Diomande erfüllt Mourinhos gesuchtes Spielerprofil
Die hohe Ablöse und der damit verbundene Erwartungsdruck auf Diomande waren eines der zentralen Themen des Gesprächs. Mourinho betont, dass er bei seiner Ankunft keine konkreten Spieler gefordert habe. Zwischen seinen Vorstellungen und den Planungen des Vereins habe jedoch von Beginn an große Übereinstimmung bestanden.
Über seine Einbindung in die Transferplanung: „Nein, ich habe niemanden verlangt. Ich bin gekommen, ohne jemanden zu fordern, habe den Kader genau analysiert und wusste, was ich mir wünschen würde. Gleichzeitig kannte ich ein wenig die Dinge, die in der vergangenen Saison passiert waren. Ihr von ‚El Chiringuito‘ habt die Informationen bis nach Lissabon gebracht, und eine Minute später wusste ich, was passiert war und was nicht. Ich wollte mit viel Wissen ankommen, mich aber so verhalten, als wüsste ich nichts. Ich wusste, was ich wollte, wollte jedoch auch erfahren, was der Verein dachte. Zwischen unseren Vorstellungen herrschte eine sehr große Übereinstimmung.“
Über die ersten Verstärkungen: „Man muss sich nur die ersten Spieler ansehen, die wir verpflichtet haben: Dumfries und Konaté. Bei allem Respekt vor diesen beiden großartigen Spielern sind sie nicht das Profil, das die Menschen sofort begeistert und die sozialen Netzwerke explodieren lässt. Aber wir brauchten sie. Wir sind immer in diese Richtung gegangen. Ohne dass ich etwas verlangen musste, entwickelten sich die Dinge ganz natürlich.“
Über Diomandes sportlichen Wert: „In dieser Situation ist es nicht einfach, einen schnellen und aggressiven Flügelspieler wie Diomande zu finden, der auf beiden Seiten spielen kann. Das ist schwierig. Außerdem ist er jung, besitzt Entwicklungspotenzial und kann viele Jahre bei Real Madrid bleiben. Als sich diese Möglichkeit ergab, wollte ich nicht analysieren, ob es um 120, 80, 40 oder 20 Millionen geht. Ich analysiere das Profil des Spielers und das, was er meiner Mannschaft geben kann. In diesem Sinne habe ich gesagt: ‚Ja, ich will ihn.‘ Ob es 120 oder 80 Millionen sind, ist nicht mehr meine Sache.“
Bernardo Silva: Qualität auf Real-Madrid-Niveau
Auch bei Bernardo Silva lässt Mourinho keinen Zweifel an seiner Überzeugung erkennen. Der Portugiese hebt besonders die taktische Intelligenz und Vielseitigkeit des Mittelfeldspielers hervor. Dass andere spanische Spitzenvereine an ihm interessiert gewesen sein sollen, habe für seine Entscheidung keine Rolle gespielt.
Über Bernardo Silvas Verhältnis zu Pep Guardiola: „Ich denke, er ist ein Spieler von Pep Guardiola. Einer von denen, in die Pep sich verliebt hat. Und wenn Pep sich in einen Spieler verliebt, bedeutet das sehr viel, denn er hat immer mit den besten Spielern der Welt gearbeitet.“
Über Bernardos Rolle bei Real Madrid: „Er bringt alles mit. Ich hoffe, dass wir wenige Probleme und viel Stabilität haben werden. Wenn wir das erreichen, ist Bernardo für mich heute ein Mittelfeldspieler. Er kann aber auch als Zehner, auf der rechten Seite oder von außen nach innen spielen. Er kann praktisch alles spielen. Er verfügt über eine außergewöhnliche Spielintelligenz und ist ein Spieler, den ich schon immer geliebt habe.“
Über das Interesse von Atlético und Barcelona: „Das hat nichts damit zu tun, dass Atlético oder Barça ihn wollten. Wir haben ihn nicht geholt, um ihn ihnen wegzunehmen und unseren Nachbarn traurig zu machen. Es war meine Überzeugung, dass Bernardo das Niveau für Real Madrid besitzt.“
Nach Kroos und Modrić soll Arda Güler den nächsten Schritt machen
Der Abgang von Toni Kroos und Luka Modrić hinterlässt zwangsläufig eine Lücke in der Spielsteuerung. Mourinho warnt davor, direkte Kopien der beiden Vereinslegenden zu suchen. Gleichzeitig traut er Arda Güler zu, sich langfristig in eine tiefere Mittelfeldrolle zu entwickeln.
Über Toni Kroos und Luka Modrić: „Es gibt nur einen Luka und nur einen Toni.“
Über die Entwicklung von Arda Güler: „Ich liebe Güler. Ich glaube, bei ihm wird etwas Ähnliches passieren wie bei Modrić oder Bernardo Silva: Du beginnst auf einer Position und beendest deine Entwicklung auf einer anderen. Du fängst als Zehner an und wirst später zu einem Achter oder Sechser. Ich denke, dass Arda sich mit seiner Entwicklung und seinem wachsenden Verständnis des Spiels in diese Richtung bewegen wird.“
Mourinho lobt die Arbeit von Flick und Deco
Trotz der Rivalität mit dem FC Barcelona äußert sich Mourinho anerkennend über die sportliche Arbeit des Konkurrenten. Besonders Trainer Hansi Flick, Sportdirektor Deco und die Mannschaft nennt er als Grundlage für den positiven Eindruck.
Über den Fußball des FC Barcelona: „Ja, ja, er gefällt mir. Sie leisten sehr gute Arbeit. Flick, Deco und natürlich die Spieler – das gefällt mir.“
Kein Platz für Lamine Yamal: „Meine Spieler sind die Besten“
Lamine Yamal erhält von Mourinho zwar ein deutliches sportliches Lob. Einen Wechsel des Ausnahmetalents nach Madrid würde der Trainer dennoch nicht anstreben. Für Mourinho genießt der bestehende Kader uneingeschränktes Vertrauen.
Über Lamine Yamal und einen möglichen Wechsel zu Real Madrid: „Nein. Er ist ohne Zweifel ein großartiger Spieler, ein junger Spieler mit einem unglaublichen Entwicklungspotenzial. Es ist nicht normal, in seinem Alter Europa- und Weltmeister zu sein. Aber wir haben einen absoluten Top-Kader. Ich würde für niemanden einen Platz freimachen. Jetzt sind es meine Spieler – und meine Spieler sind die Besten.“
Ein Anruf von Real Madrid beseitigte alle Zweifel
Mourinho beschreibt seine Rückkehr nicht als langwierige Verhandlung. Zunächst habe es lediglich Gerüchte gegeben, ehe Real Madrid tatsächlich Kontakt zu ihm aufnahm. Danach sei seine Entscheidung sofort gefallen.
Über die Kontaktaufnahme durch Real Madrid: „Zuerst gab es Gerüchte. Normalerweise gibt es zunächst einen Kontakt und danach Gerüchte über diesen Kontakt. In diesem Fall waren zuerst die Gerüchte da und danach kam der Kontakt. Als Real Madrid mich anrief, hatte das auf mich genau die Wirkung, die ich mir bei Spielern wünsche, wenn Real Madrid sie zum ersten Mal anruft. Als Madrid mich kontaktierte, war alles klar: Es war einfach, ich wollte kommen und hatte keine Zweifel.“
Warum die Rückkehr mehr als der erste Wechsel bedeutet
Für Mourinho ist die erneute Berufung nach Madrid ein besonderer Vertrauensbeweis. Bei seinem ersten Engagement kam er als amtierender Triple-Sieger. Nun sieht er seine Persönlichkeit, seine Fähigkeiten und die Erfahrungen aus der gemeinsamen Vergangenheit als ausschlaggebend an.
Über die Bedeutung einer Rückkehr: „Ich glaube, es hat eine große Bedeutung, zu einem Verein zurückzukehren. Als ich Madrid verließ und zum zweiten Mal zu Chelsea ging, war ich eigentlich auf dem Weg zu Manchester United. Dann kam Chelsea, und der Eigentümer sagte zu mir: ‚Nach all diesen Jahren und nach all diesen Trainern bist du der Beste, und ich möchte, dass du kommst.‘ Bum – das trifft dich, und dann ist alles entschieden.“
Über den Unterschied zu seinem ersten Wechsel nach Madrid: „Wenn du zu Real Madrid gehst, nachdem du das Triple und alles gewonnen hast, entsteht das Gefühl, dass Madrid dich will, weil du alles gewonnen hast. Jetzt komme ich zurück, ohne etwas gewonnen zu haben. Ich komme zurück, weil sie mich kennen und weil sie wissen, was ich beitragen kann. Ich komme nicht, weil ich das Triple gewonnen habe, sondern weil sie mich kennen. Das ist tiefgründiger. Ich bin sehr glücklich.“
Fall Negreira: Mourinho hinterfragt das Vorgehen der Justiz
Deutlich kritischer fällt Mourinhos Einschätzung zum Fall Negreira aus. Der Trainer stellt dabei seine persönliche Wahrnehmung während seiner früheren Zeit in Spanien dar. Eine rechtliche Bewertung nimmt er nicht vor, sondern verweist ausdrücklich darauf, dass der Fall bei der Justiz liege. Ob und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, ist nicht Gegenstand einer abschließenden gerichtlichen Feststellung im bereitgestellten Interviewmaterial.
Über seine frühere Wahrnehmung und den Fall Negreira: „Der Fall Negreira … der Fall Negreira liegt bei der Justiz. Warten wir ab, was die Justiz macht. Ich sage nur: Ohne damals zu wissen, dass er José María Negreira hieß, habe ich etwas gerochen, als ich hier war. Man spürte etwas Seltsames. Aber ich kannte den Namen nicht und wusste nicht, wer es war. Ob es ein Alien war – ich wusste es nicht. Aber es war seltsam. Einige Jahre später weiß man, dass es nicht seltsam war. Das Einzige, was für mich noch seltsam ist, ist die Justiz. Das ist die einzige Sache, die ich seltsam finde.“
Auf die Frage, ob Zahlungen an einen Vizepräsidenten der Schiedsrichterkommission bereits als Manipulation des Wettbewerbs anzusehen seien, verweist Mourinho auf den italienischen Calciopoli-Skandal.
Über den Umgang mit den Vorwürfen: „Man muss lediglich den Mut haben, der Sache in die Augen zu sehen. In Italien haben sie das beim Calciopoli getan.“
Die vom Interviewer daraus abgeleitete Forderung, der FC Barcelona müsse in die zweite Liga versetzt werden, übernimmt Mourinho ausdrücklich nicht. Stattdessen unterstreicht er die Bedeutung des Klubs für den spanischen Fußball.
Über einen möglichen Zwangsabstieg des FC Barcelona: „Das ist deine Schlussfolgerung. Nein, die spanische Liga muss Barça haben.“
RMXpress-Fazit
Mourinho verbindet seine Rückkehr zu Real Madrid mit einer klaren sportlichen Idee. Die Verpflichtungen von Dumfries und Konaté bezeichnet er als notwendige Schritte, Diomande bewertet er unabhängig von der Ablösesumme als passendes Zukunftsprofil. Bernardo Silva soll dem Mittelfeld Vielseitigkeit und Spielintelligenz verleihen, während Arda Güler schrittweise mehr Verantwortung in der Spielsteuerung übernehmen könnte.
Gleichzeitig demonstriert Mourinho geschlossenes Vertrauen in seinen Kader. Selbst bei einem Ausnahmetalent wie Lamine Yamal würde er nach eigener Aussage keinen Platz schaffen. Seine wichtigste Botschaft betrifft jedoch die Rückkehr selbst: Real Madrid holte diesmal keinen Trainer aufgrund eines unmittelbar zuvor gewonnenen Triples, sondern einen bekannten Charakter, von dessen Fähigkeiten der Verein weiterhin überzeugt ist.
Seine Aussagen zum Fall Negreira zeigen zugleich, dass die Kontroversen aus Mourinhos erster Amtszeit für ihn nicht abgeschlossen sind. Der Portugiese erhebt deutliche Zweifel am bisherigen Umgang mit dem Fall, vermeidet jedoch die von Josep Pedrerol nahegelegte Forderung nach einem Zwangsabstieg des FC Barcelona. Für Real Madrid bleibt entscheidend, sportliche Rivalität und noch nicht abschließend bewertete rechtliche Vorwürfe sauber voneinander zu trennen.
