Mourinho über Elche, Vinícius und Gülers Entwicklung
Vor dem Auswärtsspiel im Martínez Valero machte Mourinho seine Priorität erneut deutlich.
Über das Spiel gegen Elche: „Ich will gewinnen. Natürlich würde ich auch gerne gut spielen und gewinnen.“
Besonders ausführlich sprach der Portugiese über Vinícius. Mourinho sieht Fortschritte, fordert vom Brasilianer aber wieder jene letzte Konsequenz, die ihn in seinen besten Phasen ausgezeichnet hat.
Über Vinícius: „Die beste Version ist die, in der er Tore schießt. Vorlagen sind wichtig, für die Mannschaft zu arbeiten ist sehr wichtig, die tägliche Arbeit ist wichtig – und das macht er sehr gut. Aber es gibt noch einen anderen Vinícius. Den Vinícius, der vergangene Saison nach Lissabon gegen Benfica kam, eine Chance bekam, ein Tor machte und das Spiel entschied. Genau diese Leistung auf allerhöchstem Niveau fehlt ihm aktuell noch.“
Arda Güler hob Mourinho dagegen besonders wegen seines Einflusses auf das Spiel hervor.
Über Arda Güler: „Es gibt andere Menschen, die besser als ich beurteilen können, wie er sich entwickelt hat. Körperlich hat er sich enorm verändert. Aber für mich ist seine Spielqualität unglaublich: seine Übersicht, seine Fähigkeit, das Spiel zu organisieren. Er besitzt fantastisches Potenzial und sehr interessante Zahlen. Sein Einfluss auf unser Spiel ist sehr groß. Ich möchte nicht so weit gehen und dreimal ‚Top‘ sagen – aber zweimal kann ich es sagen: top, top.“
Pressing, Mittelfeld und Mourinhos Suche nach Balance
Auf die Frage, wann Real Madrid seine bestmögliche Version erreichen werde, wollte Mourinho keine Prognosen abgeben.
Über die Entwicklung der Mannschaft: „Ich habe nicht gesagt, dass wir in drei Wochen oder drei Spielen dort sein werden. Ich hoffe einfach, dass wir dann besser sind als heute. Ich habe keine magische Fähigkeit, das vorherzusagen. Unser Ziel ist es, uns in jedem Training zu verbessern. Je länger eine Mannschaft zusammenarbeitet und je stabiler die Arbeit ist, desto stärker kann sie werden.“
Ein zentrales Thema bleibt das Pressing. Mourinho will hoch verteidigen, aber nicht um jeden Preis.
Über das Pressing in der gegnerischen Hälfte: „Das ist schwer in wenigen Worten zu erklären. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, 90 Minuten lang hoch zu pressen – und das entspricht auch nicht unserem Profil. Es gibt nur wenige Mannschaften, die das wirklich über ein ganzes Spiel können. Entscheidend ist, dass wir wissen, wie wir uns verhalten, wenn wir hoch stehen und wenn wir tiefer stehen.“
Über einen tiefen Block: „Wenn du mich fragst, ob ich einen tiefen Block mag, sage ich nein. Was ich aber nicht möchte, ist ein Widerspruch zwischen meinen Vorlieben und den Qualitäten meiner Spieler. Ich mag es, hoch zu pressen und nach einem Ballgewinn innerhalb von drei oder vier Sekunden zuzuschlagen. Wenn wir aber aufgrund der Qualität des Gegners tiefer stehen müssen, dann dürfen wir das nicht passiv tun. Ich möchte nicht vier oder fünf Ecken überstehen müssen und darauf angewiesen sein, dass unser Torhüter drei unglaubliche Paraden zeigt.“
Auch im Mittelfeld will Mourinho flexibel bleiben.
Über Valverde und Tchouaméni: „Man muss sich anschauen, wie wir insgesamt arbeiten – mit Cucurella und Carreras, Dumfries und Trent, den Innenverteidigern. Wir wollen den gesamten Kader einbinden, weil das einen großen Einfluss auf die tägliche Arbeit hat. Auch im Mittelfeld können sich die Rollen verändern. Wir können mit einem Sechser und zwei Achtern spielen oder umgekehrt. Darauf sind wir vorbereitet. Wir können Spieler und Profile verändern, ohne dass sich unsere Spielidee oder Dynamik grundsätzlich ändert. Wir suchen immer nach Balance, ohne unsere Identität zu verlieren.“
Tchouaméni, Verletzungsprävention und die hohe Belastung
Bei Aurélien Tchouaméni geht es für Mourinho nicht nur um Real Madrid, sondern auch um die Belastung bei der französischen Nationalmannschaft.
Über Tchouaméni und Frankreich: „Ich weiß nicht, welchen Plan Zidane mit ihm hat und auch nicht, was für ihn persönlich am besten ist. Ideal wäre eine kontrollierte Belastung bei der Nationalmannschaft, ohne zu viele Minuten und zu viele intensive Belastungen anzusammeln. Ich habe nicht mit Zidane gesprochen, aber ich halte ihn für einen Menschen mit gesundem Menschenverstand. Er wird wissen, was für Tchouaméni am besten ist.“
Mourinho erklärte zudem, wie intensiv Real Madrid aktuell an der Verletzungsprävention arbeitet.
Über die Prävention von Verletzungen: „Aus der Vergangenheit kenne ich die Zahlen, aber nicht die genauen Prozesse. Heute arbeiten wir mit einem globalen Plan: Spieler, Trainerteam, Spezialisten für Verletzungsprävention und unsere medizinische Abteilung sind eng miteinander verbunden. Es gibt viel unsichtbare Arbeit.“
Über den Tagesablauf in Valdebebas: „Die Spieler kommen nicht früher nach Valdebebas, weil sie Lust darauf haben, sondern weil sie arbeiten. Wir machen Krafttraining vor dem eigentlichen Training. Wenn ihr sie auf den Platz kommen seht, haben sie bereits ungefähr 35 Minuten im Fitnessbereich hinter sich. Wir versuchen, mit gesundem Menschenverstand zu arbeiten und unsere Zahlen sind aktuell gut.“
Valverdes Auswechslung gegen Rayo nannte Mourinho als Beispiel.
Über Federico Valverde: „Als Fede neulich zur Halbzeit rausging, hatte er ein körperliches Problem. Wenn es 0:0 gestanden hätte, hätte er vielleicht weitergespielt – denn manchmal gehen wir natürlich ans Limit. Aber du brauchst auch Glück. Es gibt traumatische Verletzungen, Knieverletzungen oder andere Dinge, die du nicht kontrollieren kannst.“
Diomande, BMV und die Konkurrenz im Kader
Yan Diomande benötigt aus Sicht Mourinhos keine spezielle Korrektur. Sein Problem ist vielmehr die Konkurrenz.
Über Yan Diomande: „Ihm fehlt überhaupt nichts. Wenn er bei einem anderen Klub wäre, wäre er wahrscheinlich Stammspieler und würde 90 Minuten spielen. Aber hier haben wir einen sehr starken Kader. Da sind Vinícius, Brahim, Arda und im Januar kommt Rodrygo zurück. Der Begriff ‚unumstrittener Stammspieler‘ ist bei Real Madrid sehr schwierig.“
Auch bei der Belastung seiner wichtigsten Offensivspieler setzt Mourinho auf die Selbsteinschätzung der Profis und die medizinischen Daten.
Über Bellingham, Mbappé und Vinícius: „Ich vertraue sehr darauf, dass die Spieler ihren eigenen Körper kennen. Heute ist ein wichtiger Tag, weil zwischen den Spielen nur zwei Tage liegen. Wir müssen auf die Ärzte hören, auf Sport Science und die Daten analysieren. Wenn nichts Ungewöhnliches vorliegt, werde ich morgen mit ihnen spielen.“
Damit deutete Mourinho an, dass seine bevorzugten Offensivkräfte auch in Elche erneut beginnen könnten.
Sechs Pressekonferenzen, Atlético und Mourinhos Seitenhieb zum Abschluss
Die Belastung trifft nicht nur die Spieler. Mourinho scherzte über die Vielzahl der Medientermine in Spanien.
Über den eng getakteten Kalender: „Sechs Pressekonferenzen pro Woche! In anderen Ländern hat man mir manchmal eine davon erspart, hier nicht. Ich werde müde von euch, ihr werdet müde von mir und irgendwann wisst ihr gar nicht mehr, was ihr noch fragen sollt.“
Über die Belastung der Spieler: „Bei den Spielern ist es ein bisschen ähnlich. Atlético hat jetzt einen Tag mehr Pause als wir, dafür vor dem Derby einen Tag weniger. So ist es nun einmal. Wenn ihr mir eine Pressekonferenz ersparen wollt – gerne. Aber das gehört zu unserem Beruf.“
Auf die Aussagen von Lamine Yamal zum Ballon d’Or wollte Mourinho nicht eingehen.
Über Lamine Yamal: „Ich kommentiere die Aussagen eines Spielers nicht. Ich respektiere jede Meinung.“
Als Mourinho die Pressekonferenz bereits verlassen wollte, setzte er schließlich noch einen typischen Schlusspunkt.
Über die ausgebliebene Frage zum Thema Elfmeter: „Keine Frage zu den Elfmetern? Das ist seltsam, oder?“
RMXpress Fazit
Mourinho reist mit einer klaren Linie nach Elche. Real Madrid soll gewinnen, möglichst gut spielen und gleichzeitig die Belastung kontrollieren. Dabei wird immer deutlicher, wie sehr der Portugiese auf Flexibilität setzt. Valverde und Tchouaméni müssen nicht zwangsläufig dieselben Rollen übernehmen, Diomande muss sich trotz seines Potenzials gedulden und auch die Außenverteidiger werden je nach Spielprofil unterschiedlich eingesetzt.
Besonders interessant bleibt Vinícius. Mourinho lobt dessen Arbeit und körperliche Entwicklung, verlangt aber gleichzeitig wieder jene Effizienz, mit der der Brasilianer große Spiele entscheiden kann. Vor dem Derby gegen Atlético zählt zunächst allerdings nur Elche.
La Liga
6. Spieltag
Elche
2:3
Real Madrid
