Mbappé landet hinter Kane auf Platz zwei
Kylian Mbappé hat seinen ersten Ballon d’Or denkbar knapp verpasst. Bei der Verleihung am Montagabend im London Palladium wurde der Angreifer von Real Madrid hinter Harry Kane Zweiter. Lamine Yamal komplettierte das Podium.
Für den 33-jährigen Kane ist es der erste Gewinn der Auszeichnung. Der Stürmer des FC Bayern München wurde damit zum ersten englischen Sieger seit Michael Owen im Jahr 2001. Zusätzlich erhielt er den Preis als bester Torjäger.
Wie eng die Entscheidung ausfiel, verdeutlichten die anschließenden Aussagen von Vincent García, Chefredakteur von France Football. Demnach lag Mbappé lange vorn, ehe sich Kane am Ende durchsetzte. Nach den bereitgestellten Angaben von France Football betrug der Abstand weniger als 40 Punkte – und damit weniger als die 41 Punkte, die Rodri und Vinícius Júnior 2024 getrennt hatten.
Für Mbappé bleibt trotz der Enttäuschung eine persönliche Bestmarke: Zum neunten Mal in Folge steht er unter den besten zehn der Wahl. Als erstem Franzosen gelang ihm eine solche Serie.
Real Madrid war mit vier Spielern unter den 30 Nominierten vertreten. Jude Bellingham belegte Rang elf, Vinícius wurde 17., Marc Cucurella landete auf Platz 18. Bei der Kopa-Trophäe für den besten Nachwuchsspieler erreichte Yan Diomande den fünften Platz. Die Auszeichnung gewann Yamal.
France Football erklärt die knappe Entscheidung
García beschrieb das Rennen zwischen Kane und Mbappé als außergewöhnlich eng. Zugleich würdigte er die Saison des Franzosen.
Über das Duell um Platz eins:
„Der Kampf zwischen Kane und Mbappé war sehr eng. Der Unterschied war sogar geringer als zwischen Rodri und Vinícius 2024, als es 41 Punkte waren – und das war bereits ein sehr knapper Abstand. Mbappé lag lange vorn, aber am Ende setzte sich Kane durch. Mbappé hat eine außergewöhnliche Saison gespielt. Der Kampf zwischen Harry Kane und Kylian Mbappé um den ersten Platz war in diesem Jahr unglaublich knapp.“
Dass Spaniens Weltmeister trotz ihres Erfolgs keinen Sieger stellten, erklärte García mit der Verteilung der Stimmen und der kollektiven Stärke der Mannschaft.
Über Rodri, Yamal und die spanische Nationalmannschaft:
„Ich glaube tatsächlich, dass sich die Stimmen innerhalb der spanischen Weltmeistermannschaft auf Rodri und Lamine Yamal verteilt haben. Ich denke, Rodri hat Lamine bei dieser Wahl Stimmen weggenommen. Es gab eine gewisse Streuung der Stimmen unter den Spaniern, und vor allem zeichnete sich Spanien als Mannschaft aus. Deshalb war es schwierig, eine einzelne Leistung über die anderen zu stellen.“
Auch die Außendarstellung von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain spielte nach seiner Einschätzung eine Rolle. Mit Khvicha Kvaratskhelia auf Rang sechs, Ousmane Dembélé auf Platz sieben und Fabián Ruiz auf Position zehn waren gleich drei PSG-Spieler in den Top Ten vertreten.
Über die Kandidaten von Paris Saint-Germain:
„Anders als Madrid mit Mbappé haben andere Mannschaften im Hinblick auf den Ballon d’Or eine schlechte Kampagne geführt, etwa PSG. Ich denke, sie hätten auf Ousmane Dembélé setzen sollen. Diese Spieler sind Europapokalsieger, dennoch wurde Kvaratskhelia Sechster, Ousmane Siebter und Fabián Ruiz Zehnter. Meiner Meinung nach war die Kommunikation von PSG nicht ganz klar: Zunächst versuchte man, drei Spieler zu bewerben, anschließend zwei. Ich denke, sie hätten einen einzigen Kandidaten unterstützen sollen, und das hätte Ousmane Dembélé sein müssen.“
Diese Aussagen erklären Garcías Sicht auf das Ergebnis. Sie erlauben allerdings keine genaue Aussage darüber, wie einzelne Juroren ihre Stimmen tatsächlich verteilt oder welche Bedeutung sie der öffentlichen Unterstützung der Vereine gegeben haben.
Die Top Ten des Ballon d’Or 2026
- Harry Kane
- Kylian Mbappé
- Lamine Yamal
- Rodri Hernández
- Lionel Messi
- Khvicha Kvaratskhelia
- Ousmane Dembélé
- Erling Haaland
- Michael Olise
- Fabián Ruiz
Drei Torjägerkronen reichen Mbappé nicht zum Sieg
Mbappés Bewerbung beruhte auf einer außergewöhnlichen persönlichen Torbilanz. Wie Real Madrid in seiner offiziellen Mitteilung hervorhob, wurde der Franzose in der Saison 2025/26 mit 25 Treffern Torschützenkönig von LaLiga und mit 15 Toren bester Torjäger der Champions League.
Bei der anschließenden Weltmeisterschaft gewann er mit zehn Treffern ebenfalls den Goldenen Schuh. Zudem avancierte er dort zum erfolgreichsten Torschützen der WM-Geschichte.
Die Wahl bewertete die Leistungen der Saison 2025/26. Nach Angaben des Vereins gehörte der internationalen Jury jeweils ein Fachjournalist aus jedem der 100 bestplatzierten Länder der FIFA-Rangliste an. Die Auszeichnung wurde zum 70. Mal vergeben.
Auch die weiteren Madrider Nominierten hatten Argumente vorzuweisen. Vinícius erzielte in der vergangenen Vereinssaison 22 Tore und bereitete neun weitere vor. Bellingham kam auf acht Treffer und zwei Vorlagen. Bei der Weltmeisterschaft traf der Brasilianer viermal, der Engländer siebenmal.
Cucurella wechselte nach Madrid, nachdem er maßgeblich zum Weltmeistertitel der spanischen Nationalmannschaft beigetragen hatte.
Mbappé gratuliert Kane schon vor der Entscheidung
Vor Beginn der Gala hatte Mbappé einen möglichen Erfolg seines Konkurrenten ausdrücklich als gerechtfertigt bezeichnet.
Über Kane als möglichen Sieger:
„Harry Kane? Es wäre verdient!“
Eine Siegerrede hatte der Madrider Angreifer nach eigener Aussage nicht vorbereitet.
Über eine mögliche Dankesrede:
„Ob ich für den Fall eines Sieges ein paar Worte vorbereitet habe? Nein, nein. Das würde Unglück bringen. Mal sehen.“
Auch zu seiner öffentlichen Wahrnehmung und seinem sportlichen Anspruch äußerte sich der Franzose.
Über seine Außenwirkung:
„Ich weiß, dass ich für Gesprächsstoff sorge. Ich weiß, dass mich nicht jeder lieben kann. Ich werde mich nicht ändern. Ich bleibe ich selbst.“
Über seine Ziele:
„Ich versuche, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Ich versuche, meine Grenzen zu verschieben und so weit wie möglich zu kommen.“
Real Madrid TV erkannte Kanes Erfolg nach der Bekanntgabe ebenfalls an, verband die Reaktion allerdings mit einer Anspielung auf den Austragungsort.
„Und der Gewinner ist Harry Kane. Er ist der Gewinner. Nun, die Buchmacher lagen richtig. Die Verleihung fand in London statt, das ist also verständlich. Kane hatte viele Pluspunkte auf seiner Seite, und der Sieg ist durchaus verdient. Herzlichen Glückwunsch. Und hoffentlich wird Mbappé den Preis bei einer anderen Gelegenheit gewinnen.“
Aus dem Veranstaltungsort allein lässt sich kein Zusammenhang mit dem Abstimmungsergebnis ableiten.
Versehentlich veröffentlichte Artikel sorgen vor der Gala für Verwirrung
Bereits vor der eigentlichen Verleihung hatte die offizielle Ballon-d’Or-Website Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gegen 17 Uhr erschienen dort vorzeitig vorbereitete Beiträge zu möglichen Gewinnern. Zunächst wurde Kane genannt, anschließend waren auch entsprechende Artikel über Yamal und Mbappé zu sehen.
Die Website erklärte daraufhin, dass es sich um versehentlich veröffentlichte Texte gehandelt habe. Die Beiträge seien für unterschiedliche mögliche Ausgänge vorbereitet worden.
„Profile einiger Ballon-d’Or-Nominierter wurden versehentlich online veröffentlicht. Diese Artikel waren für alle Nominierten vorbereitet worden, falls sie die Auszeichnung gewinnen. Sie verraten weder die endgültige Rangliste noch die Podiumsplätze. Diese sind weiterhin niemandem bekannt.“
Die vorzeitigen Veröffentlichungen waren damit nach Darstellung der Verantwortlichen keine Bekanntgabe des tatsächlichen Ergebnisses.
Zusätzlich verzögerte sich die Gala wegen des Straßenverkehrs in London um rund 45 Minuten. Den Sieger der Männerwahl verkündete schließlich Ronaldo Nazário, selbst zweimaliger Gewinner der Auszeichnung.
Putellas gewinnt zum dritten Mal – alle Auszeichnungen im Überblick
Bei den Frauen ging der Ballon d’Or an Alexia Putellas von den London City Lionesses. Die 32-jährige Spanierin gewann zum dritten Mal und zog damit mit der bisherigen Rekordmarke gleich. Sie löste ihre Nationalmannschaftskollegin Aitana Bonmatí als Preisträgerin ab.
Neben den beiden Hauptauszeichnungen wurden Preise für Torjäger, Torhüter, Trainer, Nachwuchsspieler und Vereine sowie für humanitäres Engagement vergeben.
| Auszeichnung | Gewinner |
|---|---|
| Ballon d’Or der Männer | Harry Kane – Bayern München und England |
| Ballon d’Or der Frauen | Alexia Putellas – London City Lionesses und Spanien |
| Bester Torjäger | Harry Kane – Bayern München und England |
| Beste Torjägerin | Charlyn Corral – CF Pachuca und Mexiko |
| Männerverein des Jahres | Paris Saint-Germain |
| Frauenverein des Jahres | FC Barcelona |
| Sócrates-Preis für humanitäres Engagement | Bukayo Saka – Arsenal und England |
| Bester Torhüter | Unai Simón – Athletic Club und Spanien |
| Beste Torhüterin | Cata Coll – FC Barcelona und Spanien |
| Bester Trainer im Männerfußball | Luis de la Fuente – Spanien |
| Bester Trainer im Frauenfußball | Pere Romeu – FC Barcelona |
| Beste Nachwuchsspielerin | Vicky López – FC Barcelona und Spanien |
| Bester Nachwuchsspieler | Lamine Yamal – FC Barcelona und Spanien |
Mbappé verpasst den Anschluss an Madrids Ballon-d’Or-Sieger
Mit einem Erfolg hätte Mbappé als neunter Spieler den Ballon d’Or während seiner Zeit bei Real Madrid gewonnen. Die entsprechende Reihe reicht von Alfredo Di Stéfano bis Karim Benzema.
Di Stéfano gewann 1957 und 1959, dazwischen wurde Raymond Kopa 1958 ausgezeichnet. Beide prägten jene Mannschaft, die den europäischen Vereinsfußball mit fünf aufeinanderfolgenden Europapokalsiegen dominierte.
Später folgten Luís Figo, Ronaldo Nazário und Fabio Cannavaro. Ronaldo erhielt seinen zweiten Ballon d’Or 2002 nach dem WM-Triumph mit Brasilien bereits als Madrider Spieler. Cannavaro wurde 2006 nach Italiens Weltmeistertitel ausgezeichnet.
Cristiano Ronaldo gewann während seiner Jahre in Madrid viermal: 2013, 2014, 2016 und 2017. Luka Modrić folgte 2018 nach einer weiteren erfolgreichen Champions-League-Saison und dem Einzug ins WM-Finale mit Kroatien.
Der bislang letzte Madrider Sieger bleibt Benzema, der 2022 ausgezeichnet wurde. Seine führende Rolle nach Cristiano Ronaldos Abschied und die herausragende Saison 2021/22 machten ihn zum zentralen Kandidaten.
Mbappé war dieser Reihe nun näher als je zuvor. Der zweite Platz bedeutet zugleich, dass sein persönlicher Titelwunsch vorerst unerfüllt bleibt.
RMXpress Fazit
Mbappés zweiter Platz ist angesichts seiner Torjägerkronen in Liga, Champions League und Weltmeisterschaft eine Enttäuschung aus Madrider Sicht. Der äußerst knappe Abstand zeigt allerdings auch, wie überzeugend seine Bewerbung bereits war. Kanes Erfolg lässt sich deshalb anerkennen, ohne Mbappés Leistungen kleinerzureden.
Für den Franzosen liegt die nächste sportliche Aufgabe bei Real Madrid. Sein Doppelpack im Clásico unterstreicht seine Bedeutung für Mourinhos Mannschaft. Entscheidend wird sein, diese individuellen Leistungen mit gemeinsamen Erfolgen zu verbinden – insbesondere mit dem angestrebten ersten Champions-League-Titel seiner Karriere.
Eine Garantie für einen späteren Ballon d’Or wären auch große Vereinstitel nicht. Sie würden seiner Bewerbung jedoch eine zusätzliche Grundlage geben. Für Madrid ist deshalb vor allem wichtig, dass Mbappés außergewöhnliche Torproduktion die Mannschaft ihren Zielen näherbringt. Der nächste persönliche Preis kann daraus entstehen.
