Mourinho vor Inter: „Ich will gewinnen – nicht gut spielen und verlieren“

Nach der ersten Saisonniederlage gegen Real Betis richtet Real Madrid den Blick auf den Champions-League-Auftakt gegen Inter Mailand. José Mourinho sprach vor der Partie im Bernabéu über die Reaktion seiner Mannschaft, die personellen Probleme im Mittelfeld, seine Vergangenheit mit Inter und Chivu sowie erneut über den nicht wiederholten Elfmeter von Sevilla.

Mourinho fordert eine klare Reaktion gegen Inter

Nach dem 0:1 bei Betis will Mourinho am Dienstag vor allem eines sehen: einen Sieg.

Über das Spiel gegen Inter: „Ich will gewinnen. Ich könnte sagen, dass ich gut spielen möchte, aber ich will nicht wieder so gut spielen wie gegen Betis und dann verlieren. Ich will gewinnen. Wir befinden uns in einer Ligaphase mit acht Spielen und dem Ziel, uns zu qualifizieren. Ich glaube auch, dass wir das schaffen werden. Aber ich möchte dieses Spiel wie ein einzelnes, isoliertes Spiel behandeln, ohne daran zu denken, dass danach noch sieben weitere kommen. Ich will gewinnen.“

Die Niederlage in Sevilla habe seine Mannschaft laut Mourinho zunächst deutlich getroffen. Inzwischen sieht er die Reaktion aber positiv.

Über die Stimmung nach der ersten Niederlage: „Ich habe sie so gesehen, wie ich sie sehen möchte. Direkt nach dem Spiel waren sie in der Kabine völlig am Boden. Beim Training am Sonntag waren sie schon deutlich erholter und heute war alles wieder vollkommen normal. Nachdem wir das Spiel analysiert haben, sind wir immer mehr davon überzeugt, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben. Wir haben gegen eine gute Mannschaft gespielt und das, was wir vor dem Tor liegen gelassen haben, war außergewöhnlich. Wir sind in einer guten Verfassung. Für morgen haben wir Probleme im Mittelfeld, aber wir werden spielen und wir werden konkurrenzfähig sein.“

Auch den Zustand des Klubs insgesamt sieht Mourinho nüchtern. Für ihn geht es darum, nach einer schwierigen Vorsaison wieder Konstanz aufzubauen.

Über die Entwicklung von Real Madrid: „Ich habe einen Klub vorgefunden, der Real Madrid ist. Und das sagt eigentlich alles. Real Madrid ist Real Madrid. Der Klub hatte vergangene Saison große Schwierigkeiten und wenn das passiert, musst du daran arbeiten, besser zu werden. Wir wollen hier immer gewinnen – morgen und in jedem Wettbewerb. Aber dafür brauchst du Stabilität und Lösungen für Probleme. Real Madrid muss wieder auf ein stabiles Niveau kommen.“


Champions League, Vergangenheit und das Wiedersehen mit Inter

Mourinho kennt große europäische Nächte im Bernabéu aus seiner ersten Amtszeit, möchte daraus vor dem Auftakt aber keine besondere Geschichte machen.

Über seine Erinnerungen an frühere Champions-League-Abende im Bernabéu: „Natürlich habe ich im Bernabéu in der Champions League große Dinge erlebt, aber ich habe dort auch ein Halbfinale im Elfmeterschießen verloren. Ich habe in diesem Stadion das Beste und das Schlechteste erlebt. Aber daran denke ich jetzt nicht – weder positiv noch negativ. Ich bin Trainer von Real Madrid und morgen ist kein ultraentscheidendes Spiel, weil es keine K.-o.-Runde ist und auch nicht mehr die alte Gruppenphase. Aber es ist das Spiel, das morgen stattfindet, und jeder Punkt ist wichtig. Inter kommt ebenfalls hierher, um seine Punkte zu holen.“

Die Frage, ob er Real Madrid noch einen Champions-League-Titel „schulde“, wies Mourinho klar zurück.

Über eine mögliche offene Rechnung mit Real Madrid: „Nein. Meine Arbeit bei Real Madrid besteht für mich aus zwei verschiedenen Perioden. Meine erste endete 2013. Wir haben gewonnen, was wir gewonnen haben, und verloren, was wir verloren haben. Wir haben alles gegeben und dieses Kapitel war abgeschlossen. Das heute hat nichts mit damals zu tun. Es sind zwei unterschiedliche Momente in der Geschichte von Real Madrid. 2010 war der Klub seit sehr vielen Jahren nicht mehr im Halbfinale gewesen. Inzwischen wurden sechs Champions-League-Titel gewonnen. Das sind völlig unterschiedliche Situationen. Wenn du mich fragst, ob ich die Champions League mit Real Madrid gewinnen möchte, natürlich. Aber völlig losgelöst von meiner ersten Amtszeit.“

Auch das Wiedersehen mit Inter besitzt für ihn eine emotionale Komponente – allerdings nicht während der 90 Minuten.

Über die emotionale Bedeutung des Inter-Spiels: „Nach dem Spiel, ja. Während des Spiels, nein. Während des Spiels ist es einfach ein weiteres Spiel.“

Über das Wiedersehen mit Inter und Chivu: „In diesem Moment ist es für mich natürlich kein ganz normales Spiel. Danach wird es wieder normal sein. Aber während der Partie denke ich nicht darüber nach, wer auf der Bank von Real Madrid sitzt oder was früher passiert ist. Chivu wird immer einer von meinen Spielern sein. Ich freue mich sehr für ihn und über das, was er erreicht. Ich werde ihn vor und nach dem Spiel begrüßen. Während des Spiels geht es nur um das Spiel.“

Später wurde Mourinho noch einmal auf sein Verhältnis zu Chivu angesprochen und reagierte deutlich.

Über seine Beziehung zu Chivu: „Er war mein Spieler. Wir haben zusammengearbeitet und sehr viel gemeinsam erlebt – gute und schlechte Dinge. Mit wem hast du gesprochen, um zu glauben, dass ich ein schlechtes Verhältnis zu ihm habe? Mit wem?“


Mittelfeldprobleme, Trent und Endricks Rückkehr

Real Madrid geht mit erheblichen personellen Problemen im Mittelfeld in die Partie. Arda Güler, Eduardo Camavinga und Bernardo Silva fehlen gesperrt. Auf die naheliegende Frage, ob Trent Alexander-Arnold deshalb ins Zentrum rücken könnte, wollte Mourinho bewusst keine Antwort geben.

Über Trent als mögliche Mittelfeldlösung: „Das werde ich dir nicht sagen. Ich könnte hier sehr lange über dieses Thema sprechen, aber ich möchte lieber ehrlich mit dir sein. Die drei Spieler fehlen, das weiß ich. Der Algorithmus hat ausgerechnet dieses Spiel dafür ausgewählt, dass wir in dieser Situation spielen müssen. Deine Frage ist völlig logisch. Wir haben drei, vier, fünf verschiedene Möglichkeiten. Wir könnten jetzt alle durchgehen, aber am Ende werde ich dir trotzdem nichts verraten.“

Dafür gab Mourinho ein konkretes Update zu Endrick. Der Brasilianer trainierte am Vortag erstmals wieder vollständig mit der Mannschaft und könnte gegen Inter zumindest für wenige Minuten zur Verfügung stehen.

Über Endrick: „Morgen könnte er bereit sein, fünf Minuten zu spielen. Vielleicht zehn, maximal. Mehr nicht. Er hat gestern zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft trainiert. Er hat seit Budapest oder Österreich, einem Testspiel, nicht mehr gespielt. Für mehr als fünf oder zehn Minuten reicht sein Zustand noch nicht. Aber weil wir so viele freie Plätze auf der Bank haben, wird er dabei sein. Vielleicht muss er sogar fünf Minuten spielen.“

Mourinho ließ dabei keinen Zweifel an Endricks Position.

Über Endricks Rolle: „Er ist ein Offensivspieler und wird im Angriff spielen. Keine Sorge, ich werde ihn nicht als Außenverteidiger oder Innenverteidiger einsetzen. Er wird Angreifer sein.“


Mourinho wird beim Elfmeter deutlich

Bereits nach der Niederlage gegen Betis hatte Mourinho erklärt, die strittigen Szenen noch einmal ansehen zu wollen. Vor dem Inter-Spiel äußerte er sich nun deutlich ausführlicher.

Zunächst betonte der Portugiese erneut, dass Real Madrid nicht wegen des Schiedsrichters verloren habe.

Über die Niederlage gegen Betis: „Wir haben gegen Betis verloren. Und wir haben verloren, weil wir unsere offensive Produktion nicht in Tore umgewandelt haben. Punkt.“

Dann kam er auf Mbappés verschossenen Elfmeter und die mögliche zu frühe Strafraumbetretung eines Betis-Spielers zu sprechen.

Über die fehlende Wiederholung des Elfmeters: „Aber beim Elfmeter stellt sich die Frage: Warum wurde er nicht wiederholt? Entweder kennt der VAR das Regelwerk nicht oder er wollte ihn nicht wiederholen lassen. Das ist etwas, das mir die verantwortlichen Personen erklären sollten. Wenn der VAR ihn aus Unkenntnis der Regeln nicht wiederholen ließ, dann sollte er nach Hause gehen und damit aufhören. Wenn er ihn nicht wiederholen ließ, obwohl er wusste, was passiert ist, dann ist das noch schlimmer.“

Mourinho führte seine Kritik weiter aus.

Über die Verantwortung des VAR: „Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit, die sogar noch schlimmer wäre: Wenn der VAR die Regel nicht kannte, warum hat er den Schiedsrichter dann nicht zumindest zum Monitor geschickt? Das ist etwas seltsam. Ich möchte in Richtung Ehrlichkeit gehen und glauben, dass er nicht gesehen hat, dass der Spieler im Strafraum war. Das ist mir lieber. Aber genau dafür gibt es den VAR. Das kann der Schiedsrichter auf dem Feld nicht immer erkennen.“

Dabei machte Mourinho erneut deutlich, dass er die Szene nicht als Entschuldigung für die Niederlage verwenden will.

Über die Konsequenz der Entscheidung: „In einigen Wochen oder Monaten wird genau dieselbe Situation auftreten und dann wird der Elfmeter wiederholt werden. Ich möchte trotzdem klarstellen, dass wir nicht deswegen verloren haben, denn wir hätten auch den wiederholten Elfmeter verschießen können. Aber als Trainer von Real Madrid und als Fußballtrainer möchte ich wissen, warum er nicht wiederholt wurde. Ich hätte gerne eine Antwort von den verantwortlichen Leuten.“

Auch eine Gelbe Karte für Vinícius Júnior beschäftigte Mourinho.

Über Vinís Verwarnung: „Und dann gibt es noch eine andere Sache, die mit dem Ergebnis überhaupt nichts zu tun hat. Warum sieht der Kapitän von Real Madrid eine Gelbe Karte? Vinícius geht zum Schiedsrichter und noch bevor er ihn erreicht, sieht er die Karte. Ich würde gerne wissen, warum. Uns wird immer gesagt, dass der Kapitän das Recht hat, sich respektvoll an den Schiedsrichter zu wenden und um eine Erklärung zu bitten. Entschuldige, dass ich deine Frage dafür genutzt habe, aber ich wollte diese Entscheidung ansprechen.“


Mourinho über das „naive“ Real Madrid

Seine Aussage nach dem Betis-Spiel, wonach Real Madrid in bestimmten Situationen „naiv“ agiere, wollte Mourinho nicht als generelle Kritik an seiner Mannschaft verstanden wissen.

Über die vermeintliche Naivität: „Das ist auch eine kulturelle Frage. Vielleicht wurde das Wort ‚naiv‘ als etwas Negatives verstanden, aber ich meinte es nicht als Kritik. Es war eine Feststellung. Und morgen wirst du sehr gut verstehen, was ich damit gemeint habe. Du wirst es sehr leicht erkennen.“

Auf die Bitte um weitere Hinweise wollte Mourinho zunächst nicht direkt eingehen und nutzte die Gelegenheit stattdessen für seine Ausführungen zum Betis-Spiel und zum Schiedsrichter.


RMXpress Fazit

Mourinho will vor dem Champions-League-Auftakt keine Ausreden und keine lange Nachwirkung der Niederlage in Sevilla. Die Botschaft ist eindeutig: Real Madrid soll gegen Inter gewinnen. Dabei muss der Portugiese allerdings improvisieren. Drei gesperrte Mittelfeldspieler fehlen, Tchouaménis Situation bleibt problematisch und Endrick steht erst ganz am Anfang seiner Rückkehr.

Bemerkenswert war zudem Mourinhos Ton beim Thema VAR. Nach seiner zunächst zurückhaltenden Reaktion direkt nach dem Betis-Spiel stellte er nun klare Fragen zur nicht erfolgten Wiederholung des Elfmeters – ohne die Entscheidung gleichzeitig als Ursache für die Niederlage darzustellen.

Am Dienstag wartet damit nicht nur der Beginn der Champions-League-Saison. Es ist auch die erste unmittelbare Antwort auf Real Madrids ersten Rückschlag unter Mourinho.

08.09.2026 · 21:00 UEFA Champions League 1. Spieltag
Real Madrid 2:1 Inter
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