Vom Shootingstar zur Randfigur
Noch zu Beginn des Jahres galt Franco Mastantuono als eines der spannendsten Projekte bei Real Madrid. Ein Spieler, in den bewusst investiert wurde, ein Talent, dem man Zeit geben wollte – und das unter zwei Trainern seine Chancen erhielt.
Doch nur wenige Wochen später hat sich das Bild komplett verändert.
Die Zahlen zeichnen ein klares und zugleich ernüchterndes Bild: In den letzten zwei Monaten kam Mastantuono gerade einmal auf 60 Einsatzminuten. Seit dem 1. Februar, als er noch 60 Minuten gegen Rayo spielte, spielt er praktisch keine Rolle mehr.
Besonders auffällig ist die Verteilung seiner Spielzeit unter Álvaro Arbeloa. Von seinen insgesamt 442 Minuten entfallen 382 Minuten auf die ersten sechs Spiele – das sind rund 86 %. In den darauffolgenden elf Partien blieb lediglich ein Rest von 14 %.
Eine Entwicklung, die nicht schleichend, sondern abrupt kam. Fast so, als hätte jemand den Stecker gezogen.
In der aktuellen Länderspielpause kam der Argentinier in zwei Spielen zu einem Einsatz mit 45 Minuten Spielzeit. Das entspricht 75% der Spielzeit in den letzten zwei Monaten bei seinem Verein.
Der Aufstieg unter Xabi Alonso – und die erste Bremse
Seine Geschichte bei Real Madrid begann vielversprechend. Unter Xabi Alonso war Mastantuono früh Teil der Rotation, teilweise sogar ein Fixpunkt.
In 12 seiner ersten 14 Spiele kam er zum Einsatz, neunmal davon in der Startelf. Trotz durchwachsener Leistungen hielt man an ihm fest – auch, weil sein Talent unübersehbar war.
Doch bereits in dieser Phase zeichnete sich ein Problem ab: körperliche Instabilität.
Eine hartnäckige Pubalgie, deren erste Symptome bereits Monate zuvor auftraten, sorgte für extreme Schwankungen. Es gab Tage, an denen Mastantuono dominierte – und andere, an denen ihm selbst einfache Bewegungen schwerfielen. Die Konsequenz war eine rund 40-tägige Pause.
Und wie so oft im Profifußball gilt: Wer einmal raus ist, hat es schwer, wieder reinzukommen.
Arbeloas Vertrauen – und die verpasste Chance
Mit dem Trainerwechsel zu Álvaro Arbeloa bekam Mastantuono eine neue Chance – vielleicht sogar seine größte. Der neue Coach setzte bewusst auf ihn, wollte ihn entwickeln, ihn durch Minuten stabilisieren. In fünf der ersten sechs Spiele stand Mastantuono in der Startelf, im sechsten kam er zur Halbzeit.
Die Botschaft war klar: Vertrauen.
Doch genau hier liegt der Knackpunkt. Mastantuono konnte dieses Vertrauen nicht konstant zurückzahlen. Ein starkes Spiel gegen Monaco wurde von schwächeren Auftritten abgelöst. Gute Ansätze wechselten sich mit Unsichtbarkeit ab. Es fehlte die Konstanz, die auf diesem Niveau entscheidend ist. Und in einem Kader wie dem von Real Madrid gibt es für Unbeständigkeit wenig Geduld.
Brahim als Wendepunkt
Parallel dazu nutzte ein anderer Spieler seine Chance: Brahim Díaz.
Während Mastantuono schwankte, lieferte Brahim. Spiel für Spiel, Situation für Situation. Besonders in den großen Spielen als er Kylian Mbappé ersetzte – im Etihad oder im Derby – war er präsent, mutig, entscheidend.
Das veränderte die Hierarchie im Team. Arbeloa musste entscheiden – und entschied sich für den Spieler, der ihm aktuell mehr Sicherheit gibt.
So einfach ist Fußball manchmal. Mastantuono verlor seinen Platz nicht in einem Moment – sondern Schritt für Schritt. Und irgendwann war der Abstand so groß, dass er kaum noch eine Rolle spielte.
Zwei Monate im Schatten
Seit Anfang Februar ist Mastantuono praktisch verschwunden.
In mehreren Spielen stand er ohne Einsatzminute auf dem Platz oder gar nicht im Kader. Wenn er spielte, dann meist nur für wenige Minuten.
Die Rote Karte gegen Getafe verschärfte die Situation zusätzlich mit einer Sperre von zwei Spielen. Sie nahm ihm Rhythmus – und Vertrauen.
Seitdem kam lediglich ein kurzer Einsatz gegen Manchester City hinzu. Im Etihad? Keine Minute. Im Derby? Keine Minute.
Für einen Spieler, der kurz zuvor noch gesetzt war, ist das ein drastischer Absturz.
Druck, Erwartung – und Realität
Die Ablösesumme von über 45 Millionen Euro ist ein Faktor, der nicht ignoriert werden kann.
Sie bringt Erwartungen mit sich. Und diese Erwartungen erfüllt Mastantuono bislang nicht.
Seine Bilanz:
- 27 Spiele
- 3 Tore
- 1 Assist
- rund 30 % der möglichen Einsatzzeit
Das ist keine Katastrophe – aber deutlich unter dem, was man sich erhofft hat.
Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass er 18 Jahre alt ist und seine erste Saison in Europa spielt. Ein Alter, in dem Entwicklung selten geradlinig verläuft. Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, wie man darauf reagiert.
RMXpress-Fazit
Franco Mastantuono steht an einem kritischen Punkt seiner Karriere.
Er hat das Vertrauen bekommen – und es aktuell verloren. Er hat sein Talent gezeigt – aber noch nicht konstant bestätigt.
Doch genau solche Phasen entscheiden über große Karrieren.
Jetzt geht es nicht mehr um Talent. Jetzt geht es um Mentalität.
Real Madrid beobachtet. Und Mastantuono muss liefern.
