenden schwierigen Phasen der Saison.

Mourinho bei Realmadrid TV: „Wir wollten das Spiel früh entscheiden“

Direkt nach Abpfiff sprach Mourinho zunächst mit den offiziellen Vereinsmedien.

Über den Spielverlauf: „Die erste Halbzeit war sehr stark. Die Mannschaft wollte keine Zeit verlieren und ist auf den Platz gegangen, um das Spiel früh zu entscheiden. Die zweite Halbzeit war mehr von Kontrolle geprägt, mit niedrigerem Rhythmus. Málaga wollte etwas mehr Ruhe haben und den Ball kontrollieren. Aber jedes Mal, wenn wir beschleunigt haben, entstand Gefahr. Das Gefühl war, dass wir noch ein oder zwei Tore hätten machen können. Aber als Mannschaft war es auch ein Ziel, zu null zu spielen und gut zu verteidigen. Man kann nicht immer mit maximaler Intensität angreifen. Manchmal kommt der Gegner heraus und dann musst du wissen, wie du dich ausbalancierst und gut verteidigst. Das haben wir heute gemacht. Drei wichtige Punkte.“

Mourinho hatte bereits vor dem Spiel angekündigt, diesmal stärker zu rotieren.

Über die fünf Wechsel und die Breite des Kaders: „Das ist mein Ziel. Ich habe den Spielern schon vor dem Spiel gegen Real Sociedad gesagt, dass ich dort sehr viel wiederholen werde, aber im nächsten Spiel vier oder fünf Veränderungen vornehmen würde. Ich wollte die Identität der Mannschaft nicht verändern, sondern mehr Spieler und mehr Qualität hineinbringen. Denn sie haben alle ein sehr hohes Niveau.“

Auch die Reaktion des Publikums gefiel Mourinho.

Über das Bernabéu und den Teamgeist: „Es ist wichtig, dass die Leute mit den vielen Toren Spaß hatten. Aber sie sollen auch Fußball auf höchstem Niveau sehen und daran Freude haben. Denn man hat eine Mannschaft gesehen, die sich verpflichtet fühlt. Wenn Vinícius den Ball verliert, verfolgt er seinen Gegenspieler. Das ist großes Engagement. Es geht nicht nur darum, sich an schönen Toren zu erfreuen, sondern auch mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, dass dort ein Block und eine Mannschaft existieren. In einer Saison haben wir einmal 121 Tore erzielt – das schafft man nur mit Topspielern im Angriff. Jetzt haben wir schon zehn. Aber irgendwann gewinnen wir 1:0 und werden genauso zufrieden nach Hause gehen.“


Pressekonferenz: Mourinho über Huijsen und defensive Stabilität

In der anschließenden Pressekonferenz wollte Mourinho wenig über Vergleiche mit der vergangenen Saison sprechen.

Über Dean Huijsen: „Ich möchte nicht mit dem vergangenen Jahr vergleichen, weil ich die damalige Dynamik nicht kenne. Was ich heute sehe, ist ein Spieler, mit dem wir viel sprechen. Ich mag es, wenn ein Innenverteidiger Qualität am Ball hat und Pässe zwischen die Linien spielen kann. Aber für mich ist zuerst wichtig, dass er konsequent verteidigt, Zweikämpfe gewinnt und Sicherheit gibt. Er hat sich in kurzer Zeit sehr entwickelt. Ich muss mir das Spiel zuhause noch einmal in Ruhe anschauen, aber ich glaube, er hat einen Pass nach innen verloren und danach praktisch alles richtig gemacht. Genau diese Version möchte ich sehen. Ich mag Innenverteidiger, die gut verteidigen. Wenn sie am Ball auch noch elegant sind, umso besser. Aber zuerst müssen sie verteidigen. Und dabei sehe ich aktuell eine gute Version von ihm. Sein Partner neben ihm hilft natürlich auch.“

Auch auf die generelle defensive Entwicklung angesprochen, warnte Mourinho vor zu frühen Schlüssen.

Über die Frage, ob die defensive Stabilität dauerhaft sein kann: „Ich habe Real Madrid im vergangenen Jahr nur wenig gesehen. Richtig intensiv natürlich, als wir innerhalb eines Monats dreimal gegen sie gespielt haben. Davor habe ich Spiele gesehen, wenn ich Zeit hatte. Deshalb kann ich nicht wirklich vergleichen. Aber Probleme werden kommen. Niederlagen werden kommen. Mit Benfica habe ich in der vergangenen Saison kaum verloren und wir wurden trotzdem Dritter. Ich unterschreibe sofort dafür, ein paar Spiele zu verlieren und dafür Titel zu gewinnen. Schlechte Phasen, weniger gute Momente, Verletzungen – all das wird kommen. Kritik von der Presse und negative Reaktionen der Fans ebenfalls. Wir müssen dann sehr ausgeglichen bleiben und verhindern, dass ein negativer Moment die ganze Saison beeinflusst. Genau dann muss die Mannschaft zusammenhalten. Das ist die Rettung in schwierigen Phasen.“


Mourinho über Bellingham, Camavinga und das Mittelfeld

Jude Bellingham war erneut einer der auffälligsten Spieler. Mourinho nutzte die Gelegenheit für großes Lob – und erinnerte zugleich an frühere taktische Rollen des Engländers.

Über Jude Bellingham: „Er ist sehr anspruchsvoll mit sich selbst und auch mit den anderen. Das gefällt mir sehr. Ich habe mit ihm vereinbart, dass ich ihn nicht mehr als zweiten Linksverteidiger verteidigen sehen möchte. Ich habe das in der Vergangenheit sehr oft gesehen. Mit Benfica haben wir genau diese Situation gegen ihn ausgenutzt. Jetzt haben wir die Mannschaft anders organisiert. Er weiß, was er tun muss, und fühlt sich wohl damit.“

#5 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 Jude Bellingham Jude Bellingham Mittelfeld 12Spiele 3Tore 4Assists Zum Spielerprofil

Mourinho hob danach die Qualität des gesamten Mittelfelds hervor.

Über Bellingham, Camavinga, Valverde und Bernardo Silva: „Ich bin mit allen sehr zufrieden. Natürlich haben wir gegen Ende mit dem 3:0 etwas die Ordnung verloren. Manche bleiben konzentriert, andere entspannen etwas – das war unser Eindruck. Aber diese Organisation erlaubt uns, Bälle hoch zu gewinnen, ohne immer tief zurückfallen zu müssen. Es ist normal, dass wir weder körperlich noch mental in der Lage sind, das 90 Minuten durchzuziehen. Ich habe gesagt, dass es bei Real Madrid mehr als einen Spieler gibt, der den Ballon d’Or gewinnen kann. Jude gehört dazu. Natürlich gibt es einen, Mbappé, der bei der Weltmeisterschaft Geschichte geschrieben hat. Aber Jude im Mittelfeld ist unglaublich. Und heute hat ein Spieler ein großartiges Spiel gemacht, der nicht besonders geliebt wird: Camavinga. Dazu Fede, Bernardo – sehr viele Spieler, die sich voll einbringen.“


Mourinho über die Verbindung seiner Offensivstars

Der Portugiese sieht keinerlei Problem darin, mehrere große Namen gleichzeitig einzusetzen.

Über das Zusammenspiel der Stars: „Sehr, sehr gute Spieler wollen miteinander spielen. Sie wollen mit Spielern ihrer Qualität, ihrer Denkgeschwindigkeit und ihrer Entscheidungsqualität zusammenspielen. Diese Spieler müssen immer kompatibel sein. Es wurde viel gesagt: Mourinho will diesen nicht, Mourinho will jenen nicht. Ich will immer die Besten. Wenn Empathie vorhanden ist und alle gemeinsam arbeiten, sehe ich überhaupt kein Problem. Ich sehe einfach sehr gute Spieler.“


Mourinho über Konkurrenzkampf und Frustration

Der starke Kader bringt zwangsläufig Härtefälle mit sich.

Über die Herausforderung, alle Spieler bei Laune zu halten: „Das ist eine schwierige Mission. Nicht für einen Monat, sondern für eine gesamte Saison. Die Frustration der Spieler, die nicht spielen, liegt mehr in ihren Händen als in meinen. Ich kann ihnen Signale geben, dass ich allen vertraue. Aber sie müssen lernen, damit umzugehen. Heute haben Trent und Cucurella gespielt, dafür Carreras und Dumfries nicht. Das gehört dazu.“


Mourinho über Diomande: „Calma, take it easy“

Besonders interessant waren seine Aussagen zu Yan Diomande. Mourinho möchte den hohen Preis des Transfers ausdrücklich nicht zum Maßstab für die Entwicklung des 19-Jährigen machen.

Über Yan Diomande: „Er muss Schritt für Schritt gehen. Er arbeitet sehr viel und sehr gut. Er ist offen, bescheiden, möchte lernen und hört seinen Mannschaftskollegen zu. Er wird wachsen. Ich kann nicht ständig auf die 120 oder 130 Millionen schauen. Wie viel haben sie uns eigentlich berechnet?“

Mourinho relativierte anschließend die Erwartungen.

Über die Ablöse und den öffentlichen Druck: „Wenn von so einer großen Summe gesprochen wird, erwarten die Leute jemanden, der kommt und sofort alles auseinander nimmt. Aber so ist es nicht. Er ist ein sehr junger Spieler. Ruhig bleiben. Take it easy.“


Mourinho über Schiedsrichter und Funes’ Kritik

Auch die Kritik von Málaga-Trainer Juanfran Funes an einer vermeintlich unterschiedlichen Behandlung durch den Schiedsrichter wurde Mourinho vorgelegt.

Über Funes’ Aussagen zum Schiedsrichter: „Das verdient keinen Kommentar.“


RMXpress Fazit

Mourinho zeigte sich nach dem 4:0 vor allem mit dem Gesamtbild zufrieden. Die erste Halbzeit war genau das, was er sehen wollte: hohes Tempo, Druck, klare Offensivaktionen und die Bereitschaft, das Spiel früh zu entscheiden. Danach kontrollierte Real Madrid das Ergebnis, ohne die defensive Ordnung vollständig zu verlieren.

Besonders deutlich fiel sein Lob für Bellingham aus. Mourinho sieht den Engländer als zentralen Fixpunkt, der näher am Tor agieren und seine komplette Qualität entfalten soll. Gleichzeitig hob er Camavinga, Valverde und Bernardo Silva hervor. Bei Diomande bremst der Portugiese dagegen bewusst die Erwartungen. Der 19-Jährige soll nicht anhand seiner Ablöse bewertet werden, sondern sich in Ruhe entwickeln.

Die Botschaft ist klar: Real Madrid besitzt enorme individuelle Qualität – aber Mourinho will daraus vor allem eine Mannschaft machen, die auch dann funktioniert, wenn nicht alles glänzt.

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