Starker erster Durchgang macht Hoffnung
Im ersten Härtetest und dritten Testspiel der Saisonvorbereitung präsentierte sich Real Madrid zunächst von seiner überzeugenden Seite. Die Mannschaft von José Mourinho dominierte die Anfangsphase gegen die AC Florenz, spielte mit hoher Intensität und setzte die Italiener früh unter Druck. Zwar sind angesichts zahlreicher fehlender Nationalspieler und einer noch unvollständigen Vorbereitung keine endgültigen Schlüsse möglich, doch die erste Halbzeit zeigte bereits deutlich die Richtung, die Mourinho einschlagen möchte. Der Portugiese ließ sein Team überwiegend in einem 4-2-3-1 beginnen, das phasenweise in eine 3-4-2-1-Ordnung überging. Ziel war es, die offensive Qualität des Kaders künftig in einem gemeinsamen System unterzubringen.
Endrick nutzt seine Chance
Besonders im Fokus stand Endrick. Nach seiner Rückkehr von der Leihe nach Lyon kämpft der Brasilianer um Einsatzzeiten – nicht zuletzt nach der Verpflichtung von Carlos Espí. Bereits nach zwölf Minuten setzte Endrick das erste Ausrufezeichen. Arda Güler schickte Álvaro Carreras mit einem präzisen Pass auf die linke Seite. Dessen flache Hereingabe nahm Endrick direkt mit und verwandelte mit einer schnellen Drehung per linkem Fuß zum 1:0. Der 20-Jährige zeigte während der gesamten Partie enormen Einsatzwillen und arbeitete unermüdlich gegen den Ball. Gleichzeitig war ihm in einigen Situationen der große Ehrgeiz anzumerken, wodurch nicht jede Aktion die notwendige Ruhe besaß.
Hohes Pressing bringt das zweite Tor
Real Madrid überzeugte vor allem durch sein aggressives Pressing. Immer wieder gewann die Mannschaft den Ball bereits tief in der gegnerischen Hälfte zurück und verkürzte dadurch den Weg zum Tor erheblich. Genau aus einer solchen Situation entstand auch das 2:0. Eduardo Camavinga leitete nach einer Balleroberung den Angriff ein. Arda Güler ließ den Ball clever passieren und zog damit mehrere Gegenspieler auf sich. Alexis Ciria nutzte den freien Raum und schob den Ball mit einem platzierten Abschluss an David de Gea vorbei ins Netz. Der Nachwuchsspieler bestätigte damit erneut seinen positiven Eindruck aus der bisherigen Vorbereitung.
Trent übernimmt eine Schlüsselrolle
Zu den auffälligsten Akteuren gehörte außerdem Trent Alexander-Arnold. Mourinho setzte den Engländer nicht als klassischen Rechtsverteidiger ein. Stattdessen interpretierte Trent seine Rolle äußerst flexibel, bewegte sich regelmäßig ins Zentrum und unterstützte sowohl den Spielaufbau als auch das Mittelfeld. Während Denzel Dumfries auf der rechten Seite immer wieder weit nach vorne schob, rückte Trent häufig nach innen und sorgte dort für kreative Lösungen im Ballbesitz. Gerade mit Ball gehörte der Engländer zu den stärksten Spielern auf dem Platz.
Florenz meldet sich kurz vor der Pause zurück
Obwohl Real Madrid das Spiel über weite Strecken kontrollierte, gelang Florenz kurz vor dem Halbzeitpfiff der Anschlusstreffer. Mario Rivas erkannte den Laufweg von Roberto Piccoli nicht rechtzeitig, sodass der Angreifer frei vor dem Tor auftauchte und auf 2:1 verkürzte. Gemessen am bisherigen Spielverlauf kam das Tor überraschend, änderte aber zunächst wenig an der insgesamt überzeugenden ersten Halbzeit der Königlichen.
Komplett anderes Bild nach dem Seitenwechsel und Debüt von Espí
Nach der Pause verlor Real Madrid jedoch vollständig den Zugriff auf die Partie. Florenz erhöhte das Pressing deutlich und setzte die Madrilenen bereits tief in deren eigener Hälfte unter Druck. Innerhalb weniger Minuten erspielten sich die Italiener mehrere hochkarätige Chancen. Besonders Albert Gudmundsson vergab zunächst noch knapp. Kurze Zeit später fiel jedoch der verdiente Ausgleich. Nicolò Fagioli setzte sich auf der linken Seite durch und brachte den Ball scharf vor das Tor. Dort kam Moise Kean Mario Rivas zuvor und köpfte zum 2:2 ein. Während Florenz nun das Spiel kontrollierte, fehlte Real Madrid zunehmend die Ordnung aus der ersten Halbzeit.
Etwa 15 Minuten vor Schluss feierte Carlos Espí sein Debüt für Real Madrid. Der erst wenige Tage zuvor verpflichtete Angreifer ersetzte Endrick und erhielt direkt die Chance auf den Siegtreffer. Nach einer guten Gelegenheit verfehlte Espí jedoch das Tor, sodass es beim Unentschieden blieb. Mit zunehmender Spieldauer nahm die Intensität der Partie etwas ab. Beide Mannschaften schienen sich letztlich mit dem Remis zufriedenzugeben.
Mourinho sammelt wichtige Erkenntnisse
Das Ergebnis dürfte für Mourinho zweitrangig gewesen sein. Wichtiger war die Erkenntnis, dass seine Mannschaft über weite Strecken bereits die gewünschte Spielidee umsetzen konnte. Das hohe Pressing funktionierte insbesondere vor der Pause sehr gut. Gleichzeitig zeigte die zweite Halbzeit, dass das Team in dieser frühen Phase der Vorbereitung körperlich und taktisch noch nicht konstant über 90 Minuten auf diesem Niveau agieren kann. Auch mehrere Nachwuchsspieler nutzten die Partie, um sich für weitere Einsätze zu empfehlen.
RMXpress Fazit
Das 2:2 gegen die AC Florenz lieferte José Mourinho zahlreiche positive, aber auch einige kritische Erkenntnisse. Die erste Halbzeit gehörte zu den bislang besten Auftritten der Vorbereitung. Real Madrid kombinierte zielstrebig, presste konsequent und erspielte sich eine verdiente Zwei-Tore-Führung. Nach dem Seitenwechsel brach die Intensität jedoch deutlich ein. Florenz erhöhte den Druck, gewann die Kontrolle und verdiente sich den Ausgleich. Gerade diese beiden unterschiedlichen Gesichter zeigen, dass sich die Mannschaft noch mitten im Entwicklungsprozess befindet.
Erfreulich aus Sicht der Königlichen waren die Leistungen von Endrick, Alexis Ciria, Arda Güler und Trent Alexander-Arnold sowie das Debüt von Carlos Espí. Bereits in einer Woche bietet das nächste Testspiel gegen Ferencváros die Gelegenheit, die positiven Ansätze zu bestätigen und die Schwächen der zweiten Halbzeit zu korrigieren.
