Wahlkampf bei Real Madrid offiziell eröffnet: Enrique Riquelme greift Florentino Pérez frontal an

In ausführlichen Interviews mit The Athletic und COPE spricht Enrique Riquelme über seine Kandidatur gegen Florentino Pérez, einen möglichen Trainerwechsel, Superstar-Transfers, die Zukunft von Real Madrid und seine Kritik an der aktuellen Vereinsführung.

Wahlkampf bei Real Madrid offiziell eröffnet

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten erlebt Real Madrid wieder echte Präsidentschaftswahlen. Unternehmer Enrique Riquelme hat Florentino Pérez offiziell herausgefordert – und der 37-Jährige macht bereits in den ersten Tagen des Wahlkampfs klar, dass er nicht als symbolischer Gegenkandidat antritt.

In zwei ausführlichen Interviews mit The Athletic sowie dem spanischen Radiosender COPE sprach Riquelme erstmals offen über seine Kandidatur, seine Kritik an Florentino Pérez, seine sportlichen Pläne und die Zukunft von Real Madrid.

Die Wahl am 7. Juni könnte damit zu einer der bedeutendsten Abstimmungen der modernen Vereinsgeschichte werden.

Noch vor wenigen Wochen kannten viele Madridistas den Namen Enrique Riquelme kaum. Der Unternehmer stammt aus Cox, einer kleinen Stadt in Alicante, und machte sein Vermögen im Bereich erneuerbare Energien. Er gründete Cox Energy und baute daraus einen internationalen Konzern mit rund 5.000 Mitarbeitern in 37 Ländern und einem Jahresumsatz von etwa vier Milliarden Euro auf.

Bereits 2021 deutete Riquelme an, irgendwann für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen. Damals verzichtete er jedoch auf eine Kandidatur gegen Florentino Pérez. Eigentlich plante er seinen Einstieg erst für das Jahr 2028. Doch Florentinos Pressekonferenz am 12. Mai änderte alles.


„Und ich bin angetreten“

In seinem Interview mit The Athletic erklärte Riquelme, dass ihn die Aussagen von Florentino Pérez praktisch öffentlich herausgefordert hätten.

„Und ich bin angetreten. Er sagte außerdem, dass es eine Debatte geben würde – aber bisher gab es keine.“

Riquelme kritisierte dabei auch den extrem kurzen Zeitraum für Kandidaturen.

„Florentino wusste genau, dass das Zeitfenster nur fünf Werktage beträgt.“

Außerdem erklärte er:

„Wir haben die endgültige Entscheidung erst ganz am Ende getroffen, weil wir sicher sein wollten, dass wir ein ernsthaftes und konkurrenzfähiges Projekt präsentieren.“


Kritik am Wahlsystem von Real Madrid

Besonders scharf attackierte Riquelme die aktuellen Statuten des Vereins.

„Seit 20 Jahren gab es keine echte Kandidatur. Sollen wir wirklich glauben, dass in all dieser Zeit kein einziger Madridista Präsident von Real Madrid werden wollte?“

Im COPE-Interview ergänzte er:

„Für mich ist es verrückt, dass man fast 200 Millionen Euro an persönlichen Bankgarantien braucht, um Präsident von Real Madrid zu werden. Ich bin mir sicher, dass es viele Socios von Real Madrid gibt, die bessere Kandidaten wären als ich oder Florentino Pérez — aber sie können nicht kandidieren, weil sie nicht über dieses Geld verfügen.“


Angriff auf Florentino Pérez

Auch persönlich machte Riquelme deutlich, dass er eine andere Vision für den Klub habe.

„Ich würde nicht sagen, dass ich besser oder schlechter bin als Florentino Pérez. Wir sind unterschiedlich, wir haben unterschiedliche Projekte.“

Auf Florentinos indirekte Bemerkungen über seinen „mexikanischen Akzent“ reagierte er mit Ironie.

„Generationsmäßig leben wir in völlig unterschiedlichen Welten. In meinem Alter hatte Florentino noch gar nicht als Unternehmer begonnen.“


Riquelme gegen eine Privatisierung des Klubs

Ein zentrales Thema seiner Kandidatur ist die Zukunft des Vereinsmodells.

Riquelme wirft der aktuellen Führung vor, langfristig eine Privatisierung von Real Madrid vorzubereiten.

„Ich bin komplett gegen eine Privatisierung, weil sie nicht notwendig ist.“

Außerdem sagte er: „Warum sollte Real Madrid aufhören, seinen Mitgliedern zu gehören? Florentino Pérez glaubt offenbar, dass Privatisierung der richtige Weg ist. Ich glaube das nicht.“


Massive Kritik an den Finanzen

Im Interview mit The Athletic sprach Riquelme ausführlich über die wirtschaftliche Situation des Vereins.

„Real Madrid verliert aktuell rund 80 Millionen Euro pro Jahr.“

Dabei kritisierte er insbesondere außergewöhnliche Einnahmen wie VIP-Verkäufe.

„Wir kritisieren Barcelona für finanzielle Hebel – aber das hier sind ebenfalls Hebel.“

Außerdem erklärte er:

„Es gibt dutzende nicht-sportliche Mitarbeiter, die mehr als eine Million Euro pro Jahr verdienen. Real Madrid könnte problemlos 130 bis 140 Millionen Euro einsparen, ohne den sportlichen Bereich anzutasten.“

Auch Real Madrid TV geriet ins Visier.

„Die Betriebskosten von Real Madrid TV liegen weit über dem normalen Niveau.“


„Die Mitglieder fühlen sich verlassen“

Riquelme erklärte mehrfach, dass sein Projekt vor allem auf die Socios fokussiert sei und versprach tiefgreifende Reformen.

„80 bis 90 Prozent meiner Gespräche drehen sich um die Mitglieder, weil sie sich nach 20 Jahren ohne Aufmerksamkeit verlassen fühlen. Morgen werden wir ein komplettes Paket an Vorschlägen präsentieren, um die Situation der Mitglieder zu verbessern.“


Harte Worte zum Negreira-Skandal

Auch der Negreira-Fall wurde angesprochen. Riquelme kritisierte dabei die passive Haltung des Vereins.

„Der Negreira-Fall ist ein perfektes Beispiel für den Abwärtstrend des Klubs. Real Madrid wusste zwei Jahre lang davon und hat nichts getan, obwohl der Verein die Aufklärung hätte anführen müssen.“


Trainer-Frage: Klopp?

Besonders brisant wurden seine Aussagen zum sportlichen Projekt.

Riquelme bestätigte erstmals öffentlich: „Ich habe meinen Sportdirektor, ich habe meinen Trainer. Ich habe eine Einigung mit einem Trainer erzielt, der derzeit eine andere Mannschaft trainiert.“

Auf die Frage nach Jürgen Klopp antwortete er: „Wir schauen uns Profile unter den besten Trainern der Welt an. Natürlich würde ich es lieben, wenn Trainer dieses Kalibers Real Madrid trainieren.“

Gleichzeitig machte er klar: „Es ist kein vereinsloser Trainer.“

Und: „Es handelt sich um ein langfristiges Projekt.“


Mourinho offenbar kein Teil seines Projekts

Zu José Mourinho wollte sich Riquelme dagegen nicht konkret äußern.

„Mein Projekt ist ein völlig anderes.“

Damit deutet vieles darauf hin, dass Mourinho weiterhin nur als Kandidat von Florentino Pérez gilt.


Zwei Superstar-Transfers bereits fix?

Für enorme Aufmerksamkeit sorgten seine Aussagen bei COPE.

„Ich habe zwei große Superstars bereits verpflichtet.“

Außerdem kündigte er an: „Ich werde sie alle während dieses Wahlkampfs vorstellen.“

Besonders spannend: „Einer meiner zwei großen Transfers ist Spanier — und er wird bei dieser FIFA-Weltmeisterschaft spielen!“

Zusätzlich erklärte er: „Zwei Transfers sind bereits finalisiert.“


„Kein Trainer aus der Vergangenheit“

Interessant ist auch, dass Riquelme ausdrücklich auf einen Neuanfang setzt.

„Der Trainer hat zuvor nicht bei Real Madrid gearbeitet. Real Madrid kann nicht weiter kurzfristig denken.“


Keine Vereinslegenden im Projekt

Überraschend offen sprach Riquelme außerdem über die Zusammensetzung seines Teams.

„Es gibt aktuell keine Legende von Real Madrid, die Teil meiner Kandidatur ist.“


Kritik an der spanischen Nationalmannschaft

Besonders emotional wurde er beim Thema Nationalmannschaft.

„Es schmerzt mich als Madridista, dass kein Spieler von Real Madrid bei der FIFA-Weltmeisterschaft für Spanien spielt.“

Dann folgte einer der meistdiskutierten Sätze des gesamten Interviews.

„Welches Trikot sollen unsere Madridista-Kinder während der WM tragen? Das von Lamine Yamal?“


„Ich schlafe nur vier bis fünf Stunden“

Riquelme sprach auch über die Belastung der letzten Tage: „Ich schlafe vier bis fünf Stunden pro Nacht.“


„Ich bin hier, um zu gewinnen“

Zum Abschluss machte der Unternehmer klar, dass er nicht nur symbolisch kandidiert.

„Ich habe nicht fast 200 Millionen Euro meines persönlichen Vermögens riskiert, nur um teilzunehmen. Wenn die Menschen etwas über mich verstehen sollten, dann, dass ich Projekte nicht beginne, um einfach nur dabei zu sein.“


Historische Wahl für Real Madrid

Am 7. Juni wird Real Madrid erstmals seit 2006 wieder echte Präsidentschaftswahlen erleben.

Auf der einen Seite Florentino Pérez – der erfolgreichste Präsident der Vereinsgeschichte und auf der anderen Seite Enrique Riquelme – jung, aggressiv, ambitioniert und mit dem Versprechen eines kompletten Neustarts.

Florentino Pérez wird heute Abend eine Wahlkampfveranstaltung führen.

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Jean
Jean
5 Monate vor

Ihr seid besser als real total. Schade dass euch noch nicht so viele kennen

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