Gareth Bale über Real Madrid, Mourinho und die Zukunft des Fußballs

Der ehemalige Real-Star spricht über sein Leben nach dem Karriereende, die Rückkehr von José Mourinho nach Madrid und warum er den Portugiesen für den richtigen Mann hält.

Gareth Bale hat sich in einem ausführlichen Gespräch mit The Athletic über seine Karriere, sein Leben nach dem Fußball, die Rückkehr von José Mourinho zu Real Madrid und die Entwicklung des modernen Spiels geäußert. Der ehemalige Madrid-Star sprach dabei offen über seine Zeit bei den Königlichen, die aktuelle Situation des Klubs und seine neuen Projekte abseits des Rasens.


Bale vermisst den Fußball nicht

Dreieinhalb Jahre nach seinem Karriereende verspürt Bale keinerlei Sehnsucht nach dem Profifußball. Der Waliser erklärt, dass er sich immer bewusst gewesen sei, dass seine Laufbahn irgendwann enden würde.

„Nein, eigentlich nicht. Ich wusste immer, dass es einen Anfang und ein Ende geben wird. Ich habe mich immer auf das Ende vorbereitet. Ich wollte nicht einfach nur weiterspielen, um weiterzuspielen.“

Nach seinem Rücktritt habe er sich zunächst komplett vom Fußball entfernt und kaum Spiele verfolgt.

„Es war schön, einen Schritt zurückzumachen und neu anzufangen. Jetzt schaue ich wieder etwas mehr Fußball. Mein Sohn ist Fan von Real Madrid und Tottenham. Es macht Spaß, die Spiele gemeinsam mit ihm zu erleben.“


Mourinho soll Real Madrid wieder stabilisieren

Natürlich wurde Bale auch auf die Rückkehr von José Mourinho nach Madrid angesprochen. Der Portugiese trainierte den Waliser bereits während dessen zweiter Leihe bei Tottenham.

Bale sieht in Mourinho genau den richtigen Mann, um die zuletzt unruhige Kabine der Königlichen wieder zusammenzuführen.

„Mit einem so erfahrenen Trainer wie José wird die Mannschaft hoffentlich wieder Ruhe finden und gemeinsam in dieselbe Richtung arbeiten.“

Dabei erinnerte er auch an Carlo Ancelotti, dessen größte Stärke aus seiner Sicht die Menschenführung gewesen sei.

„Carlo war ein großartiger Menschenführer. Er versteht die Psychologie und den Druck in einem Verein wie Real Madrid. Er gibt jedem Spieler das Gefühl, dass er sich wirklich für ihn interessiert.“

Für Bale besteht die größte Herausforderung bei einem Klub wie Real Madrid ohnehin nicht auf dem Trainingsplatz.

„Bei einem Verein wie Madrid muss man nicht unbedingt trainieren, sondern Egos managen. Deshalb war Carlo bei den größten Vereinen der Welt so erfolgreich.“


„Mourinho weiß genau, wie Madrid funktioniert“

Auch über Mourinho verlor Bale ausschließlich positive Worte. Der Portugiese verfüge über die nötige Erfahrung und kenne die Besonderheiten des Vereins genau.

„José hat Madrid bereits trainiert. Er kennt die Dynamik des Klubs und weiß genau, wie dort alles funktioniert.“

Besonders beeindruckt zeigt sich Bale von Mourinhos Fähigkeit, unterschiedliche Persönlichkeiten individuell zu motivieren.

„Er versucht herauszufinden, was jeden einzelnen Spieler antreibt. Manchmal macht er das über die Medien, manchmal legt er einfach einen Arm um die Schulter eines Spielers.“

Der ehemalige Flügelstar ist überzeugt, dass Mourinho bereits einen klaren Plan für seine zweite Amtszeit entwickelt hat.

„Er wird bereits daran arbeiten, wie er diese Mannschaft wieder erfolgreich machen kann.“


Die moderne Generation spielt anders

Bale sprach auch über die Entwicklung des Fußballs in den vergangenen Jahren. Aus seiner Sicht habe sich das Spiel deutlich verändert.

„Vor allem in den letzten fünf Jahren sind Trainer viel dominanter geworden. Fußball ist heute weniger ein Spiel von Strafraum zu Strafraum. Es ist mehr Schach als Basketball.“

Dadurch gehe ein Teil der Individualität verloren, die seine Generation ausgezeichnet habe.

„Man sieht weniger Dribblings und weniger Spieler, die Risiken eingehen. Vielleicht liegt das daran, dass Trainer es nicht mehr erlauben.“

Dennoch gebe es noch einige Ausnahmekönner.

„Spieler wie Kylian Mbappé, Lamine Yamal oder Vinícius Júnior bringen die Fans immer noch von ihren Sitzen.“


Kritik an der Situation bei Real Madrid

Bale verfolgt die Entwicklungen bei seinem ehemaligen Verein weiterhin aufmerksam. Die jüngsten Berichte über Spannungen innerhalb der Mannschaft seien ihm nicht entgangen.

„Die Kabine wirkt momentan etwas chaotisch.“

Gerade deshalb sei die Verpflichtung eines Trainers mit der Erfahrung Mourinhos besonders wichtig. Der Waliser ist überzeugt, dass Real Madrid die Qualität besitzt, schnell wieder zur europäischen Spitze zurückzukehren, sofern innerhalb der Mannschaft wieder Einigkeit herrscht.


Neue Aufgabe nach der Karriere

Abseits des Fußballs widmet sich Bale inzwischen verstärkt dem Sportbusiness. Gemeinsam mit einer Investmentgruppe plant er Investitionen von mehr als 500 Millionen Dollar in verschiedene Sportprojekte.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Frauen- und Nachwuchssport.

„Wir wollen Mädchen dieselben Chancen geben wie Jungen. Es sollte gleiche Möglichkeiten für alle geben.“

Bale sieht dort enormes Potenzial und möchte seine Erfahrungen als ehemaliger Profisportler einbringen.

„Ich habe den gesamten Weg durch eine Akademie bis an die Spitze erlebt. Diese Erfahrungen möchte ich weitergeben.“


Tottenham bleibt eine Herzensangelegenheit

Auch seinen Ex-Klub Tottenham verfolgt Bale weiterhin intensiv. Die vergangene Saison habe ihn allerdings viele Nerven gekostet.

„Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist.“

Mit dem neuen Trainer Roberto De Zerbi blickt er jedoch optimistisch in die Zukunft.

„Mit einigen Verstärkungen, besonders in der Offensive, kann Tottenham sehr schnell wieder eine richtig gute Mannschaft werden.“


Real Madrid bleibt ein Teil seines Lebens

Auch wenn Gareth Bale den Profifußball nicht vermisst, bleibt Real Madrid ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Sein Sohn verfolgt die Spiele der Königlichen regelmäßig, Mourinho ist zurück und die Erinnerungen an fünf Champions-League-Titel sind weiterhin präsent.

Für Bale beginnt inzwischen ein neues Kapitel – doch seine Verbindung zu Real Madrid bleibt bestehen.

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