CTA: Kang-in Lee hätte vom Platz gestellt werden müssen
Die Schiedsrichterleistung im Madrider Derby bleibt eines der großen Themen nach der Partie im Metropolitano. Nach Informationen der AS hat der technische Schiedsrichterausschuss CTA (Comité Técnico de Árbitros) die zentralen strittigen Szenen intern bewertet.
Bei der Aktion von Kang-in Lee gegen Federico Valverde fällt die Einschätzung demnach eindeutig aus: Der Atlético-Spieler hätte Rot sehen müssen.
Kang-in traf Valverde kurz vor der Pause mit den Stollen am linken Knöchel. Ortiz Arias ahndete die Aktion nicht einmal mit einer Gelben Karte, auch vom VAR erfolgte keine Intervention.
Besonders brisant: Real Madrid bestätigte nach der Partie bei Valverde ein „schweres Trauma am linken Knöchel“. Weitere Untersuchungen sollen Aufschluss über das genaue Ausmaß der Verletzung geben. Damit bestätigt die interne Bewertung des CTA zumindest bei dieser Szene die Kritik, die José Mourinho unmittelbar nach dem Derby geäußert hatte.
Cuti Romero: CTA bewertet die Situation weniger eindeutig
Anders fällt die Bewertung beim Zweikampf zwischen Cuti Romero und Jude Bellingham aus. Ortiz Arias hatte zunächst sogar Bellingham eine Gelbe Karte gezeigt, obwohl Romero das Foul begangen hatte. Der VAR schaltete sich daraufhin ein.
Nach Ansicht der Videoassistenten bestand neben der Verwechslung offenbar auch die Möglichkeit eines Platzverweises. Ortiz Arias überprüfte die Szene am Monitor, korrigierte die persönliche Strafe allerdings lediglich auf Gelb gegen Romero.
Nach den vorliegenden Informationen sieht der CTA diese Situation als schwieriger zu bewerten an und entlastet den Schiedsrichter aufgrund der nicht eindeutigen Szene zumindest teilweise.
Mourinho hatte nach der Partie eine andere Auffassung vertreten und sowohl diese Aktion als auch das Foul an Valverde als klare Rote Karten bezeichnet.
Huijsens Platzverweis laut CTA korrekt
Bei der dritten großen Entscheidung des Derbys kommt der CTA wiederum zu einer klaren Bewertung. Die Rote Karte gegen Dean Huijsen wird als korrekt angesehen. Der Real-Verteidiger hielt Giuliano Simeone im Strafraum fest, ohne dabei eine realistische Möglichkeit zu haben, den Ball zu spielen. Ortiz Arias entschied zunächst auf Elfmeter und Gelb. Diesmal griff der VAR ein. Nach Ansicht der Bilder am Monitor korrigierte Ortiz Arias die persönliche Strafe und stellte Huijsen vom Platz.
Grimaldo verwandelte den anschließenden Strafstoß zum 1:0. Für den CTA war die Intervention in diesem Fall richtig.
Damit ergibt sich bei den drei großen Entscheidungen ein gemischtes Bild: Fehler bei Kang-in Lee, eine diskutierbare Situation bei Romero und eine korrekte VAR-Korrektur bei Huijsen.
Ortiz Arias erwischt schwierigen Nachmittag im Metropolitano
Für Ortiz Arias war das Derby eine große Bewährungsprobe. Der Schiedsrichter hatte nach starken Leistungen in der vergangenen Saison und zu Beginn der neuen Spielzeit eines der größten Spiele in LaLiga übertragen bekommen. Doch gerade bei den entscheidenden Situationen benötigte er mehrfach die Unterstützung des VAR – und beim Foul von Kang-in Lee blieb diese komplett aus.
Die Partie war von Beginn an intensiv geführt worden und entwickelte spätestens nach den umstrittenen Szenen der ersten Halbzeit eine enorme emotionale Dynamik. Beim Gang in die Kabinen kam es sogar zu Auseinandersetzungen zwischen Spielern und Mitgliedern der beiden Trainerteams. Nach der Pause wurden Pedro Machado aus Mourinhos Trainerstab und Atléticos Torwarttrainer Pablo Vercellone des Innenraums verwiesen.
Real Madrid TV mit massiver Kritik
Auch Real Madrid TV reagierte nach der Partie außergewöhnlich scharf. Der Klubkanal stellte insbesondere die Frage in den Mittelpunkt, wie sich das Spiel entwickelt hätte, wenn Atlético in der ersten Halbzeit tatsächlich in Unterzahl geraten wäre. Die Argumentation entsprach dabei weitgehend der späteren Kritik Mourinhos. Real Madrid TV warf dem Schiedsrichterwesen eine unterschiedliche Bewertung vergleichbarer Aktionen vor und erklärte, dass die Entscheidungen eine rein sportliche Analyse des Derbys erheblich erschwert hätten. Besonders die nicht geahndete Aktion gegen Valverde stand dabei im Mittelpunkt. Der Klubkanal verwendete in seiner Reaktion teilweise ausgesprochen drastische Formulierungen und äußerte grundsätzliche Kritik an der aktuellen Situation im spanischen Schiedsrichterwesen. Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Position des offiziellen Klubsenders von Real Madrid – nicht um eine unabhängige Feststellung einer systematischen Benachteiligung.
Im offiziellen Spielbericht von Real Madrid auf der Webseite heißt es: „Real Madrid verlor im Metropolitano ein Derby, das von der miserablen Schiedsrichterleistung von Ortiz Arias geprägt war, der in der ersten Halbzeit weder Cuti Romero wegen eines Tritts auf Bellinghams Knie (obwohl er sich die Szene auf dem Monitor ansah) noch Kang-In Lee wegen eines Tritts auf Valverdes linken Knöchel vom Platz verwies. Beide Entscheidungen prägten die Partie, die sich in der zweiten Halbzeit zugunsten von Atlético entschied.“
José Mourinho hatte seine Pressekonferenz nach der Niederlage fast vollständig dem Schiedsrichterthema gewidmet. Der Portugiese zeigte den Journalisten sogar ausgedruckte Bilder der beiden Zweikämpfe gegen Bellingham und Valverde und sagte: „Das sind für mich zwei klare Rote Karten.“
Zumindest hinsichtlich des Fouls von Kang-in Lee deckt sich diese Bewertung nun mit der beim CTA berichteten Einschätzung. Bei Romero bleibt die Situation dagegen umstritten. Auch Mourinho selbst hatte die korrekte Bewertung der Huijsen-Szene unmittelbar nach Abpfiff noch offengelassen, weil er die Wiederholung zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen hatte.
RMXpress Fazit
Die Aufarbeitung des Derbys zeigt, warum die Schiedsrichterdiskussion nach dem Abpfiff nicht sofort beendet war. Die entscheidende neue Information ist dabei klar: Nach der beim CTA berichteten Bewertung hätte Kang-in Lee für sein Foul an Federico Valverde vom Platz gestellt werden müssen.
Die Situation wiegt zusätzlich schwer, weil Valverde bei genau dieser Aktion eine Verletzung am linken Knöchel erlitt. Gleichzeitig gehört zur vollständigen Betrachtung auch, dass der CTA nicht jede Kritik Real Madrids bestätigt. Die Romero-Szene wird weniger eindeutig bewertet und der Platzverweis gegen Huijsen als korrekt angesehen. Genau diese Differenzierung ist entscheidend.
Das Derby bleibt von mehreren problematischen Schiedsrichterentscheidungen geprägt – aber nicht jede Entscheidung fiel nach der internen Bewertung des CTA gegen Real Madrid falsch aus.
