Selbstkritik nach Diskussionen
Antonio Rüdiger hat sich nach den jüngsten Diskussionen um seine Spielweise reflektiert gezeigt. Besonders Szenen wie das harte Einsteigen gegen Getafes Diego Rico sorgten für Kritik – auch über Spanien hinaus.
Im Interview räumte der deutsche Nationalspieler ein, dass er sich seiner Verantwortung bewusst ist:
„Die Diskussion zeigt mir noch einmal, dass ich eine Verantwortung habe, der ich in manchen Momenten nicht gerecht geworden bin. Ich nehme seriös und sachlich vorgetragene Kritik ernst, weil ich selbst weiß, dass ich Szenen hatte, die deutlich drüber waren.“
Und weiter:
„Das hat dann auch insofern Einfluss, weil ich versuche, noch konzentrierter zu sein. Ich will kein Unruheherd sein, sondern Stabilität und Sicherheit geben.“
Rückhalt vom Bundestrainer
Trotz der Kritik steht Bundestrainer Julian Nagelsmann klar hinter seinem Abwehrchef und betont die besondere Verbindung zu ihm:
„Ich habe einen superengen Draht zu Antonio, der auch von einer großen Ehrlichkeit geprägt ist, in beide Richtungen.“
Zur viel diskutierten Szene erklärte Nagelsmann:
„Man muss schon unterscheiden zwischen einem Vergehen, das außerhalb des Platzes stattfindet und einem fußballspezifischen Foul. Man muss immer ein bisschen gucken, wie ein Spieler bewertet wird und was daraus gemacht wird. Da gibt es Spieler, da wird mehr draus gemacht. Antonio ist ein Spieler, der polarisiert.“
Härte als Teil seiner Identität
Trotz aller Selbstkritik macht Rüdiger aber auch deutlich, dass er seine Spielweise nicht grundlegend ändern wird. Für ihn gehört diese Intensität zu seinem Profil als Verteidiger:
„Ein harter Verteidiger zu sein, ist Teil meiner DNA. Wenn du auf diesem Niveau ein Spezialist im Eins-gegen-eins sein willst, kannst du kein angenehmer Gegenspieler sein. Du musst dem Stürmer das Gefühl geben: ‚Heute wird ein unangenehmer Tag für dich‘. Alles spielt sich im Kopf ab. Wenn ich nicht mit dieser Intensität und diesem Engagement spielen würde, wenn ich nicht ans Limit gehe, wäre ich nur halb so gut. Genau dieses Spiel am Limit hat mich zu Real Madrid gebracht. In Madrid schätzen und feiern sie genau das. Ohne das wäre ich nicht hier, hätte nicht zweimal die Champions League gewonnen und nicht so viele Spiele für mein Land gemacht.“
Die Mentalität von Rüdiger geht noch weiter
Neben seiner kompromisslosen Spielweise wurde auch deutlich, wie weit Rüdiger für den Erfolg geht – sogar über körperliche Grenzen hinaus:
„Ich habe meine eigene Gesundheit zurückgestellt und wollte zu 100 % für Real Madrid da sein, weil es nichts gibt, was ich mehr hasse, als meine Mitspieler im Stich zu lassen. Würde ich es wieder tun? Wahrscheinlich. Nach meiner Operation 2025 habe ich aber auch besser verstanden, wann einem die Dinge entgleiten.“
Seit Januar diesen Jahres ist der Innenverteidiger wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Grund dafür war auch seine Spezialbehandlung in London:
„Ich fühle mich wirklich gut und bin erleichtert, dass meine medizinischen Behandlungen nun abgeschlossen sind. Seit August–September 2024 war immer irgendetwas nicht in Ordnung. Endlich kann ich wieder ganze Spiele ohne Probleme bestreiten. Vor allem in der vergangenen Saison konnte ich nur spielen und trainieren, wenn ich Schmerzmittel nahm. Im Januar dieses Jahres verschlimmerte sich mein Zustand, und ich wusste, dass ich eine Pause einlegen musste, denn im Sommer steht ja auch die Weltmeisterschaft an. Aber jetzt bin ich wieder zu 100 % fit.“
Klare Botschaft mit Zahlen
Gleichzeitig widerspricht Rüdiger der Darstellung, er sei ein Risiko für seine Mannschaften. Seine Spielweise sei intensiv – aber kontrolliert:
„Ich spiele mit Intensität, aber ich bin keine Gefahr für meine Teams. Das ist der Punkt, den viele verwechseln. Ich weiß genau, in welcher Minute wir sind und was auf dem Spiel steht. Es ist kein Zufall, dass ich seit neun Jahren keine Rote Karte mehr auf dem Platz gesehen habe – das war 2017, als ich noch bei der Roma gespielt habe. Selbst meine Anzahl an Gelben Karten ist viel niedriger, als viele denken. In den letzten Jahren habe ich im Schnitt nur etwa fünf Gelbe Karten pro Saison in der Liga gesehen.“
Härte als Schlüssel beim DFB
Auch grundsätzlich fordert Rüdiger eine Rückkehr zu mehr Härte – im positiven Sinne – besonders im Nationalteam:
„Wir müssen wieder dahin kommen, dass es maximal unangenehm ist, gegen Deutschland zu spielen. Wir haben sehr viel Talent und Technik, das wissen alle. Aber Talent allein gewinnt keine Weltmeisterschaften. Wir müssen diese Mentalität wiederfinden – im positiven Sinne. Wir müssen als Einheit so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Tunnel keinen Bock mehr hat.“
