Florentino Pérez schlägt zurück: „Sie wollen nur Unruhe stiften“

Florentino Pérez reagiert ausführlich auf Enrique Riquelmes Vorwürfe rund um eine mögliche Privatisierung von Real Madrid — und erklärt erstmals detailliert, wie sein geplantes Zukunftsmodell für den Klub aussehen soll.

Florentino Pérez verteidigt sein Modell und attackiert Riquelme

Der Wahlkampf um die Präsidentschaft von Real Madrid wird immer intensiver — und persönlicher.

Nachdem Herausforderer Enrique Riquelme in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt hatte, dass Florentino Pérez den Verein langfristig „verkaufen“ wolle, hat der amtierende Präsident nun öffentlich zurückgeschlagen. In einem veröffentlichten Video unter dem Titel „El Madrid no se vende“ (dt. Real Madrid wird nicht verkauft) reagierte Florentino Pérez ausführlich auf die Vorwürfe und verteidigte sein geplantes Modell für die Zukunft des Klubs.

Dabei stellte der Präsident klar, dass Real Madrid seiner Meinung nach auch künftig vollständig in den Händen der Mitglieder bleiben müsse.

„Wer behauptet, dass wir Real Madrid verkaufen wollen, hat entweder nichts verstanden oder will bewusst Verwirrung stiften. Denn genau das Gegenteil ist unser Ziel.“

Florentino betonte mehrfach, dass sich an den grundlegenden Strukturen des Vereins nichts ändern solle.

„Der Klub wird weiterhin seinen Präsidenten, seine Junta Directiva, seine Mitgliederversammlung und alle bisherigen Organe behalten.“

Gleichzeitig ging der 79-Jährige auch direkt auf die Aussagen seines Gegners ein und warf Riquelme indirekt vor, mit Angst und Unsicherheit Wahlkampf zu betreiben.

„Diejenigen, die behaupten, dass sich alles verändern wird, wollen einfach nur Unruhe stiften.“

Besonders interessant war dabei, dass Florentino erstmals ausführlicher erklärte, wie seine Idee eines zukünftigen Eigentumsmodells tatsächlich funktionieren soll.

Denn laut Pérez seien die Mitglieder aktuell zwar emotional Eigentümer des Vereins — wirtschaftlich allerdings nicht.

„Heute gehört Real Madrid seinen Mitgliedern — aber nur sentimental und romantisch. Wirtschaftlich besitzen die Mitglieder nichts.“

Genau das wolle er nun ändern. Sein Ziel sei es, den Mitgliedern nicht nur symbolisch, sondern auch wirtschaftlich Eigentumsrechte am Klub zu geben.

„Ich möchte, dass die Mitglieder wirtschaftliche Eigentümer des Vereins werden und diesen Besitz an ihre Kinder und Enkel weitergeben können.“

Florentino wurde dabei sogar emotional, als er das aktuelle System beschrieb.

„Heute stirbt ein Mitglied, wird begraben — und damit endet die Verbindung zu Real Madrid. Für immer. Auch für die Nachkommen.“

Der Präsident sieht darin langfristig sogar eine Gefahr für den Klub. Laut Pérez könnte eine zukünftige Vereinsführung den Klub verschulden und irgendwann übernehmen.

„Eine skrupellose Vereinsführung könnte den Klub ruinieren, verschulden und ihn am Ende für einen Euro übernehmen. Genau solche Situationen haben wir bereits bei anderen Vereinen gesehen.“

Dabei erinnerte Florentino erneut daran, dass er selbst im Jahr 2000 einen wirtschaftlich angeschlagenen Verein übernommen habe.


So soll Florentinos neues Modell funktionieren

Im nächsten Schritt erklärte Pérez dann konkreter, wie seine Zukunftsvision aussehen soll.

Demnach würde Real Madrid weiterhin als klassischer Mitgliederverein bestehen bleiben. Parallel dazu könnte jedoch eine Gesellschaft entstehen, die zu hundert Prozent dem Verein gehört und in die die professionellen Aktivitäten des Klubs — also Fußball und Basketball — ausgelagert würden.

Der entscheidende Punkt: Diese Gesellschaft könnte laut Florentino theoretisch kleine Minderheitsanteile an Investoren vergeben, allerdings maximal fünf Prozent.

Dabei betonte er mehrfach, dass solche Investoren keinerlei Kontrolle über den Verein erhalten würden.

„Selbst wenn irgendwann ein Investor fünf Prozent besitzt, wird dieser niemals Entscheidungen im Klub treffen.“

Laut Florentino gehe es dabei vielmehr darum, den Marktwert von Real Madrid offiziell bestimmen zu lassen und die globale Marke weiter aufzuwerten.

„Vielleicht geht es eher um Image oder darum, mit einer globalen Marke wie Real Madrid verbunden zu sein.“

Die Kontrolle solle immer vollständig bei den Mitgliedern bleiben.

„95 Prozent der Macht würden weiterhin bei den Socios liegen.“

Genau an diesem Punkt widerspricht Riquelme allerdings vehement. Der Gegenkandidat sieht bereits in einer kleinen Beteiligung externer Investoren den Einstieg in eine schleichende Privatisierung des Vereins. Florentino wiederum präsentiert das Modell als zusätzlichen Schutzmechanismus, um Real Madrid dauerhaft gegen wirtschaftliche Risiken und Machtübernahmen abzusichern.


Das neue Modell zusammengefasst

Laut der zweitgrößten spanischen Tageszeitung El Mundo würde das Modell wie folgt aussehen:

  • Auslagerung des gesamten „Fußballgeschäfts“ in eine neue Tochtergesellschaft, in der die größten Einnahmequellen des Vereins wie Fernsehrechte, Sponsoring, Merchandising und sogar Spielertransfergebühren gebündelt werden
  • Die Bewirtschaftung des Santiago Bernabéu, die bereits beim US-Fonds Sixth Street liegt, ist nicht Teil davon
  • Verkauf von 5 % bis 10 % dieser Tochtergesellschaft an einen oder mehrere private Finanzinvestoren
  • Der Verkauf von 5 % bis 10 % würde dem Verein zwischen 500 Mio. € und 1 Mrd. € einbringen
  • Dies wäre eine entscheidende Finanzspritze, um mit den Staatsclubs (PSG, Man City etc.) mithalten zu können
  • Quellen im Verein sagen: „Wir stehen nicht so schlecht da wie Barça, aber wir schwimmen auch nicht gerade im Geld“
  • Real Madrid bleibt die Holdinggesellschaft dieser Tochtergesellschaft
  • Der Verein würde weiterhin im Besitz der 100.000 Socios bleiben

Wahlkampf wird immer aggressiver

Mit diesem öffentlichen Auftritt verschärft sich der Ton zwischen beiden Kandidaten weiter. Selbst die Wahlkommission von Real Madrid sah sich, aufgrund der öffentlichen Anschuldigungen von Enrique Riquelme, dazu veranlasst ein offizielles Statement im Laufe des Tages bekanntzugeben.

Während Enrique Riquelme sich als Verteidiger der traditionellen Vereinsstruktur präsentiert und mit sozialen Themen sowie mehr Transparenz punktet, setzt Florentino Pérez zunehmend auf Erfahrung, wirtschaftliche Stabilität und seine Vision eines technologisch und finanziell globalisierten Real Madrid.

Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass sich beide Kandidaturen nicht nur sportlich oder wirtschaftlich unterscheiden, sondern auch in ihrer Vorstellung davon, was Real Madrid in Zukunft sein soll. Für viele Mitglieder wird die Wahl am 7. Juni deshalb nicht nur eine Entscheidung zwischen zwei Präsidenten — sondern zwischen zwei komplett unterschiedlichen Zukunftsmodellen für den größten Klub der Welt.

Related Articles

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet

Aktuelle Nachrichten