Direkt nach Abpfiff: Mourinho über den Sieg und Militãos Rückkehr
José Mourinho zeigte sich nach dem 4:1-Erfolg gegen den FC Sevilla zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Bevor sich der Portugiese den Fragen auf der Pressekonferenz stellte, analysierte er die Partie bei Real Madrid TV.
Über die entscheidenden Faktoren des Spiels: „Wir haben von Beginn an gut gespielt. Die Spieler waren sehr fokussiert und motiviert und hatten großen Respekt vor einem Gegner, den wir genau analysiert hatten. Unser Zusammenspiel hatte viel Qualität, ebenso die individuellen Aktionen. Nach dem schwierigen Spiel in Rom gab es drei Veränderungen, um der Mannschaft eine andere Dynamik und neue Energie zu geben. Es war durchgehend sehr gut. Das Tor von Sevilla fiel in einem Moment, in dem es niemand erwarten konnte. Danach folgte unsere Reaktion, mit der wir das Spiel endgültig entschieden haben. Für mich war es ein sehr guter Abend. Dann denke ich natürlich auch an die Rückkehr von Militão. Das berührt uns als Gruppe, denn wir haben gesehen, wie sehr er in den vergangenen Monaten gelitten und gearbeitet hat.“
Über den aktuellen Zustand von Éder Militão: „Er ist sehr gut. Nach einer so langen Ausfallzeit trainiert er erst seit drei Wochen wieder mit der Mannschaft. Ihm fehlt noch viel, aber im Training sieht man sein Potenzial. Er ist ein sehr wichtiger Spieler für die Gruppe. Wir müssen noch etwas warten und ihm diese kleinen Möglichkeiten geben, damit sein Selbstvertrauen weiter wächst.“
Mourinho hob damit nicht nur die sportliche Bedeutung des Innenverteidigers hervor. Militãos Rückkehr nach rund sechs Monaten war für den Trainer auch auf menschlicher Ebene ein besonderer Moment.
Real Madrid TV: Teamgeist und der Blick auf Leipzig
Nach der Länderspielpause gewann Real Madrid alle drei bisherigen Begegnungen. Auf den Erfolg gegen Villarreal folgten die spektakuläre Aufholjagd bei der AS Rom und der deutliche Heimsieg gegen Sevilla.
Über die drei aufeinanderfolgenden Siege: „Ich denke, dass wir heute ein großartiges Spiel gemacht haben. In Rom war es eine extrem schwierige Partie, aber die Mannschaft wusste darauf zu reagieren. Wir sind ein Team und arbeiten immer als Team daran, uns zu verbessern. Wir arbeiten erst seit sehr kurzer Zeit zusammen. Es ist schwierig, diese Ruhe zu haben, die andere Trainer bei anderen Vereinen genießen. Aber wir nutzen jede Minute, die wir zur Verfügung haben. Morgen wird wieder trainiert, denn wir spielen gegen eine Mannschaft, die bereits gestern im Einsatz war und dadurch einen Vorteil von 24 Stunden hat.“
Mittlerweile haben zehn verschiedene Spieler in dieser Saison für Real Madrid getroffen. Für Mourinho ist die breite Verteilung der Tore ein Zeichen dafür, dass jeder Akteur auf seine Weise zum Erfolg beiträgt.
Über die vielen verschiedenen Torschützen und den Konkurrenzkampf: „Jeder trägt auf seine Art etwas bei. Courtois spielt auf einem unglaublich hohen Niveau, und das ist auch ein Verdienst von Lunin, wie ich bereits gestern gesagt habe. Es gibt keine eindeutige Möglichkeit, das Leistungsprinzip zu bewerten. Aus meiner Sicht haben wir 24 Spieler, die es verdienen.“
Am Mittwoch empfängt Real Madrid RB Leipzig am dritten Spieltag der Champions League. Nach den Siegen gegen Inter und die AS Rom könnten die Königlichen mit einem weiteren Erfolg den perfekten Start in die Ligaphase fortsetzen.
Über die Bedeutung von neun Punkten aus den ersten drei Champions-League-Spielen: „Das wäre optimal. In diesen acht Spielen gibt es zwei Ziele: Zunächst wollen wir uns für die nächste Runde qualifizieren. Danach wollen wir unter die ersten acht kommen, weil uns das zwei zusätzliche Playoff-Spiele ersparen würde. Real Madrid musste diese Spiele in der vergangenen Saison bestreiten, und solche Partien sind nicht willkommen. Wir haben sechs Punkte gegen die beiden besten italienischen Mannschaften geholt. Leipzig ist ein sehr gutes Team, das angeschlagen zu uns kommt, weil es deutlich gegen Bayern verloren hat. Angeschlagene Mannschaften sind gefährlicher.“
Pressekonferenz: Schiedsrichterdebatte und Bewertung des Spiels
Auf der anschließenden Pressekonferenz wurde Mourinho mit den Aussagen von Sevillas Trainer Luis García Plaza konfrontiert. Die Gäste hatten nach einer Szene zwischen Arda Güler und Peque einen Platzverweis für den türkischen Nationalspieler gefordert.
Mourinho erklärte, dass ihm trotz eigener Nachforschungen keine eindeutigen Bilder der Szene vorgelegt worden seien.
Über Luis García Plazas Kritik am Schiedsrichter: „Ich kommentiere das nicht. Ich möchte den Aussagen von Luis aus dem Weg gehen. Was diese konkrete Szene betrifft, hat mir allerdings niemand zeigen können, was dort angeblich passiert ist und was Luis verärgert hat. Ich habe keine Aufnahme davon. Ich habe nach den Fernsehbildern gefragt und meine Analysten gebeten, die taktische Kamera zu überprüfen. Trotzdem konnte ich nichts von dem erkennen, worüber gesprochen wird. Das sage ich ganz ehrlich. Sollte ich irgendwann der Meinung sein, dass wir bevorteilt wurden, werde ich kein Problem damit haben, das öffentlich zu sagen. Ich glaube allerdings, dass uns sehr viel häufiger das Gegenteil passieren wird. Das ist die natürliche Tendenz der Dinge. Wenn mir bis Samstag eine eindeutige Aufnahme von etwas gezeigt wird, das ich bisher nicht gesehen habe, werde ich mich dazu äußern. Im Moment gibt es aber nichts. Für einen Trainer, der mit vier Toren Unterschied verliert und anschließend die Gelegenheit bekommt, vier oder fünf Fragen zu einer Szene zu beantworten, die nicht passiert ist, ist das natürlich hilfreich. Vielleicht existieren noch andere Kamerabilder, aber momentan gibt es nichts. Hat irgendjemand eine eindeutige Aufnahme gesehen?“
Unabhängig von der strittigen Szene bewertete Mourinho den Auftritt seiner Mannschaft als eine der bislang überzeugendsten Leistungen unter seiner Leitung.
Über die Gesamtleistung gegen Sevilla: „Es war insgesamt ein gutes Spiel, in dem sehr viele Spieler individuell ein hohes Niveau erreicht haben. Wir haben die Partie von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert. Wir haben qualitativ hochwertige Tore erzielt und hatten viel Ballbesitz. Ballbesitz vermittelt nicht immer ein realistisches Bild eines Spiels, aber heute unterstreicht er die Dominanz, die wir hatten. Es geht nicht nur darum zu gewinnen, auch wenn das natürlich das Wichtigste ist. Es geht darum, zu gewinnen, gut zu spielen und positive Gefühle mitzunehmen.“
Auch die Schiedsrichterleistung beim Spiel zwischen Betis und Barcelona wurde thematisiert. Mourinho hatte die Begegnung nach eigener Aussage nicht verfolgt, sondern sich vollständig auf den kommenden Champions-League-Gegner konzentriert.
Über die Schiedsrichterdiskussion nach Betis gegen Barcelona: „Ich habe das Spiel nicht gesehen. Ich habe Leipzig beobachtet. Auch wenn die Spieler vor einem Spiel nicht in ein Trainingslager gehen, mache ich das persönlich meistens trotzdem. Ich bin in dieser Hinsicht von der alten Schule und habe Bayern gegen Leipzig gesehen. Ich schwöre, das ist kein Scherz. Später habe ich dann gehört, was gesagt wurde, aber für mich ist das keine Überraschung. One more day at the office – ein weiterer ganz normaler Arbeitstag.“
Mourinho über Güler, Valverde, Diomande und Vinícius
Mourinho nahm gegen Sevilla mehrere Veränderungen vor. Besonders auffällig waren Gülers Einsatz im zentralen Mittelfeld, Valverdes Versetzung auf die rechte Abwehrseite und Diomandes Startelfnominierung als Ersatz für den gesperrten Vinícius.
Der Trainer wollte aus der erfolgreichen Formation allerdings noch keine Rückschlüsse auf den Clásico ziehen. Zunächst richtet sich seine gesamte Aufmerksamkeit auf das Champions-League-Spiel gegen Leipzig.
Über Arda Güler im zentralen Mittelfeld: „Bis Mittwoch um 23:00 Uhr denke ich ausschließlich an die Champions League. Erst danach werde ich über den Clásico am Sonntag nachdenken. Ich habe einige Dinge verändert, dabei aber eine gewisse Logik beibehalten. Es gab bereits in verschiedenen Phasen anderer Spiele Anzeichen dafür, dass es gut funktionieren könnte. Dieses Thema Leistungsprinzip ist sehr abstrakt. Für mich ist es schwierig zu sagen, welche elf Spieler einen Einsatz am meisten verdienen. Es gibt viele, die es verdient hätten. Man muss sich nur vorstellen: Der Spieler, der in Rom den Siegtreffer erzielt hat, Rüdiger, saß heute auf der Bank und hat keine einzige Minute gespielt. Ich glaube, dass es ein sehr gutes Spiel war.“
Valverde begann auf der rechten Abwehrseite, obwohl mit Trent und Dumfries zwei gelernte Rechtsverteidiger zur Verfügung standen. Der Uruguayer überzeugte Mourinho mit seiner Vielseitigkeit und seiner offensiven Unterstützung für Endrick.
Über Federico Valverde als Rechtsverteidiger: „Das ist Valverde. Er gehört zu den vielseitigsten Spielern im Fußball, kann praktisch überall eingesetzt werden und erreicht dabei ein sehr hohes Niveau. Er hat ein starkes Spiel gemacht. Für einen Trainer ist es nicht einfach, zwei hochwertige Rechtsverteidiger auf der Bank zu lassen. Ich hatte aber das Gefühl, dass uns hinter Endrick ein offensiver Außenverteidiger mit Qualität und Tiefgang sehr helfen würde. Fede hat das sehr gut gemacht. Ich muss ihn von nichts überzeugen. Er ist der Kapitän. Wenn er im Tor spielen muss, gebe ich ihm die Handschuhe und schicke ihn ins Tor.“
Diomande nutzte seine zweite Startelfchance auf der linken Seite und krönte seinen auffälligen Auftritt mit dem Treffer zum 4:1. Mourinho lobte den Ivorer, benannte aber zugleich mehrere Bereiche, in denen sich der junge Flügelspieler noch verbessern müsse.
Über Yan Diomandes Leistung und Entwicklung: „Er muss sich noch stark verbessern. Er ist jung, noch etwas naiv und kein fertiger Spieler. Die Anforderungen hier sind sehr hoch. Statt mit dem Druck der 25 Millionen zu spielen, die für ihn bezahlt wurden, spielt er mit dem Druck von 125 Millionen. Er muss noch vieles verbessern, aber er hat ein großartiges Spiel gemacht. Vor allem beim Abschluss kann er sich weiterentwickeln. Er kommt sehr häufig in gefährliche Bereiche, aber es fällt ihm noch schwer, sich im letzten Moment zu beruhigen, den Kopf zu heben und nach seinen Mitspielern zu schauen. Das wird mit der Zeit kommen. Er erinnert mich an Vinícius, als dieser zu Real Madrid kam. Drei Jahre später war Vinícius ein Spieler von höchstem Niveau.“
Vinícius fehlte gegen Sevilla aufgrund seiner Sperre in La Liga. In der Champions League ist der Brasilianer spielberechtigt und wird gegen Leipzig von Beginn an auflaufen.
Über Vinícius’ Rückkehr in die Startelf: „Er wird am Mittwoch in der Startelf stehen. Die Champions League wird ihn motiviert halten. Er soll ein gutes Spiel machen. Er ist frisch und hat heute körperlich hart gearbeitet, weil er nicht zum Einsatz kam. Hoffentlich läuft es für ihn so, wie er es verdient und wie wir es benötigen. Denn das Leipzig, gegen das wir spielen, ist nicht die Mannschaft, die gegen Bayern verloren hat. Das wird etwas völlig anderes.“
RMXpress Fazit
Mourinhos Aussagen spiegeln einen Trainer wider, der mit der Entwicklung seiner Mannschaft zufrieden ist, aber weiterhin auf interne Konkurrenz und tägliche Arbeit setzt. Der überzeugende Sieg gegen Sevilla soll nicht zum Anlass werden, die kommenden Aufgaben zu unterschätzen.
Die taktischen Entscheidungen des Portugiesen zahlten sich aus. Güler prägte das Zentrum, Valverde funktionierte als offensiver Rechtsverteidiger und Diomande nutzte die Chance auf der linken Seite. Trotzdem vermied Mourinho eine vorzeitige Festlegung für den Clásico.
Besonders bemerkenswert war sein Umgang mit Diomande. Mourinho hob das enorme Potenzial des jungen Flügelspielers hervor, erinnerte gleichzeitig aber daran, dass dessen Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Der Vergleich mit Vinícius zeigt, welche Perspektive der Trainer in ihm erkennt.
Zunächst gilt die volle Konzentration jedoch Leipzig. Mourinho kündigte Vinícius bereits als Startelfspieler an und warnte davor, den kommenden Gegner an dessen deutlicher Niederlage gegen Bayern zu messen.
La Liga
9. Spieltag
Real Madrid
4:1
Sevilla
