Florentino Pérez erklärt seinen Zukunftsplan für Real Madrid
Florentino Pérez hat in einem ausführlichen Interview mit El País erstmals detailliert erklärt, wie Real Madrid unter seiner Führung künftig strukturiert werden soll. Der amtierende Präsident und Kandidat für die Wahl am 7. Juni sprach dabei nicht nur über die sportliche Zukunft des Klubs, sondern vor allem über ein historisches Vorhaben: Die wirtschaftliche Beteiligung der Mitglieder am Verein.
Der 79-Jährige machte deutlich, dass er Real Madrid langfristig neu aufstellen möchte — ohne dabei die Kontrolle des Vereins aus den Händen der Socios zu geben.
„Wenn ich wiedergewählt werde, wird sich grundsätzlich nichts ändern. Aber es gibt einige Dinge, die geklärt werden müssen. Wie ihr wisst, werde ich den 100.000 Mitgliedern das wirtschaftliche Eigentum übertragen.“
„Mitglied bei Real Madrid wird mehr als nur etwas Emotionales sein“
Pérez erklärte, dass die Rolle der Mitglieder künftig deutlich aufgewertet werden soll. Bislang sei die Zugehörigkeit vor allem emotional gewesen — künftig soll sie auch wirtschaftlich verankert werden.
„Mitglied bei Real Madrid zu sein, wird nicht länger nur etwas Emotionales sein, wie bisher. Es wird bedeuten, lebenslang Eigentümer des Klubs zu sein.“
Dabei verteidigte Pérez gleichzeitig seine Idee gegen Vorwürfe einer möglichen Privatisierung.
„Die Socios waren immer die Eigentümer. Warum sollte ich das ändern wollen?“
Anschließend schilderte er, wie er sich die Zukunft des Vereins vorstellt:
„Momentan endet die Geschichte eines Mitglieds mit seinem Tod. Das darf nicht so sein. Ich werde den Mitgliedern wirtschaftliches Eigentum geben. Das erfüllt mich auch persönlich mit Stolz, denn ich wollte immer, dass die Socios die wahren Eigentümer sind.“
Referendum geplant: Pérez will Eigentumsmodell verändern
Florentino bestätigte außerdem, dass er unmittelbar nach der Wahl einen offiziellen Prozess einleiten möchte, um die neue Struktur von den Mitgliedern abstimmen zu lassen.
„Unmittelbar nach dieser Wahl werde ich eine außerordentliche Mitgliederversammlung und ein Referendum einberufen, um über das neue Eigentumsmodell abstimmen zu lassen.“
Gleichzeitig erklärte er, dass kleinere Beteiligungen externer Investoren theoretisch möglich wären — allerdings ohne Machtverlust der Mitglieder.
„Wenn mein Ziel ist, den Socios das Eigentum zu geben, warum sollte ich dann Anteile an private Investoren verkaufen? Das ist nicht notwendig.Wer sagt denn überhaupt, dass Real Madrid zehn Milliarden wert ist? Forbes? Das ist keine echte Bewertung.“
Pérez betonte mehrfach, dass selbst bei einem möglichen Verkauf kleiner Minderheitsanteile die Kontrolle vollständig bei den Mitgliedern bleiben würde.
„Diese fünf Prozent würden nichts bestimmen. Die 95 Prozent der Mitglieder würden weiterhin alles kontrollieren.“
Harte Attacken gegen Enrique Riquelme
Wie schon in seinen bisherigen Wahlkampfauftritten griff Pérez auch im Interview seinen Gegenkandidaten Enrique Riquelme frontal an.
„Ich werde nicht sterben, bevor ich sichergestellt habe, dass die finanziellen Vermögenswerte des Vereins den Mitgliedern gehören. Die andere Kandidatur ist ein Zusammenschluss von Interessengruppen. Genau die Leute, die früher in Versammlungen auftauchten, ohne Mitglieder zu sein.“
Pérez deutete zudem an, dass die Gegenseite wirtschaftliche Interessen am Verein habe.
Pérez will 2 Milliarden Euro Umsatz erreichen
Auch wirtschaftlich formulierte Florentino gigantische Ziele für die Zukunft des Klubs.
„Wenn es etwas gibt, das mich auszeichnet, dann ist es die Arbeit dafür, dass Real Madrid weiterhin der umsatzstärkste Klub der Welt bleibt.“
Dabei verwies er auf aktuelle Forbes-Zahlen.
„Forbes hat gerade veröffentlicht, dass wir erneut der wertvollste Klub der Welt sind — mit einem Wachstum von 41 Prozent in nur einem Jahr.“
Und die nächsten Ziele sind bereits definiert:
„Dieses Jahr werden wir wieder alle Rekorde brechen. Wir werden 1,25 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Ich möchte so schnell wie möglich zwei Milliarden erreichen.“
„Anas Laghrari ist wie mein Sohn“
Auch über seinen engen Vertrauten Anas Laghrari sprach Pérez offen.
„Anas Laghrari ist wie mein Sohn. Ich habe ihn praktisch aufwachsen sehen. Sein Vater war wie ein Bruder für mich. Er hilft mir einfach, weil er sehr intelligent ist.“
Negreira-Skandal: „Ich werde nicht aufhören“
Besonders emotional wurde Pérez erneut beim Thema „Caso Negreira“.
„In dem Moment, als wir erfahren haben, dass Barcelona 20 Jahre lang den Vizepräsidenten der Schiedsrichter bezahlt hat, hat sich alles verändert.“
Der Präsident kritisierte dabei sowohl LaLiga als auch den spanischen Verband scharf.
„Und die Liga? Und der Verband? Was haben sie getan? Nichts.“
Außerdem kündigte er weitere Schritte gegenüber der UEFA an.
„Ich werde nicht aufhören, bis alles aufgeklärt ist.“
Fußball bald kostenlos streamen?
Florentino sprach außerdem erneut über seine Vision für den europäischen Fußball.
„Wir wollen, dass Fußball so schnell wie möglich kostenlos gestreamt werden kann.“
Laut Pérez gebe es mittlerweile gute Gespräche mit der UEFA.
„Die UEFA versteht das inzwischen perfekt und wir führen mittlerweile sehr brüderliche Gespräche.“
„Die besten Spieler werden immer bei mir spielen“
Sportlich machte Pérez erneut klar, dass Real Madrid weiterhin auf die größten Namen des Weltfußballs setzen werde.
„Niemand zweifelt daran, dass die besten Spieler immer bei mir spielen werden.“
Dabei erinnerte er an frühere Galácticos:
„Ich kam mit Figo, Zidane, Ronaldo, Beckham, Cristiano, Kaká, Benzema und bis zu den neuesten Spielern. Jeder will zu Real Madrid kommen.“
Klub-WM schuld an der schwierigen Saison?
Auch die enttäuschende Saison analysierte Pérez erstmals ausführlicher.
„Die Klub-Weltmeisterschaft hat uns zerstört. Wir hatten keine Vorbereitung und nach drei Monaten bereits 28 Verletzungen.“
Dabei stellte er sich demonstrativ hinter die Trainer Alonso und Arbeloa.
„Man kann keinem der Trainer die Schuld geben.“
Pérez verteidigt Vinícius und Mbappé
Der Präsident stellte sich auch demonstrativ hinter Vinicius Junior und Kylian Mbappé.
„Zu behaupten, Vinicius und Mbappé seien nicht kompatibel, ist Unsinn. Das sind die zwei besten Spieler der Welt.“
Über Vinicius sagte Pérez:
„Ich hoffe, dass Vinicius für immer bei Real Madrid bleibt. Er hat uns die letzten beiden Champions-League-Titel gewonnen und identifiziert sich enorm mit diesem Klub.“
Außerdem ging Pérez direkt auf die Pfiffe im Bernabéu ein.
„Wisst ihr, wer Vinicius nicht mag? Diejenigen, die keine Real-Madrid-Fans sind. Einige Menschen irren sich. Sie lesen gewisse Zeitungen und lassen sich manipulieren.Vinícius ist ein Superstar und ich wäre glücklich, ihn immer hier zu haben.“
Mbappé verteidigt: „Er spielt nicht auf seiner besten Position“
Auch Kylian Mbappé nahm Pérez öffentlich in Schutz.
„Mbappé spielt hier auf einer anderen Position als bei PSG. Das hat ihn etwas aus dem Rhythmus gebracht.“
Gleichzeitig kündigte er Verbesserungen an.
„Wir werden alle Dinge korrigieren, die wir nicht gut gemacht haben.“
Mourinho weiter Thema bei Real Madrid
Natürlich wurde Florentino Pérez im Interview auch auf José Mourinho angesprochen, dessen Rückkehr zu Real Madrid in den vergangenen Wochen immer konkreter geworden ist. Der Präsident vermied zwar eine direkte Bestätigung, sprach aber erneut mit großem Respekt über den Portugiesen.
„José Mourinho? Er ist ein großartiger Trainer.“
Pérez erinnerte dabei an Mourinhos erste Zeit bei Real Madrid und hob besonders dessen Einfluss auf die Mentalität des Klubs hervor.
„Ich kenne ihn, und er kennt Real Madrid sowie die Spieler.“
„Mit ihm haben wir drei Champions-League-Halbfinals erreicht und aus verschiedenen Gründen das Finale nicht erreicht. Aber er hat uns eine enorme Wettbewerbsfähigkeit vermittelt.“
Anschließend erklärte Pérez, dass Mourinhos Arbeit die Basis für die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte gelegt habe.
„Von dort aus haben die anderen Trainer dann sechs Champions-League-Titel in zehn Jahren gewonnen.“
Gleichzeitig dementierte er direkte Gespräche.
„Aber ich habe nicht mit Mourinho gesprochen.“
Pérez bestätigt: Valverde und Tchouaméni sollen bleiben
Zum Abschluss sprach Florentino Pérez auch noch über Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni, nachdem zuletzt zahlreiche Gerüchte rund um mögliche Veränderungen im Mittelfeld aufgekommen waren.
Auf die Frage, ob beide Spieler Teil seiner Zukunftsplanung seien, antwortete Pérez eindeutig: „Für mich ganz klar: Ja.“
Damit machte der Präsident deutlich, dass sowohl Valverde als auch Tchouaméni trotz der schwierigen Saison weiterhin als zentrale Bausteine der Mannschaft angesehen werden.
Vinícius-Verlängerung: Pérez bleibt völlig entspannt
Ein weiterer großer Themenblock war die Zukunft von Vinícius Junior. Trotz des bis 2027 laufenden Vertrags und der zuletzt aufgekommenen Spekulationen machte Pérez deutlich, dass er keinerlei Panik verspürt.
„Es gibt noch Zeit.“
„Ich würde mich freuen, wenn Vinicius für immer bei Real Madrid bleibt.“
Der Präsident stellte sich demonstrativ hinter den Brasilianer und lobte dessen Bedeutung für die jüngsten Erfolge des Vereins.
„Er hat uns die letzten beiden Champions-League-Titel gewonnen und identifiziert sich enorm mit diesem Klub.“
Außerdem ging Pérez direkt auf die Kritik und die Pfiffe gegen Vinicius ein.
„Wisst ihr, wer Vinicius nicht mag? Diejenigen, die keine Real-Madrid-Fans sind.“
Über die Pfiffe im Bernabéu sagte er:
„Einige Menschen irren sich. Sie lesen gewisse Zeitungen und lassen sich manipulieren. Vinicius ist ein Superstar und ich wäre glücklich, ihn immer hier zu haben.“
Auch die Gerüchte über angeblich überzogene Gehaltsforderungen von Vinicius kommentierte Pérez deutlich.
„Es wird behauptet, er verlange zu viel Geld — das ist eine Lüge.“
Der Präsident machte außerdem klar, dass er keinen Druck auf den Brasilianer ausüben werde.
„Wenn er nicht bei Real Madrid bleiben möchte und bei einem anderen Klub unterschreiben will, dann ist er frei dazu. Ich werde niemanden zwingen. Geld war niemals das Wichtigste. Und es wird auch jetzt nicht das Wichtigste sein.“
„Die Kabine ist wunderbar“
Zum Ende des Interviews widersprach Pérez außerdem Berichten über Probleme innerhalb der Mannschaft.
„Die Kabine ist wunderbar. Wenn sich Spieler im Training streiten, sollte man das nicht dramatisieren.“
Sein eigentlicher Vorwurf richtete sich gegen interne Informanten.
„Das Problem ist nicht, dass Spieler streiten. Das Problem ist derjenige, der Dinge nach außen trägt.“
Und abschließend: „Die Atmosphäre in der Kabine ist perfekt. Es gibt nur ein paar schlechte Äpfel, die Informationen weitergeben — und wir wissen genau, wer sie sind.“
