Schienbeinverletzung, Operation und Mourinhos Besuch im Krankenhaus
Asencio kämpfte nach eigener Aussage seit rund einem Jahr mit Problemen am rechten Schienbein. Seit Januar wurde die Verletzung konservativ behandelt, doch die Schmerzen nahmen im Laufe der Zeit immer weiter zu. Der Innenverteidiger wollte trotzdem nicht aufgeben, weil er die Mannschaft nicht im Stich lassen wollte.
Über seine Verletzung: „Alles begann vor etwa einem Jahr. Seit Januar hielt die Fissur dank einer konservativen Behandlung, aber die Schmerzen wurden immer stärker. Ich habe gelitten, aber ich konnte nicht aufhören, weil die Mannschaft für mich über allem steht. Ich denke immer an diesen Klub und dieses Wappen. Irgendwann wurde die Fraktur größer und mir wurde klar, dass ich operiert werden musste.“
Besonders viel bedeutete ihm die Unterstützung von José Mourinho. Der Portugiese besuchte ihn unmittelbar nach dem Eingriff im Krankenhaus.
Über Mourinhos Besuch: „Dieser Besuch hat mir einen richtigen Energieschub gegeben. In solchen Momenten hast du Zweifel und denkst darüber nach, wie die Rehabilitation laufen wird und wie lange du nicht spielen kannst. Dass Mou dann kommt und mir diese Nähe zeigt, die wir seit Saisonbeginn im gesamten Team spüren, tut unglaublich gut.“
Asencio beschreibt Mourinho dabei deutlich persönlicher, als es die öffentliche Wahrnehmung des Trainers häufig vermuten lässt.
Über Mourinho als Mensch: „Mou ist nahbar, bescheiden, freundlich und ehrgeizig. Menschlich ist er ein großartiger Mensch – ganz abgesehen davon, dass er ein großer Trainer ist.“
Raúl Asencio
Abwehr
✚Verletzt · Ermüdungsbruch Schienbein
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„Hinter verschlossenen Türen ist Mourinho ein großartiger Mensch“
Im täglichen Umgang erlebt Asencio den Trainer deutlich anders als das Bild, das Mourinho über viele Jahre in der Öffentlichkeit aufgebaut hat.
Über Mourinho im Alltag: „Er ist im Grunde einer von uns in der Kabine. Fußballer werden von außen oft als unerreichbare Menschen gesehen, die weit weg von der Realität leben. Aber am Ende sind wir Menschen. Von Mourinho hatte ich als Kind dieses Bild eines Trainers mit extrem starkem Charakter. Hinter verschlossenen Türen ist er aber ein großartiger Mensch, lustig und jemand, der viel Zeit mit uns verbringen will. Und wir verbringen auch gerne Zeit mit ihm.“
Auch taktisch sieht Asencio einen Trainer, der seine Mannschaft nicht mit Informationen überlädt.
Über Mourinhos Vorbereitung: „Natürlich arbeitet er sehr viel an Spielen und Gegnern. Aber durch seine Erfahrung weiß er genau, was er uns im richtigen Moment geben muss – wann er Druck machen und wann er etwas lockerer lassen muss.“
Mit 14 Jahren allein nach Madrid: „La Fábrica macht dich früher erwachsen“
Asencios Verbindung zu Real Madrid reicht weit zurück. Mit 14 Jahren wechselte er von Las Palmas in die Jugend der Königlichen und zog in die Klubresidenz. Dort lernte er auch Álvaro Carreras kennen.
Über seine Ankunft in Madrid: „Ich kam als Kind hierher und lebte in der Residenz von Real Madrid. Die Mitspieler werden irgendwann zu deiner Familie, weil du den ganzen Tag mit ihnen verbringst und weit weg von deiner eigenen Familie bist.“
Gerade diese Erfahrung habe ihn früh geprägt.
Über das Erwachsenwerden in La Fábrica: „Wenn ich auf den Kanaren krank war, war meine Mutter bei mir. Hier musstest du lernen, deine Probleme selbst zu lösen. Das ist hart, aber es lässt dich früher reifen und macht dich schon als Kind stärker.“
Die Anforderungen von Real Madrid spürte er dabei vom ersten Tag an.
Über die Akademie: „Seit ich mit 14 hier angekommen bin, spürst du den Druck dieses Trikots. Gleichzeitig kümmern sie sich unglaublich gut um dich und die Einrichtungen sind außergewöhnlich. Diese Anforderungen passen zum Klub – und genau deshalb ist Real Madrid der beste Klub der Welt.“
Sein Debüt in der ersten Mannschaft bezeichnet Asencio als natürliche Fortsetzung dieser Ausbildung. Besonders in Erinnerung blieb sein Assist auf Jude Bellingham gegen Osasuna.
Über La Fábrica: „Die Ausbildung, die ich dort bekommen habe, hat mir erlaubt, ohne Angst auf den Platz zu gehen und das zu machen, was ich kann. La Fábrica ist eine Schule fürs Leben und für den Fußball.“
Ancelotti, Carvajal und die Bedeutung der Canteranos
Carlo Ancelotti war der Trainer, der Asencio den Schritt in die erste Mannschaft ermöglichte.
Über Ancelotti: „Er war für mich viel mehr als nur der Trainer. Er hat mich aufgenommen, an mich geglaubt und mir gesagt: Du bleibst bei uns. Ich werde immer eine besondere Erinnerung an ihn haben.“
Inzwischen trägt Asencio die Rückennummer 2 – zuvor das Trikot von Dani Carvajal.
Über die Nummer 2: „Als mir gesagt wurde, dass Danis Nummer frei ist, musste ich nicht lange überlegen. Ich habe ihm geschrieben und im Spaß gesagt, dass ich hoffe, seine Nummer nicht zu beschmutzen. Dani ist für jeden Canterano ein Vorbild.“
Carvajal habe gerade jungen Spielern gezeigt, was es bedeutet, Real Madrid zu vertreten.
Über Carvajal: „Wenn du gesehen hast, wie er dieses Wappen verteidigt hat, wie er alles auf dem Platz gelassen hat und wie er als Kapitän war – davon lernst du. Wenn er dir etwas sagen musste, hat er es gesagt. Spieler wie ihn gibt es nur wenige.“
Dass Real Madrid angeblich keine eigene Nachwuchsidentität habe, weist Asencio zurück.
Über La Fábrica: „Der Klub vermittelt dir von klein auf Charakter, Stolz und eine Art zu sein. Deine Persönlichkeit kommt noch vor dem Fußballer. Spieler wie Lucas, Nacho oder Carvajal waren in einer Kabine voller Stars unglaublich wichtig.“
Mit Álvaro Carreras, Thiago Pitarch und ihm selbst stehen aktuell drei Canteranos im Profikader.
Über den Nachwuchs: „Es gibt viele Jungs, die bereit für den nächsten Schritt sind. Schaut euch das Juvenil an, das vergangene Saison alles gewonnen hat. Wichtig ist, dass sie bereit sind, wenn ihre Chance kommt. Es wäre ein großer Stolz, wenn künftig wieder mehr Canteranos in der ersten Mannschaft stehen.“
„Mehr arbeiten und weniger reden“
Asencio weiß, dass der bisherige Saisonverlauf die Erwartungen des Madridismo nicht erfüllt hat. Seine Antwort darauf ist eindeutig.
Über den Saisonstart: „Das hat gerade erst angefangen. Die Saison ist sehr lang und es wird noch viel passieren. Wir verstehen die Anforderungen der Fans und teilen sie. Genau wegen dieser Ansprüche ist Real Madrid der erfolgreichste Klub der Welt.“
Er fordert von der Mannschaft eine Reaktion auf dem Platz.
Über die Antwort des Teams: „Wir müssen mehr arbeiten und weniger reden. Mit guten Ergebnissen werden die Fans wieder stärker hinter der Mannschaft stehen. Worte verfliegen. Jetzt ist es an der Zeit, auf dem Platz zu sprechen.“
Für ihn selbst ist die Situation besonders bitter, weil er der Mannschaft derzeit wegen seiner Operation nicht helfen kann.
Über seine eigene Situation: „Es tut weh, jetzt nicht helfen zu können. Ich verstehe, wenn Madridistas irgendwann von mir enttäuscht waren. Aber ich werde alles tun, um das umzudrehen. Ein Canterano wird immer alles für dieses Wappen geben. Das habe ich gezeigt – und wenn ich zurückkehre, werde ich es wieder zeigen.“
Asencio über seinen Fehler: „Mourinho hatte vollkommen recht“
Asencio sprach im Interview auch über einen persönlichen Fehltritt außerhalb des Platzes. Der 23-Jährige räumt seinen Fehler offen ein und stellt sich hinter die damalige Kritik Mourinhos.
Über die Situation: „Das war ein sehr schwieriger Moment. Mehrere Dinge sind in meinem Leben innerhalb kurzer Zeit zusammengekommen. Mou lag nicht falsch. Er hatte vollkommen recht.“
Asencio übernimmt dabei die Verantwortung.
Über seinen Fehler: „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe das zugegeben und tue es weiterhin. Ich habe um Entschuldigung gebeten und werde mich dafür weiterhin entschuldigen. Ich bin 23 Jahre alt und habe Fehler gemacht, wie sie Menschen in diesem Alter machen können. Aber ich muss wissen, wo ich bin. Ich spiele für Real Madrid und so etwas darf nicht wieder passieren.“
Sein Ziel sei nun, die Situation sportlich und persönlich zu drehen.
Asencio weiter: „Ich träume davon, alles umzudrehen und mit diesem Klub und diesem Trikot Titel zu gewinnen – hoffentlich für den Rest meiner Karriere. Solche Situationen werden nicht noch einmal passieren.“
Bernabéu-Unterstützung: „Real Madrid hat mir alles gegeben“
Auch über eine weitere schwierige persönliche Phase spricht Asencio offen. Im Zusammenhang mit einem früheren Gerichtsverfahren sei er in Auswärtsstadien massiv angefeindet worden.
Asencio betont, dass er sich davon auf dem Platz nicht ablenken ließ.
Über die Anfeindungen: „Ich war mit meinem Gewissen ruhig, und das war das Wichtigste. Wenn ich auf dem Platz stand, war ich dort, um Fußball zu spielen und mich nicht mit einer gegnerischen Tribüne auseinanderzusetzen.“
Seine Familie habe unter den Situationen teilweise stärker gelitten als er selbst. Ganz anders erlebt Asencio die Unterstützung im Santiago Bernabéu.
Über Real Madrid und die Fans: „Real Madrid hat mir alles gegeben. Und deshalb werde ich im Gegenzug alles für Real Madrid geben. Vom ersten Tag an habe ich Unterstützung gespürt, positive Worte gehört und offene Arme erlebt. Jetzt werde ich dafür kämpfen, dass die Menschen wieder stolz auf mich sind.“
Vinícius, Mbappé und Espí: Asencio über seine Mitspieler
Auch sportliche Themen kamen im Gespräch nicht zu kurz. Bei Vinícius ist Asencio überzeugt, dass der Brasilianer wieder zu seiner stärksten Version zurückfinden wird.
Über Vinícius: „Vini ist Vini und wird immer Vini bleiben. Er hat eine besondere Aura. Jeder in der Kabine liebt ihn. Wirklich jeder. Spieler sind keine Roboter, sondern Menschen. Vielleicht ist er gerade nicht der Vini von vor zwei Jahren, aber er wird zurückkommen, weil wir ihn jeden Tag erleben.“
Beim Ballon d’Or hat Asencio dagegen einen klaren Favoriten.
Über Mbappé: „Es wäre gerecht. Ich sehe ihn jeden Tag und für mich ist er der beste Spieler unter allen Nominierten. Rein fußballerisch ist Kylian der Beste. Und in allen Bereichen der beste Torjäger. Es ist schließlich eine individuelle Auszeichnung.“
Auch Carlos Espí lobt er ausdrücklich.
Über Carlos Espí: „Ich habe in den vergangenen Tagen mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass er diese Erfahrung mit Spanien genießen soll, weil sie einzigartig ist. Carlos wird noch viele Chancen bekommen, wenn er so weitermacht. Er ist bescheiden und ruhig – und wenn er spielt, erzielt er wichtige Tore.“
Die 16. Champions League? „Für Real Madrid ist nichts unmöglich“
Trotz seines aktuellen Ausfalls verliert Asencio den Glauben an die Saison nicht. Auf die Vorstellung angesprochen, Real Madrid könne ausgerechnet im Metropolitano den 16. Europapokal gewinnen, reagierte er selbstbewusst.
Über die Champions League: „Unmöglich? Sehr möglich. Für Real Madrid ist nichts unmöglich. Mit Mou haben wir viele Möglichkeiten zu zeigen, dass wir wieder die beste Mannschaft Europas sind.“
Auch auf den Fall Negreira wurde der Verteidiger angesprochen.
Über Negreira: „Der Schatten von Negreira ist da. Und wenn er da ist, dann hat das einen Grund. Mehr werde ich dazu nicht sagen.“
„Ich bin Fußballer – und Mensch“
Zum Abschluss zeigte das Gespräch noch eine andere Seite des 23-Jährigen. Asencio unterstützt Initiativen für schwer erkrankte Kinder und hatte unter anderem einem Jungen nach einer Knochenmarktransplantation einen Besuch im Bernabéu ermöglicht.
Über sein Engagement: „Wir haben das Glück, Menschen schon mit einer kleinen Geste glücklich machen zu können. Ich habe solche Organisationen immer unterstützt. Zwei oder drei Stunden mit diesen Kindern zu verbringen und ihnen zu helfen, erfüllt mich. Ich bin Fußballer – und Mensch.“
RMXpress Fazit
Raúl Asencio blickt auf Monate zurück, in denen sportliche Schmerzen und persönliche Rückschläge zusammenkamen. Seine Schienbeinverletzung begleitete ihn lange, weil er die Mannschaft nicht im Stich lassen wollte. Jetzt hat die Operation Priorität – und mit ihr der Wunsch, vollständig zurückzukehren.
Gleichzeitig wirkt Asencio in seinen Aussagen selbstkritisch. Er redet persönliche Fehler nicht klein, akzeptiert Mourinhos deutliche Worte und formuliert klar, dass bestimmte Dinge nicht noch einmal passieren dürfen.
Besonders auffällig ist dabei seine Verbindung zu Real Madrid. Mit 14 Jahren kam er in die Akademie, Ancelotti ermöglichte ihm den Sprung zu den Profis, Carvajal wurde zum Vorbild – und Mourinho stand wenige Stunden nach seiner Operation persönlich im Krankenhaus.
Asencio will all das zurückzahlen. Nicht mit Worten. Sondern auf dem Platz.
