Vom Stammspieler zum Randthema
Der Saisonstart von Bernardo Silva ließ zunächst auf eine wichtige Rolle bei Real Madrid schließen. In den ersten sechs Pflichtspielen stand der Portugiese dreimal in der Startelf. Gegen Espanyol, Real Sociedad und Rayo Vallecano begann er jeweils von Anfang an, auch gegen Málaga und Betis erhielt er Einsatzzeit. Beim Champions-League-Spiel gegen Inter fehlte er lediglich aufgrund einer Sperre.
Die Tendenz war klar: War Bernardo verfügbar, spielte er. Genau dieses Bild hat sich inzwischen deutlich verändert. In den vergangenen 30 Tagen absolvierte der 32-Jährige sieben mögliche Partien für Real Madrid und Portugal – kam dabei aber nur auf insgesamt 15 Minuten.
Bernardo Silva
Mittelfeld
9Spiele
1Tore
1Assists
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Sieben Minuten für Portugal
Auch bei der portugiesischen Nationalmannschaft verlor Bernardo zuletzt deutlich an Bedeutung. Nach einer insgesamt schwierigen Weltmeisterschaft gehörte er zwar zum ersten Aufgebot unter Jorge Jesus, spielte während der langen Länderspielphase aber kaum.
Gegen Wales kam er gar nicht zum Einsatz. In Norwegen spielte er drei Minuten, gegen Dänemark blieb er erneut ohne Spielzeit und beim anschließenden Heimspiel gegen Norwegen kamen noch einmal vier Minuten hinzu. Damit stehen aus vier Länderspielen lediglich sieben Einsatzminuten. Für einen Spieler mit Bernardos Erfahrung und bisheriger Bedeutung ist das bemerkenswert wenig.
Auch bei Real Madrid fast verschwunden
Bei Real Madrid sieht die Entwicklung ähnlich aus. Im betrachteten Zeitraum standen drei Partien an. Gegen Elche kam Bernardo nicht zum Einsatz, im Derby gegen Atlético spielte er acht Minuten und gegen Villarreal blieb er erneut komplett auf der Bank. Zusammen mit seinen sieben Minuten für Portugal ergibt das die auffällige Bilanz: 15 Minuten in 30 Tagen.
Besonders überraschend ist die Entwicklung deshalb, weil Bernardo zuvor keineswegs schwach gewirkt hatte. Im Gegenteil. Gerade seine kurze Einwechslung im Metropolitano zeigte, welche Qualitäten Bernardo der Mannschaft geben kann. In nur acht Minuten brachte er spürbar mehr Ordnung ins Spiel und bereitete sogar Antonio Rüdigers Anschlusstreffer vor.
Seine Zahlen in dieser kurzen Phase unterstrichen den Eindruck. Bernardo kam auf 95 Prozent Passgenauigkeit, brachte drei Flanken und kreierte zwei Möglichkeiten. Im letzten Drittel lag seine Passquote immer noch bei 80 Prozent. Gerade in einer Mannschaft, der häufig ein klarer Organisator im Mittelfeld fehlt, wirkte sein Profil plötzlich besonders interessant. Doch genau danach verschwand er wieder nahezu vollständig.
Tchouaméni ist zurück – Camavinga zieht vorbei
Ein Hauptgrund liegt in der veränderten Konkurrenzsituation. Aurélien Tchouaméni ist nach seinen körperlichen Problemen wieder zurück und hat sich erneut einen festen Platz im Zentrum erarbeitet. Gleichzeitig hat Eduardo Camavinga an Bedeutung gewonnen.
Der Franzose scheint inzwischen bei Wechseln im Mittelfeld vor Bernardo zu liegen und wird von Mourinho häufiger als erste Alternative eingesetzt. Damit hat sich die Hierarchie innerhalb weniger Wochen deutlich verschoben.
Aus einem Spieler, der zu Saisonbeginn regelmäßig begann, ist aktuell eine Option geworden, die kaum noch berücksichtigt wird.
Ist Bernardo das fehlende Profil?
Real Madrid sucht weiterhin nach mehr Kontrolle im Mittelfeld. Wie RMXpress bereits analysierte bietet die Kombination aus Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni enorme Physis, Laufstärke und defensive Stabilität, aber geben dem Spiel nur begrenzt kreative Struktur. Real Madrid braucht im Zentrum nicht nur Absicherung. Es braucht Spieler, die zwischen den Linien Lösungen finden, den Rhythmus verändern und das Spiel unter Druck kontrollieren können.
Aus diesem Grund wurde nach den Spielen gegen Atlético oder Villarreal regelmäßig diskutiert, ob der Mannschaft ein Spieler fehlt, der das Tempo steuert, Ballbesitzphasen organisiert und zwischen den Linien Ruhe ins Spiel bringt. Bernardo hat genau diese Eigenschaften. Während seiner Zeit bei Manchester City wurde er in einem großen Teil seiner Spiele in zentralen Rollen eingesetzt und war dort häufig einer der Spieler, die das Spieltempo bestimmten. Bei Real Madrid bekam er bislang jedoch nur begrenzt die Möglichkeit, diese Rolle über längere Zeit auszufüllen.
Konkurrenz ist groß – aber Bernardo könnte noch wichtig werden
Natürlich ist die Konkurrenz im Zentrum enorm. Tchouaméni bringt mehr defensive Stabilität. Valverde liefert Physis und Dynamik. Güler gewinnt zunehmend an Bedeutung im kreativen Bereich. Camavinga wird vielseitiger eingesetzt und Jude Bellingham besitzt ohnehin eine zentrale Rolle. Trotzdem überrascht die extreme Reduzierung der Einsatzzeit.
Von regelmäßigen Startelfeinsätzen auf praktisch keine Minuten innerhalb weniger Wochen ist ein ungewöhnlich schneller Absturz. Dazu kommt, dass Mourinho bislang keine öffentliche Erklärung dafür gegeben hat. Es gibt keine bekannte Verletzung, keine erkennbare Disziplinarmaßnahme und auch die bisherigen Leistungen erklären die komplette Zurückhaltung nur bedingt. Genau deshalb entsteht der Eindruck eines kleinen Rätsels.
Die Saison ist allerdings lang. Real Madrid kämpft in mehreren Wettbewerben und der Terminkalender wird in den kommenden Monaten dichter. Bernardos Erfahrung könnte deshalb noch eine bedeutende Rolle spielen. Gerade in Spielen, in denen Real Madrid mehr Kontrolle benötigt, könnte sein Profil wertvoll werden. Auch seine Vielseitigkeit spricht für ihn. Bernardo kann zentral, etwas offensiver oder über die rechte Seite eingesetzt werden und erlaubt Mourinho damit unterschiedliche taktische Lösungen. Die aktuelle Phase muss deshalb nicht zwangsläufig eine dauerhafte Entwicklung sein.
Auch Thiago wartet weiter
Noch schwieriger ist die Situation für Thiago Pitarch. Der junge Mittelfeldspieler hat in dieser Saison bislang noch keine Pflichtspielminute für die erste Mannschaft gesammelt. Während der Länderspielpause bekam er zumindest Einsatzzeit bei der Castilla, um Spielrhythmus aufzubauen. Sollte sich an seiner Situation bis zum Winter nichts ändern, könnte eine Leihe im Januar zu einem Thema werden. Für Bernardo gilt das natürlich nicht in gleicher Weise. Aber auch bei ihm stellt sich inzwischen die Frage, wann Mourinho ihn wieder stärker einbindet.
Thiago Pitarch
Mittelfeld
0Spiele
0Tore
0Assists
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RMXpress Fazit
Bernardo Silvas Entwicklung gehört zu den überraschenderen Geschichten der vergangenen Wochen. Zu Saisonbeginn war er regelmäßig dabei. Jetzt kommt er kaum noch zum Einsatz – weder bei Real Madrid noch bei Portugal. Die Rückkehr von Tchouaméni und der Aufstieg Camavingas in der internen Hierarchie erklären einen Teil davon. Dass Bernardo in 30 Tagen aber lediglich 15 Minuten gesammelt hat, bleibt trotzdem auffällig.
Vor allem deshalb, weil sein Profil Real Madrid eigentlich helfen könnte. Die Mannschaft sucht weiterhin nach mehr Ruhe, Struktur und Kontrolle im Zentrum und Bernardo könnte genau das liefern. Noch ist die Saison lang genug, damit sich seine Rolle wieder verändert.
Aktuell aber bleibt festzuhalten: Aus einem wichtigen Spieler des Saisonstarts ist innerhalb weniger Wochen ein nahezu unsichtbarer geworden.
