Manuel Neuer über…
die Ausgangslage: „Der Vorteil liegt darin, dass wir das Hinspiel gewonnen haben. Es ist aber nur ein Tor, es kann in alle Richtungen gehen. Real Madrid ist eine schwere und harte Aufgabe. Aber wir haben einen kleinen Vorteil. Und wir haben den Vorteil, dass die Kulisse zuhause an solchen Abenden wie morgen brennt. Die Ausgangslage ist gut, aber wir können das nicht überbewerten, weil wir in der Vergangenheit erlebt haben, wie Real zuschlagen kann. Aber wir sind selbstbewusst!“
„Wenn wir als Mannschaft funktionieren ziehen wir ins halbfinale ein“
die Duelle mit Viní Jr. und Kylian Mbappé: „Es geht nicht um die Namen, es geht um ein wichtiges Champions-League-Spiel für uns, für den Verein. Da spielen wir gegen Real Madrid. Um einzelne Protagonisten kümmere ich mich nicht. Natürlich haben wir sie analysiert, wir haben die Erfahrung, um als Team den besten Fußball zu spielen. Das wird morgen entscheidend sein. Wenn wir als Mannschaft funktionieren, bin ich sehr positiv, dass wir ins Halbfinale einziehen können.“
ein mögliches Elfmeterschießen: „Ich glaube, es hat sich seit 2012 nicht viel verändert. Die Spieler des Gegners kennt man und ihre Vorlieben auch. Die Analyse findet im Vorlauf statt, man schaut sich an, wer wie geschossen hat. Aber man muss als Torwart ein eigenes Gefühl entwickeln, was in den Köpfen des Gegenübers stattfindet. Darauf versuche ich zu reagieren. Das hat damals funktioniert, das heißt aber nicht zwingend, dass es immer wieder funktioniert…“
zu seinen Paraden im Bernabéu: „Die Nachbetrachtung haben wir uns für die Analyse morgen aufgehoben. Wir bereiten uns auf jeden Gegner vor. Aber im Torwartteam verbinden wir das eine mit dem anderen, daher werde ich die Paraden morgen wieder sehen. Ich werde mir viel anschauen, das ist schon immer ganz gut ein paar Stunden vorher. Aber so bereite ich mich vor, das macht jeder auch anders. In der vergangenen Woche war ich nicht so stark in den sozialen Medien unterwegs, das bekommt man aber natürlich über Familie und Freunde mit. Wir hatten mit St. Pauli ja auch eine Aufgabe.“
einen möglichen Titelgewinn: „Dass viel möglich ist, wissen wir, auch mit der Energie, die in uns steckt. Ich wäre froh, wenn wir wieder dran sind. Den Grundstein haben wir mit der Klub-WM gelegt. Das war ein wichtiger Baustein, den haben wir in den Supercup mitgenommen, dann ging es sehr gut los und das entwickelt sich einfach. Es ist das zweite Jahr unter Vinny Kompany, wir haben Fortschritte gemacht – das hilft, wenn wir die Philosophie und den Trainer verstehen. Die Energie ist in der Mannschaft und für mich sind wir wieder dran!“
„es ist sehr schade, dass Courtois fehlt“
den besten Torhüter aller Zeiten: „Das ist schwer zu sagen, je nachdem, über welche Epoche wir reden. Es gibt viele Top-Torleute. Aus den letzten Jahrzehnten reichen nicht zwei oder drei, sondern mindestens zehn. Jeder hat einen anderen Stil. Bei so einem Spiel ist es sehr schade, dass Courtois fehlt. Aber auch in der Vergangenheit gab es Schmeichel, Kahn, Casillas, Buffon oder Courtois – da waren sicher sehr, sehr gute Torleute dabei. Alle hatten ihre Verdienste. Wer da der Beste ist, das kann man schwer sagen.“
Revanche-Gelüste für 2024: „Die jetzige Mannschaft ist eine andere, es geht nicht mehr um das Spiel damals. Wir wissen, dass es knapp ist, sich alles drehen kann. Aber wir haben eine gewisse Power, wir versuchen, zuhause alles auf den Platz zu bringen – das ist unser Ziel.“
mögliche Gelbsperren: „Beim Hinspiel war es ja auch der Fall, dass wir vorbelastete Spieler hatten. Das ist immer im Hinterkopf. Aber im Grunde zählt es, das Spiel zu gewinnen, das ist das Allerwichtigste. Wir wollen nicht in Unterzahl geraten, das ist wichtig. Und jeder versucht, die Aktionen intelligent zu spielen, um unnötige Gelbe Karten zu vermeiden. Aber wir haben erfahrene Spieler. Und es gibt Schiedsrichtersituationen – er muss am Ende entscheiden. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die zu Gelben Karten führen. Aber es wird einen starken Schiedsrichter geben, der dieses Spiel pfeift, er weiß im Vorfeld darüber Bescheid.“
ein mögliches Karriereende abhängig vom Saisonausgang: „Je eher desto besser möchte ich eine Entscheidung treffen. Aber ich mache das nicht von Titeln abhängig. Am liebsten wäre mir, dass wir alle einfahren. Aber da spielen auch die Gegner eine große Rolle. Ich habe mich persönlich noch nicht entschieden, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis ich eine Entscheidung treffe. Und dann wird es Gespräche mit dem Verein geben.“
„Gerade mit dem Rücken zur Wand kann man Berge versetzen“
die Frage, ob Real Madrid mit Extra-Motivation anreist: „Es ist eine große Chance für Real, einiges wettzumachen. Aber das kennen wir auch, als wir nicht Meister wurden. Das ist hart und schwierig, gerade für einen Verein wie Real Madrid. Das haben wir am eigenen Leib schon erfahren. Gerade mit dem Rücken zur Wand kann man Berge versetzen – aber ich möchte mich nicht so sehr in die Rolle von Real versetzen, sondern lieber in unsere. Wir haben einen Lauf, es funktioniert gut, wir sind in allen Wettbewerben präsent und haben alles in der Hand. Das ist eine Situation, in der wir auf dem Fahrersitz sitzen.“
das Halbfinale 2024: „Wir wären damals auch gerne ins Finale eingezogen. Wir geben alle unser Bestes, um weiterzukommen. Das haben wir nicht allein in der Hand, das entscheidet morgen das Spiel.“
Vincent Kompany über…
das, worauf es morgen ankommt: „Es kommt auf so viele Dinge an. Es geht los mit individueller Qualität. Es gibt kollektive Intensität und die Bereitschaft, durch Schmerzen zu gehen. Manchmal kann auch ein Schiedsrichter ein Spiel entscheiden – das wünsche ich mir nicht, aber es zeigt einfach, dass jedes Detail zählt. Für unser Gefühl aber sind wir körperlich und mental top vorbereitet. Die Abläufe waren gut. Und wir werden uns auf dieses Spiel freuen – das braucht man auch, diese positive Emotion!“
mögliche Gelbsperren: „Das spielt momentan keine Rolle. Obwohl ich sagen muss – das ist vielleicht ein Thema für nächstes Jahr: Ich finde es schon schwierig, durch diese Europapokalrunde zu kommen, ohne gesperrt zu werden. Es sind mehr Spiele jetzt und trotzdem bist du bei drei Karten gesperrt. Wenn du bis hierher kommst mit nur drei Karten, bist du eigentlich gut durchgekommen – aber trotzdem kannst du für ein Halbfinale gesperrt sein. Das ist schon hart. Ich finde, diese Sperrregel ist ein bisschen zu aggressiv, das gilt für alle. Aber das würde ich nächstes Jahr noch einmal überdenken. Für heute ist das kein Thema.“
„Wir freuen uns auf das spiel und wollen gewinnen“
die Fähigkeit, die Köpfe wieder auf null zu stellen: „Wir haben das gut hinbekommen, auch schon gegen St. Pauli. Natürlich kann man das schwer vergleichen, aber wir haben es geschafft, den Schalter umzulegen. Unser Umfeld ist sehr ruhig, zumindest hier an der Säbener Straße. Wir haben unsere Abläufe, wir freuen uns auf das Spiel, wir wollen gewinnen und zeigen, dass wir das bringen können, was die Fans von uns erwarten – gerade bei einem Heimspiel. Auch wenn wir Respekt vor dem Gegner haben. Die Mannschaft darf dieses Ziel haben: das Vertrauen, das Spiel gewinnen zu können.“
Serge Gnabry: „Er ist fit.“
die Analyse vor dem Spiel: „Die Schlussphase war nicht komplett einseitig, da hätten wir auch noch Tore schießen können. Aber natürlich holt Real vermutlich aus dieser Phase Vertrauen. Es ist eine Mischung: Nach dem Spiel war mein Gefühl eher, dass wir noch eine Stufe besser sein können. Das ist gut, wenn man im Bernabéu 2:1 gewinnt und dieses Gefühl hat. Dann muss man das auch zeigen. Wenn du in einigen Phasen nicht ganz sauber bist, sind sie mit ihrem Talent in der Lage, unglaublich schnell vor das Tor zu kommen. Aber wichtig für mich ist: Wie viel müssen wir lösen? Abends vor dem Schlafengehen denke ich mir immer: Zum Glück muss der Trainer des Gegners auch viel lösen. Das gibt mir am Ende wieder ein gutes Gefühl.“
Jamal Musiala: „Es läuft alles sehr positiv. Es ist manchmal schwer, alle Details zu erklären. Was wir täglich spüren und besprechen und wo er vielleicht vor drei Monaten war, obwohl er schon gespielt hat, und wo er jetzt ist – es geht alles in eine gute Richtung. Über morgen kann ich nichts sagen, aber unser Gefühl ist, dass es in eine gute Richtung geht und wir irgendwann wieder den Jamal haben, den wir alle sehen möchten. Dafür müssen wir ruhig bleiben. Aber es ist alles viel besser als noch vor zwei Monaten. Und es bleibt: Er macht trotzdem Tore und Assists. Das zeigt, dass er mental gewachsen ist. Er fühlt sich immer besser und kann trotzdem Leistung bringen.“
„Jeder spieler kann das komplette spiel bestreiten“
Serge Gnabry (erneut): „Serge kann 90 Minuten spielen. Wir sind in den letzten Wochen so viel gereist und wollten kein Prozent Risiko eingehen, wenn wir den vollen Kader haben. Wir denken aber nicht an Minuten – jeder Spieler, der da ist, kann im Prinzip das komplette Spiel bestreiten.“
die Rolle der Fans: „Ich habe in der Allianz Arena als Gegner gespielt und es gespürt: Die Arena kann Gegner erdrücken. Und ich wünsche mir, dass morgen keine Fans ins Stadion kommen, die die Karte als neutrale Zuschauer gekauft haben. Man darf vorher Tee mit Honig trinken – und dann die volle Stimme nutzen!“
Michael Olise: „Wir sehen ihn jeden Tag, er spielt auf dem höchsten Level in der Champions League. Er wird eines Tages sicher einer der besten Spieler der Welt sein, jetzt ist er auf dem richtigen Weg. Alles, was er tut, ist richtig. Sein Niveau ist jetzt schon auf dem der besten Spieler Europas. Wenn ich jetzt sage, er ist der Beste, fragen die Leute, wie viele Titel er schon gewonnen hat. Er muss einfach weitermachen wie in den letzten 18 Monaten. Dann sieht man, was noch aus ihm werden kann.“
die neue Cheftrainerin von Union Berlin: „Ich freue mich wirklich sehr! Diese Schlüsselmomente werden oft heruntergespielt und man sagt, es ist nur eine Trainerin wie jeder andere auch. Aber am Ende ist das etwas ganz Besonderes – es eröffnet Möglichkeiten für jüngere Frauen, die das Gefühl haben, auch Trainerin werden zu können. Das öffnet Türen! Ich wünsche ihr nur das Beste. Ich hoffe nur, dass man sie nicht genau gleich wie einen Mann behandelt, sondern ihr vielleicht etwas mehr Geduld entgegenbringt. Der Trainerjob ist einer, in dem man sich oft mehr Geduld wünschen würde.“
über das viele Lob: „Man darf diesem Hype nicht immer folgen. Und man darf auch dem Drama nicht immer folgen. Als ich hier bei Bayern ankam, mit 101 Punkten aufgestiegen bin, mit 20 wieder abgestiegen bin und dann hier Meister wurde – man kann nicht damit leben, dass ich vor zwei Jahren der schlechteste Trainer war und heute der beste. Wenn man sich von diesen Stimmen beeinflussen lässt, wird man schlechter. Es ist schöner so, aber ich kann auch in einer härteren Umgebung bestehen und glücklich leben. Das ist mir egal!“
„Wir bereiten uns auf die beste Version von Real madrid vor“
Real Madrid: „Sicherlich eine der großen Sachen ist, dass wir Real sehr respektieren. Das haben wir schon vor dem Bernabéu so gemacht und das machen wir immer noch. Wir bereiten uns auf die beste Version von Real vor – die hat man wohl gegen Manchester City gesehen. Die Ergebnisse zuletzt sind kein Abbild ihres Talents. Es ist immer noch eine der besten Mannschaften Europas. Aber was ist mit Barcelona, Atletico, Liverpool, Bayern oder Arsenal? Jeder kann eine Geschichte erzählen, in der er etwas Unglaubliches geschafft hat. Wir auch! Als wir gegen Inter verloren haben und nach Mailand gefahren sind, waren wir uns zu 100 Prozent sicher, dass wir gewinnen können. Das tut Real nun auch. Aber wir wissen auch, wie wir ihnen wehtun können. Ich glaube fest daran, dass wir gewinnen können – über alles andere sprechen wir danach.“
eine verpasste Vorentscheidung im Hinspiel: „Ich glaube, es war ein gutes Ergebnis. Das ist alles. Vielleicht hätten wir noch ein Tor mehr erzielen können, aber auch eines kassieren können. Wir haben einen kleinen Vorteil, nicht mehr. Es wird ein Topspiel, ein schwieriges Spiel, es ist noch nicht entschieden. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“
