Real Madrid, Florentino und die Entscheidung für Madrid
Mbappé macht keinen Hehl daraus, wie sehr Real Madrid für ihn schon vor seinem Wechsel eine besondere Bedeutung hatte.
Über seine Erwartungen an Real Madrid: „Ja, es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe den besten Klub der Welt erwartet und die ganze Begeisterung des Madridismo auf der ganzen Welt. Als ich hierherkam, hatte ich schon einen gewissen Status. Aber wenn du Spieler von Real Madrid wirst, gehst du noch einmal auf ein anderes, höheres Niveau. Ich glaube, wenn du Teil der Geschichte des Fußballs sein willst, musst du irgendwann für Real Madrid spielen.“
Auch sein persönliches Leben in Madrid beschreibt er durchweg positiv.
Über sein Leben in Spanien: „Ich habe hier mehr Ruhe gefunden. In Frankreich hatte ich weniger davon. Ich wollte eine neue Kultur kennenlernen und mich schnell an Spanien anpassen. Natürlich fehlt mir noch ein bisschen, aber ich glaube, dass ich mich jeden Tag besser einlebe. Ich hatte nie einen Moment, in dem ich mich hier unglücklich gefühlt habe. Nur am Anfang, als ich noch kein eigenes Zuhause hatte, war es etwas seltsam. Sobald ich mein Haus hatte, war ich in Madrid und in Spanien immer glücklich.“
Über Madrid als Stadt: „Ich lebe sehr gut in Madrid. Wirklich.“
Das Santiago Bernabéu bezeichnet er weiterhin als außergewöhnlichen Ort.
Über das Bernabéu: „Zu hundert Prozent. Nicht ein Prozent weniger als erwartet. Jede Woche im Bernabéu zu spielen, ist ein Privileg. Die Unterstützung der Fans ist enorm. In Spanien habe ich sogar etwas gefunden, das ich nicht erwartet hatte: Unterstützung aus dem ganzen Land. Ich lebe sehr gerne hier. Es war das erste Mal, dass ich mein Heimatland verlassen habe, und diese Entscheidung war ein wichtiger Moment in meinem Leben. Ich bin sehr glücklich, sie getroffen zu haben.“
Auch die emotionale Wirkung des Stadions habe nichts verloren.
Über die Magie des Bernabéu: „Es ist immer emotional. Du spürst das Gewicht der Geschichte. Jedes Spiel ist anders. Alles, was vorher passiert ist, wird vergessen und es geht nur darum, was jetzt kommt. Du hast immer wieder die Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen. Das gibt es nicht in jedem Stadion der Welt. Ich weiß, dass wir noch viele magische Nächte dort erleben werden. Es gibt keinen besseren Ort auf der Welt als eine magische Nacht im Bernabéu.“
Florentino Pérez spielte für seinen Wechsel eine besondere Rolle.
Über Florentino Pérez: „Er ist derjenige, der mich hierhergebracht hat. Wir waren schon zehn Jahre vor meinem Wechsel immer wieder in Kontakt. Er hat mir bei jeder Entscheidung Verständnis und Zuneigung gezeigt – auch dann, wenn die Entscheidung nicht gut für Real Madrid war. Er hat mir immer gesagt, dass ich eines Tages für Real Madrid spielen werde. Jetzt bin ich hier und sehr glücklich. Dafür muss ich ihm danken. Er ist der beste Präsident der Welt.“
Kylian Mbappé
Angriff
12Spiele
12Tore
3Assists
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Mourinho, Tore und die Rolle als Mannschaftsspieler
Mbappé kennt in Madrid inzwischen mehrere Trainer, sieht in Mourinho aber eine besondere Persönlichkeit.
Über Ancelotti, Xabi Alonso, Arbeloa und Mourinho: „Alle vier sind wichtige Figuren des Spiels. Es ist ein Privileg, Teil ihrer Laufbahn gewesen zu sein. Ich habe von allen etwas gelernt, weil sie Fußball völlig unterschiedlich sehen. Sie sind Gewinner. Aber bei Mourinho ist es schon etwas anders. Er ist einer der intelligentesten Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Er ist ein Anführer. Das wusste ich schon, bevor er kam. Aber wenn du ihn jeden Tag erlebst, merkst du, dass er wirklich besonders ist – ein legendärer Trainer, der seine Zeit geprägt hat und das auch mit uns weiter tun wird.“
Mourinhos Auftrag an Mbappé fällt dabei erwartungsgemäß einfach aus.
Über Mourinhos Forderung: „Er hat mir keine Zahl genannt. Er hat einfach gesagt: Schieß Tore.“
Mbappé selbst will sich dabei keine Grenzen setzen.
Über persönliche Torziele: „Ich setze mir keine feste Zahl. Du weißt nie, was in einer Saison passiert. Eine Zielzahl zu nennen, wäre für mich eine Grenze – und ich will keine Grenze. Wenn ich viele Tore schieße, bin ich glücklich. Wenn es weniger sind, kann ich trotzdem glücklich sein. Wichtig ist, in jedem Spiel der Mannschaft zu helfen.“
Das 3:2 in Elche dient für ihn als Beispiel.
Über die Vorlage auf Carlos Espí: „Natürlich. Ich will gewinnen, deshalb muss ich den Ball abspielen. Ich glaube, ich hätte selbst schießen können, aber Espí stand völlig frei und das war zu hundert Prozent ein Tor. In diesem Moment habe ich keine Sekunde daran gedacht, selbst abzuschließen.“
Auch die Kritik, er würde „nur Tore schießen“, nimmt Mbappé inzwischen gelassener.
Über Kritik an seinem Spiel: „Das ist eine Meinung. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass jeder im Fußball seine eigene Sicht hat und man das akzeptieren muss. Manchmal sehen Menschen das Spiel genauso wie du, manchmal nicht. Es gibt nicht nur eine Art, Fußball zu gewinnen. Es gibt Millionen Wege. Deshalb höre ich zu. Wenn jemand über Fußball sprechen will, mit einer klaren Idee und Struktur, bin ich offen. Davon kann man lernen.“
Ballon d’Or: „Er muss zurück ins Bernabéu“
Beim Thema Ballon d’Or formuliert Mbappé ein klares Ziel.
Über seine Chancen: „Vielleicht war es ein gutes Jahr. Aber es liegt nicht bei mir. Mein Ziel ist immer, meinen Mitspielern zu helfen, mein Maximum zu geben und die Menschen zu überzeugen, die abstimmen.“
Sein stärkstes Argument sieht er auf dem Platz.
Über seinen wichtigsten Fürsprecher: „Meine beste Verteidigung sind meine Füße. Ich kann viel reden, aber am Ende zählt, was ich auf dem Platz mache.“
Dann wird Mbappé deutlich.
Über den Ballon d’Or und Real Madrid: „Für mich ist das Wichtigste, dass der Ballon d’Or wieder zu Real Madrid zurückkehrt. Er muss zurück ins Bernabéu, zurück zu den Madridistas, zu all diesen Menschen, um ihnen Freude zu geben. Diese Menschen verdienen es mehr als alle anderen. Wer für Real Madrid spielt, kämpft um alle Auszeichnungen. Der Ballon d’Or gehört dazu und ich werde versuchen, ihn zurück nach Madrid zu bringen.“
Lamine Yamal nennt er als großes Talent, ohne eine direkte Rivalität aufzubauen.
Über Lamine Yamal: „Er ist ein Spieler mit sehr viel Talent und ich habe das Gefühl, dass er eine große Karriere vor sich hat. Ich wünsche ihm, seiner Familie und seinen Leuten nur das Beste.“
Vinícius, Bellingham, Güler, Diomande und Espí
Mbappé sieht Real Madrids Offensive nicht als feste Hierarchie, sondern als Zusammenspiel unterschiedlicher Profile.
Über seine Verbindung zu Vinícius und Bellingham: „Sie sind sehr unterschiedlich. Auf dem Platz machen sie völlig verschiedene Dinge. Es gibt Situationen, in denen ich mich mit Jude besser verstehe, andere mit Vini, mit Güler, Brahim, Diomande oder Espí.“
Espí hebt er dabei besonders hervor.
Über Carlos Espí: „Er wird in dieser Saison viele Tore machen. Er hat eine natürliche Verbindung zum Tor.“
Auch Yan Diomande sieht er als langfristiges Projekt mit großem Potenzial.
Über Yan Diomande: „Er ist noch auf einem Teil seines Weges. Wir bauen gerade die Verbindungen zwischen den Spielern und als Mannschaft auf. Diomande gehört jetzt dazu. Schon an seinem ersten Tag in Valdebebas hat man gesehen, dass er Qualität hat. Danach sprechen die Leute über 140 Millionen und solche Dinge. Aber er ist 19 Jahre alt. Die Qualität ist da. Wir sehen das jeden Tag und er hat schon gezeigt, was er kann. Wir versuchen ihn zu schützen – wie alle Spieler im Kader. Eine Saison ist lang und wenn wir um alle Titel kämpfen wollen, können wir das nicht nur mit elf Spielern tun.“
Real Madrid steht über allem
Für Mbappé ist klar, dass die Mannschaft nicht aus privaten Freundschaften bestehen muss.
Über Freundschaften in einer Mannschaft: „Wir müssen gut sein, zusammenstehen und für ein gemeinsames Ziel arbeiten. Müssen alle Freunde sein? Nein. Wichtig ist, dass wir gemeinsam für Real Madrid arbeiten.“
Über öffentliche Interpretationen: „Heute wird durch soziale Medien alles beobachtet: ob jemand die Hand gibt, ob jemand lächelt oder nicht. Deshalb entstehen viele Geschichten, die manchmal gar nicht stimmen. Das Wichtigste ist Real Madrid.“
Mbappé formuliert es noch deutlicher.
Über die Priorität des Klubs: „Real Madrid ist wichtiger als jeder Einzelne. Wichtiger als jede Beziehung und jede persönliche Ambition. Es ist Real Madrid.“
Die Weltmeisterschaft, Spanien und Frankreich
Auch die vergangene Weltmeisterschaft war Thema.
Über die Niederlage gegen Spanien: „Sie haben gewonnen und im Fußball hat derjenige recht, der gewinnt. Wir haben unseren Plan am Anfang nicht gut umgesetzt. Wenn du gegen eine Mannschaft, die den Ball kontrollieren will, zurückliegst, wird es schwieriger. Es war kein guter Tag und bei einer Weltmeisterschaft gibt es kein Rückspiel. Wir haben nicht das Spiel gemacht, das nötig gewesen wäre.“
Frankreich sieht er weiterhin als Weltklasse-Nation, aktuell aber nicht als Nummer eins.
Über die beste Nationalmannschaft der Welt: „Ich sage immer: Wer gewinnt, dominiert. Und im Moment ist Spanien die Mannschaft, die dominiert, weil sie gewonnen hat. Wir sind immer im Rennen, haben Qualität und Spieler, aber man muss anerkennen, was ist. Spanien ist aktuell die beste Mannschaft der Welt.“
Tore als Obsession
Mbappé spricht offen darüber, wie stark ihn Tore antreiben.
Über Spiele ohne Treffer: „Ich brauche keine drei oder vier Spiele. Eines reicht. Ein Spiel ohne Tor ist schon hart. Aber ich mag dieses Gefühl, weil es mich wütender und entschlossener macht. Wenn du gewohnt bist, immer zu treffen, merken die Leute sofort, wenn du zwei Spiele nicht triffst. Das treibt mich an, im nächsten Spiel noch entschlossener zu sein.“
Über das Toreschießen: „Es ist nicht nur Kunst. Es ist eine Art zu sein und Fußball zu sehen. Du brauchst eine Obsession für Tore. Jeder große Torjäger hatte eine besondere Beziehung zum Tor. Es ist ein Gefühl von Freude und Vollständigkeit, das du immer wieder erleben willst.“
Über die Schwierigkeit: „Wenn es einfach wäre, würde jeder Tore schießen. Für mich ist es das Schwierigste im Fußball. Aber jede Position ist schwer. Bei Real Madrid arbeitet auf und neben dem Platz jeder auf absolutem Spitzenniveau.“
Derby, Bernabéu und die Botschaft an die Fans
Mit Blick auf das Derby gegen Atlético erwartet Mbappé ein Spiel, in dem Charakter gefragt sein wird.
Über das Derby: „Das ist ein Spiel, das du immer spielen willst. Es gibt sehr viel Spannung und es bedeutet dem Madridismo viel – uns Spielern auch. Solche Partien willst du spielen. Auswärts gefällt mir das sogar besonders. Dort siehst du die Persönlichkeit eines Spielers. Wir wollen unsere Siegesserie mit Einsatz, Engagement und Persönlichkeit fortsetzen.“
Barcelona betrachtet er trotz des starken Starts nicht als Thema.
Über Barcelona: „Gut für sie. Ich spreche nicht gerne über andere Mannschaften, weil ich nicht dort bin und nicht weiß, was sie machen. Sie haben Spiele gewonnen, aber die Saison hat gerade erst begonnen.“
Zum Abschluss richtet Mbappé eine klare Botschaft an die Madridistas.
Über den Anspruch des Bernabéu: „Anspruch. Das ist meine Botschaft. Es ist Real Madrid und ich verstehe das. Die Menschen sehen manchmal, dass wir gewinnen, obwohl ein Spiel schwierig war. Sie müssen aber auch verstehen, dass wir das Bernabéu brauchen. Es ist das beste Stadion der Welt und wir haben die besten Fans der Welt. Wenn sie hinter uns stehen, sind wir viel stärker.“
Gleichzeitig versteht er die Ungeduld.
Über die vergangene Saison: „Wir haben vergangene Saison nichts gewonnen und die Leute sind es leid. Einen Teil davon verstehe ich vollkommen. Aber sie müssen auch verstehen: Wenn wir Titel gewinnen wollen, schaffen wir das nicht ohne sie.“
Sein Wunsch ist deshalb eindeutig.
Über die Einheit mit den Fans: „Ich bitte nur darum, dass wir gemeinsam gehen – Hand in Hand. Dann werden wir viel stärker sein und um alles kämpfen können.“
RMXpress Fazit
Mbappés erstes großes Interview mit einer spanischen Sportzeitung zeigt vor allem eines: Er fühlt sich endgültig bei Real Madrid angekommen. Der Franzose spricht nicht mehr wie ein Spieler, der gerade seinen Kindheitstraum erfüllt hat, sondern wie jemand, der Verantwortung für die nächste Phase des Klubs übernehmen will.
Florentino ist für ihn der beste Präsident der Welt, Mourinho ein außergewöhnlicher Anführer und das Bernabéu der Ort, an dem Fußballgeschichte geschrieben wird. Gleichzeitig ist sein persönlicher Ehrgeiz unverändert. Mbappé will Tore. Er will den Ballon d’Or. Er will große Nächte.
Aber er ordnet all das einem Gedanken unter: Real Madrid steht über allem.
