Courtois über Inter, die Spielkontrolle und Çalhanoğlu
Thibaut Courtois gehörte gegen Inter erneut zu den entscheidenden Spielern. Der Belgier machte deutlich, wie ausgeglichen die Partie aus seiner Sicht war.
Über das Spiel: „Wir haben gegen einen großartigen Gegner gespielt. Inter ist eine der besten Mannschaften Europas. Heute hätte das Spiel in beide Richtungen gehen können. Wir haben ihre Fehler ausgenutzt und sie haben erst sehr spät getroffen.“
Courtois kritisierte vor allem die Phasen, in denen Real Madrid nach Ballverlusten immer wieder große Wege nach hinten machen musste.
Über die Spielkontrolle: „Wenn man keine klare Chance findet, ist es besser, den Ball zu halten und Schritt für Schritt weiterzuspielen. Wenn du ihn sofort wieder verlierst, musst du jedes Mal zurücksprinten.“
Grundsätzlich sieht der Torhüter die Mannschaft dennoch auf einem guten Weg.
Über die aktuelle Form: „Wir sind ziemlich gut unterwegs. Das Spiel gegen Betis hätten wir gewinnen können. Und auch heute hätten wir gewinnen können. Trotzdem gibt es immer Dinge, die wir verbessern müssen.“
Auch bei einem gefährlichen Freistoß von Hakan Çalhanoğlu zeigte Courtois, wie intensiv er sich auf Standardsituationen vorbereitet.
Über den Freistoß von Çalhanoğlu: „Ich hatte einmal Pech, als Rashford mir in einem Clásico so ein Tor geschossen hat. Bei der Weltmeisterschaft gegen Spanien wusste ich bei Lamine ebenfalls, dass er auf meine Seite schießen würde. Bei Çalhanoğlu habe ich deshalb dasselbe gedacht. Wenn er den Ball über die Mauer bekommt, musst du am Ende einfach applaudieren.“
Valverde über die schwache zweite Halbzeit und Mourinhos Plan
Federico Valverde wurde nach dem Spiel zum MVP ausgezeichnet, wollte die Ehrung aber nicht zu hoch hängen.
Über seine MVP-Auszeichnung: „Nein, das glaube ich nicht. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Diesen Preis hat Courtois genauso verdient. Er hat uns gerettet.“
Mit dem zweiten Durchgang war der Kapitän deutlich weniger zufrieden.
Über die Leistung der Mannschaft: „Wir hatten Chancen und haben in der ersten Halbzeit unser Spiel gespielt. In der zweiten Halbzeit nicht mehr. Gerade zuhause müssen wir uns stärker durchsetzen. Wir müssen mehr Ballbesitz haben und auch einmal Ruhe ins Spiel bringen, besonders damit die Spieler hinten nicht ständig laufen müssen.“
Mourinho hatte genau das in der Pause gefordert.
Über Mourinhos Vorgaben: „Er hat uns ganz klar gesagt, dass wir den Ball mehr haben sollen. Dass wir ruhig bleiben müssen. Das haben wir nicht gemacht. Wir müssen selbstkritisch sein. Wir wissen, dass wir eine schlechte zweite Halbzeit gespielt haben – ohne unser eigentliches Spiel.“
Auch die eigenen Chancen änderten für Valverde nichts an dieser Bewertung.
Über die vergebenen Möglichkeiten: „Wenn du deine Chancen nicht nutzt, wird es schwierig. Wir hatten Möglichkeiten, aber vieles entstand nicht aus unserem Spiel heraus, sondern aus Kontern oder Fehlern des Gegners. Wir hatten Chancen, aber wir haben sehr gelitten.“
Ballon d’Or und Reaktion der Fans
Beim Thema Ballon d’Or stellte Valverde den Mannschaftsgedanken in den Vordergrund.
Über die Real-Madrid-Kandidaten: „Ich hoffe, dass einer von uns gewinnt. Immer. Ich bin glücklich, meinen Teil dazu beitragen zu können.“
Auch die Nervosität im Bernabéu während der Schlussphase konnte er nachvollziehen.
Über die Reaktion der Fans: „Sie haben vollkommen recht. Wir müssen uns verbessern und klarer wissen, was wir tun wollen.“
Huijsen fordert mehr Cleverness – und lobt Courtois
Dean Huijsen griff nach der Partie einen Punkt auf, den Mourinho zuletzt selbst mehrfach angesprochen hatte: Real Madrid müsse in bestimmten Situationen wettbewerbsfähiger und cleverer werden.
Über die Cleverness in Zweikämpfen: „Wir müssen wettbewerbsfähiger sein. Es gibt kleine Fouls, bei denen die Gegner sehr viel daraus machen und wir Gelbe Karten bekommen. Wenn wir gefoult werden, stehen wir dagegen sofort wieder auf – und dann gibt es keine Gelbe Karte.“
Großes Lob hatte der Innenverteidiger für Thibaut Courtois übrig.
Über Courtois: „Thibaut Courtois ist mit großem Abstand der beste Torhüter der Welt. Da gibt es für mich keine Diskussion.“
Auch beim Ballon d’Or wurde Huijsen auf Kylian Mbappé angesprochen.
Über Mbappés Chancen auf den Ballon d’Or: „Ich weiß es nicht, ich bin kein Wähler. Aber ich glaube, dass er sehr gute Chancen hat. Wir wissen alle, wie besonders er ist und welche Qualität er besitzt. Hoffentlich schießt er weiterhin viele Tore für uns.“
Bellingham selbstkritisch – und begeistert von Mourinho
Jude Bellingham zeigte sich trotz des Sieges selbstkritisch. Der Engländer ärgerte sich insbesondere über seine eigenen vergebenen Möglichkeiten.
Über die Chancenverwertung: „Wir haben heute unglaublich viele Chancen kreiert. Ich selbst habe zwei ganz klare Möglichkeiten vergeben. Am Ende muss ich den Ball einfach ins Tor bringen.“
Eine seiner großen Chancen erklärte Bellingham im Anschluss genauer.
Über seinen Fehlschuss nach Brahims Hereingabe: „Brahim hat den Ball über den Torhüter gelupft und ich konnte ihn nicht richtig sehen. Er kam sehr hoch und ich habe zu viel darüber nachgedacht, ob ich ihn mit dem Kopf nehmen soll oder nicht. Aber der Torhüter hat das auch sehr gut gemacht.“
Im Gespräch mit Peter Schmeichel sprach Bellingham außerdem ausführlich über die Arbeit unter José Mourinho.
Über Mourinho: „Es ist großartig. Er und sein Trainerstab leisten fantastische Arbeit dabei, Standards auf und neben dem Platz zu setzen.“
Auf die Nachfrage, was er damit konkret meine, wurde Bellingham deutlicher.
Über Mourinhos Standards: „Es geht um die Werte und darum, wie seine Mannschaft aussehen soll. Wir verstehen, was er von uns erwartet, und jeder zieht mit.“
Trotz des Sieges blieb auch Bellinghams Gesamtfazit gemischt.
Über die Leistung gegen Inter: „Wir haben etwas zu viele Chancen zugelassen, aber insgesamt glaube ich, dass wir ziemlich gut gespielt haben. Das ist auch ein Verdienst des Trainers. Beide Tore entstanden durch hohes Pressing auf den Ball – etwas, das wir früher vielleicht nicht so gut gemacht haben. Es gibt viele positive Dinge, aber trotzdem fühlt es sich ein bisschen bitter an.“
Mbappé über Mourinho, die Champions League und seinen Traumklub
Auch Kylian Mbappé sprach nach der Partie über Mourinhos Einfluss und machte deutlich, welche Bedeutung Real Madrid und die Champions League für ihn haben.
Über José Mourinho: „José Mourinho gibt dir wirklich das Gefühl, lebendig zu sein. Er gibt dir das Gefühl, besonders zu sein und aktiv an deiner Arbeit beteiligt zu sein. Er erzeugt sehr viel Druck und sehr viel Intensität – auf dem Platz und außerhalb. Er spricht viel mit den Spielern und sagt uns ganz genau, was er von uns erwartet. Wenn ein Trainer dir dieses Vertrauen gibt, willst du ihn nicht enttäuschen und willst dein Bestes geben.“
Für Mbappé steht dabei ein Ziel über allem.
Über die Champions League mit Real Madrid: „Es ist für mich sehr wichtig, hier mit Real Madrid die Champions League zu gewinnen. Ich will das mehr als alles andere.“
Auch den persönlichen Vergleich mit dem Ballon d’Or beantwortete er eindeutig.
Über Champions League oder Ballon d’Or: „Die Champions League mit Real Madrid zu gewinnen, ist mir wichtiger als der Ballon d’Or.“
Seine Verbindung zum Klub fasste Mbappé besonders knapp zusammen.
Über Real Madrid: „Ich spiele für den Klub meiner Träume.“
Und auch für die laufende Saison richtet er den Fokus klar auf das Kollektiv.
Über die Ziele der Mannschaft: „In diesem Jahr wollen wir als Kollektiv arbeiten, als echte Mannschaft. Wir wollen besondere Dinge erreichen. Die vergangene Saison war schwierig, aber ich hoffe, dass wir in diesem Jahr als Team um unsere Ziele kämpfen werden.“
RMXpress Fazit
Courtois und Valverde zeichneten nach dem Sieg bereits ein ähnliches Bild: Real Madrid gewann, ohne die Leistung schönzureden.
Mit Huijsen und Bellingham wird diese Analyse noch deutlicher. Die Mannschaft sieht selbst, dass sie zu viele Chancen zugelassen hat, in einzelnen Situationen cleverer auftreten muss und vor dem Tor effizienter werden kann.
Gleichzeitig zeigen Bellinghams Aussagen, dass Mourinhos Einfluss intern bereits deutlich spürbar ist. Seine Vorstellungen von Intensität, Pressing und Verhalten auf wie neben dem Platz scheinen bei der Mannschaft angekommen zu sein.
Dass beide Tore gegen Inter nach hohem Druck entstanden, passt genau zu dieser Entwicklung.
Der Champions-League-Start ist gelungen, doch die Stimmen aus der Kabine machen klar: Das Ergebnis stimmt, der Anspruch liegt trotzdem höher.
