Große Umwidmung in Valdebebas geplant
Rund um die Ciudad Real Madrid zeichnet sich ein städtebauliches Großprojekt ab. Nach Informationen von El País soll die Nutzbarkeit von insgesamt rund 448.000 Quadratmetern auf dem Gelände des Vereins neu geordnet werden. Ziel ist es, bislang überwiegend sportlich vorgesehene Flächen künftig teilweise für wirtschaftlich nutzbare Projekte freizugeben.
Geplant sind unter anderem Flächen für Büros, Hotels, Handel, ein privates Krankenhaus, eine private Universität sowie weitere Freizeit- und Dienstleistungsangebote.
Die Umwidmung steht im Zusammenhang mit Plänen des Madrider Rathauses unter Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida.
Deutlich weniger reine Sportfläche vorgesehen
Nach der aktuell geltenden Planung stehen Real Madrid rund 360.000 Quadratmeter für sportliche Nutzung zur Verfügung. Künftig sollen davon nur noch etwa 89.000 Quadratmeter übrigbleiben. Real Madrid hat derzeit rund 60.000 Quadratmeter dieser Fläche bebaut. Ein großer Teil entfällt auf die bestehenden Einrichtungen rund um das Estadio Alfredo Di Stéfano.
Die neue Planung sieht vor, den Schwerpunkt stärker auf private Einrichtungen und sogenannte tertiäre Nutzungen zu verlagern. Für private Ausstattung sollen dem Bericht zufolge etwa 276.000 Quadratmeter vorgesehen werden, weitere rund 172.550 Quadratmeter für Büros, Hotels und andere kommerzielle Nutzungen.
Grundstückswert soll auf 360,1 Millionen Euro steigen
Durch die neue Nutzbarkeit würde sich der wirtschaftliche Wert der Flächen erheblich verändern. Eine dem Projekt beigefügte Bewertung der Immobilienberatung Savills beziffert den Gesamtwert künftig auf rund 360,1 Millionen Euro.
Davon sollen entfallen:
- 40,7 Millionen Euro auf sportlich genutzte Flächen
- 133,9 Millionen Euro auf private Einrichtungen
- 185,5 Millionen Euro auf tertiäre beziehungsweise kommerzielle Nutzung
Vor der geplanten Umwidmung wurden die betroffenen Grundstücke laut Bericht noch mit rund 70 Millionen Euro bewertet. Damit würde sich der theoretische Grundstückswert massiv erhöhen.
Madrid Innovation District nimmt Gestalt an
Die Pläne passen zu einem Projekt, das Florentino Pérez bereits öffentlich skizziert hat: dem Madrid Innovation District. Der Real-Präsident möchte bislang ungenutzte Bereiche von Valdebebas langfristig zu einem Technologie-, Bildungs- und Dienstleistungsstandort entwickeln. Die Ciudad Real Madrid würde dadurch deutlich über ihre bisherige Funktion als Trainings- und Sportzentrum hinauswachsen.
Neben den bestehenden Fußballanlagen könnten weitere Sportflächen entstehen. Für neue Fußballplätze und damit verbundene Einrichtungen sind dem Bericht zufolge rund 10.000 Quadratmeter vorgesehen. Zusätzlich wird über einen Sportclub mit knapp 10.000 Quadratmetern Fläche gesprochen.
Büros, Hotels und Handel geplant
Der größte Teil der neuen Nutzungsflächen soll wirtschaftlich verwertet werden. Von den für tertiäre Nutzung vorgesehenen Bereichen könnten etwa 100.000 Quadratmeter für Büros genutzt werden.
Die übrigen Flächen wären unter anderem für Handel, Übernachtungsangebote und weitere Freizeit- beziehungsweise Dienstleistungsangebote vorgesehen. Damit würde in unmittelbarer Nähe der bestehenden Trainingsanlagen ein neuer urbaner Komplex entstehen.
Privates Krankenhaus und Universität möglich
Auch der Bereich der privaten Infrastruktur spielt in den Plänen eine zentrale Rolle. Rund 110.000 Quadratmeter sollen für den Bau eines privaten Krankenhauses vorgesehen sein. Eine ähnlich große Fläche könnte für eine private Universität genutzt werden.
Zusätzlich sind weitere kulturelle beziehungsweise bildungsbezogene Einrichtungen denkbar. Damit würde der geplante Komplex neben Sport und Wirtschaft auch medizinische und akademische Funktionen erhalten.
Erinnerungen an die alte Ciudad Deportiva
Die Pläne erinnern zwangsläufig an einen entscheidenden Moment der jüngeren Vereinsgeschichte. Vor rund 25 Jahren wurde bereits das Gelände der damaligen Ciudad Deportiva am Paseo de la Castellana neu ausgewiesen.
Diese Operation führte dazu, dass Real Madrid seine Trainingsanlagen nach Valdebebas verlagerte. Das Santiago Bernabéu blieb an seinem bisherigen Standort, während die Umwidmung der alten Trainingsflächen dem Klub erhebliche wirtschaftliche Einnahmen ermöglichte. Nun könnte sich in anderer Form eine vergleichbare Entwicklung wiederholen.
Real Madrid bislang einziger Projektentwickler
Nach den vorliegenden Unterlagen ist Real Madrid selbst der einzige aufgeführte Projektentwickler. Ein Baustart wäre frühestens 2029 denkbar. Voraussetzung dafür sind allerdings noch die notwendigen Genehmigungen der Stadt Madrid und der Regionalregierung.
Die Baukosten des gesamten Projekts sollen sich nach derzeitigen Berechnungen auf rund 1,2 Milliarden Euro belaufen. Erste Einnahmen könnten den Planungen zufolge ab 2031 entstehen. Bis das gesamte Projekt wirtschaftlich vollständig entwickelt und stabilisiert wäre, wird mit einem Zeitraum von bis zu 40 Jahren gerechnet.
Warum die Stadt eine neue Nutzung ermöglichen will
Als ein Argument für die Neuordnung wird die bislang geringe bauliche Ausnutzung der Flächen genannt. Demnach wurden bislang lediglich rund 17 Prozent der maximal möglichen Bebauung des Grundstücks realisiert. Durch die neue Planung sollen bislang ungenutzte Kapazitäten wirtschaftlich und städtebaulich erschlossen werden.
Für Real Madrid eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, aus dem Trainingsgelände langfristig einen wesentlich größeren Standort zu entwickeln.
RMXpress Fazit
Sollte das Projekt in dieser Form genehmigt werden, wäre es eines der größten Infrastrukturvorhaben in der jüngeren Geschichte von Real Madrid. Die geplante Umwidmung würde den Wert der Flächen in Valdebebas massiv erhöhen und gleichzeitig die Grundlage für den von Florentino Pérez angekündigten Madrid Innovation District schaffen. Ein privates Krankenhaus, eine Universität, Büros, Hotels und weitere Angebote würden die Ciudad Real Madrid von einem reinen Trainingszentrum zu einem weitläufigen wirtschaftlichen und technologischen Standort entwickeln.
Allerdings befindet sich das Projekt noch nicht in der Bauphase. Genehmigungen stehen aus, ein möglicher Baustart wird erst für 2029 genannt und die Umsetzung wäre auf Jahrzehnte angelegt.
