Der neue Trainer von Real Madrid spricht erstmals über Verkaufsgerüchte, seine Transferphilosophie, die Weltmeisterschaft, Lionel Messi, Carlo Ancelotti und seine Zukunft als Nationaltrainer.
José Mourinho hat sich erstmals ausführlich zu den anhaltenden Spekulationen über einen großen Kaderumbruch bei Real Madrid geäußert. Im Beast Mode On Podcast mit Adebayo Akinfenwa widersprach der neue Trainer der Königlichen den Berichten, wonach mehrere Stars den Verein im Sommer verlassen sollen. Stattdessen machte der Portugiese klar: Er will mit den besten Spielern arbeiten – und aus ihnen eine funktionierende Mannschaft formen.
Mourinho widerspricht Transfergerüchten
Seit seiner Rückkehr ins Santiago Bernabéu kursieren Gerüchte über zahlreiche prominente Abgänge. Mourinho selbst kann diese Spekulationen jedoch nicht nachvollziehen.
„Wir sollten eigentlich nicht über Real Madrid sprechen, aber ich möchte einen kleinen Punkt ansprechen. Ich habe gelesen, dass viele schreiben: ‘José Mourinho kommt und wird mehrere Topspieler verkaufen, weil es in den vergangenen Jahren Probleme gegeben haben soll.’ Nein.“
Seine Botschaft ist eindeutig.
„Ich will diese Spieler! Ich will die besten Spieler. Meine Aufgabe ist es jetzt, einen Weg zu finden, aus diesen Spielern eine Mannschaft zu machen und Probleme zu vermeiden, die es – wenn man den Berichten glaubt – in den vergangenen Jahren gegeben hat.“
Für Mourinho wäre es vielmehr alarmierend, wenn Schwierigkeiten mit durchschnittlichen Spielern entstehen würden.
„Wenn man Probleme mit nicht besonders guten Spielern hat, dann ist das ein großes Problem. Große Spieler bleiben große Spieler.“
Was Mourinho von seinen Spielern erwartet
Der 63-Jährige erklärte außerdem, welche Eigenschaften für ihn einen Weltklassespieler ausmachen.
„Qualität. Oft hört man: ‘Er hat unglaubliche Qualität, aber körperlich ist er nicht gut.’ Dann ist er eben nicht gut. Oder: ‘Er hat viel Qualität, aber ihm fehlt die Konstanz.’ Dann ist er ebenfalls kein großer Spieler.“
Für Mourinho zählt nur das Gesamtpaket.
„Ein großer Spieler ist komplett. Er muss technisch stark sein, körperlich stark sein, mental stark sein und ein Teamplayer sein. Genau das suche ich.“
Dabei sieht er auch sich selbst in der Verantwortung.
„Manchmal hat man viele solcher Spieler – das ist das Paradies. Manchmal hat man weniger und die Arbeit wird schwieriger. Ich glaube immer, dass es auch eine Qualität eines Trainers ist, Spieler in die richtige Richtung zu führen.“
Portugal gehört zu den Favoriten
Auch über die laufende Weltmeisterschaft sprach Mourinho. Für ihn zählt Portugal zu den heißesten Titelkandidaten.
„Sie sollten die Weltmeisterschaft gewinnen können. Natürlich gibt es auch andere Favoriten.“
Neben seiner Heimat nannte er erneut England als Anwärter.
„Ich sage seit Jahren, dass England das Finale erreichen kann. Schon seit der Generation mit Lampard, Gerrard, Terry, Ferdinand und Beckham glaube ich daran. Ich sage es jedes Mal – auch wenn es am Ende oft nicht passiert.“
„Die besten Spieler spielen in England“
Warum Mourinho England weiterhin große Chancen einräumt, erklärte er ausführlich.
„Arsenal stand im Champions-League-Finale, Crystal Palace hat die Conference League gewonnen, Aston Villa die Europa League. Abgesehen von Barcelona, Bayern, Real Madrid und Paris Saint-Germain spielen die besten Spieler in England.“
Dennoch sieht er den enormen öffentlichen Druck als Problem.
„Die Medien setzen England stärker unter Druck als jedes andere Land. Erwartungen und Verantwortung werden dadurch riesig. Oft konnten sie damit nicht umgehen. Trotzdem glaube ich jedes Mal wieder, dass sie Weltmeister werden können.“
Lob für Frankreich und Carlo Ancelotti
Besonders beeindruckt zeigt sich Mourinho von Frankreichs Kader.
„Frankreich könnte drei verschiedene Mannschaften aufstellen und wäre mit allen ein Titelkandidat.“
Auch Spanien, Argentinien und Brasilien zählt er zum Favoritenkreis. Vor allem Carlo Ancelotti traut er viel zu.
„Ein Trainer wie Carlo macht den Unterschied. Nach einem schlechten Spiel oder einem Unentschieden herrscht überall Panik – aber nicht bei Carlo. Ich glaube immer, dass er den Unterschied ausmachen kann.“
Scherz über seine Real-Stars
Natürlich verfolgt Mourinho die Leistungen seiner Spieler bei der Weltmeisterschaft ganz genau. Trotzdem verriet er augenzwinkernd, worauf er sich am meisten freut.
„Ich möchte, dass die Spieler von Real Madrid verlieren und in den Urlaub fahren, weil ich sie pünktlich zur Vorbereitung zurückhaben möchte.“
Messi „vollendete den Fußball“
Auch Lionel Messis WM-Triumph 2022 beeindruckte den Portugiesen nachhaltig.
„Messis Weltmeisterschaft… Man glaubt fast an die Fußballgötter. Ein Spieler mit einer solchen Karriere durfte diesen Titel einfach nicht verpassen. Man hatte das Gefühl, dass etwas Höheres dafür gesorgt hat, dass er die Weltmeisterschaft gewinnt.“
Erinnerungen an Maradona und Brasiliens Traum-Offensive
Auf seine schönsten WM-Momente angesprochen, erinnerte sich Mourinho sogar an die Weltmeisterschaft 1970.
„Ich war sieben Jahre alt und erinnere mich noch genau an das Finale mit meinem Vater. An Carlos Albertos Tor und an Pelés unglaubliche Vorlage.“
Besonders schwärmt er aber von Diego Maradona.
„Ich war immer ein Maradona-Typ. Es tut mir leid, England. Was er in Mexiko gemacht hat – im Guten wie im Schlechten –, war unglaublich. Das Tor gegen Belgien und das gegen England waren Wahnsinn. Nicht das Handspiel natürlich.“
Ebenso lobte er Brasiliens legendäres Offensivtrio.
„Ich erinnere mich an Ronaldo Nazário, Rivaldo und Ronaldinho. Sie spielten alle zusammen – das war etwas Besonderes.“
Nationaltrainer? Mourinho schließt nichts aus
Zum Abschluss sprach Mourinho über seine eigene Zukunft. Obwohl er den Vereinsfußball liebt, reizt ihn irgendwann auch eine Nationalmannschaft.
„Mein natürliches Zuhause ist der Vereinsfußball. Jeden Tag trainieren, drei Spiele pro Woche, mit den Spielern zusammen sein, sie verstehen, mit ihnen streiten, sie umarmen, sie küssen oder ihnen auch mal einen Tritt geben – das ist meine Welt.“
Ganz ausschließen möchte er den nächsten Karriereschritt aber nicht.
„Wenn ich die Atmosphäre einer Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft sehe, weiß ich: Das möchte ich eines Tages auch erleben. Und eines Tages werde ich das tun.“
