Enrique Riquelme sorgt weiter für Aufsehen rund um Real Madrid. In einem ausführlichen Interview bei El Larguero sprach der Unternehmer über seine Vision für den Klub, eine mögliche Privatisierung, seinen Konflikt mit Florentino Pérez und mögliche sportliche Veränderungen. Besonders brisant: Riquelme kündigte an, dass Raúl González Blanco unter ihm Sportdirektor werden würde.
Enrique Riquelme über…
die überraschende Wahl-Ankündigung: „Ich habe in diesen Wochen viele verschiedene Emotionen erlebt. Heute denke ich gleichzeitig großzügig und egoistisch darüber. Als Florentino die Wahlen ausgerufen hat, konnte ich es zunächst nicht glauben. Ich dachte, wenn er mitten in seiner Amtszeit Wahlen ansetzt, dann um zu gehen. Aber nein – er ruft Wahlen aus, um zu bleiben, eine Versammlung einzuberufen und ein Referendum über den Verkauf des Klubs vorzubereiten. Deshalb bin ich stolz darauf, dass ich kandidiere. Ich habe es ihm selbst und auch Anas Laghrari im Sommer bei der Klub-WM gesagt: Meine rote Linie war immer das Thema Verkauf des Vereins. Und gestern hat er es im Interview mit ‘El País’ erneut deutlich gemacht.“
seine Motivation: „Ich weiß nicht einmal, ob ich in Zukunft noch einmal kandidieren würde. Im Moment tue ich das, um den Verkauf des Klubs zu verhindern. Deutlicher kann man es nicht sagen: Sie wollen die Statuten öffnen, um den Verein zu verkaufen. Bisher gab es von ihrer Seite nur drei große Vorschläge: dass der Klub verkauft werden soll, dass man sich eine veraltete Apple-Brille für 4.300 Euro kaufen soll, um Fußball zuhause zu schauen… und dass sie ständig über mich reden. Ich möchte nicht selbst das Zentrum ihrer Kampagne sein. Stattdessen sollten sie über soziale Themen, sportliche Themen und wirtschaftliche Themen sprechen. Ich würde sehr gerne mit Florentino debattieren. Ich habe ihm das angeboten. Aber er will das nicht.“
„Rodri ist genau der Spielertyp, den Real Madrid braucht.“
Rodri Hernández: „Ja, absolut. Rodri ist ein großartiger Fußballer. Er verkörpert Werte, Wettbewerbsfähigkeit und Persönlichkeit. Er war Ballon-d’Or-Gewinner und ist Madrilene. Einen Spieler wie ihn hätte ich sehr gerne bei Real Madrid. Ob ich ihn schon fix verpflichtet habe? Was ich sage, ist: Wenn ich Präsident werde, dann wird ein Spieler wie Rodri bei Real Madrid spielen. Heute bin ich noch nicht Präsident und man muss respektieren, dass er bei seinem Verein unter Vertrag steht. Natürlich gab es Kontakte mit seinem Berater. Er ist einer der zwei Namen, an denen wir gearbeitet haben. Der andere Spieler wird in den kommenden Tagen vorgestellt. Und selbstverständlich bleiben das keine leeren Wahlversprechen.“
einen weiteren Transfer: „Der andere Transfer, den ich am Mittwoch bekannt geben werde, ist ein ausländischer Spieler. Ich würde mir wünschen, dass es mehr spanische Spieler gibt, aber das wird die sportliche Leitung entscheiden.“
Laut übereinstimmenden Medienberichten handelt es sich bei diesem Spieler um Erling Haaland.
seinen Trainer: „Ja, ich habe bereits einen Trainer fixiert. Es liegen noch einige Tage Wahlkampf vor uns und meine Idee ist es, nach und nach Namen und Überraschungen zu präsentieren. Auch große Fachleute und Madrid-Legenden werden sich dem Projekt anschließen. Den Trainer werde ich später bekannt geben. Über Arteta wurde viel gesprochen – so viele Namen, dass irgendwann einer stimmen muss. Er ist ein großartiger Trainer und hatte eine starke Saison mit Arsenal, aber es gibt auch andere großartige Trainer.“
die Sorgen der Mitglieder: „Es hat mich überrascht, dass fast 100 Prozent der Mitglieder und Fanclubs mich gar nicht nach Transfers fragen. Ich habe sie stattdessen nach ihren Problemen gefragt, danach, wo der Verein aktuell versagt. Vergangene Woche haben wir bereits einige soziale Maßnahmen vorgestellt, die wir umsetzen würden. Die Mitglieder haben echte Probleme, die seit Jahren ignoriert werden. Oft geht es dabei gar nicht um Geld, sondern einfach um fehlenden Willen, Dinge zu lösen.“
José Mourinho: „Nun, das müssen Sie ihn fragen… Ich glaube, er gehört eher zur anderen Kandidatur. Er ist ein großartiger Trainer und hatte seine Zeit bei Real Madrid. Aber der Klub braucht jetzt ein Projekt für die kurze, mittlere und lange Zukunft. Es braucht Ergebnisse vom ersten Tag an, aber gleichzeitig muss etwas Nachhaltiges aufgebaut werden. Er ist ein großer Trainer, aber ich glaube nicht, dass er aktuell das ist, was Real Madrid braucht.“
„Wenn ich Präsident werde, wird Raúl Sportdirektor von Real Madrid.“
Raúl González Blanco: „Ich habe den Posten bereits besetzt. Wenn Sie Präsident der Chicago Bulls wären – wen würden Sie als Sportdirektor holen? Ich glaube, dass Real Madrid in dieser Situation jemanden braucht, der den Madridismo verkörpert. Eine Legende. Er hat 16 Saisons für Real Madrid gespielt, mehr als 300 Tore erzielt und über 100 Länderspiele absolviert. Niemand kennt den Klub besser. Deshalb haben wir entschieden, dass er unser Sportdirektor wird. Wenn ich Präsident von Real Madrid werde, dann wird Don Raúl González Blanco Sportdirektor von Real Madrid.“
Raúls Bedeutung: „Wir erleben aktuell eine Phase, in der wir zu den Grundlagen des Vereins zurückkehren müssen. Die Jugendakademie muss professionalisiert werden. Raúl selbst hat die Youth League gewonnen – aber wo sind diese Spieler heute? Viele von ihnen haben Erfolg bei anderen europäischen Vereinen.“
die Gespräche mit Raúl: „Ich musste ihm das Projekt erklären – unsere Ideen für die Zukunft und was wir glauben, dass er beitragen kann. Und je besser ich ihn kennenlerne, desto überzeugter bin ich. Es gibt niemanden, der besser für diesen Posten geeignet wäre. Er ist ein echter Madridista und wird niemals zulassen, dass Real Madrid Schaden zugefügt wird. Wer wäre besser geeignet als der Spieler, der das Trikot am häufigsten getragen hat?“
Mbappé und Vinícius: „Sie sind beide großartige Spieler, die Besten auf ihren Positionen, und sie haben beide Vertrag. Natürlich gehören beide zu unserem Projekt.“
„Verkaufen ist verkaufen – und verkaufen bedeutet Privatisierung.“
die Privatisierung des Vereins: „Verkaufen ist verkaufen. Und verkaufen bedeutet natürlich Privatisierung. Dieses Thema existiert seit Jahren. In verschiedenen Versammlungen wurde immer wieder versucht, den Mitgliedern die Idee eines Verkaufs schmackhaft zu machen. Es wurde mit verschiedenen Strategien getestet. Jetzt heißt es: ‚Es sind doch nur fünf Prozent‘. Aber Moment… Ich habe Florentino Pérez und Anas Laghrari immer gesagt, dass das für mich eine rote Linie ist.“
Anas Laghrari: „Für mich ist es unverständlich, dass jemand alle wichtigen Entscheidungen des Vereins beeinflusst, ohne eine offizielle Position zu haben – und obwohl er erst seit kurzer Zeit Mitglied ist. Es gibt viele Fragen rund um diesen Namen. Vor allem: Wie viele Millionen Euro hat er Real Madrid in Rechnung gestellt und warum?“
„Wenn er der Technologieexperte der Kampagne ist – nun ja, die Brillen sind seit zwei Jahren veraltet. Meine Frage ist vielmehr: Warum trifft jemand ohne offizielles Amt die wichtigsten Entscheidungen des Klubs? Das macht mir als Madridista Sorgen. Ob es die Mitglieder ebenfalls beschäftigt, weiß ich nicht.“
eine Teilprivatisierung: „Es gibt auch Modelle wie beim FC Bayern, wo 75 Prozent den Mitgliedern und 25 Prozent Sponsoren gehören. Aber es gibt eben auch Beispiele wie Valencia, das komplett privatisiert wurde. Wenn man Real Madrid verkaufen will, braucht es zuerst eine Versammlung und danach ein Referendum. Aber wenn Mitglieder seit 20 Jahren praktisch keine Stimme mehr haben, wie soll das fair funktionieren? Man sagt: ‚Das geschieht für die Mitglieder‘. Aber Real Madrid gehört doch bereits den Mitgliedern. Wenn ein Haus mir gehört und ich fünf Prozent davon verkaufe, gehört es mir danach nicht mehr als vorher – es gehörte mir bereits. Man sagt: ‚Damit man weiß, was es wert ist‘. Dann verkauft doch euer eigenes Haus. Warum sollen wir etwas verkaufen, das bereits den Mitgliedern gehört?“
die aktuelle Kampagne: „Mit allem Respekt vor der Position des Präsidenten von Real Madrid, der ein großer Präsident war und viele sportliche Erfolge hatte – mich überrascht die Art dieser Kampagne. Ich hatte erwartet, gegen ein anderes Profil anzutreten. Ich finde, dass gegenseitiger Respekt, Dialog und gesunde Debatten wichtig sind. Stattdessen sehe ich eine Kampagne, in der ich selbst zu sehr im Mittelpunkt stehe. Die Mitglieder verdienen es, dass wir unterschiedliche Ideen vergleichen und offen darüber diskutieren.“
das Frauen-Team von Real Madrid: „Wir haben uns am Wochenende beim Spiel der Frauenmannschaft gesehen. Wir haben uns nicht begrüßt, weil wir weit voneinander entfernt waren. Aber ich habe dort einige Dinge mitgenommen. Das Stadion braucht mehr Aufmerksamkeit – besonders der Frauenfußball. Die Gegentribüne lag komplett im Schatten, war aber geschlossen, während alle Fans von Real Madrid bei über 30 Grad in der Sonne saßen. Das habe ich nicht verstanden. Ich habe mir direkt Notizen für neue Vorschläge gemacht. Ich würde die Kapazität des Alfredo Di Stéfano erweitern und ich würde gerne sehen, dass die Frauenmannschaft ihre großen Spiele im Bernabéu austrägt, um Schritt für Schritt dieses Niveau zu erreichen.“
