Ausgangspunkt: Castaños Artikel und seine Entschuldigung
Den Ausgangspunkt des Videos bildet ein im „ABC“ veröffentlichter Artikel von Juanma Castaño mit dem Titel „El Real Madrid, en guerra“ – auf Deutsch: „Real Madrid im Krieg“. Als Unterzeile ist eingeblendet, es sei blind, die Probleme des Klubs allein auf die Schiedsrichter zu konzentrieren, da deren Ursachen viel weiter zurückreichten.
Besonders hervorgehoben wird eine Passage, in der Castaño Real Madrid TV als eine Art offizielles Sprachrohr des „Ultra-Florentinismo“ bezeichnet und den Sender mit der baskischen Zeitung „Gara“ vergleicht. Anschließend zeigt das Video einen Ausschnitt aus der Sendung „El Partidazo de COPE“, in dem sich der Journalist für diesen Vergleich entschuldigt.
Castaño sagt: „Ich entschuldige mich, ich bitte um Verzeihung dafür, Real Madrid Televisión mit der Zeitung ‚Gara‘ verglichen zu haben.“
Von seiner grundsätzlichen Kritik rückt er in dem gezeigten Ausschnitt jedoch nicht ab. Im Video ist anschließend eine weitere Aussage zu hören: „Für mich lügt Real Madrid Televisión, manipuliert, stellt Menschen an den Pranger und schikaniert sie.“
Genau diese vier Vorwürfe greift Real Madrid als Aufbau für seine Antwort auf. Der Sprecher kündigt an: „Doch jetzt werden wir sehen, wer wirklich lügt, manipuliert, anprangert und schikaniert. Fangen wir an.“
„Er lügt“: Real Madrid zeigt die Reaktion von Toni Kroos
Der erste Themenblock trägt die Bezeichnung „Miente“ – „Er lügt“. Real Madrid blendet einen Beitrag des offiziellen COPE-Accounts ein, in dem von einer überraschenden Entwicklung im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl des Klubs gesprochen wird. Nach Angaben des Beitrags habe Juanma Castaño berichtet, dass der Name Toni Kroos in diesem Zusammenhang wieder aufgetaucht sei.
Darüber ist die Reaktion des früheren Real-Madrid-Spielers zu sehen. Kroos kommentierte den Beitrag ausschließlich mit drei nachdenklichen Emojis: „🤔🤔🤔“
Der Sprecher des Videos bezeichnet die vorangegangene Meldung ausdrücklich als falsch und erklärt, Kroos habe Castaño mit seiner öffentlichen Reaktion bloßgestellt. Eine darüber hinausgehende Erklärung von Kroos oder ein längeres Statement des Deutschen zeigt das Video nicht.
„Er manipuliert“: Zwei völlig unterschiedliche Reaktionen auf Champions-League-Spiele
Im zweiten Block mit der Überschrift „Manipula“ – „Er manipuliert“ – stellt Real Madrid zwei frühere Reaktionen Castaños auf umstrittene Champions-League-Spiele gegenüber.
Zunächst zeigt das Video Szenen aus dem Viertelfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und Juventus im Jahr 2018. Zu sehen sind der späte Zweikampf im Strafraum, der zugunsten der Madrilenen gegebene Elfmeter, Cristiano Ronaldos Tor und die anschließenden Jubelszenen. Real Madrid bewertet die Entscheidung im Video als klaren Strafstoß.
Dazu wird eine damalige Aussage Castaños eingespielt: „Real Madrid steht im Halbfinale dieses Wettbewerbs, und zwar inmitten eines Skandals von weltweitem Ausmaß.“
Unmittelbar danach wechselt das Video zur Champions-League-Partie zwischen Barcelona und Paris Saint-Germain aus dem Jahr 2017. Es werden mehrere Strafraumszenen, Zweikämpfe und Tore der Aufholjagd im Camp Nou gezeigt. Der Sprecher bezeichnet die Partie als eines der größten Skandalspiele, an die man sich in der Champions League erinnern könne. Er verweist dabei auf aus Sicht des Videos nicht gegebene Strafstöße für Paris sowie auf Entscheidungen zugunsten Barcelonas.
Castaños damalige Reaktion klingt in den ausgewählten Ausschnitten deutlich anders: „Das ist kein Datum für die Geschichte von Barça, nicht einmal für die Geschichte des Fußballs. Es ist ein Datum für die Geschichte des Sports. Was heute in Barcelona, im Camp Nou, geschehen ist, ist Sportgeschichte.“
Real Madrid nutzt diese Gegenüberstellung, um Castaño unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe vorzuwerfen. Als zusätzliche Reaktion wird ein Beitrag von Isco Alarcón vom 13. April 2018 eingeblendet. Darin schrieb der damalige Real-Spieler: „Ein Beruf, zweierlei Maß. Beschämend.“
„Er stellt an den Pranger“: Die Aussagen über Vinícius
Der nächste Abschnitt trägt die Überschrift „Señala“. Real Madrid dokumentiert darin mehrere öffentliche Aussagen Castaños über Vinícius Júnior. In einem gezeigten Studioausschnitt erklärt der Journalist: „Vinícius ist nicht zu helfen. Diesem Junge ist nicht zu helfen.“
Ein weiterer Ausschnitt enthält eine deutlich schärfere Formulierung: „Wenn auf der Tribüne ein Idiot sitzt, darf derjenige auf dem Platz nicht selbst zum Idioten werden.“
Danach spielt das Video eine Vorschau Castaños auf ein bevorstehendes Derby ein. Darin sagt er: „Es wird sehr hitzig. Ich habe das Gefühl, dass es im Spiel Vorfälle geben wird; es wird ein hitziges Derby. Hoffentlich trägt Vinícius dazu bei, dass es ruhig und gelassen bleibt.“
Real Madrid ordnet diese Aussagen nicht als einzelne sportliche Kritik ein. Durch die Zusammenstellung will der Klub zeigen, dass Vinícius von Castaño wiederholt persönlich herausgestellt und mitverantwortlich für eine mögliche Eskalation gemacht worden sei. Visuell verbindet das Video diese Tonaufnahmen mit unterschiedlichen Studioformaten, einem vertikal produzierten Clip über Castaños Kritik an Vinícius sowie Bildern des brasilianischen Angreifers.
„Er schikaniert“: Aussagen über Madrid-Fans und Frauenfußball
Unter der Überschrift „Hostiga“ erweitert Real Madrid seine Kritik über den unmittelbaren Fußballbetrieb hinaus. Zunächst wird ein Gespräch über Real-Madrid-Anhänger in Katalonien gezeigt.
In dem Ausschnitt fällt die Frage: „Hast du irgendeinen Freund, der Madrid-Fan ist, oder keinen einzigen? Ich meine, im Dorf.“ Darauf folgt die Bemerkung, falls es einen solchen Freund gebe, sei dieser wohl „ein wenig auf Abwege geraten“.
Der Sprecher des Videos wertet dies als abfällige Bezeichnung katalanischer Real-Madrid-Fans. Die Formulierung wird im Clip ausdrücklich als Beispiel dafür verwendet, dass Castaño Personen wegen ihrer Nähe zum Klub herabsetze.
Anschließend zeigt Real Madrid mehrere Interview- und Studiobilder aus dem Umfeld der spanischen Nationalmannschaften. In einem Gespräch über Gegentore wird gefragt, ob einer der Bälle haltbar gewesen sei. Die Antwort zum dritten Treffer wird mit dem Frauenfußball in Verbindung gebracht. Real Madrid präsentiert den Ausschnitt als Spott über den Frauenfußball.
Darauf folgt ein Interview mit einer spanischen Nationalspielerin. Castaño fragt darin, warum sie „Atenea del Caudillo“ genannt werde. Als Begründung wird ein Foto im Valle de los Caídos genannt. Im weiteren Verlauf fällt die Frage, ob sie besonders „facha“, also stark rechtsgerichtet, sei. Das Video zeigt ihre Reaktion und wechselt danach erneut zu älteren Aufnahmen Castaños.
Streit um die Betreuung von Kindern
Einen weiteren Schwerpunkt bildet eine frühere Radioaussage über Fußballer und die Betreuung ihrer Kinder. Castaño sagt darin: „Fußballer können nachts nicht aufstehen, um sich um ihre Kinder zu kümmern.“
Auf die überraschte Reaktion eines Kollegen antwortet er: „Ich meine das vollkommen ernst. Ein Fußballer lebt auch von seiner Erholung. Wenn man einem Fußballer den Schlaf nimmt …“
Als ein anderer Teilnehmer einwendet, dass dies auch für Journalisten gelten müsse, unterbricht Castaño mit einem mehrfachen „Nein, nein, nein“. Real Madrid hebt hervor, dass bereits die anderen Personen im Studio der Aussage unmittelbar widersprachen.
Danach wird eine ausführliche Social-Media-Reaktion der spanischen Olympiamedaillengewinnerin und Mutter Ana Peleteiro eingeblendet. Der erste Satz ist gelb markiert: „Wie gefährlich es ist, eine persönliche Entscheidung in eine allgemeingültige Wahrheit zu verwandeln.“
In dem vollständig gezeigten Text erklärt Peleteiro, Schlafmangel beeinträchtige die Leistungsfähigkeit eines Fußballers ebenso wie die einer olympischen Athletin, eines Arztes, einer Unternehmerin, eines Lehrers, einer Pflegekraft oder anderer Berufstätiger. Müdigkeit unterscheide weder zwischen Berufen noch zwischen Gehältern.
Peleteiro schreibt außerdem, manche Eltern entschieden sich bewusst dafür, nachts für ihre Kinder aufzustehen, und seien trotzdem auf ihr höchstes Leistungsniveau zurückgekehrt. Sie selbst habe dies nach ihrer ersten Tochter getan und tue es nach ihrem zweiten Kind erneut. Jede Mutter und jeder Vater könne die eigene Kinderbetreuung frei organisieren. Nicht zu rechtfertigen sei jedoch die pauschale Behauptung, ein Fußballer könne sich wegen seiner beruflichen Leistungspflicht nicht um sein Kind kümmern. Man könne ein präsenter Vater sein und zugleich auf höchstem Niveau Leistungen erbringen.
Das Video endet mit der vollständigen Umkehr des Vorwurfs
Zum Abschluss zeigt Real Madrid erneut Aufnahmen Castaños aus dem Radiostudio sowie eine kurze Fotomontage. Darunter befindet sich auch ein Gruppenfoto vor einem offenen Grill, auf dem das Gesicht einer Person verpixelt wurde.
Der Sprecher bezeichnet Castaño als einen allgemein bekannten Journalisten, der anderen weiterhin Lektionen erteile. Bevor er dies tue, müsse er jedoch zunächst in den eigenen Spiegel schauen.
Die Schlussformulierung greift die vier anfänglichen Vorwürfe noch einmal auf und richtet sie vollständig gegen den Journalisten: „Er lügt, manipuliert, stellt an den Pranger und schikaniert.“
Damit macht Real Madrid unmissverständlich deutlich, dass das Video nicht nur eine Richtigstellung zu einer einzelnen Aussage sein soll. Der Klub präsentiert eine umfassende Gegenanklage und verwendet dafür bewusst dieselben Begriffe, mit denen Castaño zuvor Real Madrid TV beschrieben hatte.
RMXpress Fazit
Real Madrid antwortet Juanma Castaño nicht mit einer kurzen Mitteilung, sondern mit einer sorgfältig aufgebauten, offensiven Videomontage. Die Struktur ist klar: Erst werden der „ABC“-Artikel, Castaños Entschuldigung und seine fortgesetzte Kritik an Real Madrid TV gezeigt. Danach versucht der Klub, jeden seiner vier Vorwürfe anhand älterer Aussagen, Spielausschnitte und öffentlicher Reaktionen gegen ihn selbst zu wenden.
Besonders deutlich ist die Gegenüberstellung seiner Kommentare zu Real Madrids Weiterkommen gegen Juventus und Barcelonas Aufholjagd gegen Paris Saint-Germain. Hinzu kommen die Aussagen über Vinícius, katalanische Madrid-Fans, den Frauenfußball sowie die Betreuung von Kindern durch Profifußballer.
Das Video ist keine neutrale Dokumentation, sondern eine gezielte mediale Antwort des Klubs. Real Madrid will nicht nur eine konkrete Darstellung zurückweisen, sondern Castaños Glaubwürdigkeit grundsätzlich infrage stellen. Die Botschaft lautet: Wer Real Madrid TV Lüge, Manipulation, Anprangerung und Schikane vorwirft, muss sich nach Ansicht des Klubs dieselben Fragen über die eigenen öffentlichen Aussagen gefallen lassen.
