Mourinho über den Kontrollverlust und die Reaktion der Mannschaft
Zunächst sprach Mourinho in der Mixed Zone bei Realmadrid TV über den Spielverlauf. Seine Analyse fiel nüchtern aus: drei Punkte, aber deutlich mehr Arbeit als nötig.
Über das Spiel: „Drei Punkte und sonst nichts. Es ist wie ‚Hala Madrid y nada más‘. Nach der ersten Halbzeit hatten wir alle das Gefühl, dass in der zweiten noch drei, vier oder fünf Tore fallen würden. Aber wir haben die Intensität reduziert, zu viele Räume gelassen und als Bellingham und Brahim kamen, wollte ich dem Mittelfeld wieder mehr Stabilität geben, weil Vinícius und Güler müde waren. Genau in dem Moment, in dem ich an Stabilität gedacht habe, fiel das 1:2. In solchen Stadien, wenn sie voll sind, werden Mannschaften, die schon tot wirken, mit einem Klick wieder lebendig. Dann kam das 2:2. Aber wir haben eine Bank voller Talent und unterschiedlicher Profile. Ich habe maximal riskiert, denn ein Unentschieden hilft uns nicht. Und dann haben wir mit einer sehr starken Reaktion noch das Tor gemacht. Mit dem Gefühl, dass wir diese Punkte nicht liegen lassen dürfen. Die Schlussphase war sehr stark. Wir haben es geschafft.“
Auch die enge Taktung der Spiele wollte Mourinho nicht als Entschuldigung gelten lassen.
Über die Belastung: „Für andere Mannschaften ist das schwieriger als für uns, weil sie weniger Spieler und weniger Qualität haben. Wenn du mich fragst, sage ich dir: Für Anselmi ist es schwieriger, weil sein Kader weniger Möglichkeiten hat und er schon am Samstag wieder spielt. Wir werden ein bisschen steuern. Heute haben wir viele Spieler gewechselt. Nur Konaté und Mbappé haben gegen Inter, Rayo und heute jeweils 90 Minuten gespielt. Jetzt haben wir ein kleines Zeitfenster bis zum Wochenende.“
Für Mourinho stimmt vor allem die Haltung innerhalb der Mannschaft.
Über Zusammenhalt und Motivation: „Die Mannschaft ist ohne Zweifel vereint. Motiviert. Es gibt Freundschaft, Einsatz und Zusammenhalt. In diesem Bereich sind sie unantastbar. Meine einzige Kritik ist, dass wir Spiele entscheiden können und es nicht tun. Dann geben wir einem Gegner, der eigentlich schon erledigt wirkt, die Möglichkeit, uns das Leben schwerzumachen und zwei Punkte zu gefährden. Wir haben alles riskiert. Mit meinen Wechseln hätten wir genauso gut verlieren können, aber wir haben gewonnen.“
„Wenn alles leicht wirkt, interpretieren wir es falsch“
In der anschließenden Pressekonferenz wurde Mourinho erneut auf den Einbruch nach der Pause angesprochen.
Über den Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit: „Für mich ist das ziemlich offensichtlich. Es sind Spiele, die praktisch entschieden sind, in denen wir Chancen haben, endgültig alles klarzumachen – und wir tun es nicht. Wenn du das nicht machst, gehst du von einer komfortablen Situation in eine Phase über, in der du die Kontrolle verlierst. Wir treffen nicht, alles wirkt leicht, und dann lassen wir Dinge weg. Die Erklärung, die ich finde, ist: Wenn ein Spiel einfach wirkt und du es nicht beendest, dann lässt du nach, verlierst die Kontrolle und interpretierst diese Leichtigkeit falsch. Das kann passieren. Nichts ist einfach.“
Trotzdem unterscheidet Mourinho klar zwischen einem generellen Problem und einer schwachen Phase innerhalb eines eigentlich guten Spiels.
Über seine Sorge: „Wenn wir von der ersten bis zur 90. Minute schlecht spielen würden, wäre die Sorge riesig. Wenn wir aber sehr starke Phasen haben und andere, in denen wir weniger proaktiv sind, abwartender, ohne Intensität – natürlich macht mir das Sorgen. Aber wir haben gewonnen.“
Die Spieler bekommen nach der Partie zunächst eine Pause.
Über die kommenden Tage: „Morgen haben sie frei. Dann ruhen wir uns aus und am Donnerstag denken wir an das nächste Spiel.“
Espí, Diomande und Mourinhos Risiko in der Schlussphase
Carlos Espí wurde erneut zum Matchwinner. Mourinho lobte seinen Beitrag, machte aber gleichzeitig klar, warum der Angreifer nicht automatisch gemeinsam mit Mbappé beginnt.
Über Carlos Espí: „Er macht es gut und hilft der Mannschaft. Vor ihm spielt allerdings ein Spieler, der nicht normal ist. Mit beiden zusammen zu spielen, ist nicht einfach, weil uns dann auf den Flügeln die schnellen Spieler fehlen und die Mannschaft an Balance verliert. Mit den Wechseln am Ende habe ich alles riskiert. Wir haben gewonnen, wir hätten auch verlieren können – aber dieses Risiko mussten wir eingehen.“
Auch Yan Diomande bekam Lob.
Über Yan Diomande: „Er wächst weiter. Körperlich sieht man, dass er jetzt mehr Minuten in den Beinen hat. Er arbeitet sehr gut, ist intelligent und hat heute ein starkes Spiel gemacht.“
Die späte offensive Ausrichtung war für Mourinho alternativlos.
Über die Schlussphase: „Als wir 2:2 standen, sind wir mit der schweren Artillerie gegangen. Wir mussten alles versuchen und am Ende haben wir es geschafft.“
Arda Güler, Vinícius und der Blick auf die Defensive
Auf die Frage, ob Arda Güler inzwischen unverzichtbar sei, widersprach Mourinho.
Über Arda Güler: „Nein, niemand ist unverzichtbar. Wir haben bereits die Kontrolle verloren, als ich gewechselt habe. Vinícius hatte defensiv sehr gut gearbeitet und war sehr müde. Arda spielte auf der Zehn und auch bei ihm ging die Intensität zurück. Deshalb habe ich Jude frisch gebracht und Brahim. Das war noch beim Stand von 0:2, aber ich hatte schon das Gefühl, dass wir die Kontrolle verlieren. Genau das ist dann passiert. Danach mussten wir mit voller Offensive reagieren und haben das Spiel noch gezogen.“
Dass Real Madrid erneut Gegentore kassierte, beschäftigt Mourinho ebenfalls.
Über die Defensive: „Das macht mir in jedem Spiel Sorgen, nicht nur mit Blick auf Sonntag. Ich mag es, dass meine Mannschaft Tore schießt, und bis auf Betis haben wir immer getroffen. Das gefällt mir. Aber ich möchte Spiele kontrollieren, ich möchte nichts verschenken. Elche hat gut gespielt und durch seine Wechsel die Struktur verändert. Wir haben eine Bank mit vielen Lösungen und innerhalb von zehn Minuten mehrere sehr gefährliche Situationen kreiert. Wir haben getroffen, gewonnen, drei Punkte – mehr nicht.“
RMXpress Fazit
Mourinho wollte den Sieg nicht größer machen, als er war. Real Madrid spielte eine starke erste Halbzeit, ließ das Spiel danach aber erneut unnötig kippen. Genau das bleibt aktuell die größte Baustelle: nicht die Qualität, nicht die Chancenproduktion, sondern die Fähigkeit, einen kontrollierten Vorsprung konsequent zu Ende zu spielen.
Gleichzeitig zeigt die Partie erneut den Wert des breiten Kaders. Bellingham, Brahim, Endrick und vor allem Espí veränderten die Schlussphase, während Diomande weiter Fortschritte macht.
Die drei Punkte stehen. Aber Mourinhos Botschaft ist klar: Ein Team mit diesem Anspruch darf einen Gegner bei 2:0 nicht wiederbeleben.
