Mourinho vor dem Clásico: „Wir sind noch lange kein fertiges Produkt“

José Mourinho hält seine Aufstellung und den Matchplan für den Clásico geheim. Auf Fermíns Kritik an den Schiedsrichterdiskussionen reagiert der Real-Trainer mit einem vielsagenden Konter.

„Beim Clásico zählt die bisherige Form nicht“

José Mourinho präsentierte sich vor dem Clásico zurückhaltender als gewöhnlich. Konkrete Hinweise auf seine Aufstellung oder taktische Ausrichtung gab der Trainer von Real Madrid nicht. An Selbstvertrauen mangelte es ihm dennoch nicht.

Über den Zustand seiner Mannschaft:

„Wir befinden uns in einer guten Phase, spielen gut und erzielen Tore. Aber in einem Clásico zählt nicht, was man vorher gemacht hat. Das hat keinen Einfluss. Dieses Spiel ist wirklich anders.“

Für Mourinho steht die weltweite Bedeutung des Duells über den beteiligten Trainern und Spielern.

Über seine Rückkehr ins Camp Nou:

„Es gibt mindestens zwei Clásicos pro Saison. Es spielt keine Rolle, wer Trainer ist. Entscheidend ist die weltweite Bedeutung dieses Spiels. Es gibt noch andere wichtige Duelle, aber dies ist der einzigartige Clásico. Die Welt bleibt stehen.“

Auf die Frage, ob das Spiel beim FC Barcelona zum entscheidenden Titeltest für Real Madrid werde, antwortete Mourinho gewohnt selbstbewusst.

Über die Titelchancen:

„Nein. Real Madrid gewinnt mit Mourinho Titel.“

Auch die Frage nach seinem seit mehreren Wochen getragenen Bart nahm der Portugiese mit Humor.

Über einen möglichen Aberglauben:

„Ich bin überhaupt nicht abergläubisch. Sehe ich mit dem Bart schrecklich aus? Muss ich ihn verändern? Ich gehöre zu den wenigen Menschen im Fußball, die keinen Aberglauben haben.“


„Wir sind noch lange kein fertiges Produkt“

Mourinho widersprach dem Eindruck, Real Madrid müsse bereits nach wenigen Monaten unter seiner Leitung wie eine vollständig entwickelte Mannschaft auftreten. Sein Team befinde sich weiterhin am Anfang eines längeren Prozesses.

Über den öffentlichen Vergleich mit Barcelona:

„Wenn die Leute vor einer Woche gedacht haben, dass wir eine deutliche Niederlage kassieren werden, werden sie das vermutlich weiterhin denken. Dass positiv über Barcelona gesprochen wird, betrifft mich nicht. Um ehrlich zu sein, gibt es Phasen, in denen sie das verdienen, weil sie sehr gute Dinge machen.“

Über die Entwicklung von Real Madrid:

„Wir werden dagegen wie ein fertiges Produkt betrachtet. Das ist im Fußball sehr schwierig. Wir befinden uns noch nicht in einer fortgeschrittenen Phase dieses Prozesses. Wir arbeiten erst seit drei Monaten zusammen. Während der Vorbereitung kamen jede Woche zwei weitere Spieler dazu, anschließend folgte die Länderspielpause. Wir sind weit davon entfernt, ein fertiges Produkt zu sein.“

Der gegenseitige Lernprozess zwischen Mannschaft und Trainer sei noch nicht abgeschlossen.

José Mourinho:

„Wir befinden uns in einer frühen Phase. Der Trainer lernt die Spieler kennen, analysiert sie und legt die Richtung fest. Gleichzeitig lernen die Spieler den Trainer kennen. Eine Mannschaft in diesem Zustand mit einem Team zu vergleichen, das seit mehreren Jahren zusammenarbeitet, halte ich nicht für fair.“

Barcelonas 2:4-Niederlage in Paris erwartet Mourinho nicht als entscheidenden Faktor für den Clásico.

Über Barcelonas Niederlage:

„Ich glaube nicht, dass eine Niederlage ihre Einstellung oder ihr Selbstvertrauen verändert. Bei mir wäre das genauso gewesen, wenn wir gegen Leipzig mit 1:4 verloren hätten.“


Scharfe Antwort auf Fermíns Schiedsrichter-Aussage

Beim Thema Schiedsrichter blieb Mourinho zunächst zurückhaltend. Auf Berichte über die mögliche Ansetzung von José Luis Munuera Montero reagierte der Portugiese überrascht. Entscheidend sei für ihn nicht der Name des Referees, sondern der Umgang mit den geltenden Abläufen.

Über den möglichen Clásico-Schiedsrichter:

„Das überrascht mich ein wenig. Der Name eines Schiedsrichters stört mich nie. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass der Schiedsrichter gut ist. Was mich stört, ist, wenn Regeln gebrochen werden.“

Mourinho kritisierte vor allem, dass unterschiedliche Namen öffentlich kursierten, ohne dass Real Madrid eine offizielle Information erhalten habe.

José Mourinho:

„Vor drei Wochen wurde ein Name genannt, jetzt ist es ein anderer. Intern hat mir aber noch niemand gesagt, welcher Schiedsrichter es sein wird.“

Barcelonas Fermín López hatte zuvor erklärt, die ständigen Diskussionen über die Schiedsrichter seien ermüdend. Mourinho reagierte darauf mit einem kurzen, aber deutlich interpretierbaren Konter.

Über die Aussage von Fermín:

„Was soll ich dazu sagen? Uns ermüden andere Dinge – und sie passieren weiterhin.“


Keine Hinweise auf Aufstellung und Matchplan

Seine taktischen Pläne wollte Mourinho nicht öffentlich diskutieren. Auch auf wiederholte Nachfragen ließ er sich keine Informationen über die mögliche Formation oder die offensive Ausrichtung entlocken.

Über seinen Plan für den Clásico:

„Darauf werde ich dir nicht antworten. Stell besser eine andere Frage. Über unsere Pläne, die Aufstellung oder die Struktur werde ich nichts sagen.“

Als derselbe Journalist anschließend wissen wollte, ob Real Madrid gezielt Barcelonas Defensive angreifen werde, reagierte Mourinho lachend.

José Mourinho:

„Du bist schlau – aber ich bin nicht dumm!“

Einen besonderen Plan, der die gesamte Struktur seiner Mannschaft allein auf Lamine Yamal ausrichtet, schloss der Real-Trainer aus.

Über Lamine Yamal:

„Sie sind alle gute Spieler, genau wie bei Real Madrid. Er ist ein großartiger Spieler, und großartige Spieler muss man respektieren. Respekt zu haben ist aber etwas anderes, als seine Pläne und Strukturen zu verändern oder die eigene Identität zu vergessen. Das werden wir nicht tun – weder wegen ihm noch wegen eines anderen Spielers mit außergewöhnlicher Qualität.“

Auch Barcelonas Trainer Hansi Flick würdigte Mourinho, ohne sich ausführlicher mit dem Gegner beschäftigen zu wollen.

Über Hansi Flick:

„Ich verstehe diese Fragen über die Gegner nicht. Er ist ein großartiger Trainer und leistet hervorragende Arbeit. Was soll ich sonst sagen?“

Die Rückkehr ins Camp Nou löse bei ihm zudem keine außergewöhnliche Anspannung aus.

Über das Spiel im Camp Nou:

„Es ist wie eine Reise in jedes andere Stadion. Wir sprechen über eine Mannschaft mit sehr viel Qualität. Aber es passiert nichts Besonderes.“


RMXpress Fazit

Mourinho hielt seine sportlichen Karten konsequent verdeckt. Weder bei der Aufstellung noch bei der taktischen Herangehensweise ließ sich der Portugiese vor dem Clásico in die Karten schauen. Gleichzeitig nahm er den Druck von einer Mannschaft, die sich nach seiner Einschätzung noch mitten in ihrer Entwicklung befindet.

Beim Schiedsrichterthema blieb er dagegen seiner Linie treu. Der kurze Konter auf Fermíns Aussage war bewusst mehrdeutig, aber keineswegs zufällig. Mourinho vermied eine neue offene Eskalation, machte jedoch deutlich, dass die jüngsten Diskussionen im spanischen Fußball innerhalb von Real Madrid keineswegs abgehakt sind.

25.10.2026 · 21:00 La Liga 10. Spieltag
Barcelona 1:2 Real Madrid
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