Cucurella über Real Madrid: „Wenn wir Titel gewinnen, spricht niemand mehr über den Stil“

Marc Cucurella hat im Gespräch mit „El Larguero“ ausführlich über seinen Start bei Real Madrid gesprochen. Der Linksverteidiger erklärt, warum ihn die schnelle Kritik des Bernabéu überrascht hat, wie er die Verbindung zu Vinícius verbessern will und weshalb er die Debatte über unterschiedliche Spielstile für zweitrangig hält.

Bernabéu-Pfiffe: „Hier geht das schnell“

Cucurella erlebte beim 2:1 gegen Inter seinen ersten großen Champions-League-Abend im Bernabéu für Real Madrid. Die Partie begann erfolgreich, wurde in der zweiten Halbzeit aber deutlich unruhiger. Das Publikum reagierte mit Pfiffen – und das früher, als Cucurella erwartet hatte.

Über die Reaktion der Fans: „Ich bin daran gewöhnt, weil ich ein Spieler bin, der relativ häufig ausgepfiffen wird. Deshalb ist das nichts völlig Neues für mich. Aber ein bisschen überrascht hat es mich schon. Ich dachte: Hier geht das schnell.“

Besonders eine Szene blieb ihm im Kopf.

Über den Beginn gegen Inter: „Ich erinnere mich daran, dass Inter angestoßen hat und wir in der zweiten Minute noch gar nicht am Ball gewesen waren. Und das Stadion hat schon gepfiffen, obwohl wir eigentlich noch gar keine Zeit gehabt hatten.“

Cucurella versteht diese Reaktion jedoch nicht ausschließlich negativ. Für ihn gehört der hohe Anspruch zur Identität des Klubs.

Über die Erwartungen im Bernabéu: „Dieses Publikum hat viele großartige Spieler gesehen und viele magische Nächte erlebt. Deshalb sehe ich das eher als Warnsignal. Es bedeutet: Ihr habt Qualität, also könnt ihr es besser machen.“

Auch die unmittelbare Wirkung auf dem Platz empfindet er nicht nur als Belastung.

Über den Druck von den Rängen: „Es hat auch etwas Gutes. Wenn das Stadion Druck macht, machst du selbst ebenfalls mehr. Du gehst raus und presst stärker.“

Cucurella hofft, selbst bald Teil jener besonderen Bernabéu-Abende zu werden, die er früher nur aus der Ferne verfolgt hat.

Über seinen Wunsch: „Ich habe große Lust, irgendwann eine dieser Nächte zu erleben, die ich früher im Fernsehen gesehen habe. Hoffentlich darf ich selbst eine davon erleben.“

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„Es ist ein Prozess“ – Cucurella über Mourinhos Real Madrid

Der Start in die Saison verlief für Real Madrid nicht ohne Probleme. Gerade nach dem Derby gegen Atlético wurde erneut über Spielweise, Abstände und defensive Stabilität diskutiert.

Cucurella verweist darauf, dass die Mannschaft weiterhin dabei ist, sich unter José Mourinho zu entwickeln.

Über die Spielidee: „Es sind unterschiedliche Spielstile. Bei Real Madrid laufen wir aufgrund der Eigenschaften unserer Spieler sehr viel, greifen sehr schnell an und müssen dadurch manchmal auch sehr viel zurücklaufen.“

Für den Spanier ist entscheidend, dass die Mannschaft zunächst eine stabile Grundlage entwickelt.

Über den Entwicklungsprozess: „Es ist ein Prozess. Natürlich würden wir alle gerne jedes Spiel deutlich gewinnen. Aber wichtig ist, eine gute Basis aufzubauen. Am Ende werden die entscheidenden Dinge in den letzten Monaten der Saison entschieden.“

Der frühe Saisonverlauf sei deshalb nicht der endgültige Maßstab.


Vinícius und Cucurella müssen sich noch finden

Ein Schwerpunkt seiner bisherigen Wochen bei Real Madrid ist die Abstimmung mit Vinícius Júnior auf der linken Seite. Cucurella machte deutlich, dass beide bislang kaum gemeinsame Trainingszeit hatten.

Über die Zusammenarbeit mit Vinícius: „Ich habe praktisch keine Trainingsspiele mit Vini gehabt. Wir sind direkt in den Wettbewerb gegangen. Für ihn ist es wahrscheinlich anders, mit mir zu spielen als mit den Außenverteidigern, die er vorher hatte. Auch das ist ein Prozess.“

Gleichzeitig lobte er den Einsatz des Brasilianers.

Über Vinícius‘ Arbeit für die Mannschaft: „Was ich sehe und wie sehr er sich bemüht, gefällt mir sehr. Vielleicht ist Defensivarbeit nicht seine größte Stärke oder das, worin er am meisten glänzt, aber ich sehe, dass er für die Mannschaft arbeitet und versucht, seinen Teil beizutragen. Das ist ein guter Anfang.“

Cucurella selbst muss sein Offensivspiel ebenfalls an die Dynamik der Real-Stars anpassen.

Über seine Rolle auf der linken Seite: „Vinícius, Mbappé und Bellingham laufen sehr gerne in die Tiefe. Für uns Außenverteidiger ist es dadurch schwieriger, bis zur Grundlinie nachzurücken, weil dafür manchmal schlicht die Zeit fehlt. Wir Verteidiger müssen uns an ihren Stil anpassen – und sie sich nach und nach auch an unseren.“


Mbappé und Vinícius verändern das gesamte System

Cucurella sieht es als völlig normal an, dass Spieler wie Mbappé und Vinícius aufgrund ihrer offensiven Qualitäten die Struktur einer Mannschaft prägen. Dabei entstehen zwangsläufig große Abstände.

Über die Rollenverteilung im Team: „Die einen wollen Tore schießen, die Verteidiger wollen verteidigen und die Mittelfeldspieler wollen spielen. Wir müssen Schritt für Schritt lernen, gemeinsam zu arbeiten und zu verstehen, wann wir schnell spielen und wann wir mehr Ballbesitz brauchen.“

Genau daran werde im Training gearbeitet.

Über die interne Arbeit: „Wir sitzen alle im selben Boot. Natürlich würden wir gerne dominant spielen und jedes Spiel ohne Gegentor gewinnen. Aber die Saison ist lang. LaLiga hat 38 Spieltage.“

Cucurella betonte zugleich, dass sich die Mannschaft keine großen Ausrutscher mehr erlauben könne.

Über die aktuelle Situation: „Es stimmt, dass wir nicht mehr viel Spielraum für Fehler haben. Aber für mich ist wichtig, dass die Mannschaft sehr verbunden ist und große Lust hat, sich zu verbessern, ihre beste Version zu zeigen, zusammenzuhalten und etwas Bedeutendes zu erreichen.“


Laufleistung, Abstände und Balance

Cucurella ging im Gespräch auch auf eine Statistik ein, nach der Real Madrid aktuell zu den laufschwächsten Teams der Liga gehören soll. Die Zahl überraschte ihn.

Über die Laufleistung: „Dass wir das Team sind, das in LaLiga am wenigsten läuft, überrascht mich, denn eigentlich laufen wir sehr viel. Vielleicht wird jetzt über solche Statistiken gesprochen, weil wir das Derby und gegen Betis verloren haben. Hätten wir jedes Spiel gewonnen, würde niemand darüber sprechen.“

Gleichzeitig wollte Cucurella die Zahlen nicht einfach wegwischen.

Über die Konsequenz daraus: „Am Ende sind die Zahlen da. Also müssen wir sie verbessern – oder jedes Spiel gewinnen, damit nicht so viel darüber gesprochen wird. Vielleicht müssen wir etwas mehr investieren und einige Dinge verbessern.“

Für den Linksverteidiger hängt die Problematik aber nicht nur mit der absoluten Laufleistung zusammen, sondern auch mit der Art, wie Real Madrid angreift.

Über die Abstände im Spiel: „Manchmal greifen wir zu schnell an und stehen dadurch zu weit auseinander. Wir müssen wissen, wann wir das Tempo erhöhen und wann wir mehr Ballbesitz haben müssen.“

Genau darin sieht Cucurella einen der zentralen Entwicklungsschritte der Mannschaft. Die offensive Qualität ist vorhanden, doch Real Madrid muss noch besser erkennen, wann ein schneller Angriff sinnvoll ist und wann es wichtiger ist, den Ball zu sichern und die Mannschaft kompakt nachrücken zu lassen.


Barcelona-Vergleich: „Es gibt keinen besseren oder schlechteren Stil“

Auch der Unterschied zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona war Thema des Interviews. Cucurella widerspricht jedoch der Vorstellung, dass zwischen beiden Mannschaften grundsätzlich ein qualitativer Abstand bestehe.

Über den Vergleich mit Barcelona: „Ich glaube nicht, dass es um einen Abstand geht. Es sind vor allem unterschiedliche Spielstile.“

Zur Erklärung blickte er auf frühere erfolgreiche Real-Madrid-Mannschaften zurück.

Über Real Madrids Tradition: „Ich erinnere mich immer an Real Madrid mit der BBC, die neun Tore geschossen haben und die Hälfte davon nach Kontern. Oder an die Champions-League-Titel mit Vinícius und Benzema vorne. Was die Menschen mit Real Madrid verbinden, sind diese Konter und schnellen Umschaltmomente.“

Für Cucurella gibt es deshalb keinen grundsätzlich richtigen oder falschen Ansatz.

Über die Stil-Debatte: „Das sind völlig unterschiedliche Stile. Der eine ist nicht besser und der andere nicht schlechter. Der Schlüssel zum Erfolg ist zu gewinnen – unabhängig vom Stil.“

Und genau daran werde die Mannschaft letztlich gemessen.

Über den bisherigen Start: „Wenn die Saison so endet, wie wir alle es uns wünschen, wird sich niemand mehr an diesen Start oder die beiden Niederlagen erinnern.“

Der Gedanke passt zu seiner grundsätzlichen Einschätzung der Mannschaft. Real Madrid befindet sich für Cucurella noch mitten in einem Entwicklungsprozess und wird letztlich nicht an einzelnen schwierigen Wochen, sondern an den Ergebnissen am Saisonende gemessen.


Mourinho überrascht Cucurella positiv

Auch über José Mourinho sprach Cucurella. Der Spanier hatte vor seiner Ankunft offenbar ein anderes Bild vom Portugiesen und zeigte sich von dessen Umgang mit der Mannschaft positiv überrascht.

Über Mourinho: „Er hat mich überrascht. Er ist ein guter Mensch, sehr nahbar und immer gut gelaunt. Ich hoffe, dass wir gemeinsam eine erfolgreiche Zeit haben werden.“

Bei einer deutlich humorvolleren Frage wollte Cucurella allerdings keine Versprechen machen. Angesprochen darauf, ob er sich Mourinho tätowieren lassen würde, falls Real Madrid die Champions League gewinnt, reagierte er lachend.

Über ein mögliches Mourinho-Tattoo: „Nein, bringt mich nicht in diese Situation.“ (lacht)


„Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung“

Cucurella sprach außerdem über seinen Wechsel zu Real Madrid und mögliche andere Optionen.

Über Barcelona und Atlético: „Es gab kein wirkliches Interesse von Barcelona oder Atlético Madrid. Ich bin glücklich mit der Entscheidung, die ich getroffen habe.“

Damit machte der Linksverteidiger deutlich, dass er seinen Wechsel nach Madrid trotz des schwierigen Saisonstarts nicht infrage stellt.


RMXpress Fazit

Marc Cucurella beschreibt seinen Start bei Real Madrid ohne Ausflüchte. Das Bernabéu fordert schnell, die Abstimmung mit Vinícius ist noch nicht perfekt und die Mannschaft läuft in schnellen Umschaltmomenten große Wege. Gleichzeitig muss sie lernen, zwischen Tempo und Kontrolle besser zu unterscheiden.

Cucurella sieht darin keinen grundsätzlichen Widerspruch zur Geschichte des Klubs. Real Madrid hat über Jahrzehnte auf unterschiedliche Arten gewonnen – mal mit mehr Kontrolle, mal mit mehr Direktheit, mal mit spektakulären Kontern.

Damit spricht er einen der wichtigsten Punkte der bisherigen Saison offen an: Real Madrid braucht nicht zwingend mehr Tempo, sondern bessere Kontrolle darüber, wann dieses Tempo eingesetzt wird. Die Mannschaft muss kompakter werden, ohne ihre größte offensive Stärke – das schnelle Umschalten – zu verlieren.

Seine Botschaft bleibt trotzdem optimistisch: Mourinho hat ihn positiv überrascht, er steht zu seiner Entscheidung für Real Madrid und ist überzeugt, dass sich bei einem erfolgreichen Saisonende kaum noch jemand für die schwierigen ersten Wochen interessieren wird.

Für Cucurella entscheidet deshalb am Ende nur eines: Titel. Wenn Real Madrid gewinnt, wird die Diskussion über den Stil von selbst leiser.

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