Historischer Tag in Valdebebas
Real Madrid erlebte am Sonntag einen historischen Tag. Erstmals seit 20 Jahren waren die Mitglieder des Vereins wieder dazu aufgerufen, zwischen zwei Kandidaten für das Präsidentenamt zu wählen.
Die Abstimmung fand in der Ciudad Real Madrid in Valdebebas statt – ein Novum in der Vereinsgeschichte. Noch bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2006 wurden die Stimmen in einem großen Zelt neben dem Santiago Bernabéu abgegeben. Nun diente die Basketballhalle des Trainingsgeländes als Wahllokal für eine Entscheidung, die die Zukunft des Klubs bis mindestens 2030 prägen wird.
Zur Wahl standen Amtsinhaber Florentino Pérez und Herausforderer Enrique Riquelme. Pérez, 79 Jahre alt und Mitglied Nummer 1.484, bewarb sich um seine achte Amtszeit als Präsident der Königlichen. Sein Herausforderer Riquelme, 37 Jahre alt und Mitglied Nummer 41.736, wollte als 27. Präsident in die Geschichte des Vereins eingehen.
Rund 70.000 stimmberechtigte Mitglieder waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahllokale öffneten um 9 Uhr morgens und schlossen um 20 Uhr. Anschließend wurden die per Briefwahl eingegangenen Stimmen hinzugefügt und ausgezählt. Damit fand erstmals seit 2006 wieder eine echte Präsidentschaftswahl bei Real Madrid statt. In den vergangenen fünf Wahlperioden war Florentino Pérez jeweils ohne Gegenkandidaten automatisch im Amt bestätigt worden.
Eine Wahl, die Real Madrid seit Jahren nicht erlebt hat
Die Wahllokale öffneten um 9 Uhr morgens und schlossen um 20 Uhr. Bereits eine Stunde zuvor werden die insgesamt 35 Wahltische eingerichtet. Stimmberechtigt waren alle volljährigen Mitglieder, die seit mindestens einem Jahr dem Verein angehören. Damit umfasst das offizielle Wählerverzeichnis rund 70.000 Socios. Für die Stimmabgabe benötigten die Mitglieder zwingend ihren Mitgliedsausweis sowie einen gültigen Identitätsnachweis.
Die heutige Abstimmung ist das Ergebnis einer überraschenden Entscheidung von Florentino Pérez. Obwohl sein Mandat eigentlich noch bis Januar 2029 gültig gewesen wäre, kündigte der Präsident am 12. Mai überraschend Neuwahlen an. Damals erklärte Pérez, dass es eine Kampagne gegen seine Person und gegen die Interessen von Real Madrid gebe und die Mitglieder deshalb selbst entscheiden sollten, wem sie die Führung des Vereins anvertrauen möchten. Mit dieser Ankündigung forderte Pérez potenzielle Herausforderer offen heraus. Enrique Riquelme nahm die Einladung an und sorgte damit für die erste echte Präsidentschaftswahl seit zwei Jahrzehnten. In den vergangenen fünf Wahlperioden wurde Florentino Pérez jeweils automatisch zum Präsidenten erklärt, da kein Gegenkandidat die Voraussetzungen für eine Kandidatur erfüllen konnte.
Das Interesse an den Wahlen war enorm. Insgesamt haben sich 125 Journalisten akkreditiert, um die Ereignisse in Valdebebas zu verfolgen. Die letzte echte Präsidentschaftswahl bei Real Madrid fand am 2. Juli 2006 statt. Damals gewann Ramón Calderón mit lediglich 246 Stimmen Vorsprung gegen Juan Palacios. Rund 28.000 Mitglieder beteiligten sich an der Abstimmung, was einer Wahlbeteiligung von gut 42 Prozent entsprach. Noch höher lag die Beteiligung bei der Wahl 2004, als Florentino Pérez mit überwältigenden 94 Prozent der Stimmen bestätigt wurde. Zwanzig Jahre später haben die Mitglieder des Vereins nun erneut das Wort.
Florentino Pérez bleibt Präsident
Florentino Pérez bleibt Präsident von Real Madrid. Der langjährige Klubchef setzte sich bei den Wahlen am Sonntag in Valdebebas gegen Herausforderer Enrique Riquelme durch und erhielt damit das Vertrauen der Mitglieder für eine weitere Amtszeit bis 2030.
Das offizielle Ergebnis wurde kurz nach Mitternacht bekanntgegeben und bestätigte letztlich das Bild, das sich bereits während des gesamten Wahltages abgezeichnet hatte. Die meisten Umfragen und Erhebungen vor Ort hatten Pérez deutlich vorne gesehen. Am Ende konnte der 79-Jährige seine Favoritenrolle bestätigen und sich eine weitere Amtszeit an der Spitze des Vereins sichern.
Offizielle Mitteilung Real Madrid: „Der Wahlausschuss von Real Madrid teilt mit, dass nach Auszählung von 100 % der Stimmen aus der persönlichen Stimmabgabe und der Briefwahl die von Herrn Florentino Pérez angeführte Kandidatur die Wahlen zum Präsidenten und zum Vorstand von Real Madrid gewonnen hat. Diese Kandidatur hat 21.741 Stimmen erhalten, was einem Anteil von 65 % entspricht. Die von Herrn Enrique Riquelme angeführte Kandidatur hat 11.814 Stimmen erhalten, was einem Anteil von 35 % entspricht.“
Florentino Pérez nach seiner Wiederwahl: „Wir haben auf ganzer Linie gewonnen. Wir haben das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte von Real Madrid erzielt. Es ist ein außergewöhnliches Ergebnis, und es hätte sogar noch besser ausfallen können, da 1.000 Briefwahlstimmen für ungültig erklärt wurden, aber wir werden gegen diese Entscheidung Einspruch einlegen. Wir haben gezeigt, dass wir sowohl eine Demokratie als auch eine große Familie sind. Es war ein bemerkenswerter Wahltag. Wir werden weiterhin hart arbeiten, und wir sind stolz darauf, dass einer der besten Trainer der Welt, José Mourinho, zurückkehrt. Machen Sie keinen Fehler: Unter meiner Führung gehörte Real Madrid immer seinen Mitgliedern, gehört ihnen und wird ihnen immer gehören. Sie haben gezeigt, was Madridismo ist – der Geist, der Millionen von Menschen auf der ganzen Welt vereint, darunter auch den Papst.“
Riquelme etabliert sich als Alternative
Auch wenn Enrique Riquelme die Wahl verlor, dürfte seine Kandidatur nachhaltige Spuren hinterlassen haben. Der Unternehmer aus Alicante stellte innerhalb weniger Tage eine vollständige Kandidatur auf die Beine und zwang Pérez erstmals seit vielen Jahren dazu, aktiv Wahlkampf zu betreiben. Während der Kampagne präsentierte Riquelme zahlreiche Ideen für die Zukunft des Vereins und positionierte sich als Alternative zur aktuellen Führung.
In den letzten Tagen vor der Wahl wurde der Ton zwischen beiden Lagern zunehmend schärfer. Insbesondere beim Thema Vereinsmodell, Transparenz und möglicher Privatisierung kam es zu Diskussionen. Dennoch dürfte Riquelme nach seinem starken Auftritt als ernstzunehmender Herausforderer für zukünftige Wahlen gelten.
Riquelme sagte nach dem Ergebnis: „Herzlichen Glückwunsch an Florentino Pérez. Das ist jedoch nicht das Ende.“
Mourinho, Konaté und Dumfries als erste Projekte
Im sportlichen Bereich nutzte Florentino Pérez die Wahlkampagne, um den Mitgliedern konkrete Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.
Während der vergangenen Tage bestätigte der Präsident die Verpflichtung von José Mourinho als neuem Trainer. Zudem kündigte er die Transfers von Ibrahima Konaté und Denzel Dumfries an, die die Defensive der Königlichen verstärken sollen.
Darüber hinaus machte Pérez deutlich, dass weitere hochkarätige Verstärkungen. Besonders für Aufsehen sorgte seine Ankündigung, bereits am Dienstag ein Angebot in Höhe von mindestens 150 Millionen Euro für einen Spieler vorzulegen. Den Namen wollte er zunächst nicht nennen, spanische Medien bringen jedoch unter anderem Michael Olise mit dem Rekordangebot in Verbindung.
RMXpress Fazit
Florentino Pérez bleibt die prägende Figur bei Real Madrid. Trotz einer sportlich enttäuschenden Saison und eines überraschend starken Herausforderers erhielt der langjährige Präsident erneut das Vertrauen der Mitglieder. Gleichzeitig hat die Wahl gezeigt, dass es erstmals seit vielen Jahren wieder eine organisierte Opposition innerhalb des Vereins gibt. Während Pérez nun seine angekündigten Projekte mit Mourinho und mehreren Top-Transfers umsetzen will, dürfte Enrique Riquelme als möglicher Gegenkandidat der Zukunft bereits in den Startlöchern stehen.
