Wer ist Enrique Riquelme?
Enrique Riquelme wurde 1989 in Cox (Alicante) geboren und ist seit vielen Jahren Socio von Real Madrid. Der spanische Unternehmer gilt als Gründer und Executive Chairman der Grupo Cox – einer Unternehmensgruppe, die sich auf Wasser-, Energie- und Infrastrukturprojekte spezialisiert hat, insbesondere auf erneuerbare Energien, Entsalzung, Wasseraufbereitung und Wiederverwendung.
Seine Karriere begann 2010 in Panama bei Grupo El Sol, ehe er zahlreiche Projekte in Lateinamerika vorantrieb. 2014 gründete er Cox Energy. Spätestens seit der Übernahme wichtiger Abengoa-Vermögenswerte im Jahr 2023 gehört Riquelme zu den bekanntesten Unternehmern Spaniens.
Mit dem Börsengang der Grupo Cox im November 2024 stieg sein wirtschaftlicher Einfluss nochmals deutlich an. Laut mehreren Berichten hält Riquelme rund 75 Prozent des Unternehmens, dessen Marktwert inzwischen auf über eine Milliarde Euro geschätzt wird.
Die größte Hürde: Die Bankbürgschaft
Um überhaupt als Kandidat für das Präsidentenamt von Real Madrid antreten zu dürfen, müssen die Bewerber extrem strenge Voraussetzungen erfüllen.
Neben mindestens 20 Jahren ununterbrochener Mitgliedschaft verlangt die Vereinssatzung eine persönliche Bankbürgschaft in Höhe von 15 Prozent des Vereinsbudgets. Während diese Summe 2021 noch bei rund 123,8 Millionen Euro lag, soll sie inzwischen auf über 194 Millionen Euro angestiegen sein.
Genau an dieser Hürde scheiterten in der Vergangenheit zahlreiche mögliche Gegenkandidaten.
Enrique Riquelme hat dagegen heute im Interview bestätigt diese mit der Andbank zu haben: „Wir können wirklich auf die Unterstützung von Andbank zählen, was mein Vermögen angeht. Man muss bedenken, dass die Bürgschaft vom Vorstand verteilt werden kann; in diesem Fall waren es aufgrund einer Entscheidung zu 100% meine persönlichen Mittel.“
Neben der Bürgschaft muss ein Vorstand von mindestens neun Personen zusammengestellt werden, darunter ein Vizepräsident mit mindestens 15 Jahren ununterbrochener Mitgliedschaft als Socio sowie die übrigen Vorstandsmitglieder, die ebenfalls mindestens zehn Jahre ununterbrochen Socios des Klubs sein müssen.
Der mögliche Machtapparat von Riquelme
Enrique Riquelme soll bereits intensiv an einem möglichen Präsidium gearbeitet haben. Mehrere wirtschaftlich und politisch einflussreiche Persönlichkeiten werden bereits mit seinem Projekt in Verbindung gebracht:
- David Mesonero: Corporate-Development-Direktor bei Iberdrola und Schwiegersohn von Präsident Ignacio Sánchez Galán — dem wohl größten wirtschaftlichen Rivalen von Florentino Pérez. Er soll Vizepräsident werden.
- Ángel Martín: Besitzer der Menorca-Kliniken und enger Freund von Klublegenden wie Iker Casillas und Sergio Ramos. Ebenfalls als Vizepräsident vorgesehen.
- Der Sohn von Vicente Boluda: Sohn des ehemaligen Interimspräsidenten von Real Madrid nach dem Rücktritt von Ramón Calderón im Jahr 2009.
- Der Sohn von Fernando Fernández Tapias: Sohn eines der engsten Verbündeten von Florentino Pérez und ehemaligen ersten Vizepräsidenten des Klubs.
- Rosauro Varo: Bedeutender spanischer Investor und Eigentümer der GAT-Gruppe mit Beteiligungen in Tourismus, Immobilien und Cabify.
- Dámaso Quintana: Präsident von Cunext, einem der größten Rohstoffkonzerne Spaniens, bekannt als „Kupferkönig“ und geschäftlich mit Riquelme über Cox Energy verbunden.
Vor allem die Nähe einiger Namen zu früheren oder aktuellen Machtzentren rund um Real Madrid sorgt intern für große Aufmerksamkeit.
Darüber hinaus nahmen Iker Casillas, Sergio Ramos, Fernando Sanz und Miguel Torres an Riquelmes Geburtstagsfeier im Januar teil.
Haaland und Klopp als Wahlkampf-Waffen?
Der wohl spektakulärste Teil von Riquelmes möglichem Wahlprogramm betrifft den sportlichen Bereich.
Nach mehreren Berichten soll der Unternehmer bereits direkte Gespräche mit dem Umfeld von Erling Haaland geführt haben. Gleichzeitig soll auch Kontakt zu Jürgen Klopp aufgenommen worden sein.
Die Idee dahinter: Haaland soll zum neuen Superstar des Projekts werden, während Klopp als Trainer die sportliche Führung übernehmen könnte. Damit würde Riquelme gezielt auf zwei Namen setzen, die im Madridismo seit Jahren enorme Strahlkraft besitzen.
Heute bestätigte er: „Wir haben wichtige Namen, die kommen werden. Die besten Spieler, die Real Madrid aktuell braucht, werden kommen“
Riquelme: „Es ist ein Schlüsseltag“
Neben dem offenen Brief an Florentino Pérez, den Enrique Riquelme am 13. Mai veröffentlichte, lassen die Aussagen der vergangenen Tage die Spannung weiter steigen. Bei der Dokumentarfilm-Premiere von Rafael Nadal in Madrid bezeichnete er den gestrigen Samstag, bei dem er seine Wahlunterlagen eingereicht hat, als: „einen Schlüsseltag.“
Zuvor erklärte er beim VII Foro Internacional de Expansión: „Ich würde sehr gerne kandidieren.“
Außerdem sprach er von einer: „ethischen und moralischen Verpflichtung gegenüber den Mitgliedern.“
Riquelme warnte offen davor, dass dies möglicherweise „die letzten echten Wahlen“ bei Real Madrid sein könnten. Hintergrund ist seine Sorge vor einer möglichen zukünftigen Privatisierung des Vereins.
Besonders interessant: Riquelme gab zu, ursprünglich erst für 2028 geplant zu haben. Die vorgezogenen Wahlen hätten seine Strategie verändert.
Schreiben an die Wahlkommission von Real Madrid
Am Donnerstag, den 21. Mai verfasste Riquelme folgenden Brief an die Wahlkommission von Real Madrid:
„AN DEN WAHLVORSTAND DES REAL MADRID CLUB DE FÚTBOL
Herr Enrique José Riquelme Vives, volljährig, mit Personalausweis-Nr. xx, mit Zustellungsanschrift in xx, Mitglied Nr. 41736 des Real Madrid Club de Fútbol,
ERKLÄRT
I. Dass gemäß den geltenden Wahlvorschriften für die Wahlen zum Präsidenten und zum Vorstand des Real Madrid Club de Fútbol für das Jahr 2026, insbesondere gemäß den Bestimmungen in Abschnitt III, die Kandidaten, die ihre Kandidatur einreichen wollen, dies dem Wahlausschuss als dem für die Entgegennahme der Kandidaturen zuständigen Gremium mindestens achtundvierzig (48) Stunden im Voraus mitteilen müssen.
II. Dass er mit dem vorliegenden Schreiben und innerhalb der festgelegten Frist diese vorherige Mitteilung vornimmt und zu diesem Zweck
MITTEILT
Dass er die Absicht hat, als Kandidat für das Amt des Präsidenten des Real Madrid Club de Fútbol anzutreten und die entsprechende Kandidatur für den Vorstand anzuführen, deren formelle Einreichung frist- und formgerecht gemäß den geltenden Vorschriften erfolgt. Ebenso erklärt er, dass die Kandidatur die in der Satzung und den geltenden Wahlvorschriften geforderten Voraussetzungen für die Ausübung dieses Amtes erfüllt. „Mein Ziel ist es, ein Projekt für den Real Madrid der Zukunft vorzulegen, das für alle Madridistas begeisternd ist und sich insbesondere darauf konzentriert, die Mitglieder wieder in den Mittelpunkt eines neuen Zyklus zu stellen, wobei gewährleistet wird, dass sie stets die einzigen und wahren Eigentümer des besten Fußballvereins der Welt bleiben. Aus all diesen Gründen
BEANTRAGT
dass die in Abschnitt II der Wahlordnung vorgesehene vorherige Bekanntgabe der Kandidatur für die entsprechenden Zwecke als frist- und formgerecht erfolgt gilt. Madrid, den 21. Mai 2026.“
Einfluss auf Mourinho und weiteres Verfahren
Der laufende Wahlprozess beeinflusst auch die Situation von José Mourinho.
Sollten zwei Kandidaturen für die Wahlen vorliegen, muss der Wahlausschuss nach Ablauf der zehntägigen Frist für deren Einreichung (die am Samstag, dem 23. endete) den Wahltermin innerhalb einer Frist von höchstens 15 Tagen festlegen, wobei davon ausgegangen wird, dass diese Frist nicht kürzer sein darf, da die Kandidaten Zeit haben müssen, den Mitgliedern ihr Programm vorzustellen. Da die Wahlen nun stattfinden, müssten diese um den 7. Juni, einen Sonntag, herum stattfinden.
Der portugiesische Trainer wartete darauf, Anfang kommender Woche offiziell vorgestellt zu werden — allerdings nur, wenn keine weitere Kandidatur außer jener von Florentino eingereicht wird — was nicht der Fall ist.
Da Enrique Riquelme tatsächlich angetreten ist, könnte Mourinhos Verpflichtung — selbst bei einem Wahlsieg von Florentino — frühestens nach dem 7. Juni offiziell werden. Zu diesem Zeitpunkt wäre jedoch die Klausel abgelaufen, die Mourinho einen Wechsel von Benfica für sieben Millionen Euro ermöglicht. Danach müsste entweder mit Benfica verhandelt oder eine höhere Vertragsstrafe für eine einseitige Auflösung bezahlt werden.
Laut der spanischen Zeitung AS soll nun Jorge Mendes — der Berater von Mourinho — bereit sein, die Ausstiegsklausel von ihm persönlich zu bezahlen. Hintergrund ist nun diese zeitlich begrenzte Gültigkeit der Klausel. Mendes sei bereit, diesen Schritt zu gehen, um die Beziehungen zu Real Madrid weiter zu stärken und Mourinho den Wechsel zu ermöglichen.
Der übermächtige Gegner: Florentino Pérez
Das letzte Mal, dass sich Florentino Pérez einer Abstimmung der Socios stellen musste, war bei den Präsidentschaftswahlen 2004. Damals gewann er sein erstes Mandat mit überwältigender Mehrheit:
- 21.377 Stimmen (91,36 %) für Florentino Pérez
- 1.189 Stimmen (5,08 %) für Lorenzo Sanz
- 458 Stimmen (1,96 %) für Arturo Baldasano
Das letzte Mal, dass die Mitglieder von Real Madrid überhaupt abstimmen konnten, war 2006 bei der Wahl von Ramón Calderón.
Seitdem trat bei den Wahlen 2009, 2013, 2017, 2021 und 2025 niemand gegen Florentino Pérez an. Erst vor etwas mehr als einem Jahr — am 19. Januar 2025 — wurde er erneut zum Präsidenten gewählt und bleibt trotz aller Spekulationen auch dieses Mal der klare Favorit.
Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 führte er Real Madrid zu über 65 Titeln in verschiedenen Sportarten. Allein die Fußballabteilung gewann unter seiner Führung sieben Champions-League-Titel.
Der Präsident selbst reagierte zuletzt demonstrativ gelassen auf die Spekulationen um Riquelme: „Ich kenne diesen Herrn nicht. Als im Jahr 2000 Wahlen angesetzt wurden, habe ich nicht darum gebeten, sie zu verschieben. Ich habe kandidiert und gewonnen.“
Doch erstmals seit vielen Jahren hat Florentino Pérez tatsächlich einen ernsthaften Herausforderer bekommen.
RMXpress Fazit
Die Tatsache, dass erstmals seit Jahren ein Gegenkandidat die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt, verändert die Dynamik rund um Real Madrid spürbar. Mit Namen wie Klopp und Haaland, einem Netzwerk aus mächtigen Unternehmern, Kontakten zu ehemaligen Legenden wie Casillas und Ramos sowie die deutliche Kritik am aktuellen Wahlprozess positioniert sich Riquelme klar als Gegenentwurf zur bestehenden Vereinsführung.
Gleichzeitig bleibt Florentino Pérez eine nahezu übermächtige Figur innerhalb des Vereins. Seine sportlichen Erfolge, sein Einfluss und seine Stellung im Madridismo machen ihn weiterhin zum Favoriten.
Fest steht aber: Mit Enrique Riquelme stehen bei Real Madrid nun die spannendsten Präsidentschaftswahlen seit Jahrzehnten bevor.
