Mourinho schickt eine mögliche Stammelf auf den Platz
Eine Woche vor dem Start der neuen Saison hat José Mourinho erstmals eine Formation aufgeboten, die bereits deutliche Hinweise auf seine Planungen für die Pflichtspiele gibt.
Real Madrid begann in der Veltins-Arena mit:
Courtois –Trent, Konaté, Huijsen, Carreras – Valverde, Bernardo Silva – Brahim, Arda Güler, Vinícius Jr. – Mbappé.
Damit feierte Ibrahima Konaté direkt sein Debüt in der Startelf. Auch Kylian Mbappé stand nach seinem verspäteten Einstieg in die Saisonvorbereitung erstmals in einem Testspiel auf dem Platz.
Mourinho verzichtete im zentralen Mittelfeld diesmal auf Eduardo Camavinga und setzte auf die Kombination aus Federico Valverde und Bernardo Silva. Arda Güler agierte davor als offensiver Spielgestalter.
Mbappé braucht keine Anlaufzeit
Dass Mbappé nach wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten noch nicht bei 100 Prozent sein würde, hatte Mourinho selbst angekündigt. Auf dem Platz war davon zumindest vor dem gegnerischen Tor wenig zu sehen. Der Franzose brauchte nicht lange, um seinen Einfluss auf das Madrider Offensivspiel deutlich zu machen. Ein Fehler von Ron Schallenberg öffnete Real Madrid in der sechsten Spielminute den Weg, Mbappé nahm das Geschenk an und brachte die Königlichen früh in Führung. Schalke-Torhüter Loris Karius hatte keine Chance.
Es war genau jene Qualität, für die Mbappé vor zwei Jahren verpflichtet wurde: Auch ohne lange Eingewöhnungszeit benötigt der Angreifer nur wenige Situationen, um ein Spiel zu entscheiden. Nach seiner Rückkehr von der Weltmeisterschaft hatte der Franzose bereits angekündigt, dass Real Madrid in dieser Saison wieder Titel gewinnen werde. In Gelsenkirchen ließ er seinen Worten unmittelbar Taten folgen.
Die Verpflichtung von Yan Diomande erweitert Mourinhos Möglichkeiten auf den offensiven Positionen erheblich. Vinícius Júnior hat seinen Vertrag gerade erst langfristig verlängert, Brahim Díaz überzeugt in der Vorbereitung und Arda Güler spielt sich immer stärker in den Vordergrund. Trotzdem hinterließ der letzte Test einen klaren Eindruck: Der zentrale Fixpunkt dieser Offensive bleibt Kylian Mbappé.
Bernardo und Güler prägen das Zentrum
Interessant war erneut die Rolle von Bernardo Silva. Nachdem Mourinho den Portugiesen gegen Ferencváros noch auf verschiedenen Positionen ausprobiert hatte, begann Bernardo diesmal neben Federico Valverde im zentralen Mittelfeld. Der Neuzugang übernahm dabei Verantwortung im Spielaufbau und sorgte gemeinsam mit Valverde für Struktur.
Arda Güler erhielt vor den beiden die Freiheit als Zehner und bestätigte damit erneut die Position, auf der Mourinho ihn während fast der gesamten Vorbereitung eingesetzt hat. Diese Konstellation könnte auch nach dem gescheiterten Rodri-Transfer zu einer wichtigen Lösung für die neue Saison werden.
Auch Vinícius Júnior war von Beginn an dabei. Der Brasilianer wurde bei einigen Ballkontakten deutlich ausgepfiffen, blieb davon aber unbeeindruckt. Sportlich konnte er der Partie diesmal nicht in gleichem Maße seinen Stempel aufdrücken wie Mbappé. Nach seinem späteren Einstieg in die Vorbereitung fehlen ihm jedoch weiterhin Trainings- und Spielminuten.
Konaté, Huijsen und Cucurella überzeugen defensiv
Auch Ibrahima Konaté stand erstmals für Real Madrid auf dem Platz. Der französische Innenverteidiger hatte nach seiner Teilnahme an der Weltmeisterschaft erst wenige Tage mit der Mannschaft trainiert. Mourinho belohnte seinen körperlich guten Zustand dennoch unmittelbar mit einem Platz in der Startelf. Gemeinsam mit Dean Huijsen bildete Konaté das Zentrum der Viererkette.
Die Defensive hinterließ insgesamt einen stabilen Eindruck und ließ Schalke kaum zu gefährlichen Situationen kommen. Huijsen machte nicht nur defensiv auf sich aufmerksam. Der Innenverteidiger sorgte bei Standards mehrfach für Gefahr und belohnte in der 20. Spielminute einen seiner Vorstöße mit einem Treffer nach einem Eckball von Güler. Eine weitere Gelegenheit hätte sogar zu seinem zweiten Tor führen können. Nach einer schwierigen vergangenen Saison arbeitet sich Huijsen damit Schritt für Schritt wieder in den Vordergrund.
Auch Marc Cucurella feierte in der zweiten Halbzeit sein Debüt für Real Madrid. Der Spanier wurde bei seiner Einwechslung von Teilen des Schalker Publikums ausgepfiffen, ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und zeigte die gewohnt hohe Intensität auf seiner Seite.
Espí trifft erneut – Diomande feiert sein Debüt
Carlos Espí entwickelt sich derweil zu einer der positiven Überraschungen dieser Vorbereitung. Der vom Levante UD verpflichtete Mittelstürmer traf auch gegen Schalke und erhöhte seine persönliche Bilanz damit auf zwei Tore in drei Kurzeinsätzen. Hinzu kommt sein Treffer gegen Deportivo, der wegen einer äußerst knappen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. In Gelsenkirchen zeigte der 21-Jährige eine seiner größten Stärken: Präsenz im Strafraum. Espí setzte sich in der 57. Spielminute bei einer Hereingabe von Carreras durch und traf per Kopf. Damit liefert er Mourinho genau jene Alternative, die sich Real Madrid von seiner Verpflichtung erhofft hatte: einen klassischen Strafraumstürmer mit Physis, Kopfballstärke und direktem Zug zum Tor.
Auf Yan Diomande mussten die Zuschauer dagegen etwas länger warten. Der Rekordtransfer begann zunächst auf der Bank und erhielt erst in der letzten halben Stunde seine ersten Minuten im Trikot von Real Madrid. Mourinho hatte bereits in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass der 19-Jährige trotz seiner hohen Ablöse behutsam aufgebaut werden soll. Der Ivorer war erst kurz zuvor von RB Leipzig gekommen und hatte zunächst individuell trainiert, bevor er zur Mannschaft stieß. In Gelsenkirchen folgte nun der nächste Schritt: das Debüt.
Real Madrid beendet die Vorbereitung ungeschlagen
Mit dem 3:0 auf Schalke schließt Real Madrid seine Vorbereitung ungeschlagen ab.
Die Bilanz der vier offiziellen Testspiele:
Real Madrid – Fiorentina 2:2
Ferencváros – Real Madrid 1:2
Deportivo – Real Madrid 0:1
Schalke 04 – Real Madrid 0:3
Drei Siege und ein Unentschieden sind für Mourinho allerdings nur ein Teil der positiven Entwicklung. Viel wichtiger ist, dass sich die Mannschaft im Laufe der vergangenen Wochen sichtbar stabilisiert hat. Das Pressing funktioniert zunehmend besser, die Defensive lässt weniger zu und im Angriff verfügt der Trainer inzwischen über eine enorme Auswahl unterschiedlicher Profile. Gerade der Vergleich mit dem ersten Testspiel gegen die Fiorentina zeigt die Entwicklung.
Damals spielte Real Madrid eine starke erste Halbzeit, verlor nach der Pause jedoch deutlich die Kontrolle und musste sich nach einer 2:0-Führung mit einem 2:2 begnügen. Gegen Ferencváros war die Mannschaft bereits stabiler. Das 1:0 bei Deportivo zeigte anschließend, dass Mourinhos Team auch einen knappen Vorsprung über die Zeit bringen kann. Auf Schalke folgte nun der bislang kompletteste Auftritt.
Ein besonderer Abend in Raúls zweiter Heimat
Das Testspiel hatte auch aufgrund des Austragungsortes eine besondere Bedeutung. Schalke feierte das 25-jährige Bestehen der Veltins-Arena, und mit Real Madrid kam ausgerechnet jener Verein nach Gelsenkirchen, mit dem eine der größten Schalke-Legenden eng verbunden ist. Raúl González absolvierte für Real Madrid 741 Pflichtspiele, erzielte 323 Tore und gewann unter anderem dreimal die Champions League.
Zwischen 2010 und 2012 spielte der ehemalige Real-Kapitän anschließend selbst für Schalke. In zwei Jahren erzielte er 40 Tore und bereitete 15 weitere vor. Mit den Königsblauen gewann er den DFB-Pokal und den deutschen Supercup und erreichte das Halbfinale der Champions League. Bis heute besitzt Raúl in Gelsenkirchen einen besonderen Stellenwert.
RMXpress Fazit
Real Madrid beendet die Vorbereitung mit seinem bislang überzeugendsten Auftritt. Das 3:0 gegen Schalke war kein bedeutungsvoller Pflichtspielsieg, aber eine gelungene Generalprobe: drei Tore, kein Gegentreffer und mehrere erfolgreiche Debüts.
Besonders wichtig ist die Form von Kylian Mbappé. Der Franzose benötigte kaum Anlaufzeit, um zu zeigen, wer im entscheidenden Moment den Unterschied machen soll. Rund um ihn entsteht gleichzeitig eine Offensive mit außergewöhnlicher Breite.
Carlos Espí bestätigt seinen starken Start, Arda Güler festigt seine Rolle, Bernardo Silva gibt dem Mittelfeld zusätzliche Kontrolle und Diomande hat nun seine ersten Minuten gesammelt.
Mourinhos Real Madrid wirkt wenige Tage vor dem Saisonstart deutlich weiter als noch beim Auftakt gegen die Fiorentina. Die Vorbereitung ist beendet. Jetzt muss sich zeigen, wie viel davon unter Pflichtspielbedingungen Bestand hat.
