Mourinho über Manchester City: „Irgendwann wird ein Urteil kommen“
Ein zentrales Thema des Interviews war das weiterhin offene Verfahren gegen Manchester City. Die Premier League wirft dem englischen Klub in mehr als hundert Punkten Verstöße vor. Mourinho kommentierte vor allem die lange Dauer des Verfahrens – und tat das mit deutlicher Ironie.
Über den Fall Manchester City: „Ich lache lieber ein bisschen darüber, weil ich glaube, dass wir irgendwann ein Ende sehen werden. Aber wir beide, die wir in unseren Sechzigern sind, müssen Glück haben, noch hier zu sein, wenn das endgültige Urteil kommt. Denn erst wird ein Urteil kommen und danach ein Einspruch.“
Mourinho zielte damit weniger auf eine inhaltliche Bewertung des Verfahrens als auf die Langwierigkeit solcher Prozesse. Für ihn steht sinnbildlich die Frage im Raum, wie lange sportrechtliche Fälle dieser Größenordnung dauern können, bevor tatsächlich endgültige Konsequenzen feststehen.
Negreira und Schiedsrichter: „Niemand wusste es, aber wir haben es erlebt“
Auch seine schwierige Beziehung zu Schiedsrichterdebatten war Thema. Mourinho führte diese Erfahrungen auf mehrere Stationen seiner Karriere zurück und verwies dabei ausdrücklich auf seine erste Zeit bei Real Madrid.
Über den Fall Negreira: „Ich kam zu Real Madrid und habe hier die wichtigen Jahre von Negreira erlebt. Niemand wusste davon, aber wir haben es erlebt.“
Damit bezog sich Mourinho auf die Jahre, in denen José María Enríquez Negreira als früherer Vizepräsident des spanischen Schiedsrichterkomitees Zahlungen vom FC Barcelona erhielt. Der Portugiese stellte seine damalige Wahrnehmung im Rückblick in diesen Kontext.
Mourinho weiter: „Ich bin danach gegangen und heute weiß man davon.“
Auch seine Zeit in der Türkei brachte für ihn ähnliche Erfahrungen mit sich.
Über weitere Schiedsrichterkontroversen: „In der Türkei gab es dann diesen großen Skandal. Solche Situationen sind mir in meiner Karriere öfter begegnet.“
Mourinho verwies dabei auf einen führenden türkischen Schiedsrichterfunktionär, der später strafrechtlich belangt worden sei.
Die Rückkehr zu Real Madrid begann mit Gerüchten
Besonders interessant war auch Mourinhos Schilderung, wie seine Rückkehr zu Real Madrid tatsächlich zustande kam. Nach seiner Darstellung verlief der Prozess genau umgekehrt zu dem, was im Fußball normalerweise üblich ist.
Über die ersten Gerüchte: „Normalerweise gibt es zuerst Kontakt und danach entstehen Gerüchte. Hier war es genau andersherum: Die Gerüchte kamen, als es noch überhaupt keinen Kontakt gab.“
Mourinho war zu diesem Zeitpunkt nach eigener Aussage bei Benfica glücklich. Gleichzeitig befand sich Real Madrid in einer schwierigen Phase. Der Klub hatte während der Saison bereits den Trainer gewechselt und Álvaro Arbeloa übernommen, ohne dass sich die Ergebnisse entscheidend stabilisierten. Erst danach sei der tatsächliche Kontakt entstanden.
„Meine Verbindung zu Real Madrid besteht seit 13 Jahren“
Mourinho betonte erneut, dass seine Beziehung zu Real Madrid nach seinem Abschied 2013 nie vollständig abgerissen sei.
Über seine Verbindung zum Klub: „Meine Beziehung zu Real Madrid besteht seit 13 Jahren. Seit meinem Abschied waren wir immer in Kontakt.“
Auch seine persönliche Freundschaft mit Florentino Pérez sei kein Geheimnis gewesen.
Über Florentino Pérez: „Carlo Ancelotti wusste, dass ich mit dem Präsidenten Florentino befreundet bin. Da gab es nichts zu verstecken.“
Deshalb beschreibt Mourinho seine Rückkehr auch nicht als gewöhnlichen Trainerwechsel.
Über seine Rückkehr: „Es war wie eine Rückkehr nach Hause.“
Der Grund dafür sei die emotionale Bindung zu einem Klub, den Mourinho vor allem mit einem Begriff verbindet.
Über Real Madrid: „Dieser Klub definiert sich durch seine Klasse.“
Mourinho sieht einen Trainertyp verschwinden
Neben Real Madrid sprach Mourinho auch grundsätzlich über die Entwicklung des Trainerberufs. Der Portugiese ist überzeugt, dass sich die Karrieren auf der Bank deutlich verändert haben.
Über Trainerkarrieren heute: „Heute ist die Karriere eines Trainers viel kürzer. Sie kommen schnell und gehen schnell. Diesen klassischen Typ des langfristigen Karriere-Trainers gibt es immer weniger.“
Dabei erinnerte er sich an seine ersten Treffen im UEFA-Umfeld. Damals saß Mourinho mit Persönlichkeiten wie Alex Ferguson, Fabio Capello, Giovanni Trapattoni, Marcello Lippi oder Arsène Wenger an einem Tisch. Für ihn waren das Trainer, die über Jahrzehnte hinweg eine eigene Ära prägten. Mourinho sieht sich selbst weiterhin in dieser Tradition.
Über seine Zukunft: „Solange ich gesund bin, werde ich weitermachen.“
„Das DNA verändert sich nicht“
Auf die Frage, wie sehr er sich als Trainer im Laufe der Jahre verändert habe, zog Mourinho eine klare Grenze. Natürlich habe sich vieles weiterentwickelt. Sein Kern jedoch nicht.
Über seinen Charakter: „Die DNA verändert sich nicht. Viele Dinge können sich verändern, aber die DNA nicht.“
Damit beschreibt Mourinho sein Selbstverständnis sehr deutlich. Methoden, Mitarbeiter, Technik und Spielvorbereitung können sich anpassen. Seine Grundhaltung – Ehrgeiz, Wettbewerb, Führungsanspruch und Direktheit – sieht er dagegen als konstant.
Fußball im Wandel: „Transformation, nicht Evolution“
Auch die strukturellen Veränderungen des modernen Fußballs beschäftigten Mourinho. Dabei wollte er ausdrücklich nicht von Evolution sprechen.
Über die Entwicklung des Fußballs: „Ich nenne es lieber Transformation als Evolution.“
Als Beispiel führte er die Größe heutiger Trainerstäbe an.
Über moderne Staffs: „Heute reist jede Mannschaft mit zwei Bussen: einer für die Spieler und einer für das gesamte Staff.“
Mourinho beschrieb, wie sehr sich die Zahl der Mitarbeiter in Klubs verändert hat.
Über die Vielzahl an Spezialisten: „Manchmal komme ich ins Hotel und sehe die Zimmerliste. Da gibt es zehn Analysten, zehn Leute für soziale Medien und noch viele andere. Braucht man wirklich alle?“
Damit stellt Mourinho nicht grundsätzlich moderne Spezialisierung infrage, macht aber deutlich, dass er den Umfang mancher Strukturen kritisch betrachtet. Für ihn bleibt entscheidend, dass zusätzliche Ressourcen auch tatsächlich einen erkennbaren Nutzen für Mannschaft und Trainer haben.
Rückkehr nach Rom: „Ich erwarte Respekt“
Im weiteren Saisonverlauf wartet auf Mourinho auch eine besondere Champions-League-Reise. Real Madrid trifft auswärts auf die Roma – einen Klub, den der Portugiese selbst trainierte. Auf einen besonders emotionalen Empfang stellt er sich jedoch nicht ein.
Über seine Rückkehr nach Rom: „Ich erwarte keine Banner. Ich erwarte Respekt.“
Mourinho räumte ein, dass er sich mit der Partie bislang noch nicht intensiv beschäftigt habe. Trotzdem weiß er schon jetzt, dass sich diese Rückkehr anders anfühlen wird als frühere Wiedersehen mit ehemaligen Klubs wie Inter oder Chelsea.
RMXpress Fazit
José Mourinho zeigt in diesem Interview erneut, warum er auch nach Jahrzehnten im Spitzenfußball eine der prägendsten Trainerfiguren geblieben ist.
Beim Fall Manchester City kritisiert er nicht die Existenz des Verfahrens, sondern vor allem dessen Dauer. Beim Thema Schiedsrichter zieht er eine direkte Linie von seiner ersten Real-Madrid-Zeit über Negreira bis zu späteren Erfahrungen in der Türkei.
Am persönlichsten wird er jedoch bei Real Madrid. Für Mourinho war seine Rückkehr keine gewöhnliche Verpflichtung. Die Verbindung zu Florentino Pérez und zum Klub bestand für ihn auch nach 2013 weiter – deshalb spricht er heute von einer Rückkehr nach Hause.
Und trotz aller Veränderungen im Fußball sieht er einen Punkt als unverhandelbar: Seine DNA bleibt dieselbe.
