Mourinho verteidigt Mbappé deutlich: „Das Ganze ist lächerlich“

José Mourinho hat sich vor dem LaLiga-Spiel gegen Villarreal klar vor Kylian Mbappé gestellt. Der Real-Trainer bezeichnete die Debatte um dessen Verhalten während der Länderspielpause als „lächerlich“, warf Teilen der Medien eine gezielte Problemsuche vor und bestätigte zugleich: Mbappé wird gegen Villarreal in der Startelf stehen.

Mbappé-Debatte, Bernabéu und Mourinhos klare Verteidigung

Mourinho machte früh deutlich, dass er die Diskussionen um Mbappés freie Tage, seine Reisen nach Frankreich und in die Schweiz sowie verschiedene Bilder aus dieser Zeit für völlig überzogen hält.

Über die Kritik an Mbappé: „Übertrieben? Lächerlich.“

Der Portugiese erklärte ausführlich, dass Real Madrid die Abläufe aller Nationalspieler während der Pause exakt geplant habe. Verletzte Spieler seien unmittelbar nach Valdebebas zurückgekehrt, Diagnosen und Reha-Pläne seien abgestimmt worden und auch freie Tage habe es nur nach Rücksprache gegeben.

Über Mbappés Verhalten während der Pause: „Kylian war hier, hat seine Diagnose bekommen und ist anschließend noch zu einer externen Untersuchung gegangen, weil sein Knie eine Vorgeschichte hat, die man nicht vergessen darf. Die Diagnose dort stimmte vollständig mit der von Real Madrid überein. Danach gab es einen klaren Rehabilitationsplan. Er hat keine seiner Verpflichtungen gegenüber Real Madrid verletzt.“

Besonders ärgerte Mourinho, wie einzelne Situationen öffentlich dargestellt wurden.

Über die Bilder aus Paris und der Schweiz: „Zuerst war da diese angebliche Diskothek, die gar keine Diskothek war, sondern ein Veranstaltungsort während der Fashion Week in Paris. Dann kam das Fahrrad in der Schweiz. Das war ein Hotel mit kleinen Häusern, bei denen Fahrräder standen, damit man zu den Restaurants und Gemeinschaftsbereichen fahren konnte. Plötzlich sah es so aus, als würde er die Tour de Suisse fahren.“

Auch Dean Huijsen nannte Mourinho als Beispiel für eine aus seiner Sicht übertriebene Darstellung.

Über die öffentliche Problemsuche: „Dean stand mit dem Auto vor Thiagos Haus und schrieb eine Nachricht. Plötzlich wurde daraus beinahe ein Fall, als würde er mit 200 km/h auf der Autobahn fahren und dabei SMS schreiben. Deshalb sage ich: lächerlich.“

Mourinho vermutet hinter der Diskussion auch den Versuch, Unruhe im Bernabéu zu erzeugen.

Über mögliche Pfiffe gegen Mbappé: „Wenn das Bernabéu ihn auspfeift, wäre das für einige von euch ein großer Erfolg. Man muss kein Einstein sein, um zu verstehen, dass das eines der Ziele ist.“

Er hofft darauf, dass die Fans die Situation selbst einordnen.

Über das Bernabéu: „Meine Hoffnung ist, dass das Bernabéu gerecht sein kann. Und gerecht zu sein bedeutet, intelligent zu sein: zwischen den Zeilen zu lesen, Dynamiken zu verstehen und auch zu verstehen, welche Ziele manche verfolgen.“

Dann wurde Mourinho noch deutlicher.

Über seine Maßstäbe bei Real Madrid: „Ich verspreche euch: Wenn sich ein Spieler von Real Madrid nicht wie ein Spieler von Real Madrid verhält, seine Pflichten gegenüber dem Klub oder als Bürger verletzt, dann sitzt er nicht einmal auf der Bank. Dann könnt ihr ihn auch nicht auspfeifen, weil er zu Hause sein wird.“

Bei Mbappé sieht Mourinho dafür keinerlei Anlass.

Über Mbappés Einsatz gegen Villarreal: „Mbappé wird spielen. Ich bin absolut sicher, dass er seine Verpflichtungen gegenüber Real Madrid nicht verletzt hat.“


Villarreal, die Länderspielpause und Real Madrids Entwicklung

Sportlich erwartet Mourinho gegen Villarreal ein schwieriges Spiel.

Über Villarreal: „Sie sind eine Mannschaft auf Champions-League-Niveau. Sie spielen sehr guten Fußball und werden am Ende deutlich weiter oben in der Tabelle stehen, als sie es jetzt sind. Nach unserer letzten Niederlage brauchen wir die Punkte.“

Die Vorbereitung war allerdings alles andere als gewöhnlich.

Über die vergangenen Wochen: „Wir hatten hier zeitweise nur fünf Spieler. Die anderen kamen nach ihren letzten Länderspielen und den freien Tagen nach und nach zurück. Villarreal war nicht in exakt derselben Situation, hatte aber ebenfalls viele Nationalspieler. Es war für beide Mannschaften keine perfekte Woche.“

Mourinho nutzte die Länderspielphase vor allem für Analysearbeit.

Über die Auswertung der ersten Saisonphase: „Wenn du wenig effektive Arbeit auf dem Platz hast, hast du viel mehr Zeit, jedes Detail zu analysieren. Wir haben viele sehr gute Dinge gesehen, aber auch Dinge, die wir verbessern müssen.“

Dabei will er keine radikale Systemänderung vornehmen.

Über mögliche taktische Veränderungen: „Das bedeutet nicht, dass wir jetzt alles drastisch ändern müssen. Dafür brauchst du Training und Zeit. Ich kann nicht nach ein oder zwei Tagen sagen: Ab jetzt spielen wir mit fünf Verteidigern, vier Mittelfeldspielern und ändern sämtliche Rollen.“

Mourinho betonte, dass Real Madrid aufgrund seiner Geschichte unter einem anderen Maßstab bewertet werde.

Über den Druck bei Real Madrid: „Real Madrid ist selbst ein bisschen schuld daran. Dieser Klub hat in den vergangenen zehn Jahren und auch davor so viel gewonnen, dass hier alles eine andere Dimension bekommt. Dinge, die bei anderen normal wären, werden bei Real Madrid sofort zu einem großen Problem.“

Die Derby-Niederlage will er deshalb nicht ausschließlich auf die umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen reduzieren.

Über das Atlético-Spiel: „Ich könnte mich darauf zurückziehen und sagen, dass wir gegen Atlético hätten gewinnen müssen, weil es elf gegen neun hätte sein müssen. Aber ich will Verbesserungen bei den Dingen suchen, die unter unserer Kontrolle liegen.“


Valverde bleibt fraglich – Militão braucht noch Zeit

Auch zum Personal gab Mourinho mehrere Updates. Federico Valverde ist für Villarreal weiterhin nicht sicher.

Über Valverde: „Fede ist die große Frage. Das Problem hat sich bis heute gezogen und wir werden heute entscheiden, wie es für morgen aussieht.“

Bei Éder Militão fällt die Entscheidung dagegen klar aus.

Über Militão: „Militão ist kein Fragezeichen. Er wird nicht dabei sein.“

Mourinho zeigte sich gleichzeitig beeindruckt vom aktuellen Zustand des Brasilianers.

Über Militãos Fortschritte: „Wenn du ihn im Training siehst und nichts über seine medizinische Vorgeschichte weißt, würdest du ihn morgen aufstellen. Ich scherze sogar mit ihm und frage: Spielst du? Er ist weiter, als ich erwartet hatte.“

Trotzdem will Real Madrid keinerlei Risiko eingehen.

Über Militãos Rückkehr: „Er wird weder morgen noch in Rom noch gegen Sevilla spielen. Er braucht noch ein paar Wochen. Seine Verletzungshistorie ist sehr schwer und wir müssen vorsichtig sein.“

Auch bei Ferland Mendy und Rodrygo gibt es unterschiedliche Fortschritte.

Über Mendy und Rodrygo: „Mendy wird zum ersten Mal wieder auf dem Platz mit uns trainieren. Rodrygo ist noch deutlich weiter entfernt.“

Eine andere bemerkenswerte Aussage Mourinhos betraf die allgemeine Verletzungssituation.

Über den Zustand des Kaders: „Zum ersten Mal seit zehn Jahren erreicht Real Madrid Mitte Oktober, ohne dass sich ein einziger Spieler in dieser Saison neu verletzt hat. Die Spieler, die aktuell verletzt sind, bringen ihre Probleme aus der vergangenen Saison mit: Militão, Rodrygo, Asencio, Mendy. Das ist doch eigentlich eine gute Geschichte.“


Diomandé, Vinícius und Mourinhos Verständnis von Meritokratie

Auf eine mögliche Startelf-Nominierung von Yan Diomandé ließ sich Mourinho nicht festlegen.

Über Diomandé: „Ich sage euch nicht, ob er spielt. Ich möchte euch nicht anlügen. Real Madrid kann mit jedem unserer Offensivspieler antreten. Wir haben sehr viele Spieler mit Qualität.“

Auch mehrere offensive Stars gleichzeitig seien grundsätzlich möglich.

Über die offensive Besetzung: „Mit vier Angreifern kannst du spielen. Gegen Elche hatten wir am Ende sogar sechs auf dem Platz. Aber wenn du eine ausgewogene Mannschaft mit kontrolliertem Risiko willst, kannst du nicht sieben Offensivspieler gleichzeitig aufstellen.“

Ausführlicher wurde Mourinho beim Thema Meritokratie und Vinícius.

Über Meritokratie: „Ja, natürlich gibt es Meritokratie. Aber du musst gleichzeitig offen dafür sein, den Moment eines Spielers zu verstehen. Nicht wegen seines Namens, sondern wegen seiner Situation.“

Nicht jeder Spieler werde automatisch besser, wenn man ihn sofort auf die Bank setzt.

Über unterschiedliche Wege zurück zur Form: „Es gibt Spieler, bei denen du verschiedene Strategien brauchst. Eine Möglichkeit ist reine Meritokratie: Wenn du nicht gut bist, spielst du nicht. Aber das hat Risiken. Manche Spieler brauchen Zeit, um wieder ihr normales Niveau zu erreichen.“

Mourinho machte keinen Versuch zu verbergen, dass er dabei vor allem über Vinícius sprach.

Über Vinícius: „Was mich traurig macht, ist zu sehen, wie sehr er selbst leidet. Er will wieder der Spieler sein, der Spiele entscheidet und den Unterschied macht. Für mich war es überraschend zu sehen, was für ein außergewöhnlicher Junge er ist und wie hart er arbeitet, um wieder zurückzukommen.“

Ob Vinícius dauerhaft spielen wird, lässt Mourinho offen.

Über einen möglichen anderen Plan: „Wird er immer spielen, bis er wieder auf seinem Niveau ist? Oder kommt irgendwann der Moment für einen speziellen Plan, bei dem er einmal nicht spielt oder auf der Bank sitzt? Das müssen wir sehen.“

Seine Botschaft an den Madridismo fällt dennoch eindeutig aus.

Über die Unterstützung für Vinícius: „Den echten Madridismo fasse ich nicht an. Dafür habe ich nur Respekt. Aber es tut mir im Herzen weh, wenn ein Spieler wie Vinícius, der gerade nicht dieser überirdische Vinícius ist, von Menschen nicht unterstützt wird, die von anderen beeinflusst werden. Er verdient Hilfe.“

Mourinho weiter: „Er möchte unbedingt wieder der Vinícius sein, der dem Madridismo so viele glückliche Momente geschenkt hat.“


RMXpress Fazit

José Mourinho hat vor Villarreal eine seiner deutlichsten Pressekonferenzen seit seiner Rückkehr zu Real Madrid gehalten.

Im Mittelpunkt stand zunächst Mbappé. Mourinho hält die gesamte Diskussion um dessen Verhalten während der Länderspielpause für konstruiert, verteidigt den Franzosen ohne Einschränkung und macht gleichzeitig klar, wo seine persönliche Grenze liegt: Wer seine Pflichten gegenüber Real Madrid verletzt, spielt unter ihm nicht. Bei Mbappé sieht er diesen Fall ausdrücklich nicht.

Sportlich verlangt Mourinho gleichzeitig Geduld. Real Madrid hat Bereiche identifiziert, die verbessert werden müssen, aber der Portugiese will nicht nach wenigen Wochen alles umwerfen. Seine Antwort soll aus kontrollierten Anpassungen bestehen – nicht aus hektischen Systemwechseln.

Besonders interessant ist auch seine Haltung zu Vinícius. Mourinho sieht dessen schwierige Phase, aber ebenso dessen tägliche Arbeit. Statt den Brasilianer fallenzulassen, will er einen Weg finden, ihn wieder zu seiner besten Version zu führen.

Vor Villarreal ist Mourinhos Botschaft damit klar: Mbappé steht in der Startelf. Vinícius bekommt Unterstützung. Und Real Madrid soll seine Antwort wieder auf dem Platz geben.

10.10.2026 · 21:00 La Liga 8. Spieltag
Real Madrid 1:0 Villarreal
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