Mourinho über seine Rückkehr: „Jetzt denke ich an Real Madrid, nicht an mich“
Für José Mourinho besitzt seine zweite Amtszeit bei Real Madrid eine andere Bedeutung als seine erste zwischen 2010 und 2013. Damals stand für ihn vor allem der sportliche Höhepunkt seiner eigenen Trainerkarriere im Mittelpunkt. Heute überwiegt die emotionale Verbindung zum Klub.
Über die Bedeutung von Real Madrid: „Real Madrid ist für mich aus professioneller Sicht der Höhepunkt einer Trainerkarriere und wahrscheinlich auch für jeden Spieler. Das ist die professionelle Seite. Auf der emotionalen und persönlichen Ebene bedeutet es, nach Hause zurückzukehren. Emotional ist es jetzt schöner als beim ersten Mal, weil ich damals vor allem das Gefühl hatte, den Höhepunkt einer Trainerkarriere erreicht zu haben. Jetzt kommt diese emotionale und persönliche Seite hinzu. Es ist jetzt schöner.“
Mourinho beschreibt seine Rückkehr deshalb ausdrücklich als Mission.
Über seine neue Mission: „Ich sehe es als eine Mission, weil diese emotionale und persönliche Seite vorhanden ist. Als ich 2010 gekommen bin, habe ich an mich gedacht. Ich kam zum größten Klub der Welt und wollte natürlich auch für mich selbst erfolgreich sein. Jetzt ist es anders. Jetzt möchte ich es für Real Madrid tun und nicht für mich. Natürlich hängen beide Dinge miteinander zusammen, aber die emotionale Seite wiegt stärker. Ich denke an Real Madrid, nicht an mich.“
Mourinho über Disziplin: „Ich verlange gesunden Menschenverstand“
Mourinho widerspricht dem Bild, er sei nach Madrid zurückgekehrt, um vor allem mit harter Hand für Ordnung zu sorgen. Seine Anforderungen beschreibt er vielmehr als Selbstverständlichkeiten des Profifußballs.
Über seine Erwartungen an die Spieler: „Die Leute glauben, dass ich mit dem Gedanken gekommen bin, für Disziplin zu sorgen. Nein. Ich komme mit gesundem Menschenverstand. Was ich seit dem ersten Tag von den Spielern verlange, ist gesunder Menschenverstand.“
Dazu gehören für ihn sämtliche Bereiche des professionellen Alltags.
Über Professionalität: „Die Ankunftszeiten, die Zeiten, zu denen wir gehen, die Arbeit im Fitnessstudio, unsere Arbeit auf dem Platz, die individuelle Arbeit mit taktischen Analysen – alles, was ich hinsichtlich Professionalität, Respekt vor dem Beruf und vor allem Respekt vor dem Klub verlange, ist für mich gesunder Menschenverstand.“
Mit der bisherigen Reaktion seiner Mannschaft ist Mourinho zufrieden.
Über die Akzeptanz seiner Methoden: „Ich glaube, dass sie das ebenfalls mit gesundem Menschenverstand annehmen.“
„Wir arbeiten nicht bei Real Madrid – wir arbeiten für Real Madrid“
Eine Formulierung ist für Mourinho besonders wichtig und soll seine gesamte zweite Amtszeit prägen.
Über seine wichtigste Maxime: „Ich weiß nicht, wie man das auf Spanisch sagt, aber im Portugiesischen gibt es einen Satz, der für mich sehr wichtig ist: Wir sollten nicht bei Real Madrid arbeiten, wir sollten für Real Madrid arbeiten.“
Diese Haltung möchte Mourinho nicht nur innerhalb der ersten Mannschaft verankern.
Über die Kultur in Valdebebas: „Für mich ist das eine Maxime, die wir alle aufnehmen, verstehen und jeden Tag mit uns tragen müssen. Genau das möchte ich mitbringen: für Real Madrid zu arbeiten.“
Damit knüpft Mourinho an seine Aussagen während seiner Präsentation an, als er bereits von einer neuen Kultur der Arbeit, Verantwortung und Ambition gesprochen hatte.
Mourinho über Florentino Pérez und die Dimension des Klubs
Bei der Einordnung Real Madrids lässt Mourinho keinen Raum für Zweifel. Für ihn ist die historische Stellung der Königlichen objektiv kaum diskutierbar.
Über den besten Klub der Fußballgeschichte: „Fußball ist fantastisch, weil es normalerweise Raum für viele unterschiedliche Interpretationen gibt. Wenn du nach dem besten Tor der Geschichte fragst, bekommst du tausend verschiedene Antworten. Beim besten Trainer genauso, beim besten Spieler ebenso.“
Bei Real Madrid sieht Mourinho diese Offenheit jedoch nicht.
Über Real Madrids historische Stellung: „Wenn du beim besten Klub der Fußballgeschichte ankommst und damit folgerichtig auch beim besten Präsidenten der Fußballgeschichte, gibt es keine Zweifel mehr. Aus Leidenschaft kannst du natürlich einen anderen Klub nennen, weil es der Verein ist, den du liebst. Aber pragmatisch und objektiv betrachtet ist es Real Madrid.“
Auch Florentino Pérez hob der Portugiese besonders hervor.
Über Florentino Pérez: „Wer hat die Geschichte von Real Madrid geprägt? Wir haben zwei Präsidenten, die in der Geschichte besonders wichtig sind. Dieser Präsident ist in unserer modernen Geschichte der beste Präsident.“
Mourinho über den Kader: „Wir haben keine Schwachstellen“
Besonders zufrieden zeigt sich Mourinho mit der Zusammensetzung seiner Mannschaft. Der Kader sei das Ergebnis intensiver Abstimmungen zwischen Trainerteam und Klubführung.
Über die Qualität des Kaders: „Wir haben Spieler, die gut sind, sehr gut sind und sehr, sehr gut sind. Wir haben in diesem Kader keine Schwachstellen.“
Über die Kaderplanung: „Es ist ein sehr ausgeglichener Kader, der mit sehr viel Analyse und sehr viel Kommunikation zusammengestellt wurde. Ohne Herz, ohne Emotionen und ohne Druck von außen, der Entscheidungen so häufig beeinflussen kann.“
Mourinho betont, dass sportliche und strategische Perspektiven miteinander verbunden wurden.
Über die Zusammenarbeit bei Transfers: „Wir haben keine politischen Entscheidungen getroffen. Auf der einen Seite standen ich und mein Trainerteam mit der sportlichen Analyse. Auf der anderen Seite der Präsident, José Ángel Sánchez und Juni Calafat mit einer natürlich anderen Perspektive, die unsere ergänzt.“
Mit dem Ergebnis ist der Trainer ausgesprochen zufrieden.
Über die endgültige Mannschaft: „Für mich haben wir eine Arbeit geleistet, die zu einem sehr kompletten Kader mit sehr ausgewogenen Zahlen geführt hat. Ein Spieler, der heute auf der Bank sitzt, weiß, dass er morgen spielen kann.“
Mourinho wollte bewusst keinen übergroßen Kader.
Über die Kadergröße: „Es ist kein übertriebener Kader, sondern ein ausgeglichener Kader mit zwei Spielern für jede Position innerhalb eines Spielmodells, das wir für ideal halten. Und ich mag ihn sehr.“
„Nach sechs Wochen habe ich nur ein positives Gefühl“
Entscheidend ist für Mourinho nicht allein die individuelle Qualität. Ebenso wichtig ist die tägliche Einstellung.
Über die Trainingsarbeit: „Mir gefällt auch sehr, wie sie arbeiten. Manchmal bist du sehr zufrieden mit dem Qualitätspotenzial einer Mannschaft, hast aber anschließend kein gutes Gefühl bei der täglichen Arbeit.“
Bei seiner aktuellen Mannschaft sei das Gegenteil der Fall.
Über seine ersten sechs Wochen: „Nach sechs Wochen Arbeit habe ich im Moment ausschließlich ein sehr positives Gefühl bei den Jungs.“
Diese Einschätzung deckt sich mit Mourinhos Aussagen nach dem letzten Testspiel gegen Schalke 04, als er davon sprach, dass Real Madrid zunehmend wie eine Mannschaft aussehe.
Mourinho über die Madridistas: Wembley 2024 blieb ihm in Erinnerung
Die stärkste emotionale Verbindung zu den Anhängern entstand für Mourinho nach eigener Aussage sogar erst nach seinem Abschied 2013.
Über die Beziehung zu den Fans: „Für mich war das Wichtigste die Zeit von 2013 bis heute. 2010 bis 2013 war eine unglaubliche Phase für den spanischen Fußball, aber auch eine sehr schwierige Zeit. Wenn du mitten in dieser Arbeit steckst, spürst du diese Verbindung weniger.“
Danach habe er Madridistas auf der ganzen Welt getroffen.
Über die Jahre nach seinem Abschied: „Von 2013 bis heute war es unglaublich. Natürlich findest du überall auf der Welt Madridistas. Wohin du auch gehst, gibt es Madridistas. Diesen Kontakt, diesen Respekt und diese Freundschaft habe ich von 2013 bis heute gespürt.“
Besonders prägend war für ihn das Champions-League-Finale 2024 in Wembley.
Über Wembley 2024: „Ich war dort als Kommentator für einen englischen Sender tätig und musste an den Spielfeldrand. Was ich dort gespürt habe, war unglaublich.“
Über die Reaktion der Fans: „Ich war damals nicht Trainer von Real Madrid. Ich war auch kein Real-Trainer, der eine Champions League gewonnen hatte und dadurch eine direkte Verbindung zu diesem Finale herstellen konnte. Aber die Art und Weise, wie die Menschen auf mich reagiert haben, ist bei mir geblieben. Sie hat mich geprägt.“
Mourinho über Espanyol: „Jeder Punkt zählt“
Am Samstag beginnt die sportliche Realität. Real Madrid startet auswärts beim Espanyol in die neue LaLiga-Saison.
Mourinho warnt ausdrücklich davor, die besondere Motivation eines Gegners gegen die Königlichen zu unterschätzen.
Über Espanyols Ausgangslage: „Sie haben drei Punkte mehr als wir. Sie sind sehr gut gestartet, haben gut gespielt und souverän gewonnen.“
Über Spiele gegen Real Madrid: „Ich sage immer, dass wir bei Real Madrid daran denken müssen, was es für den Gegner bedeutet, gegen Real Madrid zu spielen. Wenn wir darüber nicht nachdenken und das nicht berücksichtigen, haben wir vom ersten Moment an ein Problem.“
Seine Mannschaft müsse entsprechend vorbereitet auftreten.
Über die Einstellung zum Ligastart: „Wir müssen mit diesem Bewusstsein dorthin fahren. Wir müssen wissen, dass jeder Punkt zählt.“
Angst verspürt Mourinho allerdings nicht.
Über sein Vertrauen in die Mannschaft: „Ich habe keine Angst. Und ich habe keine Angst, weil mir die Spieler Signale geben, dass sie die Dinge gut machen wollen, seriös und mit Ehrgeiz.“
Über das Spiel im RCDE Stadium: „Sie warten auf uns. Aber wir werden ebenfalls dorthin fahren, um unsere Punkte mitzunehmen.“
„Ich will Real Madrid Gegenwart und Zukunft geben“
Zum Abschluss richtete Mourinho seinen Blick noch einmal über das kommende Spiel hinaus.
Seine Botschaft an die Madridistas: „Es ist ganz einfach: Ich bin einer von euch. Ich war es immer, seit ich gegangen bin. Und jetzt, wo ich wieder diese Verantwortung trage, könnt ihr euch vorstellen, was es für mich bedeutet, für Real Madrid zu arbeiten.“
Seine Maxime gilt dabei auch gegenüber den Fans.
Über die Bedeutung seiner Arbeit: „Das ist eine Haltung, die wir alle innerhalb von Valdebebas verfolgen und fühlen sollen: für Real Madrid zu arbeiten. Und das bedeutet, für euch zu arbeiten.“
Sportlich will Mourinho nicht nur kurzfristigen Erfolg.
Über seine Mission: „Ich möchte Real Madrid Gegenwart und Zukunft geben.“
Über seine Ziele: „Natürlich möchte ich gewinnen. Ich möchte, dass Real Madrid wieder gewinnt, denn das ist sein natürlicher Zustand.“
Gleichzeitig sieht er die Aufgabe eines Trainers langfristiger.
Über die Zukunft des Klubs: „Genauso wie bei meiner ersten Amtszeit möchte ich dieses Gefühl nicht verändern: Die Arbeit eines Trainers betrifft nicht nur den Moment. Sie bedeutet auch, die Zukunft vorzubereiten.“
