Mourinho über Real Sociedad und die Rückkehr ins Bernabéu
Für Mourinho ist das erste Heimspiel der Saison besonders – aber sportlich dennoch nur eines von 19 möglichen Heimspielen in LaLiga.
Über das Spiel gegen Real Sociedad: „Es ist das erste Heimspiel, aber eben nur eines von 19. Jeder Punkt ist wichtig. Das Ziel ist zu gewinnen und dabei eine Mannschaft zu respektieren, die Respekt verdient. Sie hat eine klare Identität und sehr gute Spieler. Sie wird uns ein schwieriges Spiel bereiten. Gegen Espanyol haben wir gespürt, wie sehr die gegnerischen Fans ihre Mannschaft unterstützt haben, und morgen hoffen wir auf die Unterstützung unserer Fans. Ich erwarte von meiner Mannschaft denselben Hunger auf den Sieg, dieselbe Einstellung, Widerstandsfähigkeit, Stärke und Ruhe. Ich hoffe, dass die Fans das erkennen können.“
Über seine persönliche Rückkehr ins Santiago Bernabéu: „Ich möchte nicht, dass mich das Bernabéu auf irgendeine besondere Weise empfängt. Ich möchte, dass es die Mannschaft mit seiner ganzen Leidenschaft empfängt. Diese Liebe befand sich in der vergangenen Saison zeitweise in einer komplizierten Phase. Jetzt beginnen wir nicht bei null. Ich bin nicht wichtig. Ich kann meine Emotionen kontrollieren und ein Spiel normal angehen, das eigentlich nicht normal ist, weil drei Punkte auf dem Spiel stehen. Ich würde mir wünschen, dass die Mannschaft etwas anderes spürt als das, was sie in der vergangenen Saison gespürt hat.“
Mourinho über Fitness, Belastungssteuerung und den engen Spielplan
Noch immer befinden sich nicht alle Spieler auf demselben körperlichen Niveau. Mourinho sieht Pflichtspiele deshalb auch als wichtigen Bestandteil des Aufbaus.
Über den Fitnesszustand des Kaders: „Espanyol ist mit einem Intensitätsniveau in das Spiel gegangen, das wir momentan noch nicht haben. Wir besitzen eine Grundstruktur mit Spielern, die schon länger arbeiten. Spiele beschleunigen diesen Prozess hin zur normalen Form. Die Spieler müssen spielen, zum Beispiel Cucurella. Wir nutzen objektive und wissenschaftliche Daten und verbinden sie mit meiner Erfahrung. Gleichzeitig ist auch das persönliche Gefühl wichtig.“
Über die fehlende Vorbereitung und die vielen Spiele zum Saisonstart: „Ich empfinde das nicht als unfair. Ich muss LaLiga sogar dafür danken, dass sie gesunden Menschenverstand gezeigt und unseren Start um eine weitere Woche verschoben hat. Sonst hätten wir ein Problem gehabt. Wenn wir jetzt diese hohe Belastung haben, dann deshalb, weil vorher etwas Positives passiert ist. Wir müssen drei Spiele pro Woche absolvieren. Wenn ein Spieler stärker darunter leidet, spielt er nicht und ein anderer bekommt seine Chance.“
Mourinho über Vinícius und die Schiedsrichter
Nach seinen deutlichen Aussagen nach dem Espanyol-Spiel wurde Mourinho erneut auf den Umgang mit Vinícius angesprochen.
Über die unterschiedliche Behandlung von Vinícius: „Ich habe in der vergangenen Saison nicht jedes Spiel von beiden Seiten gesehen, deshalb kann ich dazu nicht sehr viel sagen. Was ich sagen kann: Der allgemeine Unterschied in der Behandlung von Vini gegenüber anderen Spielern ist offensichtlich. Er ist in eine Spirale geraten. Die Gegner haben das Gefühl, dass sie es machen können, und deshalb machen sie es. Es ist wie bei kleinen Kindern: Sie gehen genau so weit, wie du es ihnen erlaubst. Diese Behandlung gefällt mir nicht. Er hat einen Tritt bekommen, der für mich ein Angriff und eine Rote Karte war. Abgesehen von einigen Dingen hat mir die Schiedsrichterleistung sehr gut gefallen. Bei diesem Tritt gegen Vinícius verstehe ich, dass der Schiedsrichter ihn nicht gesehen hat. Ich verstehe auch, dass der vierte Offizielle nichts gemacht hat. Vom VAR kann ich aber sagen, dass er seine Arbeit nicht besonders gut erledigt hat. Trotzdem vertraue ich dem spanischen Schiedsrichterwesen. Ich vertraue Schiedsrichtern immer, auch in der Champions League. Ich denke nicht: ‚Der ist ein Freund von Negreira.‘ Nein. Es gab Entscheidungen, die Ergebnisse beeinflusst haben, aber das passiert.“
Mourinho sieht allerdings auch beim Brasilianer selbst Möglichkeiten, die Situation zu verbessern.
Über das, was Vinícius selbst verändern kann: „Es gibt Dinge auf dem Platz und außerhalb des Platzes. Seine Reaktionen kann er kontrollieren und verbessern, solange es nicht um homophobe oder rassistische Dinge geht. Bei den Fouls, den Tritten und den Elfmetern liegt die Verantwortung beim Richter. In diesem Zusammenhang sage ich lieber Richter als Schiedsrichter. Mit meiner Persönlichkeit würde ich wahrscheinlich selbst Rot sehen, wenn man so etwas mit mir machen würde.“
Mit einem Lachen ergänzte Mourinho: „Sein Verhältnis zu gegnerischen Stadien ist etwas, an dem wir arbeiten können.“
Mourinho über den Kader und seine offensive Starbesetzung
Für Mourinho ist der Transfersommer weiterhin grundsätzlich beendet. Nur ein unerwarteter Abgang könnte daran noch etwas ändern.
Über den aktuellen Kader: „Für mich ist der Kader geschlossen, aber der Transfermarkt ist noch geöffnet. Du weißt nie, ob ein Spieler kommt und sagt, dass er gehen möchte. Grundsätzlich erwarte ich das nicht, aber es kann passieren. In meinem Kopf ist der Kader geschlossen und ich habe keine Forderungen. Ich bin zufrieden. Selbst wenn noch jemand gehen sollte, würde ich zufrieden bleiben.“
Auch die Integration von Bellingham, Vinícius und Mbappé bereitet ihm keine Sorgen.
Über das Zusammenspiel von Bellingham, Vinícius und Mbappé: „Das wirklich Schwierige werde ich nicht haben. Schwierig ist es, wenn du keine Topspieler hast oder Verletzungen dafür sorgen, dass dir Spieler auf diesem Niveau fehlen. Ich möchte taktisch nicht zu viel verraten und den Gegnern Informationen geben – darüber können wir sprechen, nachdem wir gespielt und verloren haben. Ich möchte alle drei auf dem Platz haben und die positiven Dinge gleichen die Schwierigkeiten immer aus. Ich bin auch dafür da, ihnen dabei zu helfen.“
Mourinho über Valverde, Espí und Mbappé
Auch einzelne taktische Rollen erläuterte der Real-Trainer.
Über Federico Valverdes beste Position: „Aus der Not heraus haben Trainer ihn auch als Rechtsverteidiger eingesetzt. Für mich ist er ein Mittelfeldspieler. Danach hängt es von den Zielen des Spiels und vom Gegner ab, ob er positionsgebundener oder freier agiert.“
Carlos Espí könnte künftig auch gemeinsam mit Mbappé auf dem Platz stehen.
Über Carlos Espí und Kylian Mbappé als Sturmduo: „Wir können beide gemeinsam sehen. In unserer Entwicklung als Mannschaft haben wir während der Vorbereitung ähnliche Dinge schon mit Endrick gemacht. Espí ist aber ein anderes Profil. Gegen Espanyol stand der Gegner sehr tief und Kylian versuchte immer wieder, sich fallen zu lassen, um individuelle Aktionen einzuleiten. In diesem Moment dachte ich, dass Carlos wichtig sein könnte. Mit Trent erhöhen wir ebenfalls die Qualität.“
Mourinho über Tchouaméni und Endrick
Bei Aurélien Tchouaméni soll weiterhin kein Risiko eingegangen werden.
Über Tchouaménis körperliche Situation: „Er hat während der Weltmeisterschaft sehr gelitten, was normal ist. Er hat ein paar Spiele nicht bestritten, im Halbfinale aber wieder gespielt. Er hat ein Problem und die Urlaubsphase war nicht lang genug, um es vollständig zu lösen. Der Spieler möchte es versuchen und hat es auch versucht, aber wir haben entschieden, dass er die Saison nicht schon mit Schmerzen beginnen darf.“
Noch unklarer ist der Zeitpunkt der Rückkehr von Endrick.
Über Endricks Verletzung: „Das kann ich dir nicht sagen. Es gibt ein Problem im Muskel, das auch die Sehne betrifft. Er ist ein Spieler, den ich sehr mag, und es gab viele Kontakte von anderen Vereinen. Ich wollte ihn behalten, deshalb haben wir ihn weder verliehen noch verkauft. Ich bin nicht sicher, ob er rechtzeitig für die erste Nominierung bei Ancelotti (Anm. d. Red.: brasilianische Nationalmannschaft) zurück sein wird. Aber Carlo ist mein Freund und wird mich direkt anrufen.“
Mourinho über seinen ruhigeren Umgang mit Emotionen
Mourinho selbst sieht sich heute deutlich kontrollierter als noch während früherer Stationen.
Über seine größere Ruhe laut einem Journalisten: „Da habe ich gerade etwas Interessantes erfahren… Du hast eine Quelle innerhalb des Vereins. Okay, okay (lächelt). Das ist nicht erst jetzt so. Ich fühle mich ruhiger und kann meine Emotionen besser kontrollieren. Schwierige Situationen werden kommen. Bis jetzt habe ich niemanden gesehen, der faul ist. Mir gefällt, dass alle für Real Madrid arbeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Spieler und die Menschen, die hier arbeiten, mich vor meiner dunkleren Seite der Persönlichkeit schützen.“
Mit einem Lachen machte Mourinho damit erneut deutlich, dass er seine Entwicklung durchaus selbstironisch betrachtet.
RMXpress Fazit
José Mourinhos erste Pressekonferenz vor einem Heimspiel seiner zweiten Amtszeit zeigt einen Trainer, der die emotionale Bedeutung der Rückkehr ins Bernabéu bewusst kleinhalten möchte – und gleichzeitig genau weiß, welche Wirkung dieses Stadion auf seine Mannschaft haben kann.
Sportlich bleiben die körperlichen Unterschiede innerhalb des Kaders eine der größten Herausforderungen. Cucurella benötigt Spielminuten, Tchouaméni wird weiter vorsichtig aufgebaut und auch Endricks Rückkehr ist noch nicht absehbar.
Taktisch stellte Mourinho dagegen klar, dass er seine größten Stars gemeinsam einsetzen möchte. Bellingham, Vinícius und Mbappé sind für ihn kein Problem, sondern ein Luxus, für dessen optimale Verbindung er selbst Lösungen finden muss.
Am Mittwoch gegen Real Sociedad zählt deshalb vor allem eines: die nächsten drei Punkte – und ein Heimauftakt, bei dem Mourinho hofft, dass Mannschaft und Bernabéu wieder eine andere Verbindung spüren als in der vergangenen Saison.
