Mourinho vor Sevilla: „Vinícius verdient Respekt – ich hätte an seiner Stelle vielleicht Real Madrid verlassen“

José Mourinho spricht vor dem Heimspiel gegen Sevilla über Vinícius, Arda Güler und seine Entscheidungen im Mittelfeld. Zudem kündigt er Militãos Rückkehr an und kritisiert Javier Tebas scharf.

Mourinho über Sevilla, die Belastung und Militãos Rückkehr

Nach dem spektakulären 4:3-Erfolg gegen die AS Rom richtet José Mourinho den Blick wieder auf LaLiga. Vor dem Heimspiel gegen den FC Sevilla am Sonntag um 21:00 Uhr im Santiago Bernabéu sprach der Portugiese über den Zustand seiner Mannschaft, mögliche Veränderungen und die Rückkehr von Éder Militão.

Über den Zustand der Mannschaft und den FC Sevilla: „Sie sind müde, aber morgen werden sie nicht müde sein. Heute sind sie nach meinem Eindruck und nach dem, was ich von der medizinischen Abteilung gesehen habe, noch etwas erschöpft. Aber morgen werden wir bereit sein. Wir haben außerdem sehr gute Alternativen, falls wir Veränderungen vornehmen und der Mannschaft neue Frische geben möchten. Sevilla ist eine großartige Mannschaft, die auswärts immer konkurrenzfähig ist. Luis García leistet hervorragende Arbeit. Es wird ein sehr schwieriges Spiel, aber wir wollen gewinnen.“

Auch zur Personalsituation und möglichen Verstärkungen im Winter äußerte sich Mourinho. Dabei bestätigte er eine erfreuliche Nachricht: Éder Militão wird nach seiner langen Verletzungspause wieder zum Aufgebot gehören.

Über Militãos Rückkehr und mögliche Wintertransfers: „Morgen wird Militão im Kader stehen. Das Einfache ist, dass ich keine Spieler für den Kader streichen muss. Ich fordere keine Neuverpflichtungen. Ich bin zufrieden. Die Spieler entwickeln sich weiter, besonders wenn wir Zeit und Ruhe haben. Meine Aufgabe ist es, sie besser zu machen. Ich bin nicht in der Position, zusätzliche Spieler zu verlangen. Ich mag einen kleinen Kader. Wenn jemand dazukommen soll, müsste ein anderer gehen. Falls die Vereinsführung etwas in Betracht zieht, werden wir es bewerten. Aber ich werde nicht die Initiative ergreifen, um neue Spieler zu fordern. Ich möchte keine weiteren Spieler.“

#3 🇧🇷 Éder Militão Éder Militão Abwehr 1Spiele 0Tore 0Assists Zum Spielerprofil

Mourinho über Güler, Valverde und seine Philosophie im Mittelfeld

Ein weiteres großes Thema war die Zusammensetzung des Mittelfelds. Nach der Aufholjagd gegen die Roma wurde erneut über Arda Gülers Rolle und die Kombination aus Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni diskutiert. Mourinho erklärte zunächst, welche Eigenschaften ein vollständiger Mittelfeldspieler aus seiner Sicht besitzen muss.

Über die Anforderungen an einen Mittelfeldspieler: „Dass sie Mittelfeldspieler sind. Wer nur verteidigt, ist ein limitierter Mittelfeldspieler. Und wer nur angreift, sollte besser nicht im Mittelfeld spielen. Es ist eine sehr schwierige Position. Man muss viele unterschiedliche Qualitäten mitbringen. Es ist sehr schwer, ein wirklich guter Mittelfeldspieler zu sein.“

Anschließend wurde Mourinho gefragt, ob er Arda Güler künftig häufiger im Zentrum einsetzen könnte. Der Türke hatte nach seiner Einwechslung gegen die Roma großen Einfluss auf die Aufholjagd genommen.

Über Arda Gülers Entwicklung und seine Position: „Er arbeitet. Ich habe den Eindruck, dass es euch sehr schwerfällt, Arbeit anzuerkennen und ihr die verdiente Anerkennung zu geben. Es scheint, als hätten negative Dinge immer einen Verantwortlichen, während positive Dinge einfach durch Glück entstehen. Arda ist ein Spieler mit sehr viel Talent. Zum Glück ist er noch kein fertiges Produkt. Er besitzt die Fähigkeiten, auf unterschiedlichen Positionen zu spielen. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“

#15 🇹🇷 Arda Güler Arda Güler Mittelfeld 11Spiele 3Tore 4Assists Zum Spielerprofil

Besonders ausführlich antwortete Mourinho auf die Frage nach Federico Valverde und dessen Rolle im zentralen Mittelfeld. Der Portugiese machte deutlich, dass er sich zwar mit unterschiedlichen Meinungen auseinandersetzt, seine Entscheidungen aber nicht von öffentlicher Kritik abhängig macht.

Über Valverde, Tchouaméni und seine taktischen Entscheidungen: „Ich bin hier, um das zu tun, was ich für das Beste für die Mannschaft halte. Ich glaube, irgendwann wird der Tag kommen, an dem künstliche Intelligenz und Umfragen die Mannschaften aufstellen und die Trainer sich nur noch auf die Arbeit auf dem Trainingsplatz beschränken. Aber bis heute treffen die Trainer die Entscheidungen. Ein sturer Trainer, der nicht offen für andere Ansichten ist, ist ein limitierter Trainer. Bei allem Respekt: Ich weiß, dass es Menschen gibt, die ihre Meinung äußern, weil sie den Fußball lieben, und andere, weil es ihr Beruf ist. Aber diese Meinungen sind nicht mehr wert als meine eigene Analyse. Genauso wenig ist ein Trainer automatisch gut, nur weil er offen für Meinungen ist. Ich bin offen für die Einschätzungen meines Trainerteams. Ich kann meine Entscheidungen ändern, aber aufgrund meiner eigenen Analyse und nicht wegen der Meinungen von außen. Ich kann auch bei der Kombination aus Tchouaméni und Valverde unterschiedliche Wege einschlagen. Ein Spiel besteht aus vielen verschiedenen Momenten und Nuancen. Die Möglichkeit, fünf Spieler auszuwechseln, ist gerade für Mannschaften mit einem starken Kader ein wichtiger Faktor.“


Mourinho verteidigt Vinícius und kritisiert Javier Tebas

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt erneut die Situation von Vinícius Júnior. Der Brasilianer hatte gegen die Roma nach einer schwierigen Leistung und einem folgenschweren Ballverlust ausgewechselt werden müssen. Gleichzeitig beschäftigt ihn weiterhin die Vier-Spiele-Sperre nach seiner Roten Karte gegen Villarreal. Mourinho verteidigte seinen Angreifer und erklärte, weshalb er dessen Auftritt in Rom nicht ausschließlich negativ bewertet. Mourinho begann seine Antwort mit einer ironischen Bemerkung über die Aufmerksamkeit, die selbst alltägliche Abläufe bei Real Madrid erhalten. Anschließend verteidigte er Vinícius und erklärte dessen Schwierigkeiten gegen die Roma.

Über Vinícius‘ Leistung gegen die Roma und seine Auswechslung: „Ich bin neugierig: Interessiert es die Leute eigentlich, um wie viel Uhr wir in Valdebebas ankommen? Und wann wir wieder gehen? Das ist schon lustig.Vinícius hatte ein sehr schwieriges Spiel. Für mich war Gasperini der Hauptverantwortliche für seine Probleme, weil die Roma ständig über seine Seite angegriffen hat. Für mich als Trainer war es sehr schwierig, Veränderungen vorzunehmen. In der zweiten Halbzeit hat die Roma etwas verändert. Was mich wirklich geärgert hat, war die Entstehung des zweiten Gegentors, weil das Spiel zu diesem Zeitpunkt ausgeglichen war und wir überhaupt keine Probleme hatten. Vinícius hätte nicht tun dürfen, was er getan hat. Aber das ist jetzt vorbei, es ist nichts weiter passiert. Ich habe fünf Spieler ausgewechselt, nicht nur einen. Auswechslungen gehören zum Fußball. Vinícius muss mehr arbeiten. Ich möchte nichts versprechen, weil ich Versprechen nicht mag, aber ich denke, dass er am Mittwoch in der Startelf stehen wird. Was die vier Spiele Sperre betrifft, bin ich sogar froh, denn ich dachte, dass sie ihm noch mehr geben würden. Ich hatte erwartet, dass die versteckten Katzen ihm noch ein oder zwei Spiele zusätzlich aufbrummen würden.“

Noch persönlicher wurde Mourinho, als er nach dem Charakter von Vinícius und seinem Umgang mit der anhaltenden Kritik gefragt wurde. Der Trainer sprach mit großer Wertschätzung über den Brasilianer und dessen Entscheidung, trotz zahlreicher Angebote bei Real Madrid zu bleiben.

Über Vinícius‘ Charakter und den Umgang mit der Kritik: „Er ist ein außergewöhnlicher Junge und es ist einfach, eine gute Beziehung zu ihm zu haben. Ich verbringe jeden Tag einige Minuten allein mit ihm. Ich schätze ihn unglaublich, weil er es immer wieder schafft, mit einem Lächeln zu leben und zu überleben. Wenn ich an seiner Stelle wäre, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Ich hätte vermutlich einen Wechsel in ein Land erzwungen, in dem man mich respektiert. Aber aus Liebe zu Real Madrid und aus Verbundenheit mit dem Verein ist er geblieben. Er glaubt daran, dass sich die Dinge verbessern können, und behält dieses Lächeln. Es gibt nichts und niemanden, der es ihm nehmen kann.“

Auf die Nachfrage, ob er Vinícius auch außerhalb des Fußballplatzes Ratschläge gebe, verwies Mourinho auf die Vertraulichkeit ihrer Gespräche. Gleichzeitig unterstrich er erneut die Bedeutung des Brasilianers für die Mannschaft.

Über seine persönlichen Gespräche mit Vinícius: „Das sind private Gespräche. Als er seinen Vertrag verlängerte, hat er unterschrieben, dass Real Madrid sein Zuhause ist, mit der Begeisterung, hier weiter Geschichte zu schreiben und Titel zu gewinnen. Er versteht sich mit allen in der Kabine hervorragend und ist eine Quelle der Freude. Ich habe wirklich große Zweifel daran, ob ich selbst die Kraft hätte, trotz all der Angebote, die er bekommen hat, weiterhin hierzubleiben.“

#7 🇧🇷 Vini Jr. Vini Jr. Angriff 11Spiele 1Tore 3Assists Zum Spielerprofil

Deutliche Worte gegen Javier Tebas

Auch der eskalierte Konflikt zwischen Real Madrid und LaLiga-Präsident Javier Tebas wurde angesprochen. Nachdem Tebas die Methoden von Real Madrid TV mit Propagandatechniken von Joseph Goebbels verglichen hatte, forderte der Klub in einer offiziellen Stellungnahme seinen sofortigen Rücktritt.

Mourinho wollte sich nicht ausführlich in die Auseinandersetzung einmischen, fand jedoch deutliche Worte.

Über Javier Tebas und dessen Aussagen: „Ich möchte darüber nicht sprechen. Es gibt Grenzen und Grenzen. Eine Entschuldigung dafür gäbe es nur, wenn es sich um einen klinischen Fall handeln würde. Ansonsten gibt es keine Entschuldigung. Ich möchte mich nicht weiter darauf einlassen. Der Madridismo versteht, womit er es zu tun hat. Angesichts des Ansehens, das die spanische Liga im Ausland genießt, und der Tatsache, dass wir die aktuellen Weltmeister sind, ist es besser, wenn wir versuchen, diese Angelegenheit hier zu behalten und nicht nach außen zu tragen.“


Mourinho über Endrick, die Einwechselspieler und den Konkurrenzkampf

Nach dem Champions-League-Sieg gegen die Roma wurde Mourinho auch auf Endrick angesprochen. Der Brasilianer hatte mit seinem Treffer zum 3:3 entscheidenden Anteil an der spektakulären Aufholjagd und war anschließend zum besten Spieler der Partie gewählt worden. Mourinho lobte die Leistung seines Angreifers, machte jedoch deutlich, dass die starke Konkurrenz innerhalb des Kaders regelmäßige Einsatzzeiten für alle Spieler unmöglich macht.

Über Endrick und den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft: „Ich glaube, manchmal fällt es euch schwer, denjenigen Anerkennung zu geben, die etwas gut machen. Wenn Dinge schlecht laufen, kritisiert ihr sie gnadenlos. Es ist das Verdienst des Jungen, der mit voller Kraft ins Spiel gekommen ist. Wir haben drei Tore nach Eckbällen erzielt. Aber man muss auch sehen, wie diese Eckbälle entstanden sind. Innerhalb von zehn Minuten hatten wir ungefähr sieben Eckbälle, weil wir eine regelrechte Angriffswelle ausgelöst haben. Es gibt viele Spieler, die es verdienen zu spielen. Mehr als elf verdienen es. Es sind 15 oder 16. Auch Lunin verdient es zu spielen, und das meine ich vollkommen ernst. Ein Junge, der jeden Tag so arbeitet wie er, der mit dem besten Torhüter der Welt zusammenarbeitet und dabei immer positiv bleibt, aber trotzdem nicht spielt. Ich kann nicht beide gleichzeitig einsetzen. Bei den Feldspielern ist es genau dasselbe. Wir werden uns alle einig sein, dass die fünf Spieler, die gegen die Roma eingewechselt wurden und das Spiel verändert haben, es verdienen, morgen zu spielen. Aber verdienen es die anderen etwa nicht? Verdient Diomande es nicht zu spielen? Verdient Cucurella es nicht? Verdient Valverde es nicht? Verdient Mbappé es nicht? Das ist einer der schwierigen Teile der Arbeit eines Trainers. Kollegen von mir, die Mannschaften mit weniger Möglichkeiten trainieren, werden sagen, dass ich Glück habe. Es ist ein Glück und gleichzeitig ein Unglück, Journalisten wie euch zu haben, die alles noch komplizierter machen.“


RMXpress Fazit

José Mourinho blickt trotz der hohen Belastung nach dem Champions-League-Erfolg gegen die Roma optimistisch auf das Heimspiel gegen Sevilla. Besonders die angekündigte Rückkehr von Éder Militão ist eine erfreuliche Nachricht. Gleichzeitig machte der Portugiese deutlich, dass er mit seinem Kader zufrieden ist und derzeit keine Wintertransfers fordert.

Im Mittelpunkt der Pressekonferenz standen erneut seine personellen Entscheidungen. Mourinho verteidigte die bisherige Aufteilung im Mittelfeld, lobte Arda Gülers Entwicklung und betonte, dass er seine Aufstellungen ausschließlich nach seiner eigenen sportlichen Analyse und den Einschätzungen seines Trainerteams vornehmen werde. Auch Endrick und die übrigen Einwechselspieler aus Rom erhielten Anerkennung, ohne dass Mourinho ihnen deshalb automatisch einen Startelfplatz versprach.

Besonders emotional äußerte sich der Trainer über Vinícius. Seine Worte verdeutlichen, wie sehr er den Brasilianer persönlich schätzt und wie wichtig ihm dessen Entwicklung ist. Gleichzeitig übte Mourinho deutliche Kritik am Umgang mit seinem Spieler und fand auch für Javier Tebas scharfe Worte.

Sportlich bleibt die Aufgabe klar: Real Madrid will nach dem spektakulären Erfolg in der Champions League auch in LaLiga gewinnen. Mourinho verfügt dafür über zahlreiche personelle Möglichkeiten und muss nun entscheiden, welche Spieler gegen Sevilla die richtige Mischung aus Frische, Stabilität und offensiver Qualität bieten.

18.10.2026 · 21:00 La Liga 9. Spieltag
Real Madrid 4:1 Sevilla
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