Mourinho über das „verrückte“ Spiel und den fehlenden Rhythmus
Schon bei Movistar machte Mourinho deutlich, wie ungewöhnlich offen er die Partie wahrgenommen hatte.
Über den Spielverlauf: „Ich sage lieber, dass es ein verrücktes Spiel war. So oft gibt es Kritik, wenn ein Spiel langweilig ist. Heute war es verrückt und hätte problemlos 7:6 ausgehen können. Wir hatten ein geschwächtes Mittelfeld, Inter hat sehr früh Spieler gewechselt und ich hatte im Zentrum nicht besonders viele Möglichkeiten. Als ich gesehen habe, dass meine Spieler in Schwierigkeiten kamen, habe ich reagiert. Aber ich glaube, dass sie großartige Arbeit geleistet haben.“
Mourinho wollte die beiden Real-Tore zudem nicht nur als Geschenke des Gegners verstanden wissen.
Über die Entstehung der Tore: „Langweilig war es nicht. Wir hatten sogar noch die Chance auf das 3:0 kurz vor der Pause. Ich stimme Raúl zu, dass beide Tore in Momenten entstanden sind, in denen Inter Fehler gemacht hat. Aber ich möchte meinen Spielern auch Anerkennung geben. Pressing wird trainiert. Das Tor von Valverde ist etwas, an dem wir arbeiten. Es sollte nicht immer nur Kritik geben.“
Dass Real Madrid zu wenig Kontrolle hatte, wollte Mourinho nicht isoliert betrachten.
Über die fehlende Kontrolle: „Eine Sache ist, dass wir keine Kontrolle haben. Eine andere ist, dass der Gegner sie ebenfalls nicht hat. Inter hatte sie auch nicht. Courtois hat viele Bälle gehalten, aber wie viele Tore haben wir selbst in Umschaltsituationen liegen gelassen? Es war ein großartiges Spiel.“
Vinícius, Mbappé und die Reaktion des Bernabéu
Bei Vinícius stellte sich Mourinho bei der Pressekonferenz erneut klar vor seinen Spieler.
Über Vinícius: „Er hat sehr viel gearbeitet, wirklich sehr viel. Ich weiß es, wir alle wissen es und er selbst weiß es. Er ist noch nicht ganz scharf, er ist noch nicht der Vinícius, den wir kennen. Aber er arbeitet sehr viel. Wer arbeitet und alles gibt, was er hat, verdient Respekt.“
Auf die Pfiffe des Publikums wollte Mourinho nicht eingehen, sondern ausschließlich seine eigene Bewertung abgeben.
Über die Pfiffe gegen Vinícius: „Ich kritisiere die Fans nicht. Ich spreche als Trainer und über meine Beziehung zu ihm. Er verdient meinen ganzen Respekt. Er ist noch nicht bei hundert Prozent, das sehen wir alle und er weiß es selbst. Aber er arbeitet sehr hart daran, wieder dieser Vinícius zu werden, der Spiele entscheidet. Er arbeitet mehr als je zuvor. Die wenigen Male, in denen er defensiv nicht mehr helfen konnte, lag es an der Ermüdung. Es ist nicht einfach, aber sein Einsatz war sehr gut. Ich habe großen Respekt vor diesem Vinícius. Der Moment, in dem er Spiele wieder entscheidet, wird kommen.“
Mourinho machte gleichzeitig klar, dass Unterstützung nicht mit einer Einsatzgarantie gleichzusetzen ist.
Über seine Unterstützung für Vinícius: „Wenn er für die Mannschaft arbeitet, hat er immer meine Unterstützung. Bedeutet das, dass er immer starten oder 90 Minuten spielen muss? Nein. Aber wenn er für die Mannschaft spielt, bekommt er immer meinen Respekt und meine Zuneigung. Gegen eine Mannschaft mit drei Innenverteidigern und Schienenspielern ist es für Flügelspieler sehr schwierig. Brahim hat es innen sehr gut gemacht und war sehr wichtig für die Mannschaft. Natürlich gab es Situationen, in denen der Vinícius in Topform das Spiel entscheidet. Das hat er gegen mein Benfica gemacht: eine Umschaltsituation beim Stand von 1:1 und das Spiel war vorbei. Aber wer alles gibt, ist nicht verpflichtet, noch mehr zu geben. Und er hat heute alles gegeben.“
Auch bei Mbappé kommentierte Mourinho die Reaktion des Stadions nicht.
Über die Pfiffe gegen Mbappé: „Ich kommentiere keine Reaktionen des Publikums. Das mache ich heute nicht und ich werde es auch bis zu meinem letzten Tag hier nicht tun. Als er vom Platz gegangen ist, habe ich ihm einen Kuss gegeben. Für mich bedeutet das Respekt für seine Arbeit für die Mannschaft.“
Courtois, Valverde und ein improvisiertes Mittelfeld
Mourinho war mit dem Ergebnis zufrieden, nicht aber mit der fehlenden Kontrolle über weite Strecken.
Über seine Gesamtbewertung: „Das Spiel hätte 6:5 oder 6:6 enden können. Es war verrückt. Eine Art von Wahnsinn, die mir nicht gefällt. Ich möchte fünf, sechs oder sieben Tore schießen können, ohne dafür einen vollkommen unglaublichen Torhüter zu benötigen. Wenn Courtois heute nicht MVP geworden ist, dann wird er es wahrscheinlich nie. Damit möchte ich Fede nichts wegnehmen.“
Der Portugiese erklärte auch, warum er nicht früher wechselte.
Über die Wechselmöglichkeiten: „Ich konnte einige Dinge nicht so machen, wie ich es gerne getan hätte – zum Beispiel früher wechseln. Die Intensität von Inter ist irgendwann gesunken, aber wir hatten nicht viele Spieler zur Verfügung, die uns helfen konnten, mehr Kontrolle zu bekommen. Das Tor von Valverde war kein Zufall. Es war eine großartige Interpretation von ihm und von uns. Wir haben gegen eine sehr starke Mannschaft gespielt. Unser Mittelfeld wollte, aber konnte irgendwann nicht mehr. Drei sehr wichtige Punkte. Ich bin überzeugt, dass wir uns qualifizieren werden.“
Besonders Trent Alexander-Arnold lobte Mourinho für seinen Einsatz auf ungewohnter Position.
Über Trent im Mittelfeld: „Er hat es sehr gut gemacht. Sowohl er als auch Valverde haben gut gearbeitet. Natürlich hatte er auch ein paar Ballverluste, aber das ist normal. Es ist nicht einfach, im Zentrum zu spielen. Auch die Intensität auf dieser Position ist schwierig, selbst wenn er dort schon für die Nationalmannschaft gespielt hat. Er hat alles gegeben, solange er auf dem Platz stand. Dafür bin ich ihm dankbar.“
Auch Tchouaméni bekam Anerkennung.
Über Tchouaménis Einsatz: „Ich bin auch Tchouaméni dankbar. Er hat kein einziges richtiges Training mit der Mannschaft absolviert. Das, was ihr gestern gesehen habt, war eher dazu da, euch ein bisschen zu täuschen. Ich bin ihm für seinen Einsatz sehr dankbar.“
Mourinho über Anspruch, Inter und die Entwicklung von Real Madrid
Die Reaktion des Bernabéu wollte Mourinho nicht im Detail analysieren, stellte aber klar, dass die Ansprüche bei Real Madrid außergewöhnlich hoch sind.
Über den Anspruch des Klubs: „Ich werde das Stadion nicht kommentieren. Neulich haben wir Betis völlig dominiert und trotzdem haben dort 60.000 Menschen weiter Druck gemacht. Betis ist ein großer Klub, aber Real Madrid ist etwas anderes. Die Leute hier erwarten ein anderes Niveau. Euch gefallen diese Fragen. Ich bin auf niemanden wütend. Wir machen weiter.“
Auch Inter bewertete Mourinho sehr hoch.
Über Inter: „Inter ist für mich die beste Mannschaft Italiens. Ich sehe eigentlich nur Roma mit genug Beinen, um in ihre Nähe zu kommen. Inter dominiert dort und hat Champions-League-Finals gespielt. Es ist eine sehr starke, ambitionierte Mannschaft.“
Gleichzeitig sieht Mourinho in Real Madrid weiterhin enormes Potenzial.
Über die Entwicklung des Teams: „Real Madrid ist perfekt dafür geeignet, große Dinge zu erreichen. Mit manchen Spielern habe ich wegen der Weltmeisterschaft mehr gearbeitet, mit anderen weniger. Wir stehen noch ganz am Anfang. Es fehlt noch sehr viel.“
RMXpress Fazit
Mourinho ging nach dem 2:1 gegen Inter nicht den einfachen Weg und erklärte den Sieg auch nicht zum Beweis dafür, dass schon alles funktioniert. Im Gegenteil: Er sah ein wildes Spiel, in dem beide Mannschaften viel zu viele Räume offenließen und Real Madrid sich mehrfach auf Courtois verlassen musste.
Gleichzeitig verteidigte er seine Spieler konsequent. Vinícius bekommt trotz fehlender Topform Unterstützung, solange Einsatz und Arbeit stimmen. Trent und Tchouaméni erhielten Anerkennung für Rollen, die unter schwierigen Voraussetzungen entstanden waren.
Besonders auffällig war erneut Mourinhos Blick auf Details. Die beiden Tore waren für ihn nicht bloß Inter-Fehler, sondern auch Resultat trainierten Pressings. Damit bleibt das Bild ähnlich wie nach den ersten Wochen der Saison: Real Madrid gewinnt, entwickelt sich sichtbar weiter – ist aber noch weit von jener Stabilität entfernt, die Mourinho am Ende sehen will.
UEFA Champions League
1. Spieltag
Real Madrid
2:1
Inter
