Rückkehr nach Rom: „Während des Spiels wird die Liebe vergessen“
Für José Mourinho steht am Mittwochabend eine besondere Begegnung bevor. Der Portugiese kehrt mit Real Madrid ins Stadio Olimpico zurück, wo er zwischen 2021 und 2024 als Trainer der AS Rom tätig war. Trotz der emotionalen Verbindung zu seinem ehemaligen Verein richtet er den Fokus vollständig auf die sportliche Aufgabe. Nach dem erfolgreichen Champions-League-Auftakt gegen Inter Mailand wollen die Königlichen auch im zweiten Spiel der Ligaphase gewinnen. Mourinho erwartet allerdings eine schwierige Partie gegen einen Gegner, den er zu den stärksten Mannschaften Italiens zählt.
Über die entscheidenden Faktoren gegen die Roma: „Wir müssen sehr gut spielen. Zum Auftakt haben wir die beiden stärksten Mannschaften Italiens erwischt. Im ersten Spiel konnten wir trotz drei gesperrter Spieler drei Punkte holen, und jetzt wartet die Roma auf uns. Eine starke Mannschaft, die hoch motiviert ist, wieder Champions League im Olimpico zu spielen.“
Besonders die Atmosphäre im Stadion hob Mourinho hervor. Er kennt die Anhänger der Roma aus seiner eigenen Zeit in der italienischen Hauptstadt und weiß, welchen Einfluss sie auf die Mannschaft haben können.
Über die Fans der Roma: „Das Publikum spielt mit. Die Menschen kommen nicht einfach ins Stadion, um das Spiel anzuschauen. Sie kommen, um mitzuspielen, und sie spielen tatsächlich mit. Wenn wir die Punkte holen wollen, müssen wir sehr gut spielen.“
Obwohl sich die Champions League erst am Anfang befindet, möchte Mourinho keine Punkte verschenken.
Über den Druck in der Champions League: „Es ist noch nicht der Moment, in dem der wirkliche Druck der Champions League beginnt, wenn es darum geht, ob du weiterkommst oder ausscheidest. Aber wir setzen uns selbst unter Druck. Wir wollen gewinnen.“
Mourinho verfolgt die italienische Meisterschaft weiterhin intensiv. Nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Begegnungen gegen Inter und Roma hat er sich ausführlich mit beiden Mannschaften beschäftigt. Die Spiele seiner ehemaligen Vereine schaut er nach eigener Aussage ohnehin, wann immer sich die Gelegenheit bietet.
Über die Rückkehr zu seinem ehemaligen Klub: „Ich habe mich auf meine Rückkehr vorbereitet und bin ausgeglichen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass ich alles geben werde. Vielleicht werde ich mir vor oder nach dem Spiel ans Herz fassen, aber während der Partie gibt es keine Zweifel. Die Roma will gewinnen und ich auch. In diesem Moment wird die Liebe vergessen.“
Auch die besondere Beziehung zu den Anhängern der Roma wurde während der Pressekonferenz thematisiert. Mourinho erklärte, dass seine Verbindung zu den Fans vor allem durch seine grundsätzliche Haltung als Trainer entstanden sei.
Über seine Beziehung zu den Roma-Fans: „Indem ich einfach ich selbst bin. Wie immer. Die Interessen des Klubs, der Spieler und der Fans stehen für mich immer über meinen eigenen Interessen. Die Menschen wissen das zu schätzen und können sich damit identifizieren.“
Die gemeinsamen sportlichen Erfolge hätten diese Verbindung zusätzlich gestärkt.
Über seine Zeit bei der Roma: „Wenn du dann noch etwas erreichst, das die Menschen glücklich macht, ist es umso besser. Wir haben nicht die Champions League gewonnen, aber einen europäischen Wettbewerb und ein weiteres europäisches Finale erreicht. All das ist zusammengekommen. Die Roma-Fans sind besondere Menschen.“
Auch auf das Wiedersehen mit Gian Piero Gasperini angesprochen, versuchte Mourinho, die emotionale Bedeutung der Partie herunterzuspielen. Für ihn soll die Begegnung während der 90 Minuten ein ganz gewöhnliches Fußballspiel sein.
Über das Duell mit Gasperini und der Roma: „Es wird ein weiteres Spiel sein. Wenn es mir gelingt, zu vergessen, gegen wen ich spiele – und das tue ich bereits und werde es auch während des Spiels tun –, dann ist es ein Spiel wie jedes andere.“
Gleichzeitig zeigte sich der Portugiese optimistisch, was die Chancen beider Mannschaften in der Champions League betrifft.
Über die weitere Champions-League-Saison: „Wenn ich mir anschaue, was noch kommt, glaube ich, dass sich Real Madrid und die Roma qualifizieren werden. Vielleicht komme ich dann im Viertelfinale oder Halbfinale wieder zurück.“
Die besonderen Gefühle vor dem Anpfiff könne er dennoch nicht vollständig ausblenden.
Über die Emotionen bei seiner Rückkehr: „Vor dem Spiel ist es nicht normal, am Flughafen anzukommen oder durch die Gänge zu laufen. Aber die 90 Minuten werden normal sein.“
Villarreal, Valverde und Mourinhos taktische Entscheidungen
Neben der Rückkehr nach Rom stand auch Real Madrids jüngster 1:0-Erfolg gegen Villarreal im Mittelpunkt. Besonders die taktischen Anpassungen während der zweiten Halbzeit wurden angesprochen. Mourinho hatte Federico Valverde im Verlauf der Partie auf die Position des Rechtsverteidigers beordert und damit eine entscheidende Veränderung vorgenommen. Der Uruguayer bereitete anschließend den Siegtreffer von Yan Diomande vor. Auf die Frage nach Valverdes Leistung reagierte Mourinho mit einer ungewöhnlich selbstbewussten, aber auch humorvollen Einschätzung seiner eigenen Arbeit.
Über seine taktischen Entscheidungen gegen Villarreal: „Ich denke, dass der Trainer von Real Madrid gegen Villarreal sehr gute Arbeit geleistet hat. Wir haben gefunden, wonach wir gesucht haben.“
Der Portugiese erklärte anschließend ausführlich, welche Überlegungen hinter seiner Entscheidung standen.
Über die Umstellung mit Valverde: „Ich hatte im Kopf, dass ich später möglicherweise weitere Veränderungen in der Offensive brauchen würde. Dafür hatten wir viele Möglichkeiten. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich das Profil auf der rechten Abwehrseite verändern musste.“
Statt einen klassischen Außenverteidigerwechsel vorzunehmen, entschied er sich deshalb für Valverde.
Über den Verzicht auf einen Wechsel zwischen Trent und Dumfries: „Ich wollte keinen Wechsel dafür verbrauchen, Dumfries für Trent zu bringen. Deshalb dachte ich, dass Fede den Unterschied machen könnte.“
Mourinho machte keinen Hehl daraus, dass solche Entscheidungen nicht immer funktionieren. Gegen Villarreal sei seine Überlegung jedoch aufgegangen.
Über das Risiko seiner Entscheidung: „Als Trainer gehen bei mir viele Dinge schief. Aber dieses Mal hat es funktioniert.“
Besonders interessant war seine anschließende Einschätzung zu Valverdes Vielseitigkeit. Mourinho sieht im Uruguayer einen Spieler, der aufgrund seiner Eigenschaften auf unterschiedlichen Positionen außergewöhnlich wertvoll sein kann.
Über Valverdes Vielseitigkeit: „Wenn du mehr als einen Fede hättest, könntest du einen als Rechtsverteidiger und einen im Mittelfeld spielen lassen. Aber weil wir nur einen Fede haben, ist sein Einsatz als Rechtsverteidiger etwas sehr Spezifisches.“
Damit deutete Mourinho an, dass Valverde trotz seiner starken Leistung gegen Villarreal nicht automatisch dauerhaft auf der rechten Abwehrseite eingeplant ist. Vielmehr betrachtet er die Position als taktische Möglichkeit für bestimmte Spielsituationen.
Schiedsrichterdiskussion: „Es reicht, sich die erste Spielminute anzusehen“
Obwohl Mourinho nach dem Villarreal-Spiel bewusst auf die Pressekonferenz verzichtet hatte, wurde er in Rom mehrfach auf die Ereignisse vom vergangenen Samstag angesprochen. Der Portugiese wollte die Diskussion zunächst vollständig vermeiden.
Über das Villarreal-Spiel: „Nichts, nichts. Wir haben ein Champions-League-Spiel vor uns. Ich habe nichts zum Ligaspiel zu sagen.“
Auch auf die Frage, ob er das Stadion am Samstag besonders verärgert verlassen habe, reagierte Mourinho zunächst zurückhaltend. Ganz ohne einen Hinweis auf seine Unzufriedenheit blieb seine Antwort allerdings nicht.
Über seinen Ärger nach Villarreal: „Ich habe deinem Kollegen bereits gesagt, dass ich nichts dazu sagen möchte. Aber ich versuche, dass dies die letzte Frage in diese Richtung ist. Ich lade euch ein, euch einfach die erste Minute des Spiels gegen Villarreal anzusehen. Wenn ihr wollt, sprechen wir am Samstag darüber. Die erste Minute reicht für jemanden, der etwas davon versteht.“
Welche konkrete Szene Mourinho damit meinte, erläuterte er nicht. Seine Aussage ließ jedoch erkennen, dass er weiterhin mit der Schiedsrichterleistung unzufrieden ist. Anschließend wurde er gefragt, ob er den Unparteiischen in der Champions League mehr vertraue als in LaLiga.
Über sein Vertrauen in die Schiedsrichter: „Ich vertraue allen. Das Einzige, was mich stört, ist, wenn man den Namen eines Schiedsrichters normalerweise erst 24 Stunden vorher erfahren sollte, ihn aber schon ungefähr drei Wochen vorher kennt.“
Mourinho hatte bereits vor dem Derby gegen Atlético die frühzeitige Bekanntgabe der Schiedsrichteransetzung kritisiert. Auch diesmal sprach er diesen Punkt an, ohne jedoch konkrete Vorwürfe gegen den Unparteiischen der kommenden Champions-League-Partie zu erheben.
Über seine Erwartungen an die Spielleitung: „Abgesehen davon habe ich Vertrauen und hoffe, dass für alle drei Mannschaften alles gut läuft. Ich habe keinerlei negative Gefühle.“
Die Formulierung bezog sich auf die beiden beteiligten Mannschaften und das Schiedsrichterteam. Auch die Frage, ob es in LaLiga schwieriger geworden sei, körperlich in die Zweikämpfe zu gehen, wollte Mourinho nicht unmittelbar beantworten. Stattdessen kritisierte er die Art und Weise, wie spanische Medien aus seiner Sicht mit bestimmten Themen umgehen.
Über die Fragen der spanischen Journalisten: „Ich glaube, wenn du mir diese Frage stellst, kennst du die Antwort bereits. Aber aus irgendeinem Grund möchtest du sie nicht selbst aussprechen.“
Anschließend wurde der Portugiese deutlicher.
Über die spanische Sportberichterstattung: „Ich finde, dass die Menschen in den spanischen Medien wenig direkt sind. Es gibt nur wenige klare und konkrete Meinungen zu Situationen, bei denen eigentlich kein Zweifel besteht.“
Nachdem mehrere Fragen in eine ähnliche Richtung gegangen waren, wollte Mourinho das Thema endgültig beenden.
Über die wiederholten Schiedsrichterfragen: „Das waren jetzt vier oder fünf Fragen in diese Richtung. Die italienische Presse interessiert sich wahrscheinlich mehr für das Spiel. Wir sehen uns am Samstag wieder, also gehen wir besser zur anderen Seite über.“
Damit verwies Mourinho die Diskussion über das Villarreal-Spiel auf einen späteren Zeitpunkt und versuchte, den Fokus wieder auf die Champions League zu richten.
Mourinho über den Druck bei Real Madrid: „Ich schlafe wie ein Engel“
Zum Abschluss der Pressekonferenz wurde Mourinho auch auf seine persönliche Situation bei Real Madrid angesprochen. Nach den ersten Wochen der Saison, mehreren schwierigen Spielen und zunehmender öffentlicher Kritik entstand zuletzt der Eindruck, dass die anfängliche Euphorie um seine Rückkehr bereits nachgelassen habe. Ein Journalist fragte deshalb, ob die Flitterwochen zwischen Mourinho und Real Madrid inzwischen vorbei seien. Der Portugiese zeigte sich davon wenig beeindruckt.
Über seine aktuelle Situation bei Real Madrid: „Ich fühle mich wie immer. Ich schlafe wie ein kleines Engelchen. Nach den Spielen schlafe ich wie immer nicht. Und am Donnerstagmorgen komme ich wieder zurück.“
Mit dieser Antwort machte Mourinho deutlich, dass sich an seiner persönlichen Einstellung zur Arbeit nichts verändert habe. Der Portugiese betrachtet den Druck bei Real Madrid weiterhin als Teil seines Berufs. Die öffentliche Diskussion über Ergebnisse und Leistungen scheint ihn dabei nicht aus seiner gewohnten Haltung zu bringen. Nach mehreren Fragen zu seiner Vergangenheit in Rom, der aktuellen Situation bei Real Madrid und den jüngsten Schiedsrichterkontroversen war die Pressekonferenz schließlich beendet. Besonders eine Aussage blieb dabei hängen: Mourinhos Aufforderung, sich die erste Minute des Villarreal-Spiels noch einmal anzusehen.
Mixed Zone: Mourinho schließt Endrick-Leihe aus und spricht über Vinícius
Nach der offiziellen Pressekonferenz äußerte sich José Mourinho in der Mixed Zone noch zu zwei weiteren Personalfragen. Besonders deutlich wurde der Portugiese bei den Spekulationen über eine mögliche Leihe von Endrick im kommenden Januar. Mourinho machte unmissverständlich klar, dass er den brasilianischen Angreifer nicht abgeben möchte und fest mit ihm plant.
Über eine mögliche Leihe von Endrick: „Nein, nein, vergesst es! Wenn interessierte Vereine auf ihn warten, sollten sie sich besser hinsetzen. Denn wenn sie stehen bleiben, werden sie vom Warten müde. Endrick ist ein Spieler, den ich absolut liebe. Ich bin von seinem enormen Potenzial überzeugt und er ist für uns sehr wichtig. Wer ihn verpflichten möchte, muss hart gegen mich kämpfen. Ich bin überzeugt, dass er keine Leihe braucht und hier bei Real Madrid große Erfolge feiern wird.“
Gleichzeitig räumte Mourinho ein, dass Endrick nach seiner Verletzung bislang nicht die Einsatzmöglichkeiten erhalten habe, die sich der junge Brasilianer erhofft hatte. Der Angreifer hatte sich nach der Saisonvorbereitung verletzt und war deshalb rund vier bis fünf Wochen ausgefallen. Dadurch verpasste er den Saisonbeginn und musste anschließend um seine Einsatzzeiten kämpfen.
Über Endricks bisherige Einsatzzeiten: „Es stimmt, dass ich ihm nach seiner Genesung noch keine richtige Chance gegeben habe. Gegen Villarreal stand er kurz vor seiner Einwechslung. Zum Glück für uns und leider für ihn haben wir genau in diesem Moment ein Tor erzielt.“
Mourinho erklärte, dass sowohl Endrick als auch Bernardo Silva unmittelbar vor ihrer Einwechslung gestanden hätten. Der Führungstreffer und der spätere Spielverlauf führten jedoch dazu, dass er seine ursprünglichen Pläne veränderte.
Über die geplanten Wechsel gegen Villarreal: „Endrick und Bernardo sollten genau in dem Moment eingewechselt werden, als wir das Tor erzielt haben. Wenn du anschließend führst und mit zehn Spielern spielst, ist es für einen Trainer ganz natürlich, seine Meinung zu ändern und andere Lösungen zu suchen.“
Damit stellte Mourinho klar, dass Endricks geringe Einsatzzeit bislang nicht auf mangelndes Vertrauen zurückzuführen sei. Vielmehr hätten seine Verletzung und die jeweiligen Spielsituationen dazu geführt, dass der Brasilianer noch nicht die gewünschte Gelegenheit bekommen habe.
Eine weitere Frage betraf Vinícius Júnior und dessen mögliche Rückkehr in die Startelf gegen die Roma. Nachdem der Brasilianer gegen Villarreal zunächst auf der Bank gesessen hatte, wollte Mourinho seine Entscheidung für das Champions-League-Spiel nicht vorwegnehmen.
Über einen möglichen Startelfeinsatz von Vinícius: „Das werde ich euch nicht sagen, denn ich möchte nicht lügen.“
Der Portugiese blieb damit seiner Linie treu, personelle Entscheidungen vor einem Spiel nicht öffentlich anzukündigen.
RMXpress Fazit
José Mourinho hat bei seiner Rückkehr nach Rom versucht, die sportliche Bedeutung des Champions-League-Spiels über die persönlichen Emotionen zu stellen. Seine Verbindung zur Roma und ihren Anhängern ist weiterhin groß, doch während der Partie zählt für ihn ausschließlich der Erfolg von Real Madrid.
Sportlich lieferte der Portugiese interessante Einblicke in seine Überlegungen gegen Villarreal. Die Entscheidung, Valverde auf die rechte Abwehrseite zu versetzen, war bewusst gewählt und sollte neue Möglichkeiten für die Offensive eröffnen. Gleichzeitig machte Mourinho deutlich, dass der Uruguayer aufgrund seiner Vielseitigkeit nicht auf eine einzige Position festgelegt werden sollte.
Weniger gesprächig zeigte sich der Trainer bei den Schiedsrichterentscheidungen vom vergangenen Wochenende. Obwohl er das Thema mehrfach abblockte, konnte er sich einen Hinweis auf die erste Spielminute gegen Villarreal nicht verkneifen. Seine Unzufriedenheit ist damit weiterhin erkennbar, auch wenn er konkrete Vorwürfe diesmal vermied.
Am Mittwoch wartet nun eine besondere Rückkehr. Mourinho wird im Stadio Olimpico auf viele Menschen treffen, mit denen er große Erfolge und emotionale Momente erlebt hat. Doch sobald der Ball rollt, soll diese Vergangenheit keine Rolle mehr spielen.
Die Roma bedeutet Mourinho weiterhin viel. Für 90 Minuten zählt jedoch nur Real Madrid.
UEFA Champions League
2. Spieltag
AS Roma
3:4
Real Madrid
