José Mourinho über Rodri, Mbappé und Vinícius: „Der Markt ist für mich geschlossen“

Kurz vor dem LaLiga-Auftakt gegen Espanyol hat José Mourinho ausführlich mit Josep Pedrerol bei El Chiringuito gesprochen. Der Real-Trainer äußerte sich über seinen veränderten Charakter, die Stimmung in der Kabine, Kylian Mbappé, Vinícius Júnior, Rodris Absage und die Transferplanung der Königlichen.

José Mourinho über seine Rückkehr und seine Veränderung

13 Jahre nach seinem ersten Abschied von Real Madrid ist José Mourinho zurück – nach eigener Einschätzung als veränderter Trainer und Mensch. Seinen grundsätzlichen Charakter habe er dabei allerdings nicht verloren.

Über die vergangenen 13 Jahre: „Ich habe mich in vielen Dingen verändert. Als Mensch, als Trainer – ich habe mich sehr verändert.“

Über den Mourinho von heute: „Ich würde sagen, dass ich dieselbe DNA habe. Natürlich kann ich nicht verbergen oder versuchen, jemand zu sein, der ich nicht bin. Ich bin viel reifer, weniger emotional und kontrollierter. Wie immer lerne ich aus meinen Fehlern. Aber ich bereue nicht dieses oder jenes, denn ich glaube, dass es im Leben nichts bringt, etwas zu bereuen, das bereits passiert ist. Aus Erfahrungen zu lernen, ja. Bei unserer Arbeit als Trainer glaube ich: Je mehr Erfahrung wir haben, je mehr Déjà-vus wir erleben, desto mehr Qualität besitzen wir.“

Über einen möglicherweise „langweiligeren“ Mourinho: „Nein, ich würde nicht sagen, dass ich langweiliger bin. Am Ende gewinnt die DNA immer. Aber langweiliger? Nicht wirklich.“


Mourinho über das blaue Auge und die Kabine

Für Gesprächsstoff hatte zuletzt auch Mourinhos blaues Auge gesorgt. Spekulationen über eine Auseinandersetzung innerhalb der Mannschaft wies er zurück.

Über sein blaues Auge: „Nein, da war nichts. Der arme Lacosta, ein Junge aus der Castilla, hat mich mit einem Ball getroffen. Ich hatte meine Brille auf und der Ball hat mich erwischt. Aber deshalb wurde er nicht für das letzte Spiel nicht nominiert.“

Deutlich wichtiger war Mourinho die Frage, welche Mannschaft er nach seiner Rückkehr vorgefunden hat.

Über die Kabine: „Ich habe eine Kabine vorgefunden, die unbedingt gewinnen möchte. Eine Kabine, die offen für gesunden Menschenverstand ist, denn alles, was ich seit dem ersten Tag von ihnen verlange, ist gesunder Menschenverstand. Bis jetzt gab es keine Situation, in der ich der aggressive Anführer sein musste, der ich auch sein kann. Sie haben mich vor dieser Version von mir geschützt.“

Darüber, wie die Spieler ihn „geschützt“ haben: „Weil ihr Verhalten tadellos ist. Ich habe ihnen gesagt, dass ich nur gesunden Menschenverstand verlange. Zu sagen, dass man eine Stunde vor dem Training kommen soll und nicht fünf Minuten vorher, ist gesunder Menschenverstand. So ist der heutige Fußball. Du musst früher kommen, kontrolliert vom Ernährungsberater frühstücken, jeden Tag ins Fitnessstudio gehen, um Verletzungen vorzubeugen. Das ist für dich. Das ist für uns. Alles, was ich von ihnen verlangt habe, ist gesunder Menschenverstand.“

Mourinho räumte gleichzeitig ein, dass eine komplette Saison kaum ohne Probleme verlaufen werde.

Über mögliche Konflikte während der Saison: „Wir sind natürlich nicht davor geschützt, dass während der Saison etwas passiert. Es ist vollkommen normal, dass irgendwann etwas passiert. Aber bis jetzt gab es keine einzige Situation.“


„Wir arbeiten für Real Madrid“

Ein Thema zieht sich durch Mourinhos Aussagen seit seiner Rückkehr: die Verantwortung, für Real Madrid tätig zu sein.

Über die Wirkung seines Namens auf die Spieler: „Ich weiß nicht, ob es daran liegt oder an der Verantwortung, für Real Madrid zu arbeiten. Das ist für mich etwas Fundamentales. Mir gefällt die Formulierung nicht besonders, dass wir ‚bei Real Madrid arbeiten‘. Mir gefällt viel mehr: Wir arbeiten für Real Madrid.“

Über seine Botschaft in Valdebebas: „Das habe ich vom ersten Tag an in Valdebebas klargemacht. Nicht nur den Spielern, sondern allen dort. Wir sind hier, um für Real Madrid zu arbeiten. Und im Moment bin ich unglaublich glücklich.“

Mourinho verbringt inzwischen sogar einen großen Teil seines Alltags direkt im Trainingszentrum.

Über das Übernachten in Valdebebas: „Ja, ja. Während meiner ersten Zeit hier hatte ich kleine Kinder und wir waren alle zusammen mit meiner Frau. Jetzt sind sie 29 und 26 Jahre alt und leben in London, und meine Frau ist viel bei den Kindern. Wenn sie nach Madrid kommen, freue ich mich sehr. Wenn sie nicht hier sind, bin ich praktisch immer in Valdebebas. Wenn ich hier um sechs oder sieben Uhr fertig bin, ist es sehr bequem, einfach hierzubleiben.“


Mbappé: „Er ist auf einem stratosphärischen Niveau“

Besonders deutlich wurde Mourinhos Begeisterung, als Josep Pedrerol ihn auf Kylian Mbappé ansprach.

Über Mbappé: „Mbappé ist unglaublich. Manchmal bringt er mich im Training zum Lachen.“

Warum Mbappé ihn zum Lachen bringt: „Weil er einfach viel zu gut ist. Er befindet sich auf einem stratosphärischen Niveau.“

Die vergangene Saison wollte Mourinho nicht allein an einzelnen Spielern oder Trainern festmachen.

Über die vergangene Saison: „Es steht mir nicht zu, zu beurteilen oder zu analysieren, was er in der vergangenen Saison gemacht hat. Es war eine seltsame Saison, eine komplizierte Saison für alle. Am Ende ist es immer dieselbe Geschichte: Arbeloa und Xabi haben die Zeche bezahlt.“

Über die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg: „Ich sage immer, dass Gewinnen oder Verlieren von vielen Faktoren abhängt. Das habe ich am ersten Tag in Valdebebas allen gesagt, nicht nur den Spielern: Ich akzeptiere nicht, dass Schuld oder Applaus nur einer Person gegeben werden. Das ist nicht meine Art. Im vergangenen Jahr haben viele Menschen Fehler gemacht, nicht nur Trainer oder Spieler.“

Entscheidend ist für Mourinho deshalb, was Mbappé unter ihm leisten kann.

Über Mbappés Einstellung: „Wenn du mich nach Mbappé fragst, denke ich lieber darüber nach, was Kylian jetzt sein kann. Ein Spieler, der eigentlich am 14. August kommen konnte und schon am 12. erscheint, sagt mir bereits etwas.“

Über den Grund für die frühere Rückkehr: „Er wollte am 12. da sein, weil er gegen Schalke in zumindest minimal vernünftiger Verfassung spielen wollte. Danach hat er genauso trainiert wie alle anderen, mit demselben Engagement, demselben Willen, sich zu verbessern, und das in schwierigen Trainingseinheiten.“

Auch Jude Bellingham nahm Mourinho in Schutz.

Über Mbappé und Bellingham: „Wir müssen alle noch mehr zu einer Mannschaft werden. Aber ihre Zahlen sind unglaublich. Was beide bei der Weltmeisterschaft gemacht haben, war unglaublich. Bellingham hat eine unglaubliche Weltmeisterschaft gespielt, aber Mbappé hat Geschichte geschrieben.“


Transfermarkt geschlossen – Rodri war nicht überzeugt genug

Auf die Frage, ob Real Madrid noch weitere Spieler benötige, antwortete Mourinho zunächst unmissverständlich.

Ob Real Madrid noch Spieler braucht: „Nein. Nein.“

Ob es keine weiteren Transfers geben wird: „Ich sage nicht, dass es keine weiteren Transfers geben wird, weil der Markt noch geöffnet ist. Aber wenn du mich direkt fragst, ob er für mich geschlossen ist: Ja. Er ist geschlossen.“

Über seinen aktuellen Kader: „Ja, er gefällt mir sehr.“

Damit kam zwangsläufig auch Rodri zur Sprache, der sich gegen Real Madrid und für die Option Barcelona entschieden hatte.

Ob ihm Rodri fehlt: „Nein, Rodri fehlt mir nicht. Wir haben Lösungen, wir haben Qualität. Wir haben Spieler, die man vielleicht anhand dessen betrachtet und analysiert, was sie bisher gemacht haben. Aber ich denke gerne, dass ich die Fähigkeit habe, Spieler besser zu machen. Dass ein Spieler, der heute auf einem bestimmten Niveau ist, morgen ein anderer Spieler sein kann.“

Mourinho bestätigte zugleich erstmals persönlich, dass er mit Rodri gesprochen hatte.

Über seine Gespräche mit Rodri: „Ja, ich habe ein paar Mal mit ihm gesprochen und Real Madrid hat ihm ein sehr gutes Angebot gemacht. Ich glaube, dass es eine sehr gute Beziehung zu City gibt. Ohne mit City zu verhandeln, hatte der Klub Kontakt zu Rodri und hat ihm ein wichtiges Angebot gemacht.“

Der entscheidende Punkt für Mourinho waren jedoch die Zweifel des Mittelfeldspielers.

Über Rodris Zweifel: „Rodri hatte Zweifel, er hat gezögert – und Rodris Zweifel haben bei mir Zweifel ausgelöst.“

Über Rodris Qualität und Verhalten: „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler und er war uns gegenüber sehr korrekt. Ich habe nichts Negatives über ihn zu sagen.“

Dann formulierte Mourinho, was er von einem Spieler erwartet, der zu Real Madrid wechseln möchte.

Über die Dimension von Real Madrid: „Aber Real Madrid besitzt eine Dimension, bei der du keine Spieler haben kannst, die zweimal darüber nachdenken müssen. Du kontaktierst einen Spieler und der fragt dich: ‚Wann muss ich kommen?‘ Das ist ein bisschen das Konzept.“

Seine Wünsche für Rodri: „Rodri war sehr korrekt mit uns. Ich wünsche ihm alles Gute. Nicht zu viel Gutes natürlich. Aber ich wünsche ihm alles Gute.“

Dass Barcelonas möglicher Transfer als Sieg über Real Madrid dargestellt wird, beschäftigt Mourinho kaum.

Über einen vermeintlichen Transfersieg Barcelonas: „Siege gibt es auf dem Platz. Siege sind Titel. Dort gibt es Siege.“


„Geh nicht Vinícius – es lohnt sich nicht“

Ein weiteres großes Thema war die Vertragsverlängerung von Vinícius Júnior bis 2032. Die Vorstellung, dass Mourinho persönlich für die Verlängerung verantwortlich gewesen sei, wies der Trainer zurück.

Ob Vinícius wegen Mourinho verlängert hat: „Nein… was? Wegen mir?“

Gesprochen habe er mit dem Brasilianer allerdings sehr wohl.

Über sein Gespräch mit Vinícius: „Natürlich habe ich mit ihm gesprochen. Aber Vinícius hat sich in Real Madrid verliebt.“

Mourinho verriet sogar, welchen Rat er dem Flügelspieler gegeben hatte.

Seine Botschaft an Vinícius: „Das Einzige, was ich ihm gesagt habe, war: ‚Vini, wohin willst du gehen? Du warst nur in Brasilien und kennst nur Real Madrid. Was Real Madrid wirklich ist, weißt du erst, wenn du weggehst. Erst wenn du gehst, verstehst du, was Real Madrid ist. Geh nicht. Es lohnt sich nicht.‘“

Die Entwicklung innerhalb der Mannschaft habe Vinícius letztlich zusätzlich überzeugt.

Über Vinícius und die neue Mannschaft: „Ich glaube, dass das, was er beim Wachstum der Gruppe gespürt hat, die Art und Weise, wie wir gearbeitet und uns entwickelt haben, ihm ein sehr wichtiges Gefühl gegeben hat.“

Auch von dessen Trainingsarbeit zeigte sich Mourinho begeistert.

Über Vinícius im Training: „Das ist auch so eine Maschine, bei der es Freude macht, ihr beim Arbeiten zuzusehen. Wir haben unglaublich viel Qualität.“


Mourinho stellt sich hinter Vinícius

Pedrerol sprach Mourinho anschließend auf die Kontroverse um Vinícius während des Benfica-Spiels und dessen damaligen Aussagen an. Mourinho erklärte seine damalige Haltung mit seiner Verantwortung als Trainer von Benfica.

Über die damalige Situation mit Prestianni: „Die Antwort ist sehr einfach: Prestianni war mein Spieler. Damit ist die Diskussion beendet. Wenn Prestianni mein Spieler ist, können 20 Spieler kommen – ich stehe zu Prestianni. Da gibt es keine Geschichte.“

Die Situation sei heute jedoch eine völlig andere.

Über sein Verhältnis zu Vinícius heute: „Ich glaube, Vini weiß jetzt, auf welcher Seite ich stehe. Er weiß, dass er mich anschauen kann und darauf vertrauen kann, dass ich an seiner Seite bin.“

Mourinho verwies auf eine Szene aus einem der Vorbereitungsspiele.

Über seine Unterstützung für Vinícius: „Neulich, als ihm ein Elfmeter so groß wie das Bernabéu nicht gegeben wurde, war ich schon an der Mittellinie und habe für ihn gekämpft. Er weiß, dass ich bei ihm sein werde.“

Dabei nahm Mourinho nicht nur Vinícius selbst in die Pflicht, sondern vor allem dessen Umfeld und die Schiedsrichter.

Ob Vinícius sein Verhalten ändern muss: „Ich glaube, die Menschen müssen lernen, wie sie mit ihm umgehen. Und damit meine ich auch die Schiedsrichter.“

Über die Behandlung durch Schiedsrichter: „Vinícius ist ein Spieler wie jeder andere. Du kannst nicht einen Elfmeter pfeifen, wenn du Pedrerol bist, und ihn nicht pfeifen, weil es Vinícius ist. Du kannst Mourinho nicht schützen und Vinícius nicht schützen.“

Die Bewertung müsse sich auf das Geschehen auf dem Platz konzentrieren.

Über Vinícius als Fußballer: „Die Leute müssen darüber hinausblicken, ob er sympathischer oder weniger sympathisch ist. Auf dem Platz musst du Vinícius wie jeden anderen Spieler behandeln. Nur dass er besser ist als die anderen.“


„Vinícius wird nicht respektiert“

Besonders kritisch äußerte sich Mourinho zu den Pfiffen, denen Vinícius zuletzt sogar bei Freundschaftsspielen ausgesetzt war.

Über den Umgang mit Vinícius: „Nein, nein – er wird nicht respektiert.“

Gleichzeitig räumte Mourinho ein, dass auch der Spieler selbst bei bestimmten Jubelszenen eine Balance finden könne.

Über Vinícius‘ Verhalten gegenüber gegnerischen Fans: „Auf der Ebene der Stadien stimme ich dir zu und ich habe das auch schon ein bisschen angesprochen. Es ist eine Sache, ein Tor mit den eigenen Leuten zu feiern, und eine andere, vor den gegnerischen Fans zu feiern. Da kann man ein gewisses Gleichgewicht finden.“

Unverständlich sind für Mourinho hingegen grundlose Pfiffe.

Über die Pfiffe in A Coruña und Gelsenkirchen: „Welchen Sinn ergibt es, dass ein ganzes Stadion einen der besten Spieler der Welt auspfeift, obwohl es überhaupt nichts gegen ihn gibt? Du spielst ein Freundschaftsspiel in A Coruña oder gegen Schalke. Ich glaube nicht, dass Vinícius zuvor gegen Schalke oder Deportivo gespielt hat. Warum pfeifst du ihn beim ersten Ballkontakt aus?“

Seine abschließende Botschaft fiel eindeutig aus.

Über das Privileg, Vinícius spielen zu sehen: „Wir müssen versuchen, einen Kompromiss zu finden, denn ihn Fußball spielen zu sehen, ist ein Privileg.“


Mourinho deutet weitere Aussagen zum Fall Negreira an

Zum Ende des ersten Teils des Interviews wurde Mourinho außerdem auf den sogenannten Fall Negreira angesprochen. Der Portugiese deutete an, bereits während seiner ersten Zeit bei Real Madrid Wahrnehmungen gehabt zu haben, ohne in diesem Teil des Interviews näher darauf einzugehen.

Über den Fall Negreira: „Als ich damals hier war, habe ich etwas gerochen.“

Weitere Aussagen zu diesem Thema kündigte El Chiringuito für die Fortsetzung des Interviews an.


RMXpress Fazit

José Mourinhos erstes großes Interview seit seiner Rückkehr zeigt einen Trainer, der sich selbst als reifer und kontrollierter beschreibt, seinen grundlegenden Charakter aber keineswegs verloren hat.

Sportlich fällt vor allem auf, wie überzeugt Mourinho von seinem aktuellen Kader ist. Für ihn ist der Transfermarkt geschlossen, auch wenn er aufgrund des noch geöffneten Fensters keine weiteren Bewegungen kategorisch ausschließen möchte.

Bei Rodri zieht er gleichzeitig eine klare Grenze: Real Madrid wollte den Mittelfeldspieler, bot ihm einen Wechsel an und Mourinho sprach persönlich mit ihm. Doch die Zweifel des Spaniers waren für den Portugiesen letztlich selbst ein Warnsignal. Wer zu Real Madrid kommen möchte, soll nach Mourinhos Vorstellung nicht zweimal überlegen.

Besonders bemerkenswert sind zudem seine Aussagen über Mbappé und Vinícius. Mbappé bezeichnet er als Spieler auf „stratosphärischem Niveau“, während er sich öffentlich klar hinter Vinícius stellt und mehr Respekt für den Brasilianer fordert.

Kurz vor dem Ligastart gegen Espanyol vermittelt Mourinho damit vor allem eine Botschaft: Er vertraut dieser Mannschaft – und erwartet von ihr genau jene bedingungslose Identifikation mit Real Madrid, die er selbst seit seiner Rückkehr immer wieder einfordert.

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