Ex-Real-Trainer Zidane übernimmt Frankreich und erfüllt sich seinen großen Traum

Zinedine Zidane ist neuer Trainer der französischen Nationalmannschaft und tritt damit die Nachfolge von Didier Deschamps an. Für den ehemaligen Trainer der Königlichen erfüllt sich ein jahrelanger Traum. Sein erstes Pflichtspiel mit den „Les Bleus“ bestreitet er in der Nations League gegen die Türkei.

Zidane ist neuer französischer Nationaltrainer

Zinedine Zidane kehrt auf die große Fußballbühne zurück. Der 54-Jährige wurde offiziell als neuer Trainer der französischen Nationalmannschaft vorgestellt und übernimmt das Amt von Didier Deschamps. Damit endet für Zidane eine lange Wartezeit. Seit seinem Abschied von Real Madrid im Sommer 2021 hatte der Franzose kein neues Traineramt übernommen. Mehrere Angebote europäischer Spitzenklubs soll er abgelehnt haben, weil sein eigentliches Ziel stets die französische Nationalmannschaft war.

Nun ist der ersehnte Moment gekommen: „Heute ist für mich eine Fortsetzung und zugleich ein Traum, der wahr wird. In den vergangenen vier oder fünf Jahren habe ich Angebote erhalten, einen Verein zu übernehmen. Ich habe sie alle wegen der französischen Nationalmannschaft abgelehnt. Das war das Einzige, was ich machen wollte.“

Zidanes erstes Pflichtspiel als Nationaltrainer ist für den 25. September angesetzt. Frankreich trifft zum Auftakt der Nations-League-Gruppenphase auswärts auf die Türkei.


Erstes Heimspiel ausgerechnet gegen Italien

Auch das erste Spiel auf französischem Boden besitzt eine besondere Symbolik. Dort wird Zidane mit seiner Mannschaft auf Italien treffen.

Gegen die italienische Nationalmannschaft bestritt Zidane im WM-Finale 2006 das letzte Spiel seiner aktiven Karriere. Frankreich verlor das Endspiel im Elfmeterschießen, nachdem Zidane in der 110. Minute der Verlängerung wegen seines Kopfstoßes gegen Marco Materazzi vom Platz gestellt worden war. Bis heute unvergessen ist sein Panenka-Elfmeter in der siebten Spielminute im Berliner Olympiastadion gegen Gianluigi Buffon. Zwanzig Jahre später begegnet er Italien erneut – diesmal nicht als Spielmacher und Kapitän, sondern als Trainer der französischen Auswahl.

Zidane möchte den Blick dennoch zunächst nicht zu weit nach vorne richten.

„Es geht nicht nur um das Spiel gegen Spanien oder andere große Mannschaften. Meine Priorität ist das erste Spiel gegen die Türkei. Wir haben im September vier Partien. Ich werde fast drei Wochen mit den Spielern haben, was ideal ist, um Dinge vorzubereiten.“


„Das ist der schönste Tag meiner Trainerkarriere“

Bei seiner Vorstellung sprach Zidane offen über seine Emotionen. Für den ehemaligen Mittelfeldspieler ist das Amt weit mehr als eine weitere Station in seiner Trainerlaufbahn.

„Es ist eine riesige Freude. Ich bin sehr glücklich über das, was gerade mit mir passiert. Mir fehlen die Worte. Ich halte mich zurück, weil sehr viele Emotionen in mir sind. Ich bin bereit für diese Herausforderung.“

Auf die Frage, ob es sich um den bislang schönsten Tag seiner Trainerkarriere handle, antwortete Zidane deutlich.

„Ja, das ist der schönste Tag in Zidanes Karriere als Trainer.“

Bevor er über seine sportlichen Pläne sprach, richtete Zidane außerdem eine Botschaft an die von schweren Bränden betroffenen Menschen und die Einsatzkräfte.

„Ich möchte mit einer Nachricht der Unterstützung für alle Feuerwehrleute beginnen. Viele Familien erleben gerade eine schwierige Zeit.“

Anschließend bedankte er sich beim französischen Verband, dessen Exekutivkomitee und den Mitarbeitern der Föderation für das entgegengebrachte Vertrauen.


Frankreich war immer sein einziges Ziel

Zidane machte keinen Hehl daraus, dass er seit Jahren auf genau diese Möglichkeit gewartet hatte.

„Ich wusste es schon als Kind. Ich habe in den Nachwuchsmannschaften angefangen, alle Stufen durchlaufen und schließlich für die A-Nationalmannschaft gespielt. Ich werde alles geben, damit diese Mannschaft weiterhin gewinnt. Das ist das Einzige, was mich motiviert.“

Bereits nach seinem zweiten Abschied von Real Madrid im Jahr 2021 hatte Zidane auf das Amt bei Frankreich gehofft. Besonders konkret wurde die Möglichkeit nach der Weltmeisterschaft 2022. Damals schien vieles auf einen Trainerwechsel hinzudeuten. Der damalige Verbandspräsident Noël Le Graët verlängerte jedoch den Vertrag von Didier Deschamps. Zidane musste weiter warten. Deschamps führte Frankreich anschließend bei der Europameisterschaft 2024 und der Weltmeisterschaft 2026 jeweils bis ins Halbfinale. Nach zwölf Jahren endete seine Amtszeit schließlich. Unter seiner Führung gewann Frankreich die Weltmeisterschaft und die Nations League.

Zidane erklärte, dass er spätestens seit Deschamps’ angekündigtem Abschied wusste, dass er dessen Nachfolger werden wollte.

„Ich habe diese Mannschaft immer als meine Zukunft gesehen. Aus diesem Grund habe ich bei keinem Verein unterschrieben. Das Einzige, was ich nach Real Madrid machen wollte, war, die französische Nationalmannschaft zu trainieren.“

„Didier traf seine Entscheidung im Januar 2025. Bereits am folgenden Tag wusste ich, dass ich der Nächste sein wollte. Wir haben uns mit dem Präsidenten getroffen und die Vereinbarung besiegelt.“


Ein historischer Name übernimmt Les Bleus

Zidanes Ernennung besitzt für den französischen Fußball eine besondere Bedeutung. Als Spieler führte er Frankreich 1998 zum ersten Weltmeistertitel der Verbandsgeschichte. Zwei Jahre später gewann er mit den „Les Bleus“ auch die Europameisterschaft. Hinzu kam der Triumph beim Konföderationen-Pokal. Nach seinem vorübergehenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft kehrte Zidane 2005 zurück und führte Frankreich ein Jahr später noch einmal bis ins WM-Finale. Besonders während der K.-o.-Phase des Turniers gehörte er zu den überragenden Spielern. Im Viertelfinale gegen Brasilien lieferte er eine der bekanntesten Leistungen seiner Karriere ab. Seine Laufbahn im Nationaltrikot endete schließlich mit dem Platzverweis gegen Italien. Nun beginnt seine zweite große Geschichte mit Frankreich.


Wie möchte Zidane spielen lassen?

Zu seiner künftigen Spielidee wollte Zidane bei seiner ersten Pressekonferenz noch nicht alle Details nennen. Einen ersten Hinweis gab er dennoch.

„Ihr werdet meinen Stil schon bald sehen. Im September werden wir noch einmal eine Pressekonferenz abhalten. Fußball ist meine Leidenschaft. Ich habe als Nummer zehn gespielt, und was mich motiviert, sind Tore.“

Dann verwies der ehemalige Real-Madrid-Coach auf seine lange Zeit im spanischen Fußball.

„Ich habe 25 Jahre in Spanien gelebt. Ihr wisst, was das bedeutet.“

Welche konkreten taktischen Schlüsse sich daraus ergeben, ließ Zidane zunächst offen. Weitere Einzelheiten zu seiner Spielidee will er im September bekannt geben. Zidane verbrachte einen großen Teil seiner Spieler- und Trainerkarriere bei Real Madrid und gewann mit den Königlichen als Coach dreimal in Folge die Champions League.

Gleichzeitig hob er hervor, wie sich seine Rolle mit den Jahren verändert habe.

„Auf dem Platz war ich ein Anführer. Heute werde ich durch meine Erfahrung und durch das, was ich als Trainer zu sein glaube, zu einem Anführer. Ihr werdet es zu gegebener Zeit sehen.“


Noch kein Gespräch mit Kylian Mbappé

Eine der ersten großen Personalfragen betrifft Kylian Mbappé. Der Star von Real Madrid gehört zu den wichtigsten Spielern der französischen Auswahl und dürfte auch unter Zidane eine zentrale Rolle einnehmen.

Ein ausführliches Gespräch zwischen den beiden hatte zum Zeitpunkt der Vorstellung jedoch noch nicht stattgefunden.

„Wir haben noch nicht mit Kylian gesprochen. Das Wichtigste für ihn ist jetzt, sich auszuruhen. Im September werden wir die Gelegenheit haben, mit ihm und allen anderen Spielern über diese Dinge zu sprechen.“

Zidane möchte seinen Spielern nach der langen Saison und der Weltmeisterschaft zunächst die notwendige Erholung ermöglichen, bevor im September die konkrete Arbeit beginnt.


Spanien gehört zu den großen Herausforderungen

Frankreichs Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft hatte den Weg für den Trainerwechsel endgültig freigemacht. Im Halbfinale scheiterten die Franzosen an Spanien. Zidane weiß, dass seine Mannschaft auch künftig an der spanischen Auswahl gemessen werden dürfte. Den Fokus legt er zunächst aber auf die unmittelbar bevorstehenden Aufgaben.

„Spanien ist eine sehr starke Mannschaft. Aber meine Priorität ist zunächst unser erstes Spiel gegen die Türkei.“

Mit mehreren Trainingstagen am Stück erhält Zidane zum Auftakt vergleichsweise viel Zeit, um seine Vorstellungen zu vermitteln. Fast drei Wochen soll er mit dem Kader arbeiten können. Für einen Nationaltrainer, der normalerweise nur kurze Vorbereitungsphasen zur Verfügung hat, ist das eine ungewöhnlich gute Ausgangslage.


Großes Trainerteam und enorme Erwartungen begleiten Zidane

Nach den vorliegenden Informationen wird Zidane mit einem umfangreichen Mitarbeiterstab arbeiten. Insgesamt sollen seinem Team rund 25 Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen angehören. Dazu zählen voraussichtlich Trainer für Taktik, Athletik und Torhüter sowie Mitarbeiter aus den Bereichen Medizin, Analyse und Leistungssteuerung.

Ersten Schätzungen zufolge soll Zidane ein Jahresgehalt von rund 300.000 Euro erhalten. Entscheidend für seine Zusage waren nach seinen eigenen Aussagen jedoch nicht die finanziellen Bedingungen.

Zidane übernimmt eine der talentiertesten Nationalmannschaften der Welt. Frankreich verfügt über zahlreiche Spieler, die bei europäischen Spitzenklubs unter Vertrag stehen. Mit Kylian Mbappé steht dem neuen Trainer einer der besten Spieler der Welt zur Verfügung. Gleichzeitig wird Zidane die Aufgabe haben, aus der großen individuellen Qualität wieder eine dauerhaft funktionierende Einheit zu formen. Seine Vergangenheit verschafft ihm dafür eine besondere Autorität. Zidane kennt den Druck großer Turniere als Spieler und Trainer. Bei Real Madrid bewies er zudem, dass er mit Stars umgehen und eine Kabine mit unterschiedlichen Persönlichkeiten führen kann. Seine Erfolge in Madrid garantieren zwar keinen automatischen Erfolg im Nationalmannschaftsfußball. Dennoch gibt es wohl kaum einen Trainer, dessen Ernennung in Frankreich mit einer ähnlich großen Erwartung verbunden gewesen wäre.


RMXpress Fazit

Die Verbindung zwischen Zinedine Zidane und der französischen Nationalmannschaft wirkte seit Jahren beinahe unvermeidbar. Seit seinem Abschied von Real Madrid hatte der Franzose auf diese Gelegenheit gewartet und dafür offenbar mehrere Angebote großer Vereine ausgeschlagen. Nun übernimmt er ein Team mit außergewöhnlichem Potenzial, aber auch mit entsprechend hohen Erwartungen. Zidane soll Frankreich nach dem Halbfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft zurück an die Spitze führen und eine neue erfolgreiche Ära einleiten. Seine erste Aufgabe besteht darin, der Mannschaft innerhalb kurzer Zeit eine klare Identität zu vermitteln. Welche taktischen Vorstellungen der frühere Real-Trainer konkret verfolgt, will er im September ausführlicher erläutern.

Auch aus Sicht von Real Madrid wird Zidanes Amtsantritt aufmerksam verfolgt. Neben Kapitän Kylian Mbappé gehören mit Ibrahima Konaté und Aurélien Tchouaméni weitere Spieler der Königlichen zum französischen Nationalteam. Eduardo Camavinga, der nicht für die Weltmeisterschaft nominiert worden war, dürfte ebenfalls auf eine neue Chance unter Zidane hoffen. Ferland Mendy könnte nach seiner Rückkehr von der langwierigen Verletzung ebenfalls wieder eine Option für Les Bleus werden.

Damit wird Zidanes Arbeit nicht nur für den französischen Fußball von großer Bedeutung sein. Auch in Madrid dürfte genau beobachtet werden, welche Rollen der ehemalige Trainer der Königlichen seinen früheren und heutigen Real-Spielern in der Nationalmannschaft zuweist. Mit dem Auftakt gegen die Türkei beginnt im September ein neues Kapitel. Für Zidane ist es die Erfüllung eines Traums, auf den er seit seinem Abschied aus Madrid gewartet hat.

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