Regierung lässt möglichen Verstoß prüfen
Die Äußerungen von Javier Tebas über Real Madrid TV haben nun auch ein sportrechtliches Nachspiel. Der spanische Sportrat Consejo Superior de Deportes (CSD) ist von Amts wegen tätig geworden und hat den Fall dem Tribunal Administrativo del Deporte (TAD) vorgelegt.
Der LaLiga-Präsident hatte die Kommunikationsmethoden von Real Madrid und dessen Klub-TV mit Propagandamechanismen verglichen, die von Joseph Goebbels im nationalsozialistischen Deutschland eingesetzt wurden. Real Madrid reagierte darauf mit deutlicher Kritik und forderte den sofortigen Rücktritt von Tebas — genauso wie die Presse.
Nun soll das TAD prüfen, ob die Aussagen möglicherweise gegen Artikel 76.4.b des spanischen Sportgesetzes aus dem Jahr 1990 verstoßen. Dieser stuft öffentliches Verhalten, das die Würde oder den Anstand des Sports verletzt, als schweren Verstoß ein. Im Raum steht damit auch eine mögliche Amtsenthebung beziehungsweise Sperre. Ob ein entsprechendes Verfahren eröffnet oder eine Sanktion ausgesprochen wird, ist allerdings noch offen.
CSD verweist auf Respekt und sportliches Zusammenleben
In seiner Begründung beruft sich der CSD auf die bisherige Rechtsprechung des TAD und des spanischen Obersten Gerichtshofs. Demnach stehen die Würde und der Anstand des Sports in engem Zusammenhang mit einem respektvollen Umgang zwischen Personen, die verantwortungsvolle Positionen im Sport bekleiden.
Der CSD erklärte: „Der CSD ist von Amts wegen und im Rahmen seiner Zuständigkeiten tätig geworden. Er hat das TAD, ein in seinen Entscheidungen unabhängiges Kollegialorgan, darum gebeten zu beurteilen, ob diese Äußerung Hinweise auf einen möglichen Verstoß gegen Artikel 76.4.b des Sportgesetzes 10/1990 enthält.“
Weiter heißt es: „Aus Sicht des CSD ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Sportinstitutionen jene Werte schützen, die den Sport zu einem Raum des Respekts, des Zusammenlebens und des Fair Play machen.“
Mit dem Prüfantrag fällt die endgültige Bewertung zunächst dem TAD zu. Das Sportgericht muss dabei sowohl den konkreten Wortlaut als auch den Kontext der Aussagen untersuchen.
Tebas weist die Vorwürfe zurück
Tebas hatte bereits vor dem offiziellen Antrag scharf auf José Manuel Rodríguez Uribes, den Präsidenten des CSD, reagiert. Er verteidigte seine Äußerungen mit dem Argument, dass sich der Vergleich ausschließlich auf propagandistische Methoden bezogen habe – nicht auf die nationalsozialistische Ideologie oder die Anhänger von Real Madrid.
Nach der Entscheidung des CSD veröffentlichte Tebas eine ausführliche Stellungnahme und warf der Behörde eine einseitige Vorgehensweise vor.
Javier Tebas: „Eine weitere. Wieder ein Antrag des CSD beim TAD und erneut die Schlagzeilen über meine mögliche Amtsenthebung. Die Begründungen ändern sich, die Beharrlichkeit bleibt dieselbe. Wir haben damit gerechnet: Jeder Vorwand würde ausreichen.“
Der LaLiga-Präsident kritisierte insbesondere, dass öffentliche Anschuldigungen aus dem Umfeld von Real Madrid gegen den spanischen Fußball und das Schiedsrichterwesen aus seiner Sicht keine vergleichbare Reaktion ausgelöst hätten.
Javier Tebas: „Wir haben vom Staatssekretär für Sport und von den Verantwortlichen des CSD kein einziges kritisches Wort zu den Vorwürfen gehört, die die Führung von Real Madrid und der Klub-TV gegen LaLiga und das Schiedsrichterwesen erheben: Korruption, ein verfälschter Wettbewerb und Meisterschaften, die ihnen ‚gestohlen‘ worden seien. Kein einziges Wort. Warum?“
Tebas beharrte darauf, dass seine ursprüngliche Veröffentlichung ausdrücklich zwischen Propagandatechniken und der nationalsozialistischen Ideologie unterschieden habe. Über Inhalt und Kontext müsse nun das TAD entscheiden. Falls nötig, wolle er seine Position auch vor ordentlichen Gerichten verteidigen.
Javier Tebas: „Den Wettbewerb zu verteidigen bedeutet auch, denjenigen zu antworten, die ihn ständig diskreditieren. Das gehört zu meiner Verantwortung – und ich werde sie weiterhin wahrnehmen.“
Weitere juristische Auseinandersetzung angekündigt
Parallel dazu kündigte die Vereinigung Transparencia y Democracia en el Deporte rechtliche Schritte gegen Rodríguez Uribes und Raúl Rodríguez Porras, den stellvertretenden Generaldirektor für Sportrecht, an. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf einer möglichen pflichtwidrigen Untätigkeit.
Der Vorsitzende der Vereinigung, Miguel Ángel Galán, behauptet, neun frühere Beschwerden gegen Tebas seien seit mehr als einem Jahr nicht an das TAD weitergeleitet worden. Die angekündigte Klage steht somit nicht unmittelbar wegen der aktuellen Äußerungen von Tebas im Raum, sondern betrifft den bisherigen Umgang des CSD mit anderen Eingaben.
Ob diese rechtlichen Schritte tatsächlich zu einem Verfahren führen, bleibt ebenso abzuwarten wie die Entscheidung des TAD im aktuellen Fall.
RMXpress Fazit
Mit dem Antrag des CSD ist der Konflikt zwischen Javier Tebas und Real Madrid endgültig über die Ebene öffentlicher Wortgefechte hinausgewachsen. Nun muss ein unabhängiges Sportgericht beurteilen, ob der umstrittene Vergleich noch von der Meinungsfreiheit gedeckt ist oder die Grenzen des sportlichen Anstands überschritten hat.
Von einer bereits feststehenden Amtsenthebung kann keine Rede sein. Dennoch erhöht das Einschreiten des CSD den Druck auf den LaLiga-Präsidenten erheblich. Zugleich zeigt seine ausführliche Reaktion, dass Tebas nicht an einen Rückzug denkt und die Auseinandersetzung notfalls auch vor weiteren Gerichten führen will.
