Vom Bernabéu gefeiert – und kurz darauf wieder außen vor
Noch vor wenigen Wochen wurde Dani Carvajal im Santiago Bernabéu frenetisch gefeiert. Nach seiner starken Leistung im Derby gegen Atlético Madrid erhob sich das gesamte Stadion für den Kapitän – eine Mischung aus Anerkennung für das Spiel und eine Hommage an seine außergewöhnliche Karriere im weißen Trikot.
Doch dieser emotionale Höhepunkt entpuppte sich als kurze Ausnahme. Seit der Länderspielpause ist Carvajal wieder außen vor: weder gegen Mallorca noch im Champions-League-Duell gegen den FC Bayern München kam er zum Einsatz. Eine Situation, die für den erfahrenen Verteidiger schwer zu akzeptieren ist.
Konkurrenz, Verletzungen und wachsende Frustration
Carvajal befindet sich aktuell in einer Phase, die er so in seiner Karriere kaum erlebt hat. Zwei schwere Knieoperationen innerhalb eines Jahres, zunehmende Konkurrenz – zunächst durch die „Valverde-Notlösung“, inzwischen durch Neuzugang Trent Alexander-Arnold – haben seine Rolle deutlich verändert.
Er ist nicht mehr unantastbar. Und genau das scheint an ihm zu nagen.
Intern wird berichtet, dass der Kapitän zunehmend mit seiner Situation hadert. Vor allem die aus seiner Sicht fehlende Kontinuität nach seinem Comeback sorgte für Unzufriedenheit. Schon unter Xabi Alonso blieb er hinter seinen Erwartungen zurück, doch auch unter Álvaro Arbeloa erhielt er bislang nur punktuell Chancen.
Spannungen mit Arbeloa und Vorfall im Training
Die angespannte Situation entlud sich Anfang Februar erstmals sichtbar. Nach einer erneuten Nichtberücksichtigung gegen Rayo Vallecano kam es zu Spannungen zwischen Spieler und Trainer. Kurz darauf sorgte eine weitere Entscheidung Arbeloas – die Startelf-Nominierung eines Nachwuchsspielers im Mestalla gegen Valencia – für zusätzlichen Unmut.
Ein öffentlich sichtbarer Disput mit Fitnesscoach Antonio Pintus machte deutlich, wie sehr Carvajal die Situation belastete.
Noch brisanter: Bei einem Training vor dem Spiel gegen Osasuna in Pamplona verlor Carvajal die Beherrschung und ging ziemlich hart gegen Castilla-Verteidiger Valdepeñas in den Zweikampf, der dem Canterano eine Knieverletzung zufügte, die ihn einen Monat lang außer Gefecht setzte, aber auch schlimmere Folgen hätte haben können. Innerhalb des Vereins wurde diese Szene kritisch bewertet und es wurde von einem „hässlichen Foul“ gesprochen – auch als Ausdruck der aufgestauten Frustration.
Kurze Versöhnung – und zurück in die Realität
Eine kurze Entspannung folgte vor dem Derby, als Alexander-Arnold aufgrund einer Disziplinarmaßnahme nicht startete und Carvajal die Chance erhielt. Der Kapitän nutzte sie, zeigte eine starke Leistung und wurde anschließend vom Publikum gefeiert.
Auch zwischen ihm und Arbeloa schien sich die Situation zu beruhigen. Doch diese „Waffenruhe“ hielt nicht lange.
Mit den erneuten Bankplätzen ohne Einsatzzeit gegen Mallorca und Bayern ist Carvajal wieder in der Realität angekommen – einer Realität, in der seine Rolle im Team zunehmend kleiner wird.
Eine ungewisse Zukunft
Die aktuelle Entwicklung trifft den Spanier doppelt hart. Nicht nur bei Real Madrid droht er an Bedeutung zu verlieren – auch seine Chancen auf Einsätze mit der Nationalmannschaft und eine mögliche Teilnahme an der Weltmeisterschaft geraten ins Wanken.
Sein Vertrag läuft im Sommer aus, eine Verlängerung ist aktuell offen.
Was bleibt, ist ein Spieler zwischen zwei Welten: eine Vereinslegende, die das Bernabéu weiterhin verehrt – und ein Profi, der sportlich plötzlich um seinen Platz kämpfen muss wie lange nicht mehr.
