Mourinho über den Sieg, das hohe Tempo und die vielen vergebenen Chancen
Schon bei Realmadrid TV machte Mourinho deutlich, dass ihm die erste Halbzeit deutlich besser gefallen hatte als die zweite.
Über die drei Punkte und den Spielverlauf: „Diese drei Punkte sind fundamental. Vor allem nach der Niederlage im letzten Ligaspiel. Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit praktisch entschieden, in der zweiten waren wir nicht mehr brillant. Aber das ist nicht einfach. So zu arbeiten, wie wir nach dem Champions-League-Spiel gearbeitet haben, kostet viel. Es geht nicht nur um die körperliche, sondern auch um die mentale Belastung. Wir haben einige Spieler verändert, wollten Stabilität im Mittelfeld und haben sie gefunden. Die Spieler verdienen meinen Respekt und meinen Applaus.“
Mourinho sieht in seiner Mannschaft weiterhin ein Team, das sehr schnell nach vorne spielt und dadurch viele Chancen produziert – aber eben auch viele liegen lässt.
Über 26 Abschlüsse und 14 Heimtore: „Wir schießen viele Tore, aber wir vergeben auch unglaublich viele Chancen. Wir können ein Spiel kontrollieren, aber wir sind gleichzeitig eine hektische Mannschaft. Wir gewinnen den Ball zurück und beschleunigen sofort. Je schneller du spielen willst, desto schwieriger wird es natürlich auch. Irgendwann wird eine Mannschaft für all diese vergebenen Chancen bezahlen und dann werden sechs oder sieben von ihnen reingehen. Ich bin mit dem Sieg zufrieden.“
Auch die Belastung einzelner Spieler hatte Mourinho im Blick.
Über die körperliche Situation: „Man hat gesehen, wie Jude das Spiel beendet hat, auch Dumfries und Konaté. Ich kann nicht zehn Spieler wechseln. Valverde habe ich vorsorglich rausgenommen. Er hatte etwas an der Achillessehne und wir mussten ein bisschen steuern. Drei Tage nach einem sehr anspruchsvollen Spiel haben wir trotzdem gewonnen.“
Das hohe Pressing bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil von Mourinhos Idee.
Über die Tore nach Ballgewinnen: „Das gefällt mir sehr. Aber man kann nicht in jedem Spiel permanent hoch pressen. In einer Partie wie heute funktioniert es. Ich habe bisher noch keine Mannschaft gesehen, die überhaupt keine talentierten Spieler hat. Natürlich wird dich jeder Gegner irgendwann in Gefahr bringen oder ein Tor machen. Aber unser Sieg war verdient.“
Güler, Diomande und die Konkurrenz im Kader
In der Pressekonferenz wurde Mourinho auf Arda Gülers starken Auftritt nach seiner Einwechslung angesprochen.
Über Arda Güler: „Ich stimme zu. Wenn er auf dem Platz steht, spielt er sehr viel Fußball. Aber ich bin zu hundert Prozent sicher: Wenn Diomande heute nicht in der Startelf gestanden hätte, wäre die erste Frage gewesen, wann Diomande endlich spielt. Auf unserer Bank saßen – abgesehen von den Verletzten – praktisch alle Spieler, und wenn du hinschaust, siehst du überall Qualität. Diese Fragen werden von Spiel zu Spiel kommen. Arda ist sehr gut, Brahim hat gegen Inter sehr gut gespielt, Diomande arbeitet daran, besser zu werden, und ich werde weiter auf Vinícius setzen, bis er wieder seine beste Version erreicht. Unser Kader ist stark. Güler hat sehr viel Qualität und hat nach seiner Einwechslung einen großen Unterschied bei der Stabilität unseres Spiels gemacht.“
Arda Güler
Mittelfeld
11Spiele
3Tore
4Assists
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Auch bei Yan Diomande wollte Mourinho keine vorschnellen Erwartungen wecken.
Über Diomandes Startelfdebüt: „Ich bin inzwischen etwas zu alt, um bei solchen Dingen Druck zu empfinden. Als Trainer hast du unterschiedliche Arten von Kadern. Bei manchen musst du beten, dass sich niemand verletzt, bei anderen hast du sehr viele Lösungen. Diomande wird sich weiter verbessern. Er hat noch sehr wenig Erfahrung im europäischen Spitzenfußball und muss noch viel lernen. Aber sein Potenzial ist deutlich zu sehen. Er ist ein sehr starker Spieler und gibt uns viele Möglichkeiten. Er kann rechts spielen, er kann auf der Seite von Vinícius spielen. Ich muss Entscheidungen treffen. Bei ihm möchte ich besonders sehen, wie er sich entwickelt, weil ich bei den anderen schon ziemlich genau weiß, was sie leisten können.“
Yan Diomande
Angriff
11Spiele
2Tore
3Assists
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Vinícius, die zweite Halbzeit und Mourinhos Geduld
Mourinho erklärte den deutlichen Leistungsabfall nach der Pause vor allem mit der Belastung.
Über den Einbruch in der zweiten Halbzeit: „Im Grunde war es ein Spiel über 45 Minuten. Mehr Geschichte hatte es nicht. Die Mannschaft hatte weder körperlich noch mental die Kraft, genauso weiterzuspielen wie in der ersten Halbzeit. Es fehlte Energie – und damit meine ich nicht nur körperliche Energie. Dann machst du mehr Fehler, das Pressing wird schwieriger, der Block steht tiefer und du lässt den Gegner näher an dein Tor kommen. Nach dem Champions-League-Spiel wusste ich, dass es ein bisschen so werden könnte. Deshalb war die Idee, sehr stark zu beginnen und das Spiel früh zu entscheiden. Genau das haben wir geschafft.“
Generell sieht Mourinho keinen Grund zur Sorge.
Über den Entwicklungsstand seiner Mannschaft: „Ich bin zufrieden. Wir arbeiten seit drei Monaten zusammen, aber wir hatten nicht einmal die ganze Zeit alle Spieler zur Verfügung. Du kannst in drei Monaten keine Perfektion aufbauen – und Perfektion gibt es im Fußball ohnehin nicht. In dem, was wir aktuell machen, steckt sehr viel Positives. Und natürlich werden wir immer versuchen, besser zu werden.“
Besonders ausführlich sprach Mourinho erneut über Vinícius.
Über Vinícius: „Körperlich ist er besser als je zuvor. Ihm fehlt nur noch ein Millimeter bis zu seiner maximalen Geschwindigkeit. Er kann diese intensiven Läufe wiederholen und befindet sich in einem Prozess, den er sehr gut annimmt. Mental ist er ein sehr starker Junge. Er kennt diesen Klub perfekt und hat hier immer unter großer Verantwortung gespielt. Er ist ruhig, kennt seinen Körper und kommt immer näher. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem es um Assists geht und darum, seinen Kopf dazu zu bringen, sein eigenes Spiel noch besser zu interpretieren.“
Mourinho erklärt Cucurellas späte Einwechslung
Kurz vor Schluss brachte Mourinho Marc Cucurella für Álvaro Carreras.
Über den Wechsel in den letzten Minuten: „Ich möchte immer mit der größtmöglichen Tordifferenz gewinnen. Aber wenn es 3:1 steht und der Außenverteidiger von Rayo noch die Qualität hat, dir Probleme zu bereiten, dann war für mich der Moment gekommen, die Tür zu schließen.“
RMXpress Fazit
Mourinho war nach dem 4:1 zufrieden, aber keineswegs euphorisch. Die erste Halbzeit entsprach deutlich eher seiner Vorstellung: hohes Pressing, viele Ballgewinne, Tempo und klare Offensivaktionen. Danach verlor Real Madrid an Energie und Kontrolle. Gleichzeitig machte der Portugiese deutlich, wie viel Qualität er inzwischen zur Verfügung hat. Güler, Brahim, Diomande und Vinícius konkurrieren um Rollen, Bernardo stabilisiert das Zentrum und selbst bei einem klaren Sieg denkt Mourinho schon an Belastung und Steuerung.
Seine vielleicht wichtigste Aussage betrifft aber die Chancenverwertung: Real Madrid produziert weiterhin enorm viel. Wenn diese Effizienz irgendwann gleichzeitig mit dem hohen Tempo kommt, könnte tatsächlich der Abend entstehen, von dem Mourinho spricht – einer, an dem sechs oder sieben Tore fallen.
La Liga
5. Spieltag
Real Madrid
4:1
Rayo Vallecano
