Mourinho explodiert nach Derby-Pleite: „Ich will nicht glauben, dass das alles vorbereitet war“

José Mourinho hat nach dem 1:2 bei Atlético Madrid eine außergewöhnlich scharfe Pressekonferenz gehalten. Der Real-Trainer kritisierte die Entscheidungen von Ortiz Arias und VAR Trujillo Suárez, zeigte Fotos zweier umstrittener Szenen und sprach offen über sein Misstrauen – betonte aber zugleich, keinen geplanten Nachteil für Real Madrid unterstellen zu wollen.

Mourinho über die zwei Szenen: „Das sind für mich klare Rote Karten“

Mourinho brauchte nach dem Derby nur wenige Sekunden, um deutlich zu machen, worüber er sprechen wollte. Der Portugiese legte ausgedruckte Bilder der Zweikämpfe von Cuti Romero gegen Jude Bellingham und Kang-in Lee gegen Federico Valverde vor sich.

Für ihn waren beide Situationen spielentscheidend.

Über die beiden Szenen in der ersten Halbzeit: „Wir könnten uns die Pressekonferenz eigentlich sparen, denn die Geschichte des Spiels liegt hier vor uns. Das sind für mich zwei klare Rote Karten. Natürlich hatten wir später große Schwierigkeiten bei zehn gegen elf. Aber dann können wir uns auch vorstellen, wie 50 Minuten mit elf gegen neun ausgesehen hätten. Deshalb kann ich meine Spieler nur umarmen. Sie haben alles gegeben, eine erste Halbzeit mit großer Klasse und Persönlichkeit gespielt, und dieses Spiel hätte in der zweiten Halbzeit gewonnen werden können.“

Mourinho richtete seine Kritik anschließend ausdrücklich an die Verantwortlichen für die Schiedsrichteransetzungen.

Über Ortiz Arias: „Der Ausschuss für die Schiedsrichteransetzungen muss zufrieden sein, denn das alles war sehr seltsam. Eine Woche vor dem Spiel wussten wir bereits, wer der Schiedsrichter sein würde, obwohl mir gesagt wurde, dass solche Ansetzungen normalerweise 24 Stunden vorher bekannt gegeben werden. Dann setzt man einen Schiedsrichter an, der mit 41 Jahren noch kein internationaler Schiedsrichter ist. Das wird wohl nicht daran liegen, dass er ein großartiger Schiedsrichter ist.“

Über den Druck im Metropolitano: „Der arme Mann ist hierhergekommen und konnte mit dem Druck nicht umgehen. Das war ein Druck, den ich als den Druck der 80er-Jahre bezeichne – so etwas sieht man heutzutage nur noch selten.“


Harte Kritik am VAR: „Oder gibt es in Las Rozas Druck, von dem wir nichts wissen?“

Noch deutlicher wurde Mourinho bei VAR Trujillo Suárez. Dabei machte er ausdrücklich deutlich, dass er dessen frühere Entscheidungen in Spielen von Real Madrid kritisch betrachtet.

Über VAR Trujillo Suárez: „Herr Trujillo, der heute VAR war, hat eine sehr umfangreiche Geschichte als VAR bei Spielen von Real Madrid. Bei der ersten Roten Karte hat er den Schiedsrichter offenbar gerufen. Bei der zweiten, die für mich sogar noch klarer ist, glaube ich, dass er es nicht getan hat. Wenn man beim Schiedsrichter sagen kann, dass ihm Erfahrung und die Dimension für ein Derby gefehlt haben, dann gilt das für den VAR nicht.“

Mourinho stellte anschließend eine rhetorische Frage.

Über die Situation im VAR-Raum: „Dieser Mann hat dort keinen Druck. In Las Rozas gibt es keinen Druck. Oder vielleicht gibt es dort Druck und wir wissen nichts davon.“

Seinen Angriff auf die Ansetzung fasste er entsprechend bissig zusammen.

Über die Kombination aus Schiedsrichter und VAR: „Ein Schiedsrichter, der bisher vor allem kleinere Spiele gepfiffen hat, und dazu dieser VAR mit seiner Geschichte – dann kann ich dem Ausschuss für die Schiedsrichteransetzungen nur gratulieren.“


Huijsen-Rot, Tabellenlage und Mourinhos Rückblick auf LaLiga

Bei der Roten Karte gegen Dean Huijsen wollte Mourinho unmittelbar nach dem Spiel dagegen kein endgültiges Urteil fällen.

Über Huijsens Platzverweis: „Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Szene noch nicht auf dem iPad gesehen habe. Sie war sehr weit weg, deshalb kann ich sie nicht beurteilen. Im Kabinengang sagen mir einige, dass das Foul außerhalb des Strafraums beginnt. Wenn das so ist, wäre es Freistoß, Rot und weiterhin 0:0. Wenn es innerhalb des Strafraums ist und er klar am Trikot zieht, dann wäre es Elfmeter und Rot. Aber ich habe die Szene selbst noch nicht gesehen.“

Für Mourinho lag der entscheidende Punkt ohnehin vorher.

Über die Auswirkungen der ersten Halbzeit: „Das alles passiert in der zweiten Halbzeit. Wir sprechen aber vorher über ein Derby, das aus meiner Sicht elf gegen neun hätte gespielt werden müssen. In der zweiten Halbzeit waren wir zehn gegen elf und man hat gesehen, wie schwierig das war. Meine Spieler mussten alles geben, nur um konkurrenzfähig zu bleiben. Stell dir elf gegen neun vor. Im Fußball gibt es keine Wunder.“

Nach der Niederlage wollte Mourinho die sportliche Lage ebenfalls nicht beschönigen.

Über den bisherigen Saisonstart: „Natürlich wollen wir Erster sein. Nicht Zweiter, Dritter, Vierter oder Fünfter. Natürlich wollen wir mehr Punkte. Aber wir sind Ende September und es liegt noch sehr viel vor uns.“

Dann verwies er auf weitere Schiedsrichterentscheidungen der vergangenen Wochen, die er für problematisch hält.

Über seine Wahrnehmung der vergangenen Spieltage: „Es sind Dinge passiert, die sich ansammeln. Ein aberkanntes Tor von Osasuna, ein Elfmeter in San Sebastián, ein Elfmeter für Barcelona, eine nicht gegebene Rote Karte gegen Athletic – für mich sind das Situationen, über die man diskutieren muss.“


„Ich dachte, ich würde eine andere Liga vorfinden“

Besonders bemerkenswert wurde Mourinhos Auftritt, als er einen Vergleich mit seiner ersten Amtszeit bei Real Madrid zog. Der Portugiese hatte Spanien 2013 verlassen.

Über seine Rückkehr nach LaLiga: „Ich dachte, ich würde eine andere Liga vorfinden als die, die ich damals verlassen habe. Mir wurde gesagt, dass das nicht der Fall ist, und man hat mir erklärt, warum sie nicht anders sein soll. Aber wir machen weiter. Wir werden kämpfen.“

Trotz seiner massiven Kritik stellte Mourinho klar, dass er seinen Spielern keinen Vorwurf macht.

Über seine Mannschaft: „Die Jungs gehen traurig nach Hause, natürlich. Aber sie gehen mit der Umarmung ihres Trainers. Ich respektiere sehr, was sie auf dem Platz erlebt haben. Ich mochte meine Mannschaft als Team. In der ersten Halbzeit sehr, und in der zweiten war es natürlich extrem schwierig, gegen eine gute Mannschaft mit einem Spieler weniger den Ball zu halten und deren Ballbesitz zu stoppen. Aber ich mochte unseren Stolz und unsere Entschlossenheit. Das ist für mich trotz des Ergebnisses ein positives Gefühl.“


„Ich will glauben, dass der Ausschuss sich einfach geirrt hat“

Auf die direkte Frage, ob Mourinho glaube, dass der Meisterschaftskampf unter diesen Umständen schwieriger werde, formulierte er seine schärfste Passage.

Dabei ging er bis an die Grenze eines Manipulationsvorwurfs – zog diese Grenze anschließend aber selbst.

Über gleiche Bedingungen im Meisterschaftskampf: „Wenn man uns in Ruhe lässt und uns unter den gleichen Bedingungen wie alle anderen konkurrieren lässt, ist noch sehr viel möglich. Ich will nicht so weit gehen und sagen, dass das alles vorbereitet war. Ich will das nicht glauben.“

Anschließend relativierte er ausdrücklich.

Über die Schiedsrichteransetzung: „Ich möchte glauben, dass der Schiedsrichterausschuss einfach einen Fehler gemacht hat. Sie haben sich geirrt. Sie haben einen 41-jährigen Schiedsrichter angesetzt, der noch nie in einer solchen Situation war, und dazu einen VAR, dessen Geschichte gegen Real Madrid für mich sehr auffällig ist. Sie haben sich geirrt. Mehr nicht.“


Negreira-Frage: Mourinho antwortet mit Ironie

Zum Ende der Pressekonferenz wurde Mourinho auch auf den sogenannten Negreira-Komplex angesprochen. Gefragt wurde, ob er glaube, die aktuelle Liga sei dadurch belastet. Mourinho antwortete knapp und ironisch.

Über die Negreira-Frage: „Negreira ist doch nicht mehr da, oder? Oder ist er noch da? Wenn er nicht mehr da ist, dann ist die Liga auch nicht durch Negreira belastet. Wenn er nicht mehr da ist …“

Damit endete eine Pressekonferenz, die in ihrer Schärfe stark an Mourinhos erste Real-Madrid-Amtszeit erinnerte.


RMXpress Fazit

José Mourinho hat nach dem Derby nicht versucht, seinen Ärger zu verstecken. Seine Hauptkritik richtete sich auf die beiden nicht mit Rot geahndeten Szenen der ersten Halbzeit, die Auswahl von Ortiz Arias für ein Derby dieser Größenordnung und die Rolle des VAR. Dabei ging Mourinho sprachlich sehr weit.

Entscheidend ist allerdings die Unterscheidung zwischen seiner Kritik und belegbaren Tatsachen: Der Portugiese äußerte massives Misstrauen, behauptete aber nicht als Tatsache, dass die Partie oder die Schiedsrichteransetzung gezielt gegen Real Madrid vorbereitet worden seien.

Im Gegenteil: Er sagte ausdrücklich, daran nicht glauben zu wollen und von Fehlern des Schiedsrichterausschusses auszugehen.

Sportlich stellte er sich vollständig vor seine Mannschaft. Nach einer Derby-Niederlage, die ohnehin für Diskussionen sorgen dürfte, verschiebt sich damit ein großer Teil der Aufmerksamkeit nun auf das spanische Schiedsrichterwesen.

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